NMR. Wir erstellen ein politisches Programm.

Um die Inhalte der 6 Neuen Menschenrechte zu konkretisieren!

Was wäre aus Ihrer Sicht günstig, damit Sie Ihre Bedürfnisse besser befriedigen können:

  1. Unter welchen Bedingungen, würden Sie intensiver und interessanter denken?
  2. Unter welchen Bedingungen würden Sie noch gesünder leben?
  3. Unter welchen Bedingungen würden Sie sich noch sicherer fühlen?
  4. Unter welchen Bedingungen könnten Sie sich noch mehr sozial anschließen und einbinden?
  5. Unter welchen Bedingungen würden Sie noch mehr Ihre Ressourcen und Fähigkeiten ausschöpfen können? Unter welchen Bedingungen, würden Sie sich noch mehr sozial einbringen?
  6. Unter welchen Bedingungen würden Sie Ihrem Leben noch mehr Sinn verleihen?

Auf diese Weise kann man Stoff sammeln, und zwar sehr viel, denn jede/r wird was anderes sagen und man könnte daraus ein politisches Programm zusammenstellen. Das ist eigentlich das Ziel meines Projektes/Konzeptes!

Das NMR-Verbreitungspaket! (18.09.20)

Übersicht über mein kontrolltheoretisches Modell, das sowohl LdL als auch den NMR zugrundeliegt:

1. Ziel aller Aktivitäten (von Menschen, Tieren und sonstigen lebenden Entitäten) ist die Lebenserhaltung.

2. Lebenserhaltung erfolgt über Kontrolle

3. Die zu kontrollierenden Felder manifestieren sich als „Bedürfnisse„. Die Bedürfnisse signalisieren, dass in einem bestimmten Feld Handlungsbedarf besteht. Physiologische Bedürfnisse zeigen sich beispielsweise als Hungergefühl, Durst, sexuelles Begehren. Sicherheitsbedürfnis drückt sich als Angst aus, usw…

4. Das Organ, das Bedingungen für die Bedürfnisbefriedigung (Kontrolle) schafft, ist bei Lebewesen das Gehirn und das Nervensystem.

5. Insofern ist das Gehirn das Kontrollorgan par excellence!

6. Damit der Organismus motiviert wird, im Sinne der Lebenserhaltung (Kontrolle/Bedürfnisbefriedigung) zu handeln, muss dieses Handeln (essen, trinken, Sexualität, usw.) Spaß machen. Kontrollaktivitäten müssen also Freude vermitteln.

7. Daher muss das Denken, also die Aktivität des Kontrollorgans Nr.1, viel Spaß machen. Dieser Spaß drückt sich als Flow aus.

8. Man denkt vor allem, wenn man Probleme zu lösen hat. Problemlösen macht also Spaß. Je mehr man Probleme löst, desto mehr Spaß. Und desto mehr Kompetenzen werden aufgebaut und eingeübt.

9. Problemen begegnet man, wenn man viel lebt. Viel lebt man, wenn man sich explorativ verhält.

Fazit: Exploratives Verhalten -> Probleme lösen (Kontrolle gewinnen) -> Flow und Verstärkung der Denkfähigkeit -> Lust, weitere Probleme zu lösen und damit seine Denkfähigkeit zu erhöhen -> exploratives Verhalten -> neue Probleme lösen und Ausdehnung der Kontrolle -> usw…

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Aus: Martin, Jean-Pol, „Neubegründung und Reformulierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, in: Kolbe,S./Martin,J.-P/Ruep,M (Hg): „Neue Menschenrechte? Bestandsaufnahme eines bedürfnisorientierten Handlungsansatzes“, Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2020

(…)

Teil III. Politik

(…)

2.Die notwendigen Strukturen: politisches Programm

Im Folgenden werden die Bedingungen beschrieben, unter denen die genannten Rechte wahrgenommen werden können. Sie lassen sich auch als politisches Programm formulieren. In allen Fällen geht es um die Befriedigung des alles einschließenden Bedürfnisses nach Kontrolle.

2.1. Art.1 Das Recht auf Denken

Das Denken dient der kognitiven Kontrolle der erlebten Situationen zum Zweck der Lebenserhaltung. Unter Denken wird der Vorgang der Informationsverarbeitung und der Konzeptualisierung verstanden. Die Förderung von Denkaktivitäten erhöht die individuelle und kollektive Kontrollkompetenz der Menschen. Dazu müssen entsprechende Strukturen angeboten werden: in der Schule (Inhalte und Methoden) und am Arbeitsplatz (Konzeptualisierungsmöglichkeiten). Es ist aber auch Aufgabe der Politik, die Gestaltung des Gemeinwesens so zu organisieren, dass die Bürger an dessen Optimierung beteiligt werden und somit ein breites, relevantes Feld zur Konzeptualisierung vorfinden (Bürgerbeteiligung). Wenn eine Glücksbedingung des Menschen in der Reflexion und der Partizipation an der kollektiven Reflexion über die Zukunft der Menschheit besteht, so muss diese Tätigkeit an prominenter Stelle in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stehen.

Aus der AEMR sind Art.1, 18, 19 und 27 (Freiheiten), Art. 26 (Recht auf Bildung) betroffen. In diesem Zusammenhang kommen die bereits eingeführten kognitiven Instrumente zum Einsatz: die Beachtung der Antinomien (Systemtheorie), das dialektische Denken, die 7 Wege zur Effektivität von R.Covey. Günstig ist der Aufbau eines explorativen Verhaltens. Dabei ist aus erkenntnistheoretischer Sicht der Falsifikationismus von Popper (trial and error) zu empfehlen. Auch der Aufbau von Empathie sollte gefördert werden, also das sich Hineindenken in andere Positionen.

2.2. Art.2 Das Recht auf Gesundheit

Die Pflege der Gesundheit ist die Voraussetzung zur Lebenserhaltung. Es geht darum, den Organismus funktionstüchtig unter Kontrolle zu behalten. Diese Kontrolle richtet sich auf körperinterne Vorgänge, indem der Organismus Energie aufnimmt und sie ökonomisch einsetzt. Dies betrifft also die Ernährung und die intellektuelle und körperliche Betätigung (Sport). Bedeutsam für die Kontrolle des Organismus ist die mentale Verarbeitung von Impulsen aus dem Körper oder aus der Umwelt: durch entsprechende Techniken sollten Lebensereignisse – auch schmerzhafte – insgesamt positiv aufgenommen und verarbeitet werden (seelische Gesundheit). Ferner muss individuell und kollektiv permanent an einer Aufrechterhaltung und Optimierung der Umwelt gearbeitet werden (Umweltschutz). Aus all diesen Zielsetzungen entstehen vielfältige Rechte, die ausformuliert zu Gesetzen führen.

Aus der AEMR sind die Art.24 (Recht auf Erholung und Freizeit) und Art.25 (Recht auf Wohlfahrt) betroffen.

2.3. Art.3 Das Recht auf Sicherheit

Sicherheit spielt im Leben von Menschen eine große Rolle. Im Hinblick auf die Lebenserhaltung drückt sie sich als Gefühl der Kontrolle aus. Daher ist es legitim, dass die AEMR diesem Thema einen breiten Raum widmet und die Abwehrrechte in den Mittelpunkt stellt. Dennoch müssen Leistungsrechte wie das Recht auf Arbeitsplatz und auf Wohnung Priorität erhalten, denn sie wirken sich auf das gesamte Lebensgefühl aus. Die Aufgabe, für die Sicherheit der Menschen zu sorgen, obliegt dem Staat. Allerdings gehört zur Sicherheit nicht nur der Schutz der Bürger gegen Übergriffe, sondern auch die Planung der Zukunft sowohl was die materielle Ausstattung des Landes als auch was die Bildung der jungen Menschen betrifft. Die Erweiterung der Lebenskompetenzen und die Möglichkeiten der Selbstverwirklichung erhöhen die aktuelle und künftige Sicherheit. Das Gefühl der Sicherheit hat nicht nur individuelle sondern auch soziale Implikationen. Unsicherheit vermittelt ein Gefühl des Unwohlseins, das sich auch auf das soziale Umfeld negativ auswirken kann, in Form von Aggressionen, Unruhen und Gewalt. Auch andere Dimensionen wirken sich auf das Gefühl der Sicherheit aus. So wirkt sich der Eindruck, dass Staat und Gesellschaft keine Ungerechtigkeiten generieren positiv auf das Wohlbefinden aus. Daher ist es eine Aufgabe des Staates, Wohlstand für seine Bürger anzustreben.

