Informationsverarbeitung, intensität des denkens und ewige wiederkehr!

6 Antworten

  1. Von Safranski habe ich alle Bücher gekauft, kann sie aber nicht lesen. Unmöglicher Stil, der Anschein der Tiefe über einer gedanklichen Pfütze. Gut nur aus der großen Distanz. Die Deutung der Personen Paulus, Nietzsche, Wagner, Christus…finde ich engstirnig. „Verzückungsspitze?“ (vgl. Damaskuserlebnis) „Bestien des Banalen?“ (vgl. Sündenbegriff) — das war selbst zu Nietzsches Zeiten weniger neu als es heute erscheint, vor allem wohl wegen der Zwangsadoption durch die Nazis…vielleicht ist Nietzsches Überhöhung ein Ergebnis des Kulturkampfes in Deutschland (oder umgekehrt?) Trotzdem war der Video interessant: auch am stumpfen Stein kann man sein Messerchen schärfen.

  2. „Aus der distanz“? Die habe ich ja. Für mich sind philosophische texte vor allem steinbrüche, aus denen ich muster entnehme, um den oft beschwerlichen alltag zu deuten, und möglichkeiten zu erkennen, die qualität meines lebens zu steigern. Insofern suche ich nicht unbedingt „die tiefe“. Und ich bin dankbar, wenn jemand wie safranski für mich selegiert und hervorhebt. Beispielsweise den begriff der „verzükungsspitze“. Das assoziere ich dann mit der „vertikalität“, die u.a. von Sloterdijk („du musst dein leben ändern“) so stark ausgearbeitet wird. Und die beschreibung, die safranski liefert von der intensität des denkens als weg zur verzükungsspitze, hilft mir wiederum meine eigene obssession der informationsverarbeitung als grundbedürfnis in einen anderen kontext zu stellen, als garant dafür, dass meine vorstellung eben nicht abwegig ist. Ähnliches geschieht mit der ewigen wiederkehr des gleichen, deren botschaft darin besteht, jeden augenblick so zu gestalten, dass man ihn immer wieder eleben kann und sich darauf sogar freut… Auch der übermensch, der über sich hinauswächst, ist mir willkommenes modell, wenn ich körperliche schmerzen zu begegnen habe… Dadurch wird alles spielerisch…

  3. deine theorien schätze ich und sie sind, anders als safranski, auch originell. wenn safranski, sloterdijk und die anderen sich bloss damit zufrieden gäben, steinbrüche zu sein! leider tun sie das nicht, daher meine kritik. das setzt vielleicht eine art con selbstlosigkeit coraus, wie sie die mönche des mittelalters hatten, deren namen man nicht kennt…aber das ist meine schlacht, nicht deine. den übermenschen habe ich immer noch nicht verstanden, außer im christlichen sinne, und da ist seine form und ausdruckskraft vorgeschrieben und fertig. ich bin auch ein freund des spielerischen, aber das alles spielerisch würde, das wäre mir…zu viel der leichtigkeit. kann man das überhaupt haben zu viel spiel? ich weiss es nicht. ich denke an Pascal, dem sogar die Wette, ein Spiel, zum Lebensernst wurde…ob das spiel das wahre wesen des menschen erfasst? auch das weiss ich nicht! jetzt gucke ich mir aber mal mehr von deiner theorie an!

  4. „aber das ist meine schlacht, nicht deine“
    – durchaus möglich!:-) Ich habe auch meine schlachten, und nicht wenige!
    „den übermenschen habe ich immer noch nicht verstanden“
    – Ich nehme das heraus, was mir passt: der übermensch überwindet sich selbst. Mehr brauche ich nicht, auch wenn nietzsche am ende das doch anders meinte. Also: mir geht es gesundheitlich schlecht, aber ich versuche immer positiv und gut drauf zu sein. Danke nietzsche, auch wenn er selbst gar nicht verstehen würde, was ich meine!:-)
    – „kann man das überhaupt haben zu viel spiel?“
    meist weiss man gar nicht, dass man spielt. Man wird sich dessen erst bewusst, wenn man das spielerische als überwindung des schmerzahften gestaltet. Mir geht es sch…, aber das merkt niemand! Toll, oder? Richtig lustig!:-) Und stolz ist man auch: richtige kicks, sind das…

  5. es tut mir leid zu hören, dass es dir gesundheitlich nicht gut geht: ich wünsche dir alles gute! eben habe ich diesen artikel hereinbekommen, der dich vielleicht interessiert: aspekt der informationsverarbeitenden menschheit – wir werden alle Spock: https://medium.com/sci-fi-strange/why-humanity-is-going-to-spock-61420c9d034b – ob das stimmt? jedenfalls ist es ein weiterer „kick“! hang in there, Jean-pol! Live long and prosper!

  6. Danke für dein mitgefühl! Mit 71 finde ich legitim, dass man körperlich nicht mehr ganz fit ist und chronische schmerzen sind eben eine herausforderung. Da helfen tatsächliche heroisiierungsmuster a la nietzsche oder beruhigungstrategien a la seneca/epiktet and co. Hauptsache ich kann meiner frau zeigen: schau wie es mir sch… geht und wie ich trotzdem positiv/gut drauf bin. Auch eine herausfordernde und wenn sie gelingt, glückmachende aufgabe. Und jetzt schaue ich mir deinen link an, da bin ich neugierig!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: