Die Neuruheständler in Ingolstadt: das Glücksprojekt!

Resume  Nach meiner Pensionierung 2008 wurde ich auf das Angebot des Bürgerhauses in Ingolstadt aufmerksam gemacht. Herr Ferstl, der Leiter, hatte eine neue Gruppe gebildet, die Neuruheständler.

1. Ausgangspunkt

Grundsätzlich gehe ich bei jeder Analyse einer Lebenssituation von der Maslowschen Bedürfnispyramide aus. Es ist ein gutes Instrument, um festzustellen, ob die individuellen Bedingungen eines Menschen so gestaltet sind, dass er „glücklich“ sein kann.

beduerfnispyramide

Nun ist schnell ersichtlich, dass es für etliche Rentner schwer ist, nachdem sie aus ihrem Arbeitskontext ausgeschieden sind,  Grundbedürfnisse wie das nach sozialen Kontakten, nach sozialer Anerkennung, nach Selbstverwirklichung und nach Sinn zu befriedigen. Eine harte Situation also, die auch von den Institutionen erkannt wurde. Daher das Angebot des Bürgerhauses in Ingolstadt.

2. Die Neuruheständler

Die Gruppe der „Neuruheständler“ wurde 2009 gegründet. Herr Ferstl wollte eine neue Struktur einführen, die von dem Vereinsmodell mit Vorstand und formalistierten Abläufen Abstand nimmt. Die Neuruheständler, inzwischen etwa 80 Personen, treffen sich einmal im Monat und stellen ein Aktivitätenprogramm für die kommenden Wochen auf. Zu den Treffen kommen etwa 40 Senioren. Die sehr offene, zu nichts verpflichtende Form, entspricht genau den Bedürfnissen von Menschen, die Verantwortung im Beruf trugen, höhere Ansprüche an ihren Aktivitäten stellen aber sich keiner Fremdbestimmung unterziehen wollen. Das Bürgerhaus hilft kräftigt bei der Realisierung des Programms, eine Mitarbeiterin ist eigens für unsere Gruppe zuständig, aber es wird in keinerlei Hinsicht Zwang ausgeübt. Es werden Wanderungen durchgeführt, eintägige Exkursionen zu Städten und Museen organisiert, Weihnachtsfeiern und Faschingsparties gestaltet, Bildervorträge angeboten, all das unter Regie von Personen aus der Gruppe.

3. Mein Angebot

Geschichte der Philosophie

Als ehemaliger, recht besessener Hochschullehrer kam ich auf die Idee, eine Philosophie-Gruppe ins Leben zu rufen. Das Thema war: „Geschichte der Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart“. Bezogen auf Maslow zielte ich auf das Grundbedürfnis nach Sinn! Also gleich die höchste Stufe! Gleichzeitig ließ sich das Bedürfnis nach sozialer Einbindung und für einige Teilnehmer nach Selbstverwirklichung zumindest teilweise befriedigen. Sogar die soziale Anerkennung kann geliefert werden, denn die Teilnehmer stellen selbst die Philosophen vor und ihnen wird entsprechend nach einer Präsentation gratuliert. Der Gesprächskreis besteht seit nun fünf Jahren und die Gruppe umfasst heute etwa 25 Teilnehmer. Die Treffen finden alle zwei Wochen statt. Als ich nach drei Jahren eine Pause brauchte, wurde die Gruppe von Gottfried von der Heydte weitergeführt.

Glück im Alter

Als Ausweitung des philosophischen Angebots gründete ich die Gruppe „Glück im Alter“. Hier geht es darum, noch genauer die Bedingungen herauszuarbeiten, unter denen Glück entstehen kann. Auch hier bildet Maslow die Grundlage für unsere Überlegungen.  Zur inhaltlichen Stütze benutzen wir das Buch „Glück. Ein philosophischer Streifzug„, im Fischer-Verlag. Auch in dieser Gruppe übernimmt jedes Mitglied die Präsentation eines Textes. Der Kreis besteht seit einem Jahr und die etwa fünfzehn Teilnehmer bestätigen, dass unsere Arbeit ihnen hilft, Glücksmomente besser zu erkennen und herbeizuführen.

Geschichte von Ingolstadt

Um die Beschäftigung mit abstrakten Themen durch Sachwissen zu ergänzen, biete ich seit einem Jahr einen Gesprächskreis „Geschichte von Ingolstadt von den Anfängen bis zur Gegenwart“.  Hier können wir uns direkt mit der Stadt befassen. Durch die genauere Kenntnis der Vergangenheit können wir die Gegenwart besser verstehen und vor allem die Zukunft vorbereiten. In dieser Gruppe befassen wir uns auch mit der Kommunalpolitik, insbesondere wenn es um Projekte und Entscheidungen geht, die die historische Substanz und die Identität der Stadt berühren.

In allen diesen Gruppen werden die Befriedigung der Bedürfnisse nach Sinn, nach Selbstverwirklichung, nach sozialer Anerkennung und nach sozialer Einbindung angestrebt. Wo bleiben aber die physiologischen Bedürfnisse (Gesundheit: Schlafen, Essen, Bewegung, Sexualität)?

Disco: Oldies für Oldies

Vor einem Halben Jahr kam die Idee auf, einmal im Monat einen Disco-Abend zu gestalten (Oldies für Oldies). Es findet im Diagonal statt, eine ideale Location! Nach zaghaften Anfängen kommen immer mehr Discoaffine, inzwischen regelmäßig 30 Rockwillige! Es wird sehr heftig getanzt, es macht viel Spaß und wir wundern uns über unsere verbliebenen Energie- und Begeisterungsressourcen!

Fazit All das geschieht im Bürgerhaus. Maslow würde sich freuen!

Eine Antwort

  1. […] Dazu noch: “Die Neuruhestandler in Ingolstadt: das Glücksprojekt“ […]

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