Zum Recht auf Sicherheit lassen sich folgende Artikel aus der AEMR zuordnen: Art.3 (Recht auf Leben und Freiheit), Art.4 (Verbot der Sklaverei und des Sklavenhandelns, Art.5 (Verbot der Folter), Art.6 (Anerkennung als Rechtsperson), Art.7 (Gleichheit vor dem Gesetz) Art.8 (Anspruch auf Rechtsschutz), Art.9 (Schutz vor Verhaftung und Ausweisung), Art.10 (Anspruch auf faires Gerichtsverfahren, Art.11 (Unschuldsvermutung), Art.12 (Freiheitssphäre des Einzelnen Art.14 Asylrecht, Art. 15 (Recht auf Staatsangehörigkeit), Art.17 (Recht auf Eigentum), Art.22 (Recht auf soziale Sicherheit) Art.28 (Soziale und internationale Ordnung)

2.4. Art.4. Das Recht auf soziale Einbindung und soziale Anerkennung

Alle Untersuchungen über Glück weisen auf die Bedeutung der sozialen Einbindung und der sozialen Anerkennung hin. Bedürfnistheoretisch ist es nicht überraschend, denn der Kontakt zu anderen Menschen ermöglicht die Befriedigung aller Bedürfnisse, die zu Beginn aufgelistet wurden: Denkaktivitäten, physiologische Bedürfnisse, Gesundheit, Sicherheit, Soziale Einbindung, Partizipation und Selbstverwirklichung sowie Sinn. Aufgabe der Politik ist es, diesem Bedürfnis Priorität einzuräumen. Dies betrifft den Städtebau und die Architektur sowie die Organisation der Arbeit, die familienfreundlich zu gestalten sind und die Einrichtung von Begegnungsstätten, die Zusammenkünfte von Bürgern ermöglichen. Auch die Bürgerbeteiligung ist ein Element, das Kohäsion innerhalb der Bevölkerung fördert. Wichtig ist ferner die Art und Weise, wie mit Minderheiten umgegangen wird. Schließlich sind Maßnahmen zu empfehlen, die die Herausbildung und Festigung der Identifizierung der Bürger mit Staat und Wohnort begünstigen. Förderlich ist schließlich das Gefühl der Gerechtigkeit und gesetzliche Stabilität. Korruption und politische Verfehlungen sind Verstöße gegen den Artikel 4 (soziale Einbindung und Anerkennung)

Aus der AEMR sind folgende Artikel zuzuordnen: Art.1 (Gleichheit, Brüderlichkeit), Art.16 Eheschließung und Familie Art.20 Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Art.22 (Recht auf soziale Sicherheit), Art.25 (Recht auf Wohlfahrt), Art.26 (Recht auf Bildung), Art.27 (Freiheit des Kulturlebens)

2.5. Art.5. Das Recht auf Partizipation und Selbstverwirklichung

Selbstverwirklichung entspricht einem Expansionsbedürfnis. Maslow formuliert: „Was der Mensch kann, das muss er.“ Es ist die Ausdehnung von Kontrolle und die Aneignung von zusätzlichen materiellen und ideellen Ressourcen. Dazu gehört auch die Partizipation an Vorhaben und Aktivitäten, die die Gemeinschaft betreffen. Als Feld für Selbstverwirklichung und Partizipation bietet sich der Arbeitsplatz, aber auch die politische Arbeit in den Städten und Kommunen. Hier werden alle Fähigkeiten gefordert und gefördert, vor allem aber Reflexion und Konzeptualisierung. Planungen für die Zukunft der Gesellschaft und der Welt sind Aufgaben, die alle Menschen angehen und unser Überleben als Gattung sowie die Erhaltung der Erde sichern.

Partizipation und Selbstverwirklichung werden in der AEMR nicht als Recht benannt. Nach 1948 stand der Schutz der Menschen im Fokus, die Artikel waren in ihrer Mehrheit als Abwehrrechte gedacht. Dennoch lassen sich folgende Artikel diesem Ziel zuordnen: Art.13 (Freizügigkeit und Auswanderungsfreiheit), Art.17 (Recht auf Eigentum), Art. 18 (Gedanken, Gewissen, Religionsfreiheit), Art.19 (Versammlungs- und Meinungsfreiheit), Art.21 (Wahlrecht), Art.23 (Recht auf Arbeit, gleichen Lohn), Art.24 (Recht auf Erholung und Freizeit), Art.25 (Recht auf Wohlfahrt), Art.26 (Recht auf Bildung), Art.27 (Freiheit des Kulturlebens). Hier wird deutlich, dass die Menschen vor allem geschützt werden sollen gegen Eingriffe von außen. Selbstverwirklichungsziele werden nicht aufgeführt. Die AEMR unterscheidet zwischen Abwehrrechten, Leistungs- und Schutzrechten und Partizipationsrechten. Letztere stehen heute aufgrund der veränderten Situation stärker im Mittelpunkt.

2.6. Art.6. Das Recht auf Sinn

Auch die Reflexion über den Sinn des eigenen Lebens dient der Kontrolle. Dazu liefern Religionen und Philosophien Interpretationsmuster. Über sie kann man das eigene Leben steuern, Ziele festlegen und prüfen, ob diese erreicht werden. Die Gesellschaft ist aufgefordert, rationale Sinnsysteme zur Verfügung zu stellen. Dies geschieht vor allem in Schule und Universität, aber auch in Unternehmen, Vereinen und Parteien. Allerdings sind die Angebote an Sinnsystemen heute noch sehr heterogen, mit dem Ergebnis, dass eine Verständigung über menschliche Wünsche und Bedürfnisse nur mit großem Aufwand möglich ist. Der Stand der anthropologischen Forschung, insbesondere der Psychologie, der Gehirnforschung, der Bedürfnis- und Glücksforschung ist inzwischen so fortgeschritten, dass es möglich sein wird, ein konsensfähiges Menschenbild aufzustellen. Das wird eine Diskussion über Ziele und Strukturen erleichtern. Eine naturwissenschaftliche Begründung der Begriffe aus der AEMR könnte zu einer Veranschaulichung und Konkretisierung führen und dadurch zu einer Operationalisierung im politischen Diskurs. Beispielsweise lässt sich mit Rückgriff auf Schiller feststellen, dass die Würde sich am Grad der Befriedigung von Bedürfnissen messen lässt. Die Freiheit wiederum kann negativ (Schutz vor Unterdrückung) oder positiv (Eröffnen von Lebenschancen) spezifiziert werden. Hier fällt auf, dass im Bereich der positiven Freiheit noch viele Räume eröffnet werden müssen. Gegenwärtig wird die Etablierung der Menschenrechtsbildung als Fach in den Schulen angestrebt. Das wäre ein Ort, wo Sinnreflexionen intensiviert werden könnten.

3. Priorisierungen bei politischen Entscheidungen

Angesichts des Handlungsdrucks, dem Politiker im Alltag ausgesetzt sind, sollen die bedürfnis- und glücksorientierten „Neuen Menschenrechte“ eine Entscheidungsgrundlage liefern, die rasch internalisiert und mobilisiert werden kann. Insbesondere stellt die Priorisierung von bestimmten Aufgaben ein zentrales Problem dar, denn es sind ganz unterschiedliche Bürgerwünsche zu berücksichtigen, die nicht selten entgegengesetzt sind. Nicht selten beklagen sich Bürgergruppen darüber, dass kulturelle Belange aufgrund der bürgerlichen Zusammensetzung in den Stadträten besondere Berücksichtigung finden und unangemessene Unterstützung genießen, während notwendige  Ausgaben im sozialen Bereich ausbleiben. „Falsche“ Priorisierungen sorgen häufig für erheblichen Unmut in den Bürgerschaften. Eine vertiefte Reflexion über Bedürfnisse kann zu einer bürgerfreundlichen Setzung von Prioritäten in der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik führen.

Die vorgenommene Umstrukturierung der Menschenrechte soll im Einzelnen:

  • dafür sorgen, dass die Begriffe konkret an das Leben und die Befindlichkeit der Menschen anknüpfen;
  • einen raschen Überblick über Bedürfnisse und über die jeweilig notwendigen Priorisierungen ermöglichen;
  • eine permanente bedürfnis- und glücksorientierte Reflexion im Alltag einleiten, die für das Treffen von Entscheidungen eine rationale Basis liefert;
  • einen Vergleich der Lebenssituationen von Menschen erlauben, der zu unterschiedlichen Priorisierungen führt;
  • eine Folie für die Analyse von Glücks- oder Unglückssituationen von Menschen bieten: ohne viel Aufwand kann man sofort sehen, dass Gefängnisinsassen, Asylbewerber*innen in Ankerzentren, Kinder in Heimen und Schwerbehinderte erhebliche Hindernisse zu überwinden haben, die mit entsprechenden Maßnahmen zu beseitigen sind; natürlich ist der Inklusionsansatz ein guter Weg für die Zukunft.
  • Die Bedürfnisfolie erleichtert auch Empathie und Selbstreflexion: kann diese Person glücklich sein? Bin ich glücklich und wenn nicht, was kann ich tun, um glücklich zu werden?

