Stoffvermittlung bei LdL? Peter Ringeisen beschreibt den Prozess!

Peter Ringeisen Noch hinterher:
Man könnte auch sagen, dass die Stoffvermittlung der Beginn der Transformationsphase ist, die aus Vorstellung, Umwälzung und (gegenseitiger) Überprüfung besteht
Vorbereitung: Daten werden (über Komplexitätsreduktion) zu Information
Transformation:
– Die Information wird der Klasse vorgestellt
– Durch Übungen und Nachfragen wird die Information umgewälzt und die Information wird zu Wissen umgearbeitet
– Durch Nachfragen des Schüler-/Lehrer-Teams an die Klasse und durch Nachfragen der Klasse an das S-/L-Team versichert man sich gegenseitig, ob die Umarbeitung geglückt ist, und aus Einzelwissen wird kollektives Wissen (–> Flow)

Oder?

Aristoteles‘ Glücksethik

Entspricht ganz und gar dem von mir in Anlehnung an Maslow entwickelten Menschenbild.

Aus: Tom Morris, 2003,  S. 127

Anhänger der Philosophie von Aristoteles stellen sich das Glück mehr als Aktivität vor, bzw. als eine immer wiederkehrende Teilnahme an etwas, was  Erfüllung mit sich bringt. Echtes Glück und echte Erfüllung sei sozusagen ein Nebenprodukt einer Lebensweise, die der Wohlfahrt des Menschen förderlich ist. Das Glück ist an die Tugend gebunden. Das Glück entspringt der Entdeckung des eigenen Selbst, der Entwicklung der eigenen  Talente und des Einsatzes dieser Talente für den allgemeinen Nutzen anderer wie auch der eigenen Person.

Das moralisch Gute ist demnach die Eigenschaft, echtes Glück, Erfüllung im Leben und die Wohlfahrt des Menschen zu ermöglichen. Ein guter Mensch ist jemand, der das Ziel verfolgt, das Glück und die Wohlfahrt seiner selbst wie auch das der anderen zu befördern. Ein gute Handlung ist eine Handlung, die in diese Richtung zielt. Eine gute Eigenschaft des Menschen oder ein guter Charakterzug ist dasjenige Merkmal, das auf dieses Ziel gerichtete Handlungen ermöglicht.

Vernunft -> Erkenntnis -> Tugend -> Glück

Resume Ich halte mal fest, was mir bei meinem philosophischen Durchzieher auffällt.

Bei den meisten antiken Denkern bis einschließlich Boetius verläuft der Weg zum Glück nach folgendem Muster:

1. Wollen wir glücklich sein, müssen wir tugendhaft, also im Einklang mit der Natur leben. Um deren Prinzipien zu erkennen müssen wir die Realität richtig erfassen und dafür unsere Vernunft einsetzen.

2. Was bedeute aber Vernunft? Wie lässt sie sich erreichen? Bei Aristoteles ist sie für den Menschen konstitutiv. Menschsein bedeutet vernünftig sein.

3. Wollen wir unsere Vernunft einsetzen, um das Weltprinzip zu verstehen, so sind wir auf unseren Erkenntnisapparat angewiesen. Leider aber täuschen uns unsere Sinne: was wir von der Realität wahrnehmen ist nicht die Wahrheit. Das verlangt von unserem Gehirn hohe Adaptationsleistungen. Wie funktioniert unser Denken? Aristoteles versucht unsere Denkinstrumente zu beschreiben, die Art und Weise wie wir die Realität wahrnehmen und wie wir unsere Erfahrung kognitiv verarbeiten (z.B. mit Hilfe von Kategorien).

4. Das versuchen später auch u.a. Francis Bacon, Descartes und Kant.

Fazit Auf das Leben appliziert bedeutet es a) die Realität der Umgebung besser erfassen (hinter die Kulissen schauen), damit die Vernunft ein qualitativ besseres Material erhält, um b) die anstehenden Probleme zu lösen und Zufriedenheit zu erreichen.

Philosophie (3): was bleibt? ganz einfach!

Resume Seit zwei Wochen habe ich mich ausführlich mit den Vorsokratikern, teilweise auch mit Sokrates, Platon  und Aristoteles befasst. Was bleibt?

1. Die Vorsokratiker

Wir haben uns im Arbeitskreis auf Thales, Pythagoras, Heraklit und Parmenides geeinigt. Thales scheint die Wende zu einem naturwissenschaftlichen Zugang bei der Weltbetrachtung einzuleiten. Ihn interessiert besonders die Frage, welches Urprinzip hinter allem „Seienden“ steckt. Und er kommt auf das Wasser, wobei „Wasser“ alles Flüssige einschließt, z.B. auch Metalle, weil man sie durch schmelzen verflüssigen kann. Pythagoras stellt sich dieselbe Frage nach dem Ursprung, kommt allerdings nicht auf ein Element (Wasser, Luft usw.), sondern auf die Zahlen als Erklärungsprinzip für die Welt.  Ansonsten gründet er eine Religion und treibt allerlei irrationalen Unfug. Heraklit konzentriert seine Aufmerksamkeit auf den Wandel im Weltablauf (panta rhei). Die Welt entwickelt sich im Spannungsfeld von Antinomien. Parmenides sieht es ganz anders: für ihn bleibt alles gleich; wenn wir der Meinung sind, dass alles sich verändert, dann liegt es daran, dass unsere Sinne uns täuschen.

