Vorbereitung des Auftrittes am 04.03. bei Dr.Johanna Pareigis

Anmeldung unter www.secure-lernnetz.de/formix Kennziffer SIN0785 Der Einladungslink wird nach Anmeldung vor der Veranstaltung zugesendet.

Einführung durch Johanna

1.Isabelle: Was ist LdL?

Was machen die Schüler genau, insbesondere diejenigen, die den neuen Stoff vorstellen? Welche Kompetenzen zeigen sie damit? Was macht der Lehrer? Wie hat er die Stunde vorbereitet? Auszug aus Fernsehbericht 1984: 2:41-6:44

2.Isabelle: LdL-Theorie.

Isabelle verteilt Theoriebausteine auf verschiedene TN-Gruppen. Diese Bausteine werden nach einer knappen Vorbereitungszeit von den einzelnen Kleingruppen im Plenum vorgestellt. Isabelle erläutert, wie sie die Theorie in ihren Klassen einführt. Aufsätze: Weltverbesserungskompetenz als Lernziel? Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Gücksquelle.

3.Nicole: Neue Menschenrechte

Nicole arbeitet mit den Kärtchen. Arbeitsauftrag für kleinere Gruppen: sind unsere Bedürfnisse befriedigt? Sind die Bedürfnisse unserer Schüler*innen befriedigt? Was müsste verändert werden, um die Umweltbedingungen zu optimieren, die wir zur Befriedigung unserer Bedürfnisse vorfinden? Und wie ist es in der Gesellschaft? Was ist die Top-down Problematik! Was sind die falschen Mindsets?

Abschluss im Plenum

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Weiterführender Theoriebaustein: Top-down UND Bottom-up als dialektischer Prozess

Kurzbibliographie: Lernen durch Lehren (LdL) und Neue Menschenrechte (NMR)

Nicole Kern: Was bedeuten die „Neuen Menschenrechte“ für jugendliche „Systemsprenger“? In: Simon W. Kolbe, Jean-Pol Martin, Margret Ruep (Hrsg): Neue Menschenrechte? Bestandsaufnahme eines bedürfnisorientierten Handlungsansatzes. Gabriele Schäfer Verlag. Herne. 2020. (149-171)

Jean-Pol Martin: Weltverbesserungskompetenz als Lernziel? In: Pädagogisches Handeln – Wissenschaft und Praxis im Dialog. 6. Jahrgang, Heft 1, 2002, S. 71–76

Jean-Pol Martin: Lernen durch Lehren: Konzeptualisierung als Glücksquelle. In: Olaf-Axel Burow, Stefan Bornemann (Hrsg.): Das große Handbuch Unterricht & Erziehung in der Schule. Carl Link Verlag, 2018. S. 345–360. ISBN 978-3-556-07336-0.

Isabelle Schuhladen:  Lernen durch Lehren: eine Methode für das 21. Jahrhundert. In: Simon W. Kolbe, Jean-Pol Martin, Margret Ruep (Hrsg): Neue Menschenrechte? Bestandsaufnahme eines bedürfnisorientierten Handlungsansatzes. Gabriele Schäfer Verlag. Herne. 2020. (190-215)

Isabelle Schuhladen: Lernen durch Lehren, ein agiles Konzept in der Praxis. In: Tim Kantereit, Christof Arn, Heinz Bayer, Veronika Lévesque, Douglas MacKevett (Hrsg) : Agilität und Bildung. Visual Ink Publishing. 2021. (140-147)

NMR-Artikel 1: Recht auf Denken. Kontrolle (Theorie-Überblick)

Denken: Informationsverarbeitung und Konzeptualisierung

Zentraler Begriff: Kontrolle (=>Lebenserhaltung) – Kontrollinstrument: Gehirn (=>Denken)

Damit wir als Gesellschaft unsere Probleme lösen, müssen wir unser kollektives Denken permanent optimieren.  Das kollektive Denken erfolgt in den Führungsschichten. Wir müssen mehr intellektuelle Ressourcen mobilisieren. Wir brauchen mehr bottom-up.

Warum ist es so schwer?

1.Kontrolle als zentrales Bedürfnis (Lebenserhaltung)

2.Kontrolle induziert Top-down-Struktur

-Selbstreferenzialität

-Eigene Mindsets und eigene Terminologie

-Abschottung nach außen und Zugang nur über Insiderkontakte und gruppenkonformen Habitus

-Hohe Affinität zur Autokratie/Oligarchie

-Somit entsteht eine undurchdringliche Machtblase (Verwaltungen, wissenschaftliche communities, Unternehmen, Parteien, Vereine, stabile Gruppen…)

3.Mindsets: Top-down wird kulturell durch die Tradition gefestigt: Pythagoras, Platon, Augustinus, Christentum, Islam, Totalitarismus

4.Mehr bottom-up

-Von unten nach oben

-Gespeist aus allen möglichen Quellen

-Verschiedene Mindsets und Terminologien

-Offen nach außen und Zugang für jede/n

5.Politisch: Bürgerbeteiligung

6. Wir müssen bessere Beteiligungsstrukturen entwickeln, damit die kollektive Reflexion („Eliten“) an Qualität gewinnt.

7. Hebel: Neue Reflexion über unsere Bedürfnisse (NMR) führt zu Gestaltung von neuen, bedürfnisorientierten Strukturen.

AEMR sind top-down. NMR sind bottom-up.

