Zurück zu den LdL-Quellen: Mathe-Didaktik in Würzburg

 Resume 30 Jahre nach Veröffentlichung wird  am Lehrstuhl für Didaktik der Mathematik in Würzburg meine Dissertation „Zum Aufbau didaktischer Teilkompetenzen beim Schüler“ (1985) rezipiert. 

I. Ruppert (Gymnasium Marktbreit), M. Ruppert (Universität Würzburg)

Lernen durch Lehren: Das Übertragen von Lehrfunktionen auf Lernende

Zum Artikel: Ruppert, I.; Ruppert, M.: „Lehren lernen – Die Arbeit am Schülerlabor als Schülerprojekt“ Der Mathematikunterricht 5/2013, S. XXX-XXX.

Hinsichtlich der Berufsfeldorientierung war es ein Ziel des P-Seminars, den Schülern einen ersten Eindruck davon zu vermitteln, welche didaktischen Entscheidungen für die Entwicklung einer Lernumgebung getroffen werden müssen und auf welchen Grundlagen diese Entscheidungen getroffen werden können bzw. welche Entscheidungsalternativen ggf. bestehen. Die Schüler sollen also auf einer propädeutischen Ebene erste „didaktische Kompetenzen“ (s. u.) erwerben. In seiner Dissertation „Zum Aufbau didaktischer Teilkompetenzen beim Schüler“ stellt Jean-Pol Martin (1985) eine Unterrichtsmethode vor, die „eine stoffbezogene Aktivierung der Schüler durch die Übertragung eines großen Teils der Lehrfunktion auf sie vorsieht, wobei dieses Ziel nur über einen systematischen Aufbau von didaktischen Kompetenzen bei den Lernenden zu erreichen ist, (…)“ (ebda, S. 129). Zur didaktischen Begründung dieser Methode, die in der Folgeliteratur als Methode des „Lernens durch Lehren“ bekannt wurde, identifiziert Martin zunächst verschiedene Lehrfunktionen. Anschließend erörtert er, welche dieser Funktionen im Lehr-Lernprozess gewinnbringend auf die Schüler übertragen werden können. Martin unterscheidet zunächst zwischen Funktionen, die mit der Vermittlung von Lerninhalten zusammen hängen“ (ebda, S. 130) und der „Funktion der Vermittlung von Werten und Einstellungen“ (ebda, S. 131). Die Ausführungen Martins beziehen sich dabei zwar auf den gymnasialen Anfangsunterricht im Fach Französisch, können an vielen Stellen jedoch fachunabhängig betrachtet werden, wie etwa die Ausführungen von Wunderling (1987), Laumeier (2000) oder Hilgers (2007) zum Einsatz des Konzepts „Lernen durch Lehren“ im Mathematikunterricht zeigen. (…)

Hier der ganze Artikel:   Ergaenzung01_LdL-2

Leerstände: Eventisierung und Stadtentwicklung.

Patrick Breitenbach