Basisregeln für Internet-Projekte. Wiederentdeckt aber nach wie vor richtig.

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Was ich im Netz suche, sind Mitstreiter, Leute, die ich andocken kann, um mit ihnen langfristige Projekte durchzuführen. Hier zählt also Nachhaltigkeit, Ausdauer und Zähigkeit. Um in der virtuellen Welt Mitstreiter für meine Projekte zu gewinnen, beachte ich folgende Regeln:

  1. Mach dich transparent: liefere in deinem Profil möglichst viele, für den Benutzer spannende Informationen über dich. Je mehr Informationen du über dich gibst, desto größer die Chance, dass jemand einen Ansatzpunkt zur Zusammenarbeit entdeckt. Angst vor Missbrauch der Angaben ist meistens unbegründet. No risk, no fun!
  2. Biete motivierende Projekte an: Was mich persönlich angeht, so stütze ich mich auf die Beschreibung der Grundbedürfnisse von Maslow. Meine Angebote sprechen das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit und sozialer Anerkennung, nach Selbstverwirklichung aber vor allem nach Sinn, weil nur dieses langfristig tragfähig ist: wir wollen die Welt verbessern!
  3. Kontaktiere viele Leute: Wenn du Mitstreiter suchst, muss du Leute ansprechen, auch wenn du auf manche penetrant wirken kannst. Wenn du dich nicht rührst, wird dich niemand beachten. Wenn jemand dich penetrant findet, wäre er sowieso kein guter Arbeitspartner für dich.
  4. Wenn jemand auf deine Angebote positiv reagiert, pflege ihn: Zeige ihm, dass du dich für ihn interessierst. Als möglicher Partner besitzt er bestimmt “Ressourcen”, die für die Zusammenarbeit wertvoll sind. Diese Fähigkeiten musst du entdecken.
  5. Antworte stets zügig (Reaktionsgeschwindigkeit), sei präsent und zuverlässig: Enttäusche die Menschen nicht, die Energie und Zeit für dich investieren. Im Netz sind Menschen und Beziehungen sehr volatil, du aber willst mehr mit den Menschen tun! Du hast was mit den Leuten vor! Das müssen sie spüren!
  6. Stelle deine Partner auf eine Bühne und vernetze sie: Wenn du mit Leuten langfristig zusammenarbeiten willst, solltest du sie miteinander verbinden. Zeige, was sie können, führe ihnen Aufmerksamkeitsströme zu, indem du sie in Sammelmails erwähnst und auf ihre Arbeit hinweist.
  7. Überlege dir immer wieder spannende Projektziele und achte darauf, dass diese Ziele auch erreicht werden. Das ist zwar auch im RL wichtig, aber im virtuellen Raum noch viel mehr, weil – wie bereits festgestellt – die Beziehungen im Netz besonders volatil sind. Beteiligungsinitiativen verlangen, dass der Initiator immer wieder Impulse einbringt. Bis zum Schluss.

Diese Verhaltensweisen bilden das, was ich Netzsensibilität nenne. Sie müssen automatisiert werden, wenn man im neuen Paradigma erfolgreich arbeiten will. Wer im traditionellen Wissenschaftssystem sozialisiert wurde, hat dies nicht gelernt.

5. und letzter Hangout im #LdLmooc2

Marcus Birkenkrahe zum #LdLmooc2

Marcus Birkenkrahe

Dem Gesagten möchte ich mich anschließen: für mich war das eine ganz großartige Erfahrung. Zu der gehörte auch, dass ich zum ersten Mal auch online zwischen TN und Panelist/Dozent hin und herwechselte…ein bisschen wie im invertierten Klassenzimmer, ein bisschen wie bei LdL. Ich fühlte mich eigentlich die ganze Zeit wie ein Studierender, der in einer Studierendengruppe (mit Jeanpol als dem Lehrer im Hinter und manchmal im Vordergrund) den Unterricht macht! Ich glaube, das wird mir bei weiteren Anwendungen sicherlich helfen, wie auch schon meine MOOC Erfahrungen vor diesem tollen MOOC.

Außerdem auch von anderen viel gelernt — Monika Königs konsequente Art der Einbeziehung anderer und ihre Gabe und Fähigkeit, Energiespitzen zu erzeugen, möchte ich hervorheben, und auch Hajo Jürgens angenehme, weil bedächtig-nachdenkliche, von forschenden Gesichtspunkten mit-geleitete Haltung.

Und schließlich gab es eine Gruppe von AktivistInnen hinter und vor dem Vorhang, auf Tiwtter, hier und im Hangout, deren Enthusiasmus die Veranstaltung wirklich getragen hat, genau wie eine Lehrveranstaltung von den Studierenden getragen werden muss, sonst arbeitet man sich „vorne“ doch tot.

Die beiden noch ausstehenden Aktionspunkte bzw Aufgaben werde ich nachholen. Ich hoffe, für einen permanenten LdLMOOC findet sich ein Zuhause. Für Online-LdL stehe ich als Panelist, Blogger usw. auch gerne weiterhin zur Verfügung. Das Ganze hat solchen Spaß gemacht!

Bleibt im Kontakt!

Raffaelina Rossetti: Haltung enorm verändert!

