LdL/NMR-Theorie: Gesamtpaket

Hier ist die Grundaustattung für die Gründung von autonomen, vernetzten Gruppen mit dem Ziel einer breiten, bottom-up Transformation der Gesellschaft.

Theorie für Anfänger

Aufsätze

1.„Weltverbesserungskompetenz“ als Lernziel? (2002)

2. Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle (2018)

Terminologie (bei Bedarf)

LdL-Glossar

Das LdL/NMR-Team

Akteur*innen

Materialien

Neue Menschenrechte: Leporello

Theorie für Fortgeschrittene

Aufsätze

1.Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität (2009)

2.Neubegründung und Reformulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (2020)

3. Neue Menschenrechte: Artikel 1 – Das Recht auf Denken (2021)

LdL/NMR-Theorie für Anfänger

Aufsätze

1.„Weltverbesserungskompetenz“ als Lernziel? (2002)

2. Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle (2018)

Terminologie (bei Bedarf)

LdL-Glossar

Das LdL/NMR-Team

Akteur*innen

Materialien

Neue Menschenrechte: Leporello

Kärtchen:

LdL/NMR-Theorie für Fortgeschrittene

Filed under: Aktionsforschung, Bürgerbeteiligung, Glück, Informationsverarbeitung, Integration,

Wozu soll man sich explorativ verhalten?

Quelle: Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle (2018)

„(…)

2.2.4 Exploratives Verhalten und Flow


Es besteht der Drang, die kognitive Kontrolle zur Lebensgestaltung nicht nur zu erhalten sondern auch auszudehnen. Es werden weitere Handlungsfelder gesucht und kognitiv durchdrungen. Dies gilt für den Raum, aber auch für die Zeit. Man möchte andere Länder kennen aber auch andere, vergangene Epochen und auch in die Zukunft blicken. Diese Haltung sollte im Unterricht unterstützt werden. Dörner (1983, S. 331 ff.) untersucht die Merkmale erfolgreicher Problemlöser und hebt ihre explorative Haltung hervor. Unter explorativer Haltung versteht man die Bereitschaft von Menschen, sich in Situationen zu begeben, die ein hohes Maß an Unbestimmtheiten enthalten. Die logische Kette lässt sich folgendermaßen beschreiben: explorative Menschen suchen Felder auf, mit denen sie nicht vertraut sind, und versuchen, sich in diesen Feldern problemlösend zu behaupten. Jede auf diese Weise gewonnene Erfahrung wird zu einem abstrakten, kognitiven Schema verarbeitet. Je mehr Erfahrungen, desto mehr Schemata, desto breiter die kognitive Landkarte. Eine breite kognitive Landkarte sichert Kontrolle über mehr Bereiche, sie ermöglicht eine schnellere Verarbeitung neuer Eindrücke und schützt vor emotionalen Einbrüchen. Sie sichert, dass neue Situationen erfolgreich bewältigt werden. Das Gefühl der Kontrolle festigt sich, das Selbstbewusstsein wächst und dadurch die Bereitschaft, unbekannte Felder anzugehen, also sich erneut explorativ zu verhalten. Exploratives Verhalten muss belohnt werden. Das mit explorativem Verhalten im Erfolgsfall erreichte Kontrollgefühl findet seinen Höhepunkt in dem von Csikszentmihalyi (1999) beschriebenen Flow-Effekt. Aus seiner Sicht ist Flow ein Gefühl des Fließens, des Aufgehens in einer Handlung. Die Voraussetzung sind folgende:


• Unbekannte Felder betreten, Neues entdecken;
• Situationen mit offenem Ausgang, für die man die Verantwortung trägt;
• Probleme lösen, hohe Anforderungen bewältigen;
• Ausschöpfen der eigenen Ressourcen;
• Gefühl der Selbstentgrenzung;
• Kontrolle über das eigene Handeln und das Umfeld.