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Selbstreflexion als Voraussetzung für die Identifikation von politischen Zielen

Um die Inhalte der 6 Neuen Menschenrechte zu konkretisieren!

Was wäre aus Ihrer Sicht günstig, damit Sie Ihre Bedürfnisse besser befriedigen können:

  1. Unter welchen Bedingungen, würden Sie intensiver und interessanter denken?
  2. Unter welchen Bedingungen würden Sie noch gesünder leben?
  3. Unter welchen Bedingungen würden Sie sich noch sicherer fühlen?
  4. Unter welchen Bedingungen könnten Sie sich noch mehr sozial anschließen und einbinden?
  5. Unter welchen Bedingungen würden Sie noch mehr Ihre Ressourcen und Fähigkeiten ausschöpfen können? Unter welchen Bedingungen, würden Sie sich noch mehr sozial einbringen?
  6. Unter welchen Bedingungen würden Sie Ihrem Leben noch mehr Sinn verleihen?

Auf diese Weise kann man Stoff sammeln, und zwar sehr viel, denn jede/r wird was anderes sagen und man könnte daraus ein politisches Programm zusammenstellen. Das ist eigentlich das Ziel meines Projektes/Konzeptes!

Übersicht über mein kontrolltheoretisches Modell, das sowohl LdL als auch den NMR zugrundeliegt:

1. Ziel aller Aktivitäten (von Menschen, Tieren und sonstigen lebenden Entitäten) ist die Lebenserhaltung.

2. Lebenserhaltung erfolgt über Kontrolle

3. Die zu kontrollierenden Felder manifestieren sich als „Bedürfnisse“. Die Bedürfnisse signalisieren, dass in einem bestimmten Feld Handlungsbedarf besteht. Physiologische Bedürfnisse zeigen sich beispielsweise als Hungergefühl, Durst, sexuelles Begehren. Sicherheitsbedürfnis drückt sich als Angst aus, usw…

4. Das Organ, das Bedingungen für die Bedürfnisbefriedigung (Kontrolle) schafft, ist bei Lebewesen das Gehirn und das Nervensystem.

5. Insofern ist das Gehirn das Kontrollorgan par excellence!

6. Damit der Organismus motiviert wird, im Sinne der Lebenserhaltung (Kontrolle/Bedürfnisbefriedigung) zu handeln, muss dieses Handeln (essen, trinken, Sexualität, usw.) Spaß machen. Kontrollaktivitäten müssen also Freude vermitteln.

7. Daher muss das Denken, also die Aktivität des Kontrollorgans Nr.1, viel Spaß machen. Dieser Spaß drückt sich als Flow aus.

8. Man denkt vor allem, wenn man Probleme zu lösen hat. Problemlösen macht also Spaß. Je mehr man Probleme löst, desto mehr Spaß. Und desto mehr Kompetenzen werden aufgebaut und eingeübt.

9. Problemen begegnet man, wenn man viel lebt. Viel lebt man, wenn man sich explorativ verhält.

Fazit: Exploratives Verhalten -> Probleme lösen (Kontrolle gewinnen) -> Flow und Verstärkung der Denkfähigkeit -> Lust, weitere Probleme zu lösen und damit seine Denkfähigkeit zu erhöhen -> exploratives Verhalten -> neue Probleme lösen und Ausdehnung der Kontrolle -> usw…

Nicole Kern: Podcasts „Neue Menschenrechte“

Tobias Illigs Interview: JPM über Lernen, Motivation, Führungskräfte

 

Isabelle Schuhladen Le BourhisSehr schönes Interview, das die Komplexität des LdL-Konzeptes perfekt rüber bringt! Ich bin ein großer Fan von JPM, habe bei ihm in EI studiert, bin jetzt auch Lehrerin und lebe im LdL-Modus. Gestern habe ich ein One Best Thing bei der Tagung #eduswabia in Gersthofen gehalten. Für viele klang es vor ein paar Jahr sehr verrückt, heute aber haben viele erkannt, dass dies der richtige Weg ist: Komplexität suchen, konzeptualisieren, neue Lösungen entwickeln und dann: diesen Menschen eine Bühne anbieten, wo sie ihr neues Wissen, das sie gemeinsam konstruiert haben, zu präsentieren. Dadurch bekommen sie die Möglichkeit, sich zu vernetzen, neue unbekannte Felder zu entdecken und so geht es weiter! Explorativ sein!“
Die Theorie dazu (2018, nur 15 Seiten)

Basistext: PdF-Download

Jean-Pol Martin: Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle. In: Olaf-Axel Burow, Stefan Bornemann (Hrsg.): Das große Handbuch Unterricht & Erziehung in der Schule. Carl Link Verlag, 2018. S. 345–360. ISBN 978-3-556-07336-0.

 

Ein Menschenbild für das 21.Jh.

Basistext: PdF-Download

Jean-Pol Martin: Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle. In: Olaf-Axel Burow, Stefan Bornemann (Hrsg.): Das große Handbuch Unterricht & Erziehung in der Schule. Carl Link Verlag, 2018. S. 345–360. ISBN 978-3-556-07336-0.

 

Vortrag

Politische Strukturen orientieren sich an den Menschenbildern, die in einer Gesellschaft  vorherrschen.  Diese sind noch stark von Religion und  Philosophie geprägt. Seit einigen Jahrzehnten haben die Gehirnforschung und die positive Psychologie neue Erkenntnisse über die Funktionsweise des Menschen gewonnen. Auf dieser Grundlage ist es möglich, ein neues, weltweit konsensfähiges Modell vorzuschlagen, auf das sich alle gesellschaftlichen Akteure beziehen können. Dies führt dazu, dass die tradierten Menschenrechte neu bestimmt und  als Grundbedürfnisse reformuliert werden. Damit wird das Recht auf Partizipation als Grundbedürfnis erkannt und die Bürgerbeteiligung bekommt eine ganz neue Dimension.

1. Lernen durch Lehren

Zu Beginn der 80er Jahre war ich Französischlehrer in Eichstätt und ich kam auf die Idee, Lehraufgaben an meine Schüler zu delegieren. Damit sollte in erster Linie ihr Sprechanteil erhöht werden.  Ferner würde das Verfahren die Motivation der Lernenden fördern, denn sie würden stärker beteiligt sein. Diese Ziele wurden erreicht. Insbesondere die Motivation der Lernenden wurde stark erhöht. Auf der Suche nach einer theoretischen Begründung dieses Motivationsanstieges, widmete ich mich der Bedürfnisforschung, stieß aber zugleich auf die damals noch peripher einbezogenen Neurowissenschaften.

2. Die Grundbedürfnisse

(Nach Maslow)

Screenshot_2018-11-18 Benutzer Jeanpol Vortrag2018 – Wikiversity

  • Physiologische Bedürfnisse: Schlafen, Essen, Bewegung, Sexualität
  • Bedürfnis nach Sicherheit: Physische Sicherheit (keine körperliche Bedrohung), Psychische Sicherheit (keine Demütigung, Arbeitsplatz, Wohnung)
  • Bedürfnis nach sozialer Einbindung: In einer Gruppe sein
  • Bedürfnis nach Anerkennung: Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein
  • Bedürfnis nach Selbstverwirklichung: Seine Potenziale realisieren
  • Bedürfnis nach Sinn: Warum lebe ich?

3. Informationsverarbeitung und Kontrolle als übergeordnetes Bedürfnis

Alle Grundbedürfnisse entsprechen Kontrolldimensionen im Sinne der Lebenserhaltung (Kontrolle über das eigene Leben):

  • Physiologische Bedürfnisse (Erhaltung des Organismus – Kontrolle über den Körper damit er lebenstüchtig bleibt),
  • Sicherheit (ist gleichzusetzen mit Kontrolle über Umfeld und unmittelbaren Lebensraum),
  • Soziale Einbindung (Freunde helfen mir, das Umfeld „im Griff zu behalten“),
  • Soziale Anerkennung (signalisiert mir, dass ich lebenstüchtig bin),
  • Selbstverwirklichung (ich dehne mein Kontrollfeld aus, z.B. indem ich ein Instrument spiele und mir neues Wissen aneigne),
  • Sinn (ich gewinne Kontrolle über mein Leben und empfinde es als kohärent)

Die Verarbeitung von Information ist Voraussetzung für eine kontinuierliche Anpassung des Organismus an den Zustand der Umwelt. Passt sich der Organismus nicht an den Zustand der Umwelt an, ist er nicht mehr lebensfähig. Die Informationsverarbeitung erlaubt also Kontrolle. Und sie wird auf der mentalen Ebene als „Flow“ empfunden.

