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Bedürfnisorientierung in der Jugendhilfe: Nicole Kern und Jens Eichert


Hervorragende Verknüpfung von Theorie und Praxis. Es wird gezeigt anhand ganz konkreter Beispiele, wie ein scheinbar einfaches Erklärungsmodell sofort zu fundamentalen Verbesserungen in der Praxis führt. Dem Podcast wünschen wir viele Zuschauer zum Wohle ihrer Klienten.


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7 Antworten zu “Bedürfnisorientierung in der Jugendhilfe: Nicole Kern und Jens Eichert”

  1. Subjektiviert empiriert hervorgehend aus Altruismus und Empathismus lässt sich die Bedürfniserfahrung auch als ein vielgesichtiges, belastbares Bindeglied zwischen der eigenen Autonomie und einer der eigenen Entwicklung notwendigen sozialen Eingebundenheit verstehen; und entzieht sich schon allein aufgrund dessen jedem universalisierten Objektivierungsanspruch daran. Dieses tut jener hier im Podcast authentisch wiedergegebenen Praxiserfahrung vom Niveau her jedoch überhaupt keinen Abbruch; ganz im Gegenteil. Lädt aber auch zu einer gedanklichen Gratwanderung ein, nämlich zwischen einem zweckorientierten Idealismus einerseits und einer für einen Coach stets notwendigen Befangenheitsvermeidung andererseits. Der Konsument von diesem Podcast wird hierzu dadurch eingefangen, dass jene sechs axiomatisierten Punkte der neuen Menschenrechte zu deren Katechismus erhoben werden; was jeder gesunden Ergänzung daran den Spielraum zu nehmen scheint. Dies hat derart etwas -mit Verlaub- Sektierendes; denn eine individualisierte Konzeptionalisierung sollte sich immer als das filtrierte Produkt aus vielem heraus erweisen können, und vor allem mit einer Halbwertzeit behaftet bleiben – d.h. sich die eigene Wandlungsfähigkeit vorbehalten. Daran, sich eine Sinnerfahrung aus Erzähltem oder Geschriebenem ersatzweise herzuleiten, haben sich schon ganze Generationen von Psychologen (und auch Eltern) abgearbeitet. Die eminente Wichtigkeit der ganz eigenen erlebten Erfahrung am Guten und ebenso am Schlechten, kann hierzu nicht ausgehebelt werden; hier wirken archaisch-anthropologische Mechanismen, welche letztendlich den Fortbestand unserer Spezies gesichert haben – und es hoffentlich auch weiterhin tun. Damit begibt sich dieser Podcast ein wenig auf das Terrain eines eher unwissenschaftlichen Selbsthilfekurses. Schade eigentlich.

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  2. So funktioniert Aktionsforschung. Trial and error. Sowohl Nicole als auch Jens entwickeln sich weiter. Ich liefere Denk- und Interpretationsvorschläge, die in der Praxis getestet und weiterentwickelt werden. Ich schlage Hypothesen vor, die empirisch geprüft und verifiziert oder falsifiziert werden. Ich denke nicht, dass es Ihnen zusteht, unsere Arbeit als „unwissenschaftlichen Selbsthilfekurs“ zu bezeichnen. Dazu fehlt Ihnen die fachliche Voraussetzung und der Einblick in den forschungstheoretischen Hintergrund meiner Arbeit. Darüber hinaus wählen Sie damit einen Diskursstil, der für einen sachlichen und freundlichen Austausch ungeeignet ist. Ich bemühe mich sehr um Freundlichkeit und Sachlichkeit und erwarte Respekt von meinen Denkpartnern. Diesen Respekt vermisse ich bei Ihnen immer wieder. Natürlich schätze ich Ihre Gedanken und Hinweise, aber sie sollen so formuliert werden, dass sie denotativ bleiben.
    Nachgedanke: wie ich Ihnen bereits an anderer Stelle mitgeteilt habe, verfolgen wir unsterschiedliche Ziele: Sie haben einen beachtlichen Wissensfundus stark auf die Denk-Tradition des Abendlandes gestützt und haben große Freude an Auseinandersetzungen mit den hier dargestellten Inhalten. Mein Blick richtet sich nicht auf die Philosophie und die Wissensbestände aus der Tradition und schon gar nicht auf die Diskussion darüber, sondern ich bin Handlungsforscher und möchte Verbesserungsvorschläge machen und interessierte Fachleute bitten, diese Verbesserungsvorschläge in ihrem Praxisfeld zu testen und zu optimieren. Insofern sind Sie nicht mein Adressat, obwohl ich die Qualität Ihrer Kommentare anerkenne. Hauptadressaten sind also die Menschen, die die Brauchbarkeit meiner Vorschläge in ihrem Arbeits- und Lebensfeld erproben und die Ergebnisse kommunizieren. Also Nicole, Jens, Sandra, Andreas, Lutz, Simon, Isabelle, Uie, und viele andere mehr…