Im Prinzip kann jede anspruchsvolle explorative Aktivität zu Flow führen. Sportarten wie Segeln oder Reiten weisen die Merkmale auf, die Flow induzieren. Unterricht halten, Vorträge, Workshops sind meist mit Flow verbunden, wenn man die Kontrolle über den Prozess behält. (…)“

Innovationen 1980-2021…

Bottom-up

Alle Innovationen beruhen auf einer bottom-up Perspektive. Bei Lernen durch Lehren unterrichten nicht mehr die Lehrer sondern die Schüler. Das neue Menschenbild konzentriert sich auf die Bedürfnisse, insbesondere die Selbstverwirklichung und die Partizipation. Die Ingolstädter Geistesgeschichte zeigt den Prozess der intellektuellen Emanzipation der Bürger am Beispiel einer Stadt. Die Neuen Menschenrechte liefern einen bedürfnistheoretisch und kontrolltheoretisch fundierten Hebel, um gemeinsam „glückbringende“ Strukturen von unten nach oben durchzusetzen. Um diesen Hebel zur Anwendung zu bringen, müssen besonders die Bedingungen für produktives Denken geschaffen werden.

1984: Lernen durch Lehren

2004: Internet- und Projektkompetenz (IPK)

2014: Was braucht der Mensch, um glücklich zu sein?

2015: Ingolstadts Geistesgeschichte

2018: Neue Menschenrechte

2021: Art.1: Das Recht auf Denken

Reaktionen auf den Band „Neue Menschenrechte“

1.Prof.Dr.Lutz Becker: Hochschule Fresenius. Blogbeitrag.

„Über  Jean-Pol Martin bin ich erstmals vor knapp zwölf Jahren „gestolpert“. (…) Die klassische Hochschuldidaktik hatte keine Antworten, auf Komplexität, Diversität, veränderte Lebenswelten und die immer kürzeren Zyklen in den Wissensständen unserer Gesellschaft. Vor allem meine Fächer, die real existierende BWL und die VWL, waren und sind heute noch von erschütternder methodischer und didaktischer Tristesse geprägt. Es waren zwei Konzepte von Jean-Pol Martin, die mich damals hellhörig machten und fortan mein weiteres wissenschaftliches Leben prägen sollten: „Lernen durch Lehren“ und „Weltverbesserungskompetenz“..“ Hier geht es zum Blog…

2. Dr.Isabella Kreim: Podcast-Sendung: Neue Menschenrechte (25 Minuten)

„Im Herbst erschien ein über 400 Seiten starkes Buch mit wissenschaftlichen Aufsätzen unterschiedlicher Disziplinen, die diese Neuen Menschenrechte von Jean-Pol Martin theoretisch aber auch auf ihre Praxistauglichkeit hin untersuchen.“ Hier geht es zum Podcast..

3. Prof.Dr. Paul Geyer, Romanist, Bonn:

„(…) Dein Aufsatz „Neubegründung und Reformulierung der AEMR“ ist philosophiegeschichtlich, anthropologisch und natürlich sowieso, was die aktuellen Theorien (Glücksforschung, Kognitionsforschung, Systemtheorie, …) anbelangt, die Du maßgeblich mit vorangetrieben hast, enorm differenziert und „érudit“ (…) . Schön, wie Du auch dialektisches Denken jetzt einbeziehst, super Deine Dekonstruktion der Naturrechtslehren (125) und des Begriffs der „Würde“ (126f.). Auch die Integration von christlichen Begriffen wie der „Brüderlichkeit“ (130) finde ich überzeugend. Und die Stellungnahmen von Robert Zelyk, Melek Turan und Günther Bah zeigen mir, wie Du auch nach dem Schuldienst weiterhin Deine didaktische Überzeugungskraft einsetzt.“

4. Petra Kleine, Bürgermeisterin, Ingolstadt.

„(…) Du hast sehr früh formuliert, dass Politik dazu da ist, die Möglichkeiten des Glücklichseins für die Menschen zu organisieren und hast die jeweilige Programmatik daraufhin betrachtet und das fehlende Menschenbild in den Programmen festgestellt. Jetzt bist Du einen Schritt weiter gegangen und formulierst aktiv die Grundbedürfnisse der Menschen und daraus sechs Menschenrechte. Das ist interessant und bringt eine neue, fundierte Perspektive ein, die jenseits von Staatsformen, Verfassungen und Ideologie für alle gültig sein könnte (…)“