4. Exploratives Verhalten und Flow

Um „mehr von der Welt“ zu haben, also mehr Felder zu „kontrollieren“, ist es günstig, wenn man sich explorativ verhält, also neue, unbekannte Bereiche betritt. Dadurch wird die „kognitive Landkarte“ ausgeweitet, das Selbstbewusstsein wird gestärkt und fördert wiederum das explorative Verhalten. Ein sich selbst verstärkender Prozess. Damit wir motiviert sind, uns explorativ zu verhalten, werden wir durch „Flow“ belohnt. Ein tolles Gefühl des Fließens.

5. Instrumente zur kognitiven Kontrolle liefern

Kontrolle/Unbestimmtheit

Ordnung/Chaos

Klarheit/Unschärfe

Einfachheit/Komplexität

Integration/Differenzierung

Gesellschaft/Individuum

Zwang/Freiheit

Konkretion/Abstraktion

Linearität/Nicht-Linearität

Zentralisierung/Dezentralisierung

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Der Mensch sehnt sich bewusst nach Ordnung, Klarheit, Einfachheit… Aber sehr schnell werden ihm solche Strukturen langweilig. Der Bauplan der Natur sieht vor, dass Lebewesen permanent trainieren, Unbestimmtheit, Chaos, Komplexität und Unklarheit zu reduzieren. Menschen sind so konstruiert, dass sie Chaos, Unbestimmtheit und Komplexität aufsuchen, um daraus Ordnung, Klarheit und Einfachheit zu schaffen.

6. Dialektisches Denken

Dialektisches Denken führt permanent zu einer Integration scheinbar widersprüchlicher Positionen, die sich auf einem (höheren) Niveau vereinen und weiterentwickeln. Gerade für politisch Handelnde kann diese Erkenntnis sehr fruchtbar sein, denn sie ermöglicht ein gemeinsames Angehen von Problemen über Parteien hinweg.

7. Konzeptualisierung

Unter Konzeptualisierung ist die Erstellung von kognitiven Schemata zu verstehen, die umfangreiche Informationen zu kompakten, handlungsmotivierenden Modellen bündeln

8. Denken und Glück aus Sicht der Philosophie

In der griechischen Antike die Befriedigung von Bedürfnissen als Quelle des Glücks hervorgehoben, wobei unterschieden wird zwischen niedrigeren und höheren Genüssen. Die wertvolleren Freuden werden dem Bereich des Denkens zugeordnet.

9. Projekt als glückgenerierende Struktur

Auf der Suche nach Aufgabenprofilen, die permanent Konzeptualisierung verlangen, hohe Potenziale zur Befriedigung der Grundbedürfnisse enthalten und gleichzeitig Flow-Gefühle dauerhaft induzieren stößt man rasch auf die Projektstruktur.

10. Die Globalisierung und die Ausdehnung der Konzeptualisierungsräume

Die Digitalisierung und die Globalisierung haben neue Räume eröffnet. Hier bietet sich an, das Internet metaphorisch als Makrohirn zu definieren und zu erkennen, dass die Menschen aufgrund der neuen Kommunikationsmöglichkeiten weltweit in raschen und stabilen Interaktionen treten können, wie dies Milliarden von Neuronen im Gehirn tun.

11. Konzeptualisierung als Grundbedürfnis und Menschenrecht

Die Glücksforschung führt zu der Erkenntnis, dass das menschliche Glück von der Befriedigung der von Maslow aufgelisteten Grundbedürfnisse abhängt. Allerdings wird bei Maslow das Denken (Informationsverarbeitung und Konzeptualisierung) nicht aufgeführt. Das liegt daran, dass die Neurowissenschaften erst in den letzten Dekaden die Funktionsweise des Gehirns ins Bewusstsein gerückt  haben. Wenn das so ist, so müssten die Menschenrechte neu formuliert werden.

Neue Menschenrechte

Die „Erklärung der Menschenrechte“ wurde 1948 verfasst und unterlag anderen Prämissen als heute. Die Terminologie ist philosophisch und religiös geprägt. Dies ist an den unscharfen Begriffen zu erkennen. So ist das zentrale Konzept der Würde unbestimmt, eröffnet für unzählige Deutungen Raum und ist kaum operationalisierbar. Dies trifft auch zu für andere Kernbegriffe der aktuellen Menschenrechte wie Brüderlichkeit, Gleichheit, Gerechtigkeit. Ein Bezug auf die Grundbedürfnisse eröffnet andere Möglichkeiten für eine Umsetzung im Alltag und in der Gesetzgebung. Ist eine Glücksbedingung des Menschen die Reflexion und die Partizipation an der kollektiven Reflexion über die Zukunft der Menschheit, so müsste diese Tätigkeit an prominenter Stelle in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stehen.

Meine Vorschläge hierzu:

(Unter jedem Abschnitt stehen die Nummern der Artikel aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die sich inhaltlich an den jeweiligen Text anbinden lassen):

Präambel:Glück
Ziel aller Maßnahmen weltweit ist die Schaffung von Strukturen (wirtschaftlichen, politischen, ethischen), die für ein Mehr an Entfaltung für die Natur und an Glück für alle Lebewesen sorgen. Die nachfolgenden Artikel bilden dazu Voraussetzungen.

Allg. Erklärung der Menschenrecht: entfällt

Artikel 1: Denken

Zentrales Grundbedürfnis des Menschen ist das Denken (Informationsverarbeitung und Konzeptualisierung).
Es müssen Bedingungen geschaffen werden, damit alle Menschen Zugang zu Informationen und zur Möglichkeit der Konzeptualisierung erhalten. Denken setzt die Realisierung der Artikel 2 bis 6 voraus.

Allg. Erklärung: Artikel 18, 19, 26, 27

Artikel 2: Gesundheit

Alle Maßnahmen sollen weltweit getroffen werden, damit Lebewesen ihre physiologischen Bedürfnisse (z.B. Schlaf, Hunger, Sexualität) befriedigen können. Mit der Natur als Reservoir wird sorgfältig und schonend umgegangen.

Allg. Erklärung: Artikel 24, 25

Artikel 3: Sicherheit

Es wird weltweit angestrebt, Strukturen zu schaffen, die für ein Maximum an Sicherheit für alle Lebewesen sorgen. Mit der Natur wird auch in diesem Zusammenhang schonend umgegangen.

Allg. Erklärung: Artikel 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 14, 15, 17, 22, 28

Artikel 4: Soziale Einbindung

Es wird weltweit dafür gesorgt, dass Lebewesen sich in einem sozial stützenden Umfeld bewegen können. Es sollen Strukturen geschaffen werden, die Selbstverwirklichung sozial unterstützen.

Allg. Erklärung: Artikel  1,  16, 20, 22, 25, 26, 27

Artikel 5: Selbstverwirklichung und Partizipation

Es ist weltweit dafür zu sorgen, dass Lebewesen alle ihre Potenziale zur Entfaltung bringen können. Dabei ist schonend mit der Natur umzugehen. Die Entfaltung des Einzelnen kann nur im Rahmen der ihn umgebenden Strukturen erfolgen. Es muss die Möglichkeit bestehen, Einfluss auf diese Strukturen zu nehmen, also teilzunehmen. Die Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass möglichst viele ihre intellektuellen, emotionalen und materiellen Ressourcen dafür zur Verfügung stellen.

Allg. Erklärung: Artikel 12, 13, 17, 18, 19, 20, 21, 23, 24, 25, 26, 27

Artikel 6: Sinn

Es wird weltweit dafür gesorgt, dass Lebewesen ihr Leben als sinnvoll und befriedigend empfinden können.