Raffaelina Rossetti 18. November 21:23
Die letzten Tage habe ich mich mit einem ganz anderen, für mich sehr wichtigem Thema intensiv beschäftigt und dabei habe ich bemerkt, dass mich LdL in meiner Haltung stark begleitet hat. Ich bin ganz anders an die Sache herangegangen wie vor einem halben Jahr noch. Die Beschäftigung in den beiden LdLMoocs hat meine Haltung enorm verändert, wobei ich noch nicht ganz sicher die genauen Punkte identifizieren kann. Es ist auf jeden Fall ein größerer Mut und ein stärkeres Selbstvertrauen entstanden, auch unbekannte Themengebiete in Angriff zu nehmen, exploratives Verhalten bewußter einzusetzen und dabei in Handlungen umzusetzen und nicht nur im Gedankenspiel hängen zu bleiben, nur weil es vielleicht noch nicht perfekt ist. Flow-Erlebnisse als Belohnung, ein Verlangen nach weiterem explorativem Verhalten sind deutlich spürbar für mich. Die Theorie und ihre Umsetzung beschäftigen mich seit Wochen täglich mit wachsender Begeisterung.

Sabine Strauss: LdL erfordert Übung!

Sabine Strauss:

LdL erfordert Übung – sowohl von Schülern, als auch vom Lehrer. Vielleicht funktioniert in einer Klasse das Aktive Zuhören wunderbar, trotzdem sind sich die Schüler zu unsicher, was ihre Inhalte betrifft. Oder ungekehrt. Oder…
In einer Schulstunde mü
ssen viele kleine Rädchen – einer Klasse entsprechend – neu justiert werden, jeder Lehrer weiß das, so extrem wie bei LdL habe ich das aber noch nie erlebt. Für mich ist das allerdings ein Qualitätsmerkmal und nichts anderes, als die logische Konsequenz aus einem schülerzentrierten Unterricht.
Meine Zwischenbilanz aus dem letzten und diesem Schuljahr aus fünf Klassen (10, 11 und 12), die ich gerne zur Diskussion stelle und die zunächst nur den Einstieg in den Unterricht mit LdL betrifft :
• Die ersten LdL Stunden mit den Schülern gemeinsam vorbereiten,
um Fragen zu klären, sowohl was die Inhalte, als auch die
Vermittlungstätigkeit betrifft
• LdL als Hausaufgabe nur mit kleinen, sehr überschaubaren
Inhalten
• Schüler teilhaben lassen: LdL Theorie besprechen
• Sich seiner Lehrerrolle immer bewusst sein:
Für Empathie den lehrenden Schülern gegenüber sorgen (Tipps
geben, wie unaufmerksame Schüler z.B. durch direkte Ansprache
wieder mit „ins Boot“ geholt werden können, Lautstärke in der
Klasse thematisieren, etc.)
Unterbrechen, wenn Schüler ihre Rolle missverstehen und ein
Referat halten, zur Not vormachen oder in der Klasse nachfragen,
wie die Aufgabe besser gelöst werden könnte.
• Schlecht vorbereitete Schüler den Unterricht trotzdem halten lassen,
ohne diese vorzuführen (d.h. mit viel Unterstützung)
• Nicht entmutigen lassen, wenn LdL nicht gleich „einschlägt“: Mit der
Klasse bzw. dem Kurs darüber sprechen, was Schwierigkeiten
bereitet – es sind häufig nur Nuancen, die geändert werden müssen

Was meint ihr?

Radikale Komprimierung der LdL-Didaktik: Ringeisen + Schuhladen Le Bourhis.

Der größtmögliche Horizont der LdL-Methode wurde im Prezi von Peter Ringeisen visualisiert. Die sträkste Fukossierung auf den LdL-Kern wurde von Isabelle Schuhladen Lebourhis vorgenommen. Wer LdL verstehen will, hat die Möglichkeit, sich intensiv mit den beiden Extremen zu befassen.

1. LdLs größtmöglicher Horizont:

Peter Ringeisens Prezi: „Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität„.

2. Der LdL-Kern:

Transformation von Informationen zu Wissen im LdL-Diskurs

3. Die sofortige Umsetzung der harten Theorie in die harte Praxis

Isabelle Schuhladen Le Bourhis: LdL-Kern sofort im Unterricht umsetzen.

Information zu Wissen transformieren im LdL-Diskurs (auch online).

Isabelle Schuhladen Lebourhis hat mich an diese Passage erinnert (aus dem Blogeintrag: „Legitime Selbstreferentialität„):

Das Arrangement im Klassenzimmer orientiert sich an der Gehirnstruktur. Zwischen den Lernern, die metaphorisch als Neuronen eingesetzt werden, entsteht durch intensive Interaktionen eine Vernetzung mit entsprechenden Netzwerkeffekten (Reaktionsschwelle, Selbstreferenzialität, Resonanz, Redundanz). Im Rahmen dieser Interaktionen werden Informationen zu Wissen veredelt, indem permanent relevante aus irrelevanten Informationen selektiert werden und zur nächsthöheren Instanz zur Bearbeitung weitergeleitet werden (Komplexitätsreduktion). Wie im Gehirn entstehen aus diesen Interaktionen Emergenzen, es wird Wissen kollektiv konstruiert. Während im instruktionistischen Modell man es mit Linearität a priori zu tun hat, entsteht bei LdL Linearität a posteriori. Oberstes Prinzip ist die Ressourcenorientierung, denn die Informationen, die zur Wissenskonstruktion benötigt werden, stammen entweder aus den Lernern selbst, oder aus der Umwelt. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass der Klassenraumdiskurs in großer Konzentration erfolgt, damit alle Informationen erkannt und verarbeitet werden (Aufmerksamkeitsökonomie, Reaktionsschwelle).