Peter Ringeisens extrem wertvolles Fazit zu LdL.

Antwort von Carsten Thomas auf ein Statement von mir:
Carsten Thomas Du hast die Erfahrungswerte – ich glaube Dir natürlich, wenn Du das so darlegst. Mir scheint es so zu sein, dass man eine lange und intensive Vorbereitungszeit braucht, sowohl S als auch L. Dann braucht man auch einen langen Atem, um evtl. auftretende Anfangsschwierigkeiten zu überwinden und das Verfahren zu vervollkommnen. Wenn es einmal läuft, dann rechnet es sich vermutlich für beide Seiten. Es ist insgesamt ein langer Prozess, bevor man die Früchte ernten kann, vermute ich. Für einen kurzatmigen, hektischen, im 45-min-Rhythmus tackernden Unterricht von heute, mit übervollen Lehrplänen, strikten Kompetenzvorgaben vom Ministerium, respektlosen Schülern, genervten Kollegen und Korrekturstapeln bis zum Himmel eignet sich eine soviel Zeit und Engagement benötigende Methode – man vergebe mir – wohl eher nicht, jedenfalls nicht, wenn sie inmitten dieses Systemdrucks laufen soll. – Mich erinnert LdL, wie Du es beschreibst, an die Psychoanalyse: Erst nach mehreren Jahren harter und anstrengender Arbeit an sich selbst und mit dem anderen kann man letztlich die Früchte ernten, unter der Bedingung, dass das Ganze auch die Effekte zeigt, die einst geplant waren.
Oder ist das übertrieben? Ich z.B. würde gerne einmal eine Art „LdL-Light“ ausprobieren oder „Mini-LdL“, befürchte aber, dass es so etwas nicht geben kann, weil schon die lange Vorlaufzeit und der erhebliche Arbeitsaufwand es verbieten, die Methode für ein oder mehrere Probestunde einzusetzen. Habe ich Recht?
In einem der zurückliegenden Schuljahre habe ich versucht, das Prinzip der Schülerlehrer in einem Philosophiekurs der Oberstufe einzusetzen. Die Ergebnisse haben mich nicht allzu sehr überzeugt, es lag aber wohl vor allem auch an den – wie Du sagst – nicht genügend klaren Strukturen. Aber wie ich schon sagte: Einfach mal eben ausprobieren, das geht leider nicht…

Peter Ringeisen Es sind nicht Jahre erforderlich, sondern man kann sofort loslegen. Start: Gründliche Lektüre eines Aufsatzes von Jean-Pol Martin, z. B. „Weltverbesserungskompetenz als Lernziel“, anschließend von den Schülerinnen (evtl. Gruppenarbeit) visualisieren lassen. Dann Unterrichtsstoff in nicht zu großen Häppchen zur Verarbeitung durch Schüler-Teams anbieten. Unterrichtszeit zur Vorbereitung einräumen (1-2 Stunden), beraten, kommentieren, ermutigen.

Ganz wichtig: eine flexibel und sensibel eingreifende Lehrkraft (nicht zu oft, nicht zu selten), die die Richtigkeit garantiert, Mitschüler zum Fragen und Nachfragen ermuntert. Ergebnis: eine entspanntere, motivierendere U.-Atmosphäre – alle erarbeiten sich neues Wissen zusammen.
Und: nicht aufgeben. Natürlich gibt es auch weniger brillante Stunden, aber daraus kann/wird man lernen. 

Carsten Thomas Danke für die guten Hinweise! Hört sich – zumindest theoretisch – gut an. Ich arbeite schon jetzt sehr viel mit Gruppenpräsentationen. Eine Gruppe nimmt sich ein Kapitel im Buch vor, teilt die Arbeit auf und jeder präsentiert am Ende seinen Teil. Die Gefahr ist, dass das Ganze zu oberflächlich wird. Zum Teil ist dann doch wieder starke Steuerung durch die Lehrkraft nötig… Und: Wenn die S nicht mitziehen, wenn die Leute ohnehin nicht motiviert bzgl. Schule sind, dann ist auch die Methode leider kein Selbstläufer. Ich habe z.B. zwei Neunerklassen parallel. In der einen klappt, was ich mir vorgenommen habe, ganz gut, in der anderen weniger gut. Es hängt der Erfolg halt immer zum großen Teil von dem Lehrer, aber auch von der Lerngruppe ab.

Peter Ringeisen Das ist – nach meiner Erfahrung – zutreffend, Carsten Thomas. Und: Eingriffe durch die Lehrkraft sind fast immer nötig. – – – Noch eine Ergänzung: Auch ich meine, dass es sehr lethargische Klassen gibt, bei denen das LdL-Prinzip eher mühsam läuft. Aber auch diese Klassen werden durch LdL mehr mitbekommen, als wenn sie sich im Frontalunterricht des Lehrers berieseln lassen können. Ich habe zur Zeit eine zehnte Klasse, bei der es wenig ansprechend funktioniert – das kostet Arbeit und Nerven. Aber das würde es ja anders auch. 

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