Allg. Erklärung: entfällt

Ein Vorteil dieser Neuformulierung der Menschenrechte besteht in ihrer Operationalisierbarkeit. Während „die Menschenwürde“ oder die „Freiheit“ wegen ihrer Abstraktheit schwer direkt einklagbar sind, lässt sich das „Recht auf gute Denkbedingungen“ leichter konkretisieren. So wird ein Inhaftierter, der keinen Zugang zu Informationen erhält, dem keine Arbeitsgruppe zur Verfügung steht, der geistig unterfordert wird, auf sein Recht auf Konzeptualisierung bestehen können. Dies gilt auch für eine große Anzahl von Berufstätigen, die  keine intellektuelle Herausforderung an ihrem Arbeitsplatz erleben. Wenn die Befriedigung des Grundbedürfnisses nach Information und Konzeptualisierung zum Menschenrecht  erhoben wird, so verlangt es eine neue Organisation der Gesellschaft.  Sie hat das Ziel, die aufkommenden Probleme lösen und eine bessere Welt schaffen.

12. Bürgerbeteiligung als Konzeptualisierungs- und Glücksfeld

Um die neudefinierten Menschenrechte in die Realität umzusetzen, müssen alle Menschen sich gesellschaftlich betätigen. Dabei können sie alle ihre Grundbedürfnisse, insbesondere das Bedürfnis nach Konzeptualisierung und nach Sinn befriedigen. Insofern ist Bürgerbeteiligung eine Glücksquelle.

Dokumente

Was braucht der Mensch, um glücklich zu sein?

Google-Scholar (Jean-Pol Martin)

Lernen durch Lehren: Youtube Videos

Wikipedia-Article „Learning by teaching“

Zugriffe auf „Learning by teaching“

Wir brauchen neue Menschenrechte (Artikel im Donaukurier)

Vortrag in Wikiversity

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948)

Einordnung des Konzeptes durch Simon Wilhelm Kolben

Einordnung des Konzeptes durch Andreas Broszio

Learning by teaching: Conceptualization as a source of happiness

Hier die PdF-Datei:

Learning by teaching: Conceptualization as a source of happiness

07336000

 

„Konzeptualisierung als Glücksquelle“ (Martin 2018) in verständlicher Sprache

Zwei Fachleute, Sylva Jürgensen und Simon Wilhelm Kolbe haben meinen Artikel „Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle (2018)“ gelesen und wollen diesen Text vielen Menschen zugänglich machen. Daher haben sie beschlossen, den Artikel in „verständliche Sprache“ zu übersetzen.

Entwurf (Stand 22.09.2018)

Verständliche Sprache

Einleitung: (Einfach):

Texte oder Fachartikel zu verfassen ist schwer. Texte und ihren Sinn zu verstehen und lesen zu können ist noch viel schwerer. Für einige Menschen ist es einfacher und manche Menschen aber nicht. Sie können nicht so gut lesen, weil sie zum Beispiel schlecht sehen oder sogar blind sind. Andere können nicht so gut verstehen weil sie eine Behinderung haben oder weil sie aus einem anderen Land sind. Viele Menschen waren auch noch nie oder nicht lange in der Schule und können deswegen nicht so gut lesen. Es gibt aber auch Menschen die können sich nicht so gut konzentrieren oder vielleicht gibt es auch welche die einfach keine Lust haben, viel zu lesen.

Herr Jean-Pol Martin (das spricht man „Schan-Pool Martän“) ist Professor an einer Universität und hat schon viele Texte und Bücher über eine besondere Art zu Lernen geschrieben. Diese Methode hat er Lernen durch Lehren genannt. Er glaubt, dass Menschen besser lernen, wenn sie sich gegenseitig dabei helfen und selbst zum Lehrer oder zur Lehrerin werden. Er ist sogar der Meinung, dass die Menschen, die das machen, dabei glücklich werden. Jean-Pol hat ein bestimmtes Menschenbild entwickelt, dass er für ganz wichtig hält. Darüber hat er einen langen Aufsatz geschrieben.

Viele Menschen finden das, was der Jean-Pol macht ziemlich gut und erzählen das auf der ganzen Welt. Ganz viele Leher und Lehrerinnen machen das Lernen durch Lehren auch schon in ihrem Unterricht. Von diesen Menschen haben sich einige zusammen mit Jean-Pol Gedanken gemacht und folgendes beschlossen:

Jeder Mensch hat das Recht, zu lesen und zu verstehen, was Jean-Pol Martin für ein Menschenbild entwickelt hat. Jean-Pol hat das aber sehr kompliziert geschrieben, weil er ein Mensch ist, der ganz kompliziert denken und schreiben kann. Damit mehr Menschen ihn verstehen, haben sich einige Leute zusammengesetzt und versucht seinen wichtigsten Text zu übersetzen. Einmal in verständliche Sprache und ein weiteres Mal die wichtigsten Teile in „leichte Sprache“.

Einleitung

Planvolles Handeln macht glücklich

Politiker und Politikerinnen sollen Menschen glücklich machen. Das ist eine schwere Aufgabe. Dafür brauchen die Menschen ein gemeinsames Menschenbild mit dem alle einverstanden sind und das für alle Menschen gleich ist. Dafür muss man verschiedene Sachen untersuchen und beachten: Die Bedürfnisse von Menschen. Was die Menschen brauchen um glücklich sein und wie das Gehirn funktioniert.

1.Glück

Viele Menschen haben über das Glücklichsein geschrieben. Manche  sagen: Glück ist, wenn ich mich längere Zeit insgesamt wohl und froh fühle, auch wenn es mal schwierig wird oder besonders schön. Dieses Wohlfühlen kommt durch die Befriedigung von Bedürfnissen und was unser Körper dann macht, nämlich Wohlfühlhormone ausschütten (z.B. Dopamin, Oxytocin, Adrenalin).

Herr Czikzentmihalyi (1999) fand heraus, dass Menschen unter bestimmten Bedingungen richtig starke Glückserlebnisse haben können, die das längere Wohlbefinden unterstützen. Er nannte diese Erlebnisse Flow. To flow ist Englisch und bedeutet fließen. Man fließt über vor Glück und erlebt den Moment sehr intensiv. Wenn man möchte, dass Menschen glücklich werden, so ist es günstig ihnen Rahmenbedingungen zu geben, in denen sie Flow-Erlebnisse haben können.

1.1. Die Grundbedürfnisse nach Maslow

Die Glückspyramide von Maslow

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Ein Herr Maslow (1981) hat ein Modell entwickelt, welche Bedürfnisse für Menschen so wichtig sind, dass sie etwas tun wollen. Wenn die Bedürfnisse befriedigt werden, dann sind die Menschen zufrieden. Es gibt unterschiedliche Stufen, die aufeinander aufbauen. Maslow fand heraus, dass man auf den Stufen weiter nach oben kommt, je mehr Bedürfnisse auf den unteren Ebenen erfüllt sind. Überlebenswichtig ist es für jeden Menschen zu Atmen, zu Essen und zu Schlafen (Physiologische Bedürfnisse). Jeder Mensch möchte sich sicher fühlen, da wo er gerade ist (Sicherheit). Jeder Mensch möchte mit Menschen zusammen sein, die er mag und die ihn mögen (Soziale Beziehungen), er möchte gesehen und wertgeschätzt werden für sein Handeln (Soziale Anerkennung). Das Bedürfnis eigene Ideen umzusetzen und Gutes für sich zu tun, nennt man Selbstverwirklichung. Wenn alle diese Bedürfnisse erfüllt sind, können Menschen sich damit beschäftigen, welchen Sinn dieses Leben hat und ob es noch größere Zusammenhänge gibt (Sinn).

1.2. Das Bedürfnis nach Kontrolle

Bestimmte Forscher (Österreich 1981, 24ff; Dörner 1983,433), die sich mit Gefühlen beschäftigten, fanden heraus, dass das Gefühl die Kontrolle zu haben sehr wichtig für Menschen ist. Es ist das Gefühl „die Situation im Griff zu haben“.

Mit Gefühlen reagieren Menschen auf Reize und Erfahrungen wie den Verlust von Kontrolle – (hier erlebt man Angst, Schreck, Furcht) oder den Wiedergewinn von Kontrolle (hier erlebt man Stolz, Triumph, Freude).

Kontrolle zu haben ist lebenswichtig. Die Kontrolle völlig zu verlieren würde bedeuten zu sterben. Das Gefühl der Kontrolle meldet den Menschen, was sie tun könne, um ihr Leben zu erhalten. Ihr Leben zu erhalten ist die Motivation, warum Menschen handeln.

Alle Bedürfnisse, die Herr Maslow herausgefunden hat, folgen auf allen Stufen dem Bedürfnis nach Kontrolle zur Lebenserhaltung.

Auf der Ebene der Physiologischen Bedürfnisse pflegt man den Körper, damit er gesund bleibt (Zähne putzen, frühstücken..) Auch das Bedürfnis nach Sexualität dient der Lebenserhaltung, hier der Art.