Was mache ich mit diesen Leuten? Thales gefällt mir, weil er in seinen Interpretationen als erster Abstand von Aberglaube und Religionen nimmt. Das werde ich mir merken. Pythagoras hat leider recht. Mathematik hat für das Verständnis der Welt eine herausragende Stellung. Schade, dass ich selbst so schlecht in diesem Fach war und bin. Heraklit gefällt mir besonders, weil ich ihn als Garant für einen wesentlichen Baustein meines Menschenbildes zitieren kann, nämlich meine Antinomien.  Allerdings brauche ich für mein Modell auch die Systemtheorie. Aber die kommt erst richtig mit Luhmann zur Geltung. Parmenides treibt interessante Gedankenspiele, aber dafür habe ich keine Zeit. Und dass die Sinne uns trügen können, das wusste ich schon vorher.

2. Sokrates, Platon und Aristoteles

Mit den drei habe ich mich noch nicht ausreichend befasst. Aber Sokrates lässt seine Partner durch geschickte Gesprächsführung auf ihre eigenen Widersprüche und Unsicherheiten kommen. Nicht sehr sympathisch als Vorgang, aber nützlich. Man soll seine Vorstellungen immer wieder hinterfragen, gerade wenn sie evident erscheinen. Während die Vorsokratiker sich vor allem mit Physik befasst haben, gilt Sokrates‘ Interesse der Ethik. Für ihn kann niemand glücklich werden, der nicht im Einklang mit den Grundwerten der staatlichen Gemeinschaft handelt. Diese Frage ist für mich zentral. Ich habe mich immer schon intensiv damit befasst. Mal sehen, was die TN des Arbeitskreises dazu sagen werden. Zu mehr werden wir am kommenden Montag nicht kommen. Platon und seine Ideenleher sowie sein hierarchisch strukturierter Staat gefallen mir nicht. Aristoteles und sein auf die Empirie gerichteter Blick wird uns dafür entschädigen.

3. Montag per Skype

Natürlich werden wir auf die von den TN erstellten Texte, Fragen und Anregungen zurückgreifen. Ich habe mich hier nur bemüht, die essentials zusammenzufassen. Denn im weiteren Fortgang des Gesprächskreises sollten wir immer im Kopf haben, wann und wie ein Thema zum ersten Mal aufgetaucht ist und wie es sich entwickelt hat. Zum Beispiel hat die Frage der Tugend Platon, Aristoteles, Epikur, Machiavelli, Rousseau usw. intensiv beschäftigt. Und Parmenides‘ Problem des Nichtsagbaren findet sich bei Wittgenstein wieder. Spannend, spannend!

Fazit Differenzieren und integrieren. Immer wieder beim Aufbau von Wissen. Ja nicht den roten Faden verlieren!

Erfolgreicher Mensch, erfolgreiches Volk. Was ist das?

Resume Wenn ein Individuum oder ein Volk in der Lage ist, dauerhaft den Zugriff auf Ressourcen zur Befriedigung seiner Grundbedürfnisse zu sichern, dann ist es erfolgreich.

1. Erfolgreiche Individuen

Wenn man sich auf die Maslowsche Bedürfnispyramide bezieht (siehe „Menschenbild„) stellte man fest, dass menschliche Handlungen einzig und allein auf die Befriedigung von Grundbedürfnissen abzielen. Menschen sind dann erfolgreich, wenn sie in der Lage sind, dauerhaft und umfangreich Ressourcen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse zu sichern. Dahin gibt es viele Wege, aus meiner Sicht ist der Weg der „Tugend“ der bessere (vgl. ua. Aristoteles). Natürlich gibt es unterschiedliche Schwerpunktlegungen, so dass bestimmte Individuen einen besonderen Akzent auf die Befriedigung sozialer Bedürfnisse legen während andere stärker daran interessiert sind, ihren Wunsch nach Sinn zu erfüllen.  Nicht als erfolgreich zu bezeichnen sind Menschen, die gesellschaftlich reüssieren aber dies mit dem Verzicht auf die Befriedigung bedeutsamer Bedürfnisse bezahlen (z.B. Fehlen tiefer sozialer Einbindung).

2. Erfolgreiche Völker

Mehrere Jahrhunderte beherrschte Sparta einen Teil des Peloponnes. Allerdings bezahlte die Bevölkerung diese Dominanz mit dem Verzicht auf die Befriedigung bedeutsamer Bedürfnisse (keine Freiheit/Selbsverwirklichung, strenges, karges Alltagsleben). Ganz anders Athen: hier entfaltete sich eine Gesellschaft, die über eine breite Palette von Aktivitäten verfügte und sowohl soziale Einbindung als auch Selbstverwirklichung (Kunst, Sport, Philosophie) und Sinngebung für einen größeren Teil der Bevölkerung bereithielt. Insofern war Athen erfolgreich. Dies gilt auch für Rom, in dem für das Wohl eines breiten Teils des Volkes gesorgt wurde.

Fazit: Auf der Suche nach Faktoren, die Menschen oder Völker zum Erfolg führen, muss man klären, was unter diesem Begriff zu verstehen ist.  Erfolgreich ist ein Individuum oder ein Volk, wenn es ein hohes Bedürfnisbefriedigungsniveau erreicht.