Margret Ruep und LdL

(Andreas Sägesser: dieser Eintrage von Margret Ruep ist in einer Facebookgruppe „Selbstorganisiertes Lernen – gelebt“ entstanden. Falls jemand interessiert ist in dieser Gruppe mitzudenken … – ich lade dich gerne ein.)

Margret Rueps Bericht über ihre überaus erfolgreiche Karriere, in der auch LdL eine wichtige Rolle gespielt hat

(…) Ich hatte noch einen sehr systematischen Aufbau einer Unterrichtsstunde im Studium gelernt (Geplantes Lehrerverhalten – Erwartetes Schülerverhalten z. B. oder Motivationsphase—etc..). Ich habe dann durch mein Weiterlernen erfahren, dass manche Dinge einfach falsch waren, was ich im Studium gelernt hatte. Zunächst ist es wichtig, systematisch eine Unterrichtseinheit vorzubereiten – dann aber ist es so wichtig (und viele Lehrer kommen dort nicht an, sondern landen im Klagen über die immer dümmer werdenden SchülerInnen), situativ handeln zu lernen. Vor allem habe ich durch den Kontakt mit Jean-Pol Martin meinen Unterricht grundlegend weiterentwickelt. Ich arbeitete damals an einer Dissertation zum Thema Interessenbildung (kein Wunder, das war nämlich das Thema meiner Lehrerwirklichkeit und ich wollte durch ein berufsbegleitendes Weiterlernen Lösungen für mich finden). Mein Mann machte mich damals auf eine Sendung des Bayrischen Rundfunks aufmerksam. Ich kann mich genau daran erinnern. Ich saß damals an meiner Schreibmaschine (kaum mehr vorstellbar im Zeitalter der Computer) – „Komm. mal schnell, da ist einer in Bayern, der macht ähnliche Dinge wie du“ – und ich war vom ersten Moment an fasziniert und habe Kontakt aufgenommen (das war Ende der 90-er Jahre. Seitdem habe ich mit LdL in Baden-Württemberg gearbeitet und das später, als ich die Möglichkeit dazu hatte, in die Lehrerbildung implementiert. Durch die Diss. – während der ich über 3 Jahre jede Woche an den 3 Schularten Hauptschule, Realschule, Gymnasium jeweils gleiche Klassenstufe, gleiches Thema unterrichtet habe – habe ich so viel dazu gelernt, dass ich meinen gesamten Unterricht völlig umgekrempelt habe. Danach habe ich grundsätzlich vom Schüler her gedacht („lernseits“), habe mit den Schülern zusammen bereits die Schuljahresplanung gemacht. Sie haben die Lehrpläne von mir bekommen und wir haben das auf die Wochen verteilt, haben gemeinsam überlegt, welche Projekte gemacht werden sollen und können, welche anderen Lernorte außerhalb der Schule besucht werden können. Es war überwältigend, was passiert ist: Ich war nie wieder gestreßt. Meine Schüler habe ich immer positiv erlebt, weil sie mit ihren Aktivitäten auch zeigen konnten, welches Potential in jedem Einzelnen steckt. Es war ein einziges Flow. Als ich Schulleiterin wurde, habe ich Jean-Pol an die Schule eingeladen und meine Kollegen haben gesehen, wie gut das mit Ldl funktionieren kann. Nicht jeder hat das gleich ausprobiert, aber dennoch einige. Und die Stimmung war so, das sie sich leichter auf neue Dinge einlassen konnten als vorher. Das gilt übrigens auch für die Schulleitung – Lehrer haben ein unglaubliches Potential, das man als Schulleiter sehen und wahrnehmen muss – und dann entsprechend den Kontext, die Kultur einer Schule gestalten muss. Das habe ich zumindest versucht (begleitend dokumentiert und 1997 als Publikation veröffentlich „Innere Schulentwicklung“. Wenn man die Schaarschmidt -Studie betrachtet, in der zutage kommt, wieviel „ungeeignete“ Lehrer wir haben, dann ist das ein Desaster, weil etwas im Studium nicht hinreichend gelernt wird – das stetige Reflektieren dessen, was man tut. Im Rahmen der LERNENDEN ORGANISATION ist es die Reflexion der MENTALEN MODELLE im Modus des DIALOGS. Ich habe mir dann angewöhnt, mich immer mit denjenigen zu vernetzen, die in ähnlicher Weise an stetiger Verbesserung ihres Unterrichts interessiert waren. So habe ich Kontakt aufgenommen mit Norm Green, damals ausgezeichnet als weltbester Schulentwickler in Ontario/Kanada. Es gab dann die Möglichkeit, ihn nach Baden-Württemberg einzuladen und Multiplikatoren auszubilden in dem erfolgreichen kanadischen Konzept „Cooparative Learning“ – ein sehr systematisches Konzept (sehr viel Ähnlichkeit mit Lernen durch Lehren / LdL, mit dem die Kanadier innerhalb weniger Jahre von einem unteren Rang nach ganz oben kamen im Bildungssystem). Hier ist eine wichtige Grundlage: die 5 Faktoren der Selbstwirksamkeit (Safety-To be oneself-Sense of belonging-Mission-competence). Ich werde dazu gleich eine Präsentation einstellen. Auf jeden Fall ist alles, was die SOL-gruppe hier macht, der richtige Weg, um den Schülern gerecht zu werden. Es geht immer darum, von den Lernenden her zu denken. Ihre Welt hat sich radikal verändert, seit ich als Lehrerin einmal angefangen habe. Sie wachsen mit Dingen und Ideen auf, die für mich noch ganz fremd waren. Ich kann mich erinnern, als erstmals die Frage aufkam, dass man Computer in der Schule einrichten solle, gab es in meinem damaligen Kollegium eine heftige Diskussion bis dahin, dass jemand das „Teufelszeug“ auf keinen Fall in der Schule wissen wollte. Kaum mehr vorstellbar heute – und wenn ich meine beiden Enkelsöhne betrachte, die im selben Haus wohnen, in dem ich aufgewachsen bin – dann haben sie in manchen Teilen die gleiche Umgebung, andererseits natürlich ein gänzlich andere Situation (bei mir gäb es an Technik nur ein Radio und elektrisches Licht – noch nicht einmal eine Hausklingel, die man da im Dorf nicht brauchte, meist hat man die Türen ohnehin aufgelassen). Wenn wir beim Unterricht stehen bleiben auf dem Stand der Zeit, wenn wir als Lehrer anfangen, kommt der Effekt, dass die Schüler sich aufgrund veränderten Umfelds anders sind, als wir uns das vorstellen – und unreflektiert finden wir sie „dümmer“ und was uns sonst noch an Negativzuschreibungen einfällt. Ich finde übrigens, dass Kinder und Jugendliche es heute schwerer haben, weil sie lernen müssen, mit einer Flut von Informationen umzugehen und dabei das „Richtige“ zu finden. Genau das ist es, was sie hauptsächlich lernen müssen – und dabei noch Spß am Lernen entwickeln sollten („Exploratives Verhalten“ – „Konzeptualisieren“ usw.) .

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