Auf der Ebene der Sicherheit fühlt sich der Mensch wohl, wenn er nicht bedroht wird und seinen Lebensraum unter seiner Kontrolle – „im Griff“ -hat.

Auf der Ebene der sozialen Einbindung und Anerkennung möchte der Mensch Kontrolle haben über seine Handlungsmöglichkeiten in seinem Lebensumfeld. Wenn er viele gute Kontakte zu seiner Familie, Freunden und Kollegen hat, gibt es mehr Möglichkeiten für ihn sein Leben im Griff zu haben. Wenn der Mensch anerkannt wird, verstärkt es sein Selbstbewusstsein und sein Gefühl der Kontrolle, dass sein Leben gut bleiben wird.

Auf der Ebene der Selbstverwirklichung möchte der Mensch seine Kontrolle ausdehnen und seine Begabungen in die Welt bringen, z.B. durch Kunst und Musik. Es drängt den Menschen seine Fähigkeiten weiterzuentwickeln und den Raum zu erobern. Dasselbe gilt für Sportbegeisterung, das Aneignen von Wissen oder Reisen. Der Mensch kann sozusagen immer mehr Bereiche seiner eigenen größer werdenden Welt „kontrollieren“.

Auch das Bedürfnis nach Sinn kann unter dem Kontrollbedürfnis eingeordnet werden.  Wenn der Mensch das Gefühl hat, die Dinge, die ihm im Leben passieren, haben einen Sinn, dann hilft ihm das sein eigenes Leben und die Umwelt zu verstehen und zu handeln.  Somit hat der Mensch die Kontrolle und die Sicherheit, die Regeln des Lebens allgemein zu entdecken und in sein Leben einzubauen.

1.3 Informationsverarbeitung und Kontrolle

Die Verarbeitung von Informationen ist das Mittel um das Gefühl der Kontrolle aufrecht zu erhalten. Der Mensch muss die Informationen, die aus dem Umfeld auf ihn einwirken ständig verarbeiten und kontrollieren, sonst wäre er nicht lebensfähig. Herr Portele  (1975) forschte, wie die Verarbeitung von Informationen gute Gefühle auslösen können. Das wichtigste ist, dass das Gehirn mit den genau richtigen Informationen versorgt wird. Er fand heraus, dass Menschen versuchen zu viele Informationen zu vermeiden oder sie zu verkleinern.  Kommen zu wenig Informationen, versuchen sie mehr Informationen zu erhalten. Menschen möchten also ein genau richtiges Maß an Informationen bekommen, damit es ihnen gutgeht und sie positive Gefühle haben. Um das gute Maß zu bekommen, muss der Mensch ständig immer neue Reize und Informationen aufnehmen. Dieselben Reize werden schnell als bekannt einsortiert und verarbeitet, daher endet der Prozess des Abgleichens der Informationen nie.

Es macht also Spaß Informationen zu verarbeiten, aber eben nur unter besonderen Bedingungen:

-Nicht zu viele Informationen auf einmal, aber auch nicht zu wenige, -nicht zu schwere Informationen, aber auch nicht zu einfache,

-nicht zu schnell aber auch nicht zu langsam.

Um gut motiviert handeln zu können, ist es wichtig, dass Menschen die Möglichkeit bekommen

-sich selbstständig Informationen und Reize zu holen

-solche Informationen zu finden, die ihnen helfen, den Ausbau ihrer  Verarbeitung zu unterstützen.

1.4. Kontrolle erweitern und Flow

Menschen möchten nicht nur die Kontrolle über ihr Leben haben um es zu erhalten, sondern sie möchten die Kontrolle erweitern über viele Bereiche. Menschen sind motiviert in diesen Bereichen zu handeln und diese besser zu verstehen. Sie möchten andere Länder dieser Erde kennenlernen und sogar den Weltraum, der unsere Erde umgibt. Sie möchten Erkenntnisse über die Vergangenheit haben und sie möchten wissen, was die Zukunft bringt.

Herr Dörner (1983,331ff.) erforschte die Merkmale erfolgreicher Menschen und fand heraus, dass sie mutig waren, sich in Situationen zu begeben, die ihnen unbekannt waren und die sie erstmal nicht kontrollieren konnten.

In diesen Situationen haben sie probiert möglichst viele von den Informationen, die sie schon einmal verarbeitet hatten, anzuwenden.  Jede neue Erfahrung aus der unbekannten Situation wurde mit den bereits bekannten Informationen verglichen und neu zusammengefügt.  Dabei entstand ein größerer Plan zum Handeln mit mehr Möglichkeiten. Ein größerer Plan stabilisiert das Gefühl von Kontrolle über mehr Bereiche. Gleichzeitig spürt der Mensch, dass er die unbekannte Situation unter Kontrolle hat und Herausforderungen bewältigen kann. Er fühlt sich nun noch sicherer und selbstbewusster und motivierter neue unbekannte Situationen zu erleben. Dieses mutige Verhalten sich in unbekannte Situationen zu begeben wird belohnt durch das positive Flow-Gefühl.

Dafür gibt es folgende Voraussetzungen:

-Unbekannte Felder betreten, Neues entdecken;

-Situationen mit offenem Ausgang, für die man die Verantwortung trägt;

– Probleme lösen, hohe Anforderungen bewältigen;

-mehr Kontrolle über das eigene Handeln und das Umfeld.

Jede herausfordernde Tätigkeit kann zu Flow führen, Erlebnisorientierte Erfahrungen wie Segeln und Reiten können Flow herstellen.  Unterricht geben, Vorträge und Workshops geben können Flow herstellen, wenn man die Kontrolle halten kann.

(…)

1.6 Konzeptualisierung

Die Abläufe und die Verarbeitung von Informationen im Gehirn sind mit guten Gefühlen verbunden. Mit dem sogenannten Flow, das ist ein Gefühl von großem Glück und Konzentration bei einer bestimmten Tätigkeit, wird man vor allem bei der Konzeptualisierung belohnt. Konzeptualisierung bedeutet, dass man in seinen Gedanken bestimmte Muster erstellen kann, die umfangreiche Informationen vereinfachen, verständlich und umsetzbar machen. So ein Prozess heißt Komplexitätsreduktion. Komplexitätsreduktion ist schwere Arbeit für das Gehirn, weil man sehr viele Informationen vereinfachen und sortieren muss. Mit der Komplexitätsreduktion möchte man möglichst viele Menschen erreichen: Zum Beispiel weil sie keine Zeit haben so viele Informationen zu lesen. Oder weil sie die Informationen gar nicht haben. Oder weil sie die Informationen nicht verstehen können. Die Komplexität von einem Thema zu reduzieren fühlt sich sehr gut an. Man wird nämlich mit einen Flow belohnt. Wenn man Informationen verarbeitet, hat man ein Gefühl von Kontrolle. Wenn man aber Konzeptualisierung betreibt, dann hat man viel bessere Kontrolle. Diese Kontrolle fördert und erhält das Leben von einem Menschen. Je länger und je mehr man konzeptualisieren kann desto besser.

(…)

2. Eigenes Forschen in Projekten macht glücklich

Jean Pol hat herausgefunden, dass  Projekte sich sehr gut eignen, um gut forschen und lernen zu können und das es sogar glücklich macht. Projekte sind große Forscheraufträge zu einem Thema. Die Menschen, die etwas zu diesem Thema wissen wollen, sind die Forschergruppe. Beim gemeinsamen Forschen zu einem Thema werden viele Bedürfnisse befriedigt, weil die Forscher selber entscheiden, was, wieviel und wie sie lernen wollen und wie sie mit dem neuen Wissen Ideen umsetzen können.   Anders als im normalen Unterricht macht das Erledigen von Aufgaben in Projekten als eigener Forscher den Menschen Spaß und sie wollen immer mehr wissen und mehr eigene Ideen umsetzen. Es macht Menschen glücklich, wenn sie merken wie viel sie in einem Projekt gelernt haben, welche Wirkungen ihre Ideen hatten und wieviel Spaß sie dabei hatten.

3. Weltweites Forschen ist möglich

Viele Menschen nutzen heute das Internet und sind mit vielen anderen Menschen in Kontakt. Im Internet kann ich Menschen überall auf der Welt immer wieder sehr schnell erreichen. Jean-Pol vergleicht das Internet daher mit einem Riesengehirn. Bevor Menschen handeln, haben sie eine Idee. Diese Idee besteht aus vielen Gedanken und diese Gedanken bestehen aus vielen Kontakten von Nervenzellen in unserem Gehirn. Diese Zellen heißen Neurone. Jean Pol sagt, dass Menschen im Riesengehirn Internet eigentlich so gut zusammenarbeiten können wie diese Neurone damit es viele neuegemeinsame Ideen gibt.

