Was Petra Kleine zu meiner Art sagt, Ingolstadt zu lesen.

Petra Kleine

Lieber Jean-Pol, warum ist deine Idee so interessant mal ganz unabhängig von der konkreten Nutzung des Georgianums), denn Geschichtsforschung gibt es in Ingolstadt ja wirklich gute und viele. ich denke, Du bietest eine Lesart an, ein Bild von Ingolstadt, das uns gefällt. natürlich haben sich auch andere damit befasst, wie Ingolstadt zu lese und zu erklären sein könnte, wie die Mentalität, der Spirit, die Identität der Stadt sein könnte. Es gab vor Jahre beim Kunstverein mal ein Stadtforum, mit tollen Leuten, die viel gedacht, hinterfragt, geforscht haben. Die haben Ingolstadt etwa so „gelesen“. – sehr verkürzt. Ingolstadt hat eine starke militärische Geschichte, es galt immer als besonders standhaft, wehrhaft. Es habe sehr lange Zeit kaum Bürgertum hier gegeben, doch viele hochrangige Militärs, die das kulturelle und gesellschaftliches Leben mit bestimmt hätten. Es gab wenig forsches Unternehmertum, wenig Expansion nach draußen, außerhalb der Stadtmauern – die Schanzer eben. IN war auch kein besonders starkes Handelszentrum. Kurz: viel nach innen entwickelt, Abwehr nach außen, vergleichsweise wenig Austausch an Handelsgütern (und Ideen). Denken der Einwohner entweder Handwerk und Dienstleistung für die Nahversorgung oder vom Militär geprägt. Dies ist eine Lesart, die sehr viel weniger innovativen Geist und Wissensdrang transportiert als DEIN Ingolstadt der Geisteswissenschaften und Forschung.
Beide IN-Bilder gibt es natürlich und sie sind in unserem kollektiven Gedächtnis präsent. Eine Frage ist, ist dieser kulturelle und wissenschaftlich Tatendrang und der Geist der Diskussion und harten Auseinandersetzung (mit Neudenkenden) mit der Landesuniversität verschwunden und wurde von der militärischen Tradition überlagert, oder wirken BEIDE heut in Ingolstadt. Kann es gelingen, durch Interpretation und Förderung (zB durch einen solchen Geschichtsraum im Stadtmuseum/Georgianum) auch diesen Geist der Argumentation und des Disputes, der Innovation mehr ins heutige IN zurückzuholen –
UND: wie gehen wir mit den schwierigen Seiten dieser wissenschaftlichen Hochzeit um? Ich kann mich erinnern, dass es ein IN-Geschichtsbuch-Projekt gab (vor etwa 10 J.): die Geschichte der Frauen. Ein Buch über Ingolstädterinnen, das von Frauen geschrieben wurde und rasend schnell vergriffen war. Darin auch Argula von Grumbach, eine gebildete Frau, die in IN für die Reformation gestritten hat und von den Universitären ignoriert wurde. Sie hat letztlich Beachtung erfahren, aber auch viel Leid ….

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