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  3. Sich damit auch jenen bei Kant entliehenen Fragen nach ‚was-können-wir-wissen?‘ und ,ist-sicheres-Erkennen-überhaupt-möglich?‘ andienend, lebt die Wissenschaft, wie es diesem Wortkonstrukt bereits hinweisgebend zu entnehmen bleibt, von der permanenten Generierung, dem Austausch und der Anhäufung von Wissen. Und weil gerade dort, nämlich abseits der Replizierbarkeit eines quantitativen wissenschaftlichen Anspruches, das Wissen oftmals von subjektivierten Wahrnehmungen mitbestimmt wird, werden die Geisteswissenschaften auch als die „Nicht-exakten Wissenschaften“ kategorisiert. Dieses führt, sekundiert von der Varianz unserer Sprache, derart nicht selten zu einem Zielkonflikt mit der Erwartungshaltung anderer. Gehäuft eben dann, wenn, wie es in der humanistischen Psychologie vorherrscht, ein Wie dem Warum gegenüber priorisiert wird. Es mag sein, dass auch diese Erkenntnis mit dazu beigetragen hatte, dass Maslow 1970 dessen fünfstufiges pyramidales Bedürfnismodell noch um eine sechste (vergessene) Stufe erweitert hatte, um jenem physiologisch sodann weniger essenziellen Bedürfnis weniger Menschen dennoch Rechnung zu tragen, die Grenzen jedweden vorkonfektionierten Ansprüchen gegenüber zu überschreiten.

    Hiermit verabschiede ich mich besser aus unserem Austausch und würde mir wünschen, dass derselbe in Ihrer Rückbesinnung, und zuvor ausreichend metaphorisiert, mal die Bedeutung eines flüchtigen „Farbklecks“ annimmt.

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  4. Ich schätze die Qualität Ihrer Beiträge, wie immer wieder betont. Dennoch sind unsere Bezüge und Ziele dezidiert anders. Kant, beispielsweise, sehe ich natürlich als historische Größe an. Für mein Denken spielt er keine große Rolle mehr. So unter anderem: der kategorische Imperativ liefert für mein Handeln keine operationalisierbare Begründung. Der im Idealismus verharrende Kant ist nicht mehr zeitgemäß, dies gilt auch für Hegel, Heidegger, Wittgenstein… Besonderen Zuspruch findet bei mir Bertrand Russel.

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  5. Ich habe die Beiträge von Alexander Paesch betrachtet und möchte darin Kritiken zur fehlenden Wissenschaftlichkeit im Umgang mit dem NMR-Konzept herauslesen.

    Paesch zeigt anhand mehrerer Beispiele (v. a. aus dem sprachphilosophischen Kontext) primär auf, welche paradigmatischen Schwierigkeiten bzgl. möglicher wissenschaftlicher Einordnungen bestehen, welche definitorischen Aufgabenfelder daraus entwachsen, welche erkenntnistheoretischen Begrenzungen bestehen können. Diese Kritik zielt wesentlich auf vormethodische Gesichtspunkte ab. Sie verdeutlicht, dass es zu einer intensivierten wissenschaftlichen Auseinandersetzung einer umfassend geklärten Fundierung bedarf, bevor überhaupt in der Breite eine einheitliche Beforschung möglich ist.

    Entgegenzuhalten wären die Tatsachen, dass das gesamte Konzept der NMR eine nach wissenschaftlicher Methodik entstandene und entsprechend geprüfte / überprüfbare Subsumtion der Ergebnisse durchaus unterschiedlicher Wissenschaftsbereiche (Psychologie, Neurowissenschaften, sehr wohl auch geisteswissenschaftlicher Bereiche…) ist. Die methodengeleitete, im Kern deduktive Generierung und Vertiefung der einheitlichen Theorie erfolgt ihrerseits bereits und würde einen gemeinsamen Bezugspunkt für alle Akteure bieten. Somit wäre ein (im Kern wissenschaftlich bleibendes) Weiterforschen möglich, das in Sachen der Konturierung über den popperschen Aktionsforschungsansatz hinausginge.