Damit das Riesengehirn Internet wie unser Gehirn funktionieren kann, hat Jean-Pol Menschen sich lustige Regeln für Neuronen ausgedacht.

  1. Neuronen sind anderen gegenüber offen und sagen was sie denken.
  2. Neuronen geben ihr Wissen weiter und nehmen sich selbst nicht so wichtig.
  3. Neuronen haben keine Angst etwas falsch zu machen, daher reagieren sie schnell.
  4. Wenn Neuronen einen Kontakt haben, antworten sie sehr schnell.
  5. Neuronen versuchen immer wieder in Kontakt zu sein mit anderen Neuronen.
  6. Neuronen sind nicht beleidigt, wenn ein anderes Neuron eine andere Meinung hat.
  7. Neuronen machen ihr Projekt zu Ende.
  8. Wenn sehr viele Neuronen gleichzeitig in Kontakt sind, ist es schwierig klare gemeinsame Ideen zu haben. Vielleicht gibt es auch eine kleine Verwirrung, das stört die Neuronen nicht. Sie machen weiter bis sie sich sicher sind.
  9. Wenn sehr viele Neuronen in Kontakt sind, wissen sie, dass alle das gleiche Recht haben ihre Meinung so zu sagen, dass kein anderes Neuron dadurch verletzt oder verärgert wird.
  10. Man muss mit dem Riesengehirn Internet sehr vorsichtig umgehen. Es macht solchen Spaß in Kontakt zu sein und gemeinsam Ideen zu haben, dass es süchtig und krankmachen kann, wenn Neurone zu viel Kontakt haben. Daher muss man sich kontrollieren und Grenzen setzen, wann und wieviel Kontakt man hat.

 

(…)

 

6 zentrale Begriffe im Rahmen meines Glücksmodells

1. Kontrolle (alles im Griff haben)
Kontrolle bedeutet, „die Situation im Griff haben“. Genau betrachtet ist Kontrolle existentiell im Sinne der Lebenserhaltung. Dauerhafter Verlust von Kontrolle führt zum Tod. Das Kontrollgefühl signalisiert, dass man in der Lage ist, das eigene Leben zu erhalten. Und das Leben zu erhalten ist das Ziel jeder Aktivität und jeder Handlung. Alles im Griff haben wird mit einem starken Glücksgefühl belohnt.

2. Exploratives Verhalten (Komfortzone verlassen)
Unter explorativer Haltung versteht man die Bereitschaft von Menschen, sich in Situationen zu begeben, die ein hohes Maß an Unbestimmtheiten enthalten. Exploratives Verhalten muss belohnt werden. Das mit explorativem Verhalten erreichte Kontrollgefühl findet seinen Höhepunkt in dem Flow-Effekt (Gefühl des Fließens, des Aufgehens in einer Handlung).

3. Antinomien (Gegensätze): wir sind nie zufrieden
Menschen sehnen sich bewusst nach Ordnung, Klarheit, Einfachheit… Aber sehr schnell werden ihnen solche Strukturen langweilig. Der Bauplan der Natur sieht vor, dass Lebewesen permanent trainieren, Unbestimmtheit, Chaos, Komplexität und Unklarheit zu vermindern. Menschen sind so gestaltet, dass sie Chaos, Unbestimmtheit und Komplexität aufsuchen, um daraus Ordnung, Klarheit und Einfachheit zu schaffen. Den Zustand, den sie zur Lebenserhaltung immer wieder herstellen müssen, ist das Gleichgewicht zwischen beiden Bedürfnistendenzen. Die Belohnung für diese Anstrengungen sind Flow-Gefühle.

4. Informationsverarbeitung und Kontrolle
Ohne die ständige Verarbeitung der aus dem Umfeld strömenden Informationen wäre der Organismus sehr schnell von der Umwelt abgekoppelt und nicht mehr lebensfähig. Es muss für ununterbrochene kognitive (gedankliche) Kontrolle des Umfeldes gesorgt werden. Deshalb muss Informationsverarbeitung auch mit „Kicks“ belohnt werden.

5. Konzeptualisierung (Denken)
Auf der Ebene des Gehirns ist zwar Informationsverarbeitung mit positiven Gefühlen verbunden. Mit Flow (andauernde Kicks) belohnt wird allerdings vor allem die Konzeptualisierung (intensiv denken und Pläne entwickeln). Unter Konzeptualisierung ist die Erstellung von kognitiven Schemata (Pläne im Kopf) zu verstehen, die umfangreiche Informationen zu kompakten, handlungsmotivierenden Modellen bündeln (wenn man einen Plan entwickelt hat, freut man sich darauf, ihn durchzuführen).

6.  Dialektisches Denken (Gegensätze zusammenfügen)

Jeder Gedanke, jede Handlung führt zu einem Gegengedanken bzw. einer Gegenhandlung. Dieser Gegengendanke ist zu begrüßen, denn er löst eine Reflexion aus, die, wenn eine effektive Strategie eingesetzt wird, in einer Synthese aufgehoben wird. Dialektisches Denken führt permanent zu einer Integration scheinbar widersprüchlicher Positionen, die sich auf einer (höheren) Ausgleichlinie vereinen und weiterentwickeln. Gerade für politisch Handelnde kann diese Erkenntnis sehr fruchtbar sein, denn sie ermöglicht ein gemeinsames Angehen von Problemen über Parteien hinweg. Und Gegensätze zusammenfügen wird mit Glücksgefühlen belohnt.

Strukturempfehlungen: Projekt als glückgenerierende Struktur

Auf der Suche nach Aufgabenprofilen, die permanent Konzeptualisierung verlangen, hohe Potenziale zur Befriedigung der Grundbedürfnisse enthalten und gleichzeitig Flow-Gefühle dauerhaft induzieren stößt man rasch auf die Projektstruktur. Im Projekt sind alle Bedingungen erfüllt, die förderlich für die Befriedigung der Grundbedürfnisse sind: soziale Einbindung, soziale Anerkennung, Selbstverwirklichung und Sinn.

Siehe: „Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle“ (2018)

 

Was braucht der Menschen, um glücklich zu sein. Zur Memorierung.

1.Maslow: Bedürfnispyramide

Sinn/Transzendenz

Selbstverwirklichung

Soziale Anerkennung

Soziale Beziehungen

Sicherheit

Physiologische Bedürfnisse

2 Erweiterungen durch Martin

2.1. Bedürfnis nach Kontrolle (Lebenserhaltung):

Kontrolle bedeutet, „die Situation im Griff haben“. Genau betrachtet ist Kontrolle existentiell im Sinne der Lebenserhaltung. Dauerhafter Verlust von Kontrolle führt zum Tod. Das Kontrollgefühl signalisiert, dass man in der Lage ist, das eigene Leben zu erhalten. Und das Leben zu erhalten ist das Ziel jeder Aktivität und jeder Handlung. Auf diesem Hintergrund fällt auf, dass alle von Maslow aufgelisteten Grundbedürfnisse sich dem alles einschließenden Bedürfnis nach Kontrolle unterordnen lassen.

– Informationsverarbeitung und Kontrolle

Ohne die permanente Verarbeitung der aus dem Umfeld strömenden Informationen wäre der Organismus sehr schnell von der Umwelt abgekoppelt und nicht mehr lebensfähig. Es muss für permanente kognitive Kontrolle des Umfeldes gesorgt werden. Deshalb muss Informationsverarbeitung auch mit Freude verbunden werden.

-Konzeptualisierung (Denken)

Auf der mentalen Ebene ist zwar Informationsverarbeitung mit positiven Gefühlen verbunden. Mit Flow belohnt wird allerdings vor allem die Konzeptualisierung. Unter Konzeptualisierung ist die Erstellung von kognitiven Schemata zu verstehen, die umfangreiche Informationen zu kompakten, handlungsmotivierenden Modellen bündeln.

-Dialektisches Denken

Jeder Gedanke, jede Handlung führt zu einem Gegengedanken bzw. einer Gegenhandlung. Dieser Gegengendanke ist zu begrüßen, denn er löst eine Reflexion aus, die, wenn eine effektive Strategie eingesetzt wird, in einer Synthese aufgehoben wird. Dialektisches Denken führt permanent zu einer Integration scheinbar widersprüchlicher Positionen, die sich auf einer (höheren) Ausgleichlinie vereinen und weiterentwickeln. Gerade für politisch Handelnde kann diese Erkenntnis sehr fruchtbar sein, denn sie ermöglicht ein gemeinsames Angehen von Problemen über Parteien hinweg.