Neue Mindsets von Anfang an vermitteln. Sofort mit den Kärtchen in der Grundschule anfangen.

Top-down UND bottom-up!

Seit Beginn der Menschheit herrscht das Top-down-System, weil es der Natur des Menschen entspricht (Kontrollbedürfnis). Dessen Merkmale:

Top-down:

  • Von oben nach unten
  • Hochgradige Selbstreferenzialität
  • Eigene Mindsets und eigene Terminologie
  • Abschottung nach außen und Zugang nur über Insiderkontakte und gruppenkonformen Habitus
  • Hohe Affinität zur Autokratie/Oligarchie

Somit entsteht eine undurchdringliche Machtblase (Verwaltungen, wissenschaftliche communities, Unternehmen, Parteien, Vereine, stabile Gruppen…)

Inzwischen sieht man immer deutlicher die Nachteile eines solchen Musters: Die beschriebene Struktur verhindert Veränderungen und die permanenten Anpassungen, die zur Erhaltung des Systems notwendig sind. Der Veränderungsdruck kommt von innerhalb des Systems oder aus der Umwelt. Modernisiert sich das System nicht, so führt es zu dessen Auflösung.

Nun wird überall versucht, ein Bottom-up Komponente zu integrieren:

Merkmale einer Bottom-up Struktur:

  • Von unten nach oben
  • Gespeist aus allen möglichen Quellen
  • Verschiedene Mindsets und Terminologien
  • Offen nach außen und Zugang für jede/n
  • Hohe Affinität zur Demokratie. Starke Ressourcenorientierung.

Somit entsteht ein offenes System, das allerdings wenig kohärente und nachhaltige Identität aufweist.

Anzustreben ist also eine gute Mischung Top-down/Bottom-up. Das Problem ist, dass im Gegensatz zur Top-down-Struktur, die seit Jahrtausenden völlig internalisiert ist, die Bottom-up Komponente recht neu ist und sich gegen heftige Widerstände durchsetzen muss. Ferner ist noch viel trial-and-error notwendig, bis die Mischung Top-down/Bottom-up gut funktioniert.

Isabelle in der Augsburger Allgemeinen

Isabelle Schuhladen, Realschule Meitingen: Wenn Schüler zu Lehrern werden

Quelle: Augsburger Allgemeine

Isabelle Schuhladen unterrichtet nach einer Methode, die in Lehrerkreisen gerade in aller Munde ist – und die sich problemlos im Distanzunterricht anwenden lässt: Lernen durch Lehren. „Das A und O dieser Methode ist, dass die Schüler sich den neuen Stoff gegenseitig erklären und reflektieren“, sagt die 43-Jährige, die an der Realschule Meitingen (Kreis Augsburg) Französisch unterrichtet. Die Annahme: „Wenn ich in der Lage bin, jemanden was zu erklären, kann ich auch davon ausgehen, dass ich es verstanden habe.“ Viele Jahre lang seien Schüler vor allem „mit Arbeitsblättern gefüttert“ worden, sagt Isabelle Schuhladen. Corona sei ein Weckruf, dass sich etwas ändern müsse. „In der Kultur der Digitalität nimmt der Lernende sein Lernprozess in die Hand.“

Die Französischlehrerin gibt auch Fortbildungen in der Methode Lernen durch Lehren, kurz LDL, die auf den Didaktiker Jean-Pol Martin zurückgeht, bei dem Schuhladen einst in Eichstätt studierte. „Hochmotivierte Leute“, nähmen daran teil. „Sie sagen: Ja, diese Tipps sehe ich mir an.“

Isabelle Schuhladen praktiziert seit vielen Jahren "Lernen durch Lehren".
Isabelle Schuhladen praktiziert seit vielen Jahren „Lernen durch Lehren“. Bild: Schuhladen

Wie könnte so eine LDL-Schulstunde im Distanzunterricht aussehen? Beispiel aus Schuhladens 8. Klasse: Zwei Schüler haben eine interaktive Präsentation zu einem Thema vorbereitet, die Klasse ist stets aktiv und denkt mit. Bei der Online-Stunde über Microsoft Teams wird sie mit der Klasse gemeinsam weiter ausgefüllt, die letzte Folie gestaltet jeder Schüler als Hausaufgabe selbst. Und die Lehrerin? „Ich interveniere nur, wenn ich wirklich muss. Bei LdL herrscht eine Fehlerkultur: Wir gehen sehr offen mit Fehlern um, sie sind erlaubt und sogar erwünscht“.

Jede Klasse hat neben Microsoft Teams ein Padlet (eine Online-Plattform, die Redaktion), wo die Schüler ihre Produkte teilen und Feedback bekommen. Dank des Teilens bekommen die Schüler neue Impulse und ergänzen sich gegenseitig. Hier finden sie weitere Tipps und Ideen: zusätzliche Übungen zur Vertiefung, Podcasts, interessante Links passend zu den aktuellen Themen.

Auch Schüler müssten die neue Methode erst lernen, sagt die Lehrerin. „Das Schöne daran ist: Die Schüler lernen wieder, neugierig zu sein. Sie vernetzen sich mit anderen. Sie lernen Selbstverantwortung – und das ist es, was man im Leben braucht.“