5. Alex Sorg (Unternehmer):

„Ich war überrascht wie breit angelegt die Einflüsse sind, z.B. Anleihen von Covey darin zu finden, den ich schätze. Das Recht auf Denken sehe ich im Zusammenhang mit New Work/Agile Leadership tatsächlich in der Praxis auf dem Vormarsch, vielleicht weniger als Recht, mehr als Postulat. Alle sollen denken in einem psychisch als sicher empfundenen Raum vs. Taylorismus. Mit dem zentralen Begriff ‚Kontrolle‘ (Kontrollbedürfnis) habe ich Schwierigkeiten. Sicherheitsbedürfnis sehe ich.“

6. Ralf Schwartz (Publizist)

„Über Ostern kam ich endlich einmal dazu, Dein Buch “NMR?” zu lesen. Ich bin von vorne bis hinten begeistert.Die elaborierte Vivisektion der NMR tut Not, denn nur so kann ihre Eignung, Passung und Relevanz überzeugend und umfassend dargelegt werden. Vor allem gefällt mir sehr gut, dass die NMR auch kritisch hinterfragt werden. Genauso gut gefallen mir die Stimmen der ’normalen’ (im besten Sinne des Wortes) Menschen. Sehr gut ausgewählt besitzen sie gerade ob ihrer einfachen (ebenso im besten Sinne des Wortes) Sprache philosophische Qualität. (Ich bin seit langem geneigt, neben Beuys’ “Jeder Mensch ist ein Künstler” ebenso “Jeder Mensch ist ein Philosoph” zu postulieren – leider wird uns dies in den allermeisten Fällen bereits in den ersten Schuljahren aberzogen. Glücklich diejenigen, die sich nichtsdestotrotz den freien Blick auf die Welt, die Menschen, deren Beziehungen zueinander bewahren konnten.)Beides hebt das Buch wohltuend und weit über den Durchschnitt heutiger Veröffentlichungen hinaus – das Buch und die NMR selbst.In diesem Sinne, lieber Jean-Pol, ich bin gespannt auf weitere ‘Abenteuer‘. 🙂

Siehe auch: Interview mit Jean-Pol Martin (2019): The Fourth Club mit Thomas Koch und Ralf Schwartz

_____________________________

(to be continued)

NMR. Wir erstellen ein politisches Programm.

Um die Inhalte der 6 Neuen Menschenrechte zu konkretisieren!

Was wäre aus Ihrer Sicht günstig, damit Sie Ihre Bedürfnisse besser befriedigen können:

  1. Unter welchen Bedingungen, würden Sie intensiver und interessanter denken?
  2. Unter welchen Bedingungen würden Sie noch gesünder leben?
  3. Unter welchen Bedingungen würden Sie sich noch sicherer fühlen?
  4. Unter welchen Bedingungen könnten Sie sich noch mehr sozial anschließen und einbinden?
  5. Unter welchen Bedingungen würden Sie noch mehr Ihre Ressourcen und Fähigkeiten ausschöpfen können? Unter welchen Bedingungen, würden Sie sich noch mehr sozial einbringen?
  6. Unter welchen Bedingungen würden Sie Ihrem Leben noch mehr Sinn verleihen?

Auf diese Weise kann man Stoff sammeln, und zwar sehr viel, denn jede/r wird was anderes sagen und man könnte daraus ein politisches Programm zusammenstellen. Das ist eigentlich das Ziel meines Projektes/Konzeptes!

Das NMR-Verbreitungspaket! (18.09.20)

Übersicht über mein kontrolltheoretisches Modell, das sowohl LdL als auch den NMR zugrundeliegt:

1. Ziel aller Aktivitäten (von Menschen, Tieren und sonstigen lebenden Entitäten) ist die Lebenserhaltung.

2. Lebenserhaltung erfolgt über Kontrolle

3. Die zu kontrollierenden Felder manifestieren sich als „Bedürfnisse„. Die Bedürfnisse signalisieren, dass in einem bestimmten Feld Handlungsbedarf besteht. Physiologische Bedürfnisse zeigen sich beispielsweise als Hungergefühl, Durst, sexuelles Begehren. Sicherheitsbedürfnis drückt sich als Angst aus, usw…

4. Das Organ, das Bedingungen für die Bedürfnisbefriedigung (Kontrolle) schafft, ist bei Lebewesen das Gehirn und das Nervensystem.