2.2. Erkenntnisinstrumente: Systemtheorie

-Spannungsfeld von Gegensätzen: Menschen bewegen sich im Spannungsverhältnis zwischen antinomischen Bedürfnissen.

Kontrolle/ Unbestimmtheit

Ordnung/ Chaos

Klarheit/ Unschärfe

Einfachheit/ Komplexität

Integration/ Differenzierung

Gesellschaft/ Individuum

Zwang/ Freiheit

Konkretion/ Abstraktion

Linearität/ Nicht-Linearität

Zentralisierung/ Dezentralisierung

Menschen sehnen sich bewusst nach Ordnung, Klarheit, Einfachheit… Aber sehr schnell werden ihnen solche Strukturen langweilig. Der Bauplan der Natur sieht vor, dass Lebewesen permanent trainieren, Unbestimmtheit, Chaos, Komplexität und Unklarheit zu reduzieren. Menschen sind so konstruiert, dass sie Chaos, Unbestimmtheit und Komplexität aufsuchen, um daraus Ordnung, Klarheit und Einfachheit zu schaffen. Den Zustand, den sie zur Lebenserhaltung immer wieder herstellen müssen, ist das Gleichgewicht zwischen beiden Bedürfnistendenzen. Die Belohnung für diese Anstrengungen sind Flow-Gefühle.

2.3. Verhaltensempfehlungen

-Exploratives Verhalten und Flow

Es besteht der Drang, die kognitive Kontrolle zur Lebensgestaltung nicht nur zu erhalten sondern auch auszudehnen. Es werden weitere Handlungsfelder gesucht und kognitiv durchdrungen. Unter explorativer Haltung versteht man die Bereitschaft von Menschen, sich in Situationen zu begeben, die ein hohes Maß an Unbestimmtheiten enthalten. Exploratives Verhalten muss belohnt werden. Das mit explorativem Verhalten erreichte Kontrollgefühl findet seinen Höhepunkt in dem Flow-Effekt (Gefühl des Fließens, des Aufgehens in einer Handlung).

Die Voraussetzung sind folgende:

  • Unbekannte Felder betreten, Neues entdecken;
  • Situationen mit offenem Ausgang, für die man die Verantwortung trägt;
  • Probleme lösen, hohe Anforderungen bewältigen;
  • Ausschöpfen der eigenen Ressourcen;
  • Gefühl der Selbstentgrenzung;
  • Kontrolle über das eigene Handeln und das Umfeld.

– Strukturempfehlungen: Projekt als glückgenerierende Struktur

Auf der Suche nach Aufgabenprofilen, die permanent Konzeptualisierung verlangen, hohe Potenziale zur Befriedigung der Grundbedürfnisse enthalten und gleichzeitig Flow-Gefühle dauerhaft induzieren stößt man rasch auf die Projektstruktur. Im Projekt sind alle Bedingungen erfüllt, die förderlich für die Befriedigung der Grundbedürfnisse sind: soziale Einbindung, soziale Anerkennung, Selbstverwirklichung und Sinn.

4. Gehirnforschung

(Aus: Tobias Esch, Die Neurobiologie des Glücks – Wie die Positive Psychologie die Medizin verändert, 2012, S.54f.)

„(…) Soziales Engagement und ein offener, inniglicher zwischenmenschlicher Kontakt werden belohnt und im Körper glückbringend und selbstversichernd, beruhigend sowie angstlösend „übersetzt“. Die beschriebenen Eigenschaften des sozialen Gehirns lassen es schon vermuten: Neurobiologisch finden wir eine Beteiligung von Oxytocin, Serotonin, aber auch (…) von endogenem Morphium. Dieses neurochemische Potpourri wirkt wie ein Glückscocktail: Prosoziales, gar liebevolles Verhalten und Kommunizieren, Sicherheitsempfinden und Selbstvertrauen, Offenheit und einlassende Akzeptanz, Präsenz, Verbundenheit und Berührung ohne zu werten, kurzum, eine sichere und positive Beziehung zum Selbst und dem Anderen. (…) Mitnehmen wollen wir aus diesem Abstecher, dass die Fähigkeit zur inneren Einstimmung und sicheren Einlassung auf andere Menschen grundsätzlich in uns angelegt ist. Damit steht uns die Möglichkeit eines stabilisierenden Gefühls von Verbundenheit mit anderen und mit der Erfahrung von Moment zu Moment sowie mit unserem authentischen Selbst prinzipiell zur Verfügung. Das mehrt Glück und lindert Leid. Auch weil der endogene Belohnungskreislauf eine offene und rezeptive Aufmerksamkeit belohnt. Authentizität einerseits und Resonanz andererseits führen auch zu dem Gefühl der Freiheit, des Ankommens, ja sogar zu einer Form der Selbstempathie, die nichts mit egoistischer Selbstliebe oder Selbstmitleid zu tun hat.“

4. Glücksforschung

Die Glücksforschung zeigt, dass zwei Quellen des Glückes immer wieder an erster Stelle genannt werden:

-die Einbindung in einem sozialen Verband (Familie, Freunde)

-die Sinnhaftigkeit und die Selbstwirksamkeit

5.  Davon abgeleitet: Die Neuen Menschenrechte (nach Martin, 2018):

Diese „Neuen Menschenrechte“ sind im Gegensatz zu den existierenden nicht religiös oder philosophisch begründet, sondern sie knüpfen an Erkenntnisse der Glücksforschung, der Bedürfnisheorie, sowie der Neurowissenschaften.

Die unter den einzelnen Artikeln aufgeführten Nummern weisen auf Texte aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die sich zu den jeweiligen Abschnitten einfügen lassen.

Präambel:Glück
Ziel aller Maßnahmen weltweit ist die Schaffung von Strukturen (wirtschaftlichen, politischen, ethischen), die für ein Mehr an Entfaltung für die Natur und an Glück für alle Lebewesen sorgen. Die nachfolgenden Artikel bilden dazu Voraussetzungen.

Allg. Erklärung: entfällt

Artikel 1: Denken

Zentrales Grundbedürfnis des Menschen ist das Denken (Informationsverarbeitung und Konzeptualisierung).
Es müssen Bedingungen geschaffen werden, damit alle Menschen Zugang zu Informationen und zur Möglichkeit der Konzeptualisierung erhalten. Denken setzt die Realisierung der Artikel 2 bis 6 voraus.

Allg. Erklärung: Artikel 18, 19, 26, 27

Artikel 2: Gesundheit

Alle Maßnahmen werden weltweit getroffen, damit Lebewesen ihre physiologischen Bedürfnisse befriedigen können (z.B. Schlaf, Nahrung, Sexualität). Mit der Natur als Reservoir wird sorgfältig und schonend umgegangen.

Allg. Erklärung: Artikel 24, 25

Artikel 3: Sicherheit (Einkommen und Wohnung)

Es wird weltweit angestrebt, Strukturen zu schaffen, die ein Maximum an Sicherheit für alle Lebewesen sorgen. Mit der Natur wird auch in diesem Zusammenhang schonend umgegangen.

Allg. Erklärung: Artikel 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 14, 15, 17, 22, 28

Artikel 4: Soziale Einbindung

Es wird weltweit dafür gesorgt, dass Lebewesen sich in einem sozial stützenden Umfeld bewegen können. Es sollen Strukturen geschaffen werden, die Selbstverwirklichung sozial unterstützen.

Allg. Erklärung: Artikel  1,  16, 20, 22, 25, 26, 27

Artikel 5: Selbstverwirklichung und Partizipation

Es ist weltweit dafür zu sorgen, dass Lebewesen alle ihre Potenziale zur Entfaltung bringen können. Dabei ist schonend mit der Natur umzugehen. Die Entfaltung des Einzelnen kann nur im Rahmen der ihn umgebenden Strukturen erfolgen. Es muss die Möglichkeit bestehen, Einfluss auf diese Strukturen zu nehmen, also teilzunehmen. Die Gesellschaft ist darauf angewiesen, dass möglichst viele ihre intellektuellen, emotionalen und materiellen Ressourcen dafür zur Verfügung stellen können.

Allg. Erklärung: Artikel 12, 13, 17, 18, 19, 20, 21, 23, 24, 25, 26, 27

Artikel 6: Sinn

Es wird weltweit dafür gesorgt, dass Lebewesen ihr Leben als sinnvoll und befriedigend empfinden.

Allg. Erklärung: entfällt