Konzeptualisieren? Aber nicht schon beim Frühstück!

Resume Angesichts der Beschleunigung aller Lebensvorgänge, insbesondere auch des Outputs an Informationen müssen wir uns daran gewöhnen, Alltagserfahrungen rasch zu kognitiven Schemata zu verarbeiten.

1. Alltagserfahrungen schnell zu abstrakten Schemata umformen

Ich neige dazu, meine Handlungen, auch die scheinbar trivialsten, theoriegeleitet und theoriegenerierend zu gestalten. So ist mein Gang zur Kaffeemaschine in der Früh gleichzeitig eine Prüfung meiner Theorie, dass Kaffee fit macht. Diese Theorie wird meist bestätigt. Alle anderen Aktivitäten gehe ich auf diese Weise an. Nicht selten versuche ich, die entsprechenden Mechanismen und Überlegungen meiner Frau mitzuteilen, sobald ich sie erblicke, auch beim Frühstück.  Meine Frau, meine Kinder und generell meine Umwelt finden mich sehr anstrengend. Bei der Durchführung von Projekten wird dieser Prozess noch intensiviert. Durch die Verbreitung der neuen Kommunikationsmittel wurde der Ablauf sehr beschleunigt, weil das Aufkommen an Handlungen und Informationen vielfach gestiegen ist. Ich führe sehr viele Projekte durch und konzeptualisiere permanent. Und das Konzeptualisieren ist eine Notwendigkeit, weil es die Voraussetzung bildet für den nächsten Schritt.

2. Konzeptualisieren  in der Wissenschaft, im alten und im neuen Paradigma

Im alten Paradigma neigte man dazu, a posteriori zu konzeptualisieren. Das bereits Gedachte wurde ausführlich rezipiert, ausdifferenziert, gegeneinander abgegrenzt. Rousseau, Pestalozzi, Dewey, Montessori, die im Prinzip ähnliches sagen, wurden bis in die kleinsten Details untersucht und interpretiert. Das war vertretbar in einer Welt, in der wenig Neues passierte, so dass man sich erlauben konnte, viel Zeit mit Lapalien zu verbringen. Heute aber, wo jeder Schritt neue Horizonte eröffnet,  ist eine ganz andere Wissenschaft angesagt: man soll sehr schnell zusammenfassen, was frühere Denker für eine Zeit gedacht haben, die die ihrige war (wir wollen ja das Rad nicht ständig neu erfinden) und dann auf der Basis dieser Grunderkenntnisse, explorativ die neue Welt angehen. Mir persönlich genügen mein Menschenbild und ein paar zusätzliche Metaphern. Und dann dringe ich beherzt in das Forschungsfeld ein, das eine Fülle von neuen Problemen anbietet, was zu einer permanenten Generierung von Hypothesen und Lösungen führt, also zur kontinuierlichen Konzeptualisierung. Und so schafft man permanent neues Wissen zur Beherrschung einer neuen Welt (Kontrollbedürfnis).

Fazit Handeln, reflektieren, konzeptualisieren. Nicht nacheinander, sondern parallel.