5. Insofern ist das Gehirn das Kontrollorgan par excellence!

6. Damit der Organismus motiviert wird, im Sinne der Lebenserhaltung (Kontrolle/Bedürfnisbefriedigung) zu handeln, muss dieses Handeln (essen, trinken, Sexualität, usw.) Spaß machen. Kontrollaktivitäten müssen also Freude vermitteln.

7. Daher muss das Denken, also die Aktivität des Kontrollorgans Nr.1, viel Spaß machen. Dieser Spaß drückt sich als Flow aus.

8. Man denkt vor allem, wenn man Probleme zu lösen hat. Problemlösen macht also Spaß. Je mehr man Probleme löst, desto mehr Spaß. Und desto mehr Kompetenzen werden aufgebaut und eingeübt.

9. Problemen begegnet man, wenn man viel lebt. Viel lebt man, wenn man sich explorativ verhält.

Fazit: Exploratives Verhalten -> Probleme lösen (Kontrolle gewinnen) -> Flow und Verstärkung der Denkfähigkeit -> Lust, weitere Probleme zu lösen und damit seine Denkfähigkeit zu erhöhen -> exploratives Verhalten -> neue Probleme lösen und Ausdehnung der Kontrolle -> usw…

__________________________________________________________________________

Aus: Martin, Jean-Pol, „Neubegründung und Reformulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, in: Kolbe,S./Martin,J.-P/Ruep,M (Hg): „Neue Menschenrechte? Bestandsaufnahme eines bedürfnisorientierten Handlungsansatzes“, Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2020

(…)

Teil III. Politik

(…)

2.Die notwendigen Strukturen: politisches Programm

Im Folgenden werden die Bedingungen beschrieben, unter denen die genannten Rechte wahrgenommen werden können. Sie lassen sich auch als politisches Programm formulieren. In allen Fällen geht es um die Befriedigung des alles einschließenden Bedürfnisses nach Kontrolle.

2.1. Art.1 Das Recht auf Denken

Das Denken dient der kognitiven Kontrolle der erlebten Situationen zum Zweck der Lebenserhaltung. Unter Denken wird der Vorgang der Informationsverarbeitung und der Konzeptualisierung verstanden. Die Förderung von Denkaktivitäten erhöht die individuelle und kollektive Kontrollkompetenz der Menschen. Dazu müssen entsprechende Strukturen angeboten werden: in der Schule (Inhalte und Methoden) und am Arbeitsplatz (Konzeptualisierungsmöglichkeiten). Es ist aber auch Aufgabe der Politik, die Gestaltung des Gemeinwesens so zu organisieren, dass die Bürger an dessen Optimierung beteiligt werden und somit ein breites, relevantes Feld zur Konzeptualisierung vorfinden (Bürgerbeteiligung). Wenn eine Glücksbedingung des Menschen in der Reflexion und der Partizipation an der kollektiven Reflexion über die Zukunft der Menschheit besteht, so muss diese Tätigkeit an prominenter Stelle in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stehen.

Aus der AEMR sind Art.1, 18, 19 und 27 (Freiheiten), Art. 26 (Recht auf Bildung) betroffen. In diesem Zusammenhang kommen die bereits eingeführten kognitiven Instrumente zum Einsatz: die Beachtung der Antinomien (Systemtheorie), das dialektische Denken, die 7 Wege zur Effektivität von R.Covey. Günstig ist der Aufbau eines explorativen Verhaltens. Dabei ist aus erkenntnistheoretischer Sicht der Falsifikationismus von Popper (trial and error) zu empfehlen. Auch der Aufbau von Empathie sollte gefördert werden, also das sich Hineindenken in andere Positionen.