    Dafür bedürfte es freilich auch einer im Kern wissenschaftsbezogenen Grundhaltung beim Gros der beteiligten Akteure, eines differenzierten Wissens über die vertieften Grundstrukturen und Relationen aller Theoreme sowie ihrer stets handlungsleitenden Vergegenwärtigung nach heuristischen Prinzipien, die Beweis und Fortentwicklung derselben ermöglichten.

    Demgegenüber sind die meisten Beteiligten bewusst aus praktischer Motivation im Gesamtprojekt involviert. Der theoretische Anspruch begrenzt sich auf die wesentlichen Eckpunkte, die in die eigene konkrete Tätigkeit gewinnbringend integriert werden. (wobei aus Erfahrungsberichten dann ganz nach Popper immerhin versucht wird, Rückschlüsse für die Theorie zu gewinnen)
    Dies steht zudem im Einklang mit der auch primär verfolgten Absicht der NMR, konkreten Mehrwert für das „Draußen“, den angewandten außerwissenschaftlichen Bereich, zu liefern.

    Ich verstehe, dass dies zuweilen für „wissenschaftlichen Frust“ sorgt. (und teile dieses Gefühl zuweilen stark)
    Ich breche jedoch dennoch jede Lanze für die gegebene, zugrundeliegende Wissenschaftlichkeit und die stattfindende wissenschaftliche Bearbeitbarkeit des Konzepts. Darüber zu diskutieren, beginnend anhand der vormethodischen Kritiken, die Paesch wunderbar anführt, wäre der Schritt, der das Projekt – korrekt erkannt – in eine deutlich verstärkte wissenschaftliche Tragfähigkeit führen würde.

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  6. „Ich breche dennoch jede Lanze für die gegebene, zugrundeliegende Wissenschaftlichkeit und die stattfindende wissenschaftliche Bearbeitbarkeit des Konzepts.“
    Herzlichen Dank, lieber Ben. Für diese Bestätigung und auch für deinen Kommentar insgesamt. Der Weg, den ich bereits vor 40 Jahren eingeschlagen habe und heute weiterverfolge geht stets von der Erfahrung in der Praxis aus und der Begegnung mit den für die Akteure auftretenden Problemen. Mit Hilfe theoretischer Erkenntnisse aus der Wissenschaft (Gehirnforschung, Glücksforschung, Psychologie, Kognitionswissenschaften) wird versucht, Lösungen für diese Probleme zu finden. Diese Lösungen werden dann wissenschaftlich aufgearbeitet und sollen die Theorie bereichern. Da mich die Theorie nur in dem Maße beschäftigt, in dem sie die Verbesserung der Praxis hervorbringt, verfolge ich diese Linie konsequent. Und die Erfolge sind hier überdeutlich. Beispielsweise in den Berichten von Nicole Kern oder von Jens Eichert. Damit sind wir im Projekt gut ausgelastet. Natürlich kann ich nachvollziehen, dass andere Schwerpunkte gesetzt werden (Stichwort Wissenschaftlichkeit). Mein Schwerpunkt ist klar definiert. Ich möchte die Praxis und das konkrete Leben der Menschen „verbessern“, glücklicher machen. Und daher gehe ich immer von der konkreten Problemsituation in der Lebenswelt der Menschen aus. Ansonsten neige ich dazu, Ockhams Rasiermesser anzuwenden.

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  7. Ich mache es mir mal einfach und werfe einen Vorschlag zur Konzeptualisierung von Wissenschaftlichkeit in den Ring, der jenseits von gedanklichen Kapriolen einen angemessenen Rahmen zur Einordnung der NMR bietet.

    „Wissenschaftliches Wissen unterscheidet sich von anderen Wissensarten, besonders dem Alltagswissen, primär durch seinen höheren Grad an Systematizität.“ (Hoyningen-Huene)

    Selbstlerneinheit hier:

    https://www.information-philosophie.de/?a=1&t=7158&n=2&y=1&c=1

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