Nando Stöcklins frage/antwort zu „informationsverarbeitung als grundbedürfnis“.

Endlich habe ich deinen Beitrag angeschaut – ich hatte ja am Camp parallel eine eigene Session. Dein Beitrag hat mich grad zum Denken angeregt. Ist dieser Satz nicht quatsch? Denkt der lebende Mensch nicht sowieso immer? Vielleicht so: Dein Beitrag hat mich angeregt, etwas neues zu denken. Ist das der Punkt? Der Mensch strebt nach Wissens-Expansion, nach der Beantwortung von Fragen? Du hast mit deinem Beitrag bei mir Fragen aufgeworfen, die ich nun beantwortet haben möchte. Z.B. geht mir die Frage der einen Teilnehmerin durch den Kopf, weshalb denn ihre pubertierenden SuS nicht Informationen verarbeiten wollen, wenn das doch glücklich macht. Das Ergebnis der Informationsverarbeitung im meinem Kopf:
1) Denken tun wir immer, die Frage ist, was wir denken.
2) Wenn mich Gedanken, die an mich herangetragen werden, nicht interessieren, denke ich etwas anderes. Ich tagträume. Oder ich höre z.B. an einer Educamp-Session einen spannenden Satz und überlege dort weiter, während die Diskussion in der Session in eine andere Richtung läuft.
3) Mich interessieren die Gedanken, die ausserhalb meines bisherigen Wissensstandes liegen, aber vermutlich nicht allzu weit weg und mit möglichst vielen Andockstellen zum bestehenden Wissen. Sprich: Ich will lernen. Oder so rum: Ich will eine Beziehung herstellen, zwischen meinem bestehenden Wissensnetz und dem einzelnen Fragment ausserhalb. Ich habe also eine Frage.
4) Alle SuS haben einen anderen Wissensstand und entsprechend andere Interessen. Dh. es ist für die Lehrperson enorm schwierig, resp. wohl gar unmöglich, in allen Köpfen der SuS dieselbe Frage zu provozieren. Wenn sie die Frage nicht haben, lernen sie nicht (oder nicht das gewünschte) denken evtl. was altes und haben entsprechend keinen Hirn-Sex, geniessen also nicht das durch Informationsverarbeitung ausgelöste Glücksgefühl. Sprich: Normiertes Lernen funktioniert nicht.
Würde das die Frage der Teilnehmerin beantworten?

4 Antworten

  1. Hervorragend! Will sagen: genauso sehe ich das. Deshalb ist LdL auch so günstig, weil die lerner sich exakt die lernumwelt (informationszulieferersettings) selbst gestalten können, die ihnen am meisten kicks (flows) verschaffen! In meiner dissertation 1985 habe ich diese lernumwelt exakt für den fremsprachenunterricht beschrieben im kapitel: „Die kognitive qualität von unterrichtshandlungen“. Wir können gerne im kontakt bleiben, um uns über die qualität von lernumwelten als zulieferer von informativen stimuli unterhalten!

  2. Jeanpol, was sind SuS?
    Dankke

  3. @Anita SuS = Schüler und Schülerinnen.

  4. Danke jeanpol, man lernt nie aus. 🙂 Diese Abkürzung war mir bislang unbekannt.

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