2.2. Art.2 Das Recht auf Gesundheit

Die Pflege der Gesundheit ist die Voraussetzung zur Lebenserhaltung. Es geht darum, den Organismus funktionstüchtig unter Kontrolle zu behalten. Diese Kontrolle richtet sich auf körperinterne Vorgänge, indem der Organismus Energie aufnimmt und sie ökonomisch einsetzt. Dies betrifft also die Ernährung und die intellektuelle und körperliche Betätigung (Sport). Bedeutsam für die Kontrolle des Organismus ist die mentale Verarbeitung von Impulsen aus dem Körper oder aus der Umwelt: durch entsprechende Techniken sollten Lebensereignisse – auch schmerzhafte – insgesamt positiv aufgenommen und verarbeitet werden (seelische Gesundheit). Ferner muss individuell und kollektiv permanent an einer Aufrechterhaltung und Optimierung der Umwelt gearbeitet werden (Umweltschutz). Aus all diesen Zielsetzungen entstehen vielfältige Rechte, die ausformuliert zu Gesetzen führen.

Aus der AEMR sind die Art.24 (Recht auf Erholung und Freizeit) und Art.25 (Recht auf Wohlfahrt) betroffen.

2.3. Art.3 Das Recht auf Sicherheit

Sicherheit spielt im Leben von Menschen eine große Rolle. Im Hinblick auf die Lebenserhaltung drückt sie sich als Gefühl der Kontrolle aus. Daher ist es legitim, dass die AEMR diesem Thema einen breiten Raum widmet und die Abwehrrechte in den Mittelpunkt stellt. Dennoch müssen Leistungsrechte wie das Recht auf Arbeitsplatz und auf Wohnung Priorität erhalten, denn sie wirken sich auf das gesamte Lebensgefühl aus. Die Aufgabe, für die Sicherheit der Menschen zu sorgen, obliegt dem Staat. Allerdings gehört zur Sicherheit nicht nur der Schutz der Bürger gegen Übergriffe, sondern auch die Planung der Zukunft sowohl was die materielle Ausstattung des Landes als auch was die Bildung der jungen Menschen betrifft. Die Erweiterung der Lebenskompetenzen und die Möglichkeiten der Selbstverwirklichung erhöhen die aktuelle und künftige Sicherheit. Das Gefühl der Sicherheit hat nicht nur individuelle sondern auch soziale Implikationen. Unsicherheit vermittelt ein Gefühl des Unwohlseins, das sich auch auf das soziale Umfeld negativ auswirken kann, in Form von Aggressionen, Unruhen und Gewalt. Auch andere Dimensionen wirken sich auf das Gefühl der Sicherheit aus. So wirkt sich der Eindruck, dass Staat und Gesellschaft keine Ungerechtigkeiten generieren positiv auf das Wohlbefinden aus. Daher ist es eine Aufgabe des Staates, Wohlstand für seine Bürger anzustreben.

Zum Recht auf Sicherheit lassen sich folgende Artikel aus der AEMR zuordnen: Art.3 (Recht auf Leben und Freiheit), Art.4 (Verbot der Sklaverei und des Sklavenhandelns, Art.5 (Verbot der Folter), Art.6 (Anerkennung als Rechtsperson), Art.7 (Gleichheit vor dem Gesetz) Art.8 (Anspruch auf Rechtsschutz), Art.9 (Schutz vor Verhaftung und Ausweisung), Art.10 (Anspruch auf faires Gerichtsverfahren, Art.11 (Unschuldsvermutung), Art.12 (Freiheitssphäre des Einzelnen Art.14 Asylrecht, Art. 15 (Recht auf Staatsangehörigkeit), Art.17 (Recht auf Eigentum), Art.22 (Recht auf soziale Sicherheit) Art.28 (Soziale und internationale Ordnung)

2.4. Art.4. Das Recht auf soziale Einbindung und soziale Anerkennung

Alle Untersuchungen über Glück weisen auf die Bedeutung der sozialen Einbindung und der sozialen Anerkennung hin. Bedürfnistheoretisch ist es nicht überraschend, denn der Kontakt zu anderen Menschen ermöglicht die Befriedigung aller Bedürfnisse, die zu Beginn aufgelistet wurden: Denkaktivitäten, physiologische Bedürfnisse, Gesundheit, Sicherheit, Soziale Einbindung, Partizipation und Selbstverwirklichung sowie Sinn. Aufgabe der Politik ist es, diesem Bedürfnis Priorität einzuräumen. Dies betrifft den Städtebau und die Architektur sowie die Organisation der Arbeit, die familienfreundlich zu gestalten sind und die Einrichtung von Begegnungsstätten, die Zusammenkünfte von Bürgern ermöglichen. Auch die Bürgerbeteiligung ist ein Element, das Kohäsion innerhalb der Bevölkerung fördert. Wichtig ist ferner die Art und Weise, wie mit Minderheiten umgegangen wird. Schließlich sind Maßnahmen zu empfehlen, die die Herausbildung und Festigung der Identifizierung der Bürger mit Staat und Wohnort begünstigen. Förderlich ist schließlich das Gefühl der Gerechtigkeit und gesetzliche Stabilität. Korruption und politische Verfehlungen sind Verstöße gegen den Artikel 4 (soziale Einbindung und Anerkennung)

Aus der AEMR sind folgende Artikel zuzuordnen: Art.1 (Gleichheit, Brüderlichkeit), Art.16 Eheschließung und Familie Art.20 Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Art.22 (Recht auf soziale Sicherheit), Art.25 (Recht auf Wohlfahrt), Art.26 (Recht auf Bildung), Art.27 (Freiheit des Kulturlebens)

2.5. Art.5. Das Recht auf Partizipation und Selbstverwirklichung

Selbstverwirklichung entspricht einem Expansionsbedürfnis. Maslow formuliert: „Was der Mensch kann, das muss er.“ Es ist die Ausdehnung von Kontrolle und die Aneignung von zusätzlichen materiellen und ideellen Ressourcen. Dazu gehört auch die Partizipation an Vorhaben und Aktivitäten, die die Gemeinschaft betreffen. Als Feld für Selbstverwirklichung und Partizipation bietet sich der Arbeitsplatz, aber auch die politische Arbeit in den Städten und Kommunen. Hier werden alle Fähigkeiten gefordert und gefördert, vor allem aber Reflexion und Konzeptualisierung. Planungen für die Zukunft der Gesellschaft und der Welt sind Aufgaben, die alle Menschen angehen und unser Überleben als Gattung sowie die Erhaltung der Erde sichern.

Partizipation und Selbstverwirklichung werden in der AEMR nicht als Recht benannt. Nach 1948 stand der Schutz der Menschen im Fokus, die Artikel waren in ihrer Mehrheit als Abwehrrechte gedacht. Dennoch lassen sich folgende Artikel diesem Ziel zuordnen: Art.13 (Freizügigkeit und Auswanderungsfreiheit), Art.17 (Recht auf Eigentum), Art. 18 (Gedanken, Gewissen, Religionsfreiheit), Art.19 (Versammlungs- und Meinungsfreiheit), Art.21 (Wahlrecht), Art.23 (Recht auf Arbeit, gleichen Lohn), Art.24 (Recht auf Erholung und Freizeit), Art.25 (Recht auf Wohlfahrt), Art.26 (Recht auf Bildung), Art.27 (Freiheit des Kulturlebens). Hier wird deutlich, dass die Menschen vor allem geschützt werden sollen gegen Eingriffe von außen. Selbstverwirklichungsziele werden nicht aufgeführt. Die AEMR unterscheidet zwischen Abwehrrechten, Leistungs- und Schutzrechten und Partizipationsrechten. Letztere stehen heute aufgrund der veränderten Situation stärker im Mittelpunkt.

