Glück im Alter? Strategien… (Gesprächskreis)

Resume: Mit zunehmendem Alter besteht die Gefahr, dass die Lebensqualität durch finanzielle Einschränkungen, Krankheiten, Pflege von Angehörigen, Trennung oder Verlust von geliebten Menschen stark beeinträchtigt wird. Um emotional auf einem zufriedenstellenden Niveau zu bleiben, ist es günstig, wenn man über konkrete Strategien verfügt. Woher hole ich die Energie, die ich brauche, um psychisch stabil, ja sogar glücklich zu bleiben? 

Als Grundlage für unsere Gespräche werden u.a. philosophische Texte herangezogen, wie beispielsweise von Epikur, den Stoikern aber auch von aktuellen Philosophen, wie Wilhelm Schmid oder Hans Jonas.

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Ort: Ingolstadt, Bürgerhaus (Neuburger Kasten)

Zeit: Dienstag, 16:00-17:30Uhr, alle zwei Wochen. Nächster Termin: 07.05.2013

Angenehm, auch im Alter?

Resume Seit drei Jahren bin ich im Ruhestand und diese Situation hat mich vor neue Aufgaben gestellt. Ganz im überaktiven Stil, den ich früher praktizierte, geht es nicht mehr…

1. Veränderung des Außenbildes

Gerne wird in den Medien und in den Ratgebern für Senioren das Bild des erfolgreichen alten Menschen verbreitet, der überall mitmischt und sportlich, politisch und intellektuell auch mit 95 seinen Platz behauptet. Man selbst sieht sich als 68 jähriger genauso und präsentiert sich auch entsprechend nach außen. Wer vorher viel über sich und seine Aktivitäten gesprochen hat, spricht auch im Alter ausführlich darüber. Allerdings übersieht er, dass im Alter neue Themen auftauchen, wie Nachlassen der körperlichen und intellektuellen Kraft, kleine und größere Krankheiten, Verlust von lieben Mitmenschen (Freunden und Verwandten).  Plötzlich interessieren einen gesellschaftspolitische Themen wie demographischer Wandel, Sterbenshilfe, Hospizbewegung, Demenz, Altersheime und Pflege ganz besonders. Dies nicht zuletzte auch deshalb, weil man als 70 Jähriger sich permanent um die noch ältere Generation kümmern muss, die ihre eigenen Interessen (beispielsweise Verdauung) umfangreich ins Spiel bringt. Wenn man nicht aufpasst, transportiert man diese Themen dann selbst weiter bei jeder Gelegenheit, und eine Gelegenheit findet sich fast immer. Ein Ort, in dem ich diese Inhalte legitimerweise anspreche, sind die Philosophie-Workshops die Seniorentreffs und die Grünen Sitzungen. Aber: habe ich früher meiner Frau, meinen Kindern und meinen Freunden über Projekte mit Schülern und Studenten ausführlich berichtet, so besteht die Gefahr, dass meine Gespräche sich jetzt um Rollatoren, Barrierefreiheit, Arthrose und grauen Star drehen. All dies natürlich aus theoretischer Sicht!:-) Es ist durchaus möglich, dass ich mich auf diese Weise aus der Depression rette, der Preis dafür könnte sein, dass alle anderen um mich herum in die Depression hineinschlittern!

2. „Depression“ als Modebegriff

Natürlich ist man angesichts der oben geschilderten Situation beim Übergang in den Ruhestand und beim Hineinrutschen ins Alter nicht mehr so gut drauf wie früher. Sehr schnell taucht dann das Gespenst der „Depression“ auf, ausgelöst von einem selbst oder von Menschen, die einen als permanent happy erlebt haben und nun als  weniger lustig empfinden. Ich bin kein Spezialist, aber ich bin der Überzeugung dass man Situationen, die zeitweise problematsich sind, aus eigener Kraft überwinden kann. Über eine Problemlage nachdenken ist nicht gleich grübeln und grübeln ist nicht gleich seelischer Tief. Besonders verhängnisvoll erscheint mir der Griff zu Psychopharmaka, sei es auch nur Johanniskraut! Die Erfolge, die man im Alltag erzielt, sollte man nicht dem Kraut, sondern ausschließlich sich selbst attribuieren können! Warum so schnell „Depression“ diagnostiziert wird, kann ich nur vermuten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die an der Behandlung von seelischen Krankheiten verdienenden Gruppen solche Diagnosen begrüßen.

3. Maßnahmen

Mit dem Alter kommt man nicht umhin, Veränderungen des eigenen Images im sozialen Kontext zu akzeptieren und entsprechende Maßnahmen zu treffen. Insbesondere sollte man mit großer Selbstdisziplin den eigenen verbalen output prüfen und gegebenenfalls eindämmen, was gleichzeitig zu einer qualitativen Optimierung führen kann. Am meisten wird die Anwendung dieser Techniken dem Lebenspartner zugute kommen!

