Biographie: „In Paris mit 15. Jacques Rappoport“.

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In Paris mit 15: Jacques Rappoport

Parallel zu meiner missglückten schulischen Laufbahn explorierte ich die Welt, wie sie sich mir anbot. Mein Selbstbild war geprägt durch das Bewusstsein, im 16. arrondissement, dem chicsten Viertel von Paris zu leben. Ich hatte mich mit Hilfe von Jacques Rappoport (später Jacques Livchine) der coolen Gruppe der Klasse ansgeschlossen. Die Eltern von Jacques waren jüdische Industrielle und hatten eine große Wohnung direkt neben unserem Gymnasium. Sie waren sehr großzügig und luden permanent die Freunde ihrer Kinder ein, so dass ich mich dort wie zu Hause fühlte. In der Clique war ich – weil etwas jünger und sehr schüchtern – Mitläufer und graue Maus, und litt sehr darunter. Immerhin durfte ich bei Partys, dank meiner Freundschaft zu Jacques, dabei sein. Ich war auch dabei, als wir in den Cafés neben dem Lycée Lafontaine, dem Mädchengymnasium, Flipper spielten und hübsche Mädchen wie die spätere Catherine Deneuve und ihre früh gestorbene Schwester Françoise Dorléac trafen. Ich war 15. Mit Jacques, der mir seine Jeans und ein Mofa auslieh, fuhren wir ganze Nächte durch Paris durch und landeten oft in zweifelhaften Lokalen, deren Substrat wir nicht durchschauten. Wir wussten nicht genau, warum ältere Herren uns dort hineingelockt hatten. Wir kamen genauso unschuldig heraus, wie wir hineingeraten waren, aber es waren immerhin Erfahrungen. Wir hatten Freunde, die sich von Männern Geschenke machen ließen, oder auch solche, die uns hofierten und bestimmte Lektüren pflegten, wie die Bücher von André Gide und von Roger Peyrefitte. Aber Homoerotik war unsere Sache nicht. Wir waren extrem auf Mädchen fixiert und sie waren Ziel aller unserer Aktivitäten. Das kann man gut verstehen, wenn man bedenkt, dass in den 50er Jahren eine strikte Trennung zwischen Jungen- und Mädchenschulen herrschte. Meine einzige Chance, etwas näher an ein Mädchen heranzukommen, war meine Kusine oder die Schwester von Freunden. Nachdem ich sitzengeblieben war, wurde ich in ein Internat, in Caen, verlegt. (…).

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