2.6. Art.6. Das Recht auf Sinn

Auch die Reflexion über den Sinn des eigenen Lebens dient der Kontrolle. Dazu liefern Religionen und Philosophien Interpretationsmuster. Über sie kann man das eigene Leben steuern, Ziele festlegen und prüfen, ob diese erreicht werden. Die Gesellschaft ist aufgefordert, rationale Sinnsysteme zur Verfügung zu stellen. Dies geschieht vor allem in Schule und Universität, aber auch in Unternehmen, Vereinen und Parteien. Allerdings sind die Angebote an Sinnsystemen heute noch sehr heterogen, mit dem Ergebnis, dass eine Verständigung über menschliche Wünsche und Bedürfnisse nur mit großem Aufwand möglich ist. Der Stand der anthropologischen Forschung, insbesondere der Psychologie, der Gehirnforschung, der Bedürfnis- und Glücksforschung ist inzwischen so fortgeschritten, dass es möglich sein wird, ein konsensfähiges Menschenbild aufzustellen. Das wird eine Diskussion über Ziele und Strukturen erleichtern. Eine naturwissenschaftliche Begründung der Begriffe aus der AEMR könnte zu einer Veranschaulichung und Konkretisierung führen und dadurch zu einer Operationalisierung im politischen Diskurs. Beispielsweise lässt sich mit Rückgriff auf Schiller feststellen, dass die Würde sich am Grad der Befriedigung von Bedürfnissen messen lässt. Die Freiheit wiederum kann negativ (Schutz vor Unterdrückung) oder positiv (Eröffnen von Lebenschancen) spezifiziert werden. Hier fällt auf, dass im Bereich der positiven Freiheit noch viele Räume eröffnet werden müssen. Gegenwärtig wird die Etablierung der Menschenrechtsbildung als Fach in den Schulen angestrebt. Das wäre ein Ort, wo Sinnreflexionen intensiviert werden könnten.

3. Priorisierungen bei politischen Entscheidungen

Angesichts des Handlungsdrucks, dem Politiker im Alltag ausgesetzt sind, sollen die bedürfnis- und glücksorientierten „Neuen Menschenrechte“ eine Entscheidungsgrundlage liefern, die rasch internalisiert und mobilisiert werden kann. Insbesondere stellt die Priorisierung von bestimmten Aufgaben ein zentrales Problem dar, denn es sind ganz unterschiedliche Bürgerwünsche zu berücksichtigen, die nicht selten entgegengesetzt sind. Nicht selten beklagen sich Bürgergruppen darüber, dass kulturelle Belange aufgrund der bürgerlichen Zusammensetzung in den Stadträten besondere Berücksichtigung finden und unangemessene Unterstützung genießen, während notwendige  Ausgaben im sozialen Bereich ausbleiben. „Falsche“ Priorisierungen sorgen häufig für erheblichen Unmut in den Bürgerschaften. Eine vertiefte Reflexion über Bedürfnisse kann zu einer bürgerfreundlichen Setzung von Prioritäten in der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik führen.

Die vorgenommene Umstrukturierung der Menschenrechte soll im Einzelnen:

  • dafür sorgen, dass die Begriffe konkret an das Leben und die Befindlichkeit der Menschen anknüpfen;
  • einen raschen Überblick über Bedürfnisse und über die jeweilig notwendigen Priorisierungen ermöglichen;
  • eine permanente bedürfnis- und glücksorientierte Reflexion im Alltag einleiten, die für das Treffen von Entscheidungen eine rationale Basis liefert;
  • einen Vergleich der Lebenssituationen von Menschen erlauben, der zu unterschiedlichen Priorisierungen führt;
  • eine Folie für die Analyse von Glücks- oder Unglückssituationen von Menschen bieten: ohne viel Aufwand kann man sofort sehen, dass Gefängnisinsassen, Asylbewerber*innen in Ankerzentren, Kinder in Heimen und Schwerbehinderte erhebliche Hindernisse zu überwinden haben, die mit entsprechenden Maßnahmen zu beseitigen sind; natürlich ist der Inklusionsansatz ein guter Weg für die Zukunft.
  • Die Bedürfnisfolie erleichtert auch Empathie und Selbstreflexion: kann diese Person glücklich sein? Bin ich glücklich und wenn nicht, was kann ich tun, um glücklich zu werden?

__________________________________________

Selbstreflexion als Voraussetzung für die Identifikation von politischen Zielen

Um die Inhalte der 6 Neuen Menschenrechte zu konkretisieren!

Was wäre aus Ihrer Sicht günstig, damit Sie Ihre Bedürfnisse besser befriedigen können:

  1. Unter welchen Bedingungen, würden Sie intensiver und interessanter denken?
  2. Unter welchen Bedingungen würden Sie noch gesünder leben?
  3. Unter welchen Bedingungen würden Sie sich noch sicherer fühlen?
  4. Unter welchen Bedingungen könnten Sie sich noch mehr sozial anschließen und einbinden?
  5. Unter welchen Bedingungen würden Sie noch mehr Ihre Ressourcen und Fähigkeiten ausschöpfen können? Unter welchen Bedingungen, würden Sie sich noch mehr sozial einbringen?
  6. Unter welchen Bedingungen würden Sie Ihrem Leben noch mehr Sinn verleihen?