– Vorwürfe, Kritik, negative Beschreibungen, Verklärung der Vergangenheit und Vedammen der Jetztwelt und Zukunftswelt sollte man absolut vermeiden. Das habe ich bereits in früheren Zeiten getan, mit zunehmendem Alter muss an dieser Regel eisern festgehalten werden. Ist das Umfeld noch bereit, pessimistische Äußerungen von jungen Menschen zu akzeptieren, so reagiert es schnell gereizt, wenn Negatives von Seniorenmund stammt.

– Altersspezifische Themen (Elternpflege, Krankheit und Tod), auch wenn sie mit Distanz behandelt werden, schaffen eine trübe Stimmung. Wenn die Notwendigkeit besteht, die im Alltag auftretenden Probleme aufzuarbeiten, so sollte man dies im Selbstdialog gestalten. Die Umwelt, besonders der Partner, soll unbedingt verschont werden.

– Logischerweise werden die Gesprächsthemen aus den Aktivitäten abgeleitet, die man im Alltag durchführt. Will man für seine Umwelt angenehm sein, so ist es günstig, wenn man sich mit Projekten befasst, die kreativ und für die Gesellschaft zukunftsweisend sind. So redet man automatisch über Inhalte, die spannend und positiv besetzt sind. Redundanzen sollte man vermeiden.  Gerade für den Lebenspartner sind Wiederholungen, auch wenn sie positiv gefärbt sind, auf die Dauer lästig.

FazitWenn man das Ziel verfolgt, auch im Alter angenehm für seine Umwelt zu sein, so sollte man prinzipiell negative Urteile und alterspezifische Themen vermeiden. Das reduziert den Sprechoutput gewaltig, erhöht aber dessen lebensförderliche Qualität.

„Alt aber vital!“: muss es sein?

Die Lebensgier, die bei Schopenhauer im Begriff „Wille“ ihren Ausdruck bekommt, kann bis ins hohe Alter erhalten bleiben. Positiv ausgedrückt heißt sie dann „Vitalität“. Ein zweischneidiges Schwert…

Ich zitiere aus der Süddeutschen Zeitung vom 14/15 Mai 2011. Lothar Müller: „Die Krankheit A. und ihr Schrecken – zwei Altersbilder prallen derzeit aufeinander: Der dunkle Reigen der Alzheimer-Kranken und die Vitalitätsrekorde des immer längeren Lebens“.

(…) Niemand, dem seine Knochen lieb, seine Bewegungsfreiheit unentbehrlich, seine Augen und Ohren, sein Sprachvermögen und seine Erinnerungsfähigkeit teuer sind, wird der Gebrechlichkeit nachtrauern, wo immer sie aufs Altenteil geschickt wird. Doch hat es mit der Parole „alt, aber vital!“ eine seltsame Bewandtnis. Sie ist als Utopie und Sehnsucht groß geworden, aber kaum hat sie, wie in unseren Breiten, ein gutes Stück Wirklichkeit erobert, bekommt sie leicht einen imperativischen Unterton, als dürfe die verlängerte Lebenszeit nur mit möglichst intensivem, möglichst attraktivem Leben gefüllt werden. Dann tut sie so, als sei sie eine jedem zugängliche, grenzenlos verfügbare Ressource. Dann begnügt sie sich nicht mit der Lockerung der alten Verknüpfung von Alter und Gebrechlichkeit und macht sich selbst zur neuen kulturellen Norm des Alters, dann mahnt sie alle und jeden: Sei vital, wie alt Du auch bist. Informiere Dich über Anti-Aging, sei der Kolumbus Deines Alters, entdecke es wie einen neuen Kontinent. Du schaffst es, noch mit siebzig am Berlin-Marathon teilzunehmen! Je zahlreicher die Achtzigjährige werden, die von Welterkundungen und Schlauchboot-Abenteuern berichten, desto misslicher wird es, schon mit knapp siebzig kaum noch aus den eigenen Wänden herauszukommen. Je mehr der Eindruck sich durchsetzt, die Vitalität im Alter lasse sich durch fleißiges Fitnesstraining verlässlich erwerben wie ein Rentenanspruch, desto karger und unansehnlicher muss demjenigen, bei dem Alter und Gebrechlichkeit nach wie vor Hand in Hand gehen, das Leben erscheinen, das zu führen er noch in der Lage ist. Und manchmal mag er sich dem Verdacht ausgesetzt sehen, durch Vernachlässigung seiner Einzahlungen auf dem Gesundheitskonto für seine Gebrechlichkeit selbst verantwortilich zu sein. (…)

Anlass zu meinen Überlegungen ist folgende Dokumentation, die ich im Rahmen des Filmfestivals „Über Mut“ im Audikino morgen vorstellen werde: „Die Zeit ihres Lebens„.

Maik Riecken zum Thema Alter, Tugend, Präsenz im Netz

Maik Riecken

Nehmen wir zwei Menschen: Beide haben den gleichen Grad an Tugendhaftigkeit erreicht. Einer ist jung, der andere alt. Wer wird mehr Menschen (jung und alt) über Tugend reflektieren lassen können?

Ich glaube, dass der Kampf darin besteht, sich im Alter seine öffentliche Präsenz zu erhalten, gerade weil die Physis vielleicht nicht immer so will.

Quelle