Soziales Gehirn: Glückscocktail.

(Aus: Tobias Esch, Die Neurobiologie des Glücks – Wie die Positive Psychologie die Medizin verändert, 2012, S.54f.)


„(…) In diesem Konstrukt des sozialen Gehirns spielen die limbischen ZNS-Anteile eine große Rolle, gerade auch die obere Ebene mit dem anterioren Cingulum und den orbitoftrontalen Anteilen, denn hier wird das sozial Vernünftige oder moralisch Richtige mit einem positiven Gefühl gekoppelt – und schließlich auch belohnt. (…) Raphe, Zentrales Höhlengrau, aber auch die zentralen Vaguskerne im Hirnstamm (…) sorgen so für subjektiv positive Erfahrungen und eine soziale Beziehungs- und Bindungsqualität, die man vielleicht mit dem Satz von der Liebe ohne Angst beschreiben könnte. Wenn alles funktioniert wie vorgesehen. Soziales Engagement und ein offener, inniglicher zwischenmenschlicher Kontakt werden belohnt und im Körper glückbringend und selbstversichernd, beruhigend sowie angstlösend „übersetzt“. Die beschriebenen Eigenschaften des sozialen Gehirns lassen es schon vermuten: Neurobiologisch finden wir eine Beteiligung von Oxytocin, Serotonin, aber auch – zwar noch eher spekulativ bzw. experimentell – von endogenem Morphium. Dieses neurochemische Potpourri wirkt wie ein Glückscocktail: Prosoziales, gar liebevolles Verhalten und Kommunizieren, Sicherheitsempfinden und Selbstvertrauen, Offenheit und einlassende Akzeptanz, Präsenz, Verbundenheit und Berührung ohne zu werten, kurzum, eine sichere und positive Beziehung zum Selbst und dem Anderen. (…) Mitnehmen wollen wir aus diesem Abstecher, dass die Fähigkeit zur inneren Einstimmung und sicheren Einlassung auf andere Menschen grundsätzlich in uns angelegt ist. Damit steht uns die Möglichkeit eines stabilisierenden Gefühls von Verbundenheit mit anderen und mit der Erfahrung von Moment zu Moment sowie mit unserem authentischen Selbst prinzipiell zur Verfügung. Das mehrt Glück und lindert Leid. Auch weil der endogene Belohnungskreislauf eine offene und rezeptive Aufmerksamkeit belohnt. Authentizität einerseits und Resonanz andererseits führen auch zu dem Gefühl der Freiheit, des Ankommens, ja sogar zu einer Form der Selbstempathie, die nichts mit egoistischer Selbstliebe oder Selbstmitleid zu tun hat.“

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