Auf diese Weise kann man Stoff sammeln, und zwar sehr viel, denn jede/r wird was anderes sagen und man könnte daraus ein politisches Programm zusammenstellen. Das ist eigentlich das Ziel meines Projektes/Konzeptes!

Übersicht über mein kontrolltheoretisches Modell, das sowohl LdL als auch den NMR zugrundeliegt:

1. Ziel aller Aktivitäten (von Menschen, Tieren und sonstigen lebenden Entitäten) ist die Lebenserhaltung.

2. Lebenserhaltung erfolgt über Kontrolle

3. Die zu kontrollierenden Felder manifestieren sich als „Bedürfnisse“. Die Bedürfnisse signalisieren, dass in einem bestimmten Feld Handlungsbedarf besteht. Physiologische Bedürfnisse zeigen sich beispielsweise als Hungergefühl, Durst, sexuelles Begehren. Sicherheitsbedürfnis drückt sich als Angst aus, usw…

4. Das Organ, das Bedingungen für die Bedürfnisbefriedigung (Kontrolle) schafft, ist bei Lebewesen das Gehirn und das Nervensystem.

5. Insofern ist das Gehirn das Kontrollorgan par excellence!

6. Damit der Organismus motiviert wird, im Sinne der Lebenserhaltung (Kontrolle/Bedürfnisbefriedigung) zu handeln, muss dieses Handeln (essen, trinken, Sexualität, usw.) Spaß machen. Kontrollaktivitäten müssen also Freude vermitteln.

7. Daher muss das Denken, also die Aktivität des Kontrollorgans Nr.1, viel Spaß machen. Dieser Spaß drückt sich als Flow aus.

8. Man denkt vor allem, wenn man Probleme zu lösen hat. Problemlösen macht also Spaß. Je mehr man Probleme löst, desto mehr Spaß. Und desto mehr Kompetenzen werden aufgebaut und eingeübt.

9. Problemen begegnet man, wenn man viel lebt. Viel lebt man, wenn man sich explorativ verhält.

Fazit: Exploratives Verhalten -> Probleme lösen (Kontrolle gewinnen) -> Flow und Verstärkung der Denkfähigkeit -> Lust, weitere Probleme zu lösen und damit seine Denkfähigkeit zu erhöhen -> exploratives Verhalten -> neue Probleme lösen und Ausdehnung der Kontrolle -> usw…

Nicole Kern: Podcasts „Neue Menschenrechte“

Tobias Illigs Interview: JPM über Lernen, Motivation, Führungskräfte

 

Isabelle Schuhladen Le BourhisSehr schönes Interview, das die Komplexität des LdL-Konzeptes perfekt rüber bringt! Ich bin ein großer Fan von JPM, habe bei ihm in EI studiert, bin jetzt auch Lehrerin und lebe im LdL-Modus. Gestern habe ich ein One Best Thing bei der Tagung #eduswabia in Gersthofen gehalten. Für viele klang es vor ein paar Jahr sehr verrückt, heute aber haben viele erkannt, dass dies der richtige Weg ist: Komplexität suchen, konzeptualisieren, neue Lösungen entwickeln und dann: diesen Menschen eine Bühne anbieten, wo sie ihr neues Wissen, das sie gemeinsam konstruiert haben, zu präsentieren. Dadurch bekommen sie die Möglichkeit, sich zu vernetzen, neue unbekannte Felder zu entdecken und so geht es weiter! Explorativ sein!“
Die Theorie dazu (2018, nur 15 Seiten)

Basistext: PdF-Download

Jean-Pol Martin: Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle. In: Olaf-Axel Burow, Stefan Bornemann (Hrsg.): Das große Handbuch Unterricht & Erziehung in der Schule. Carl Link Verlag, 2018. S. 345–360. ISBN 978-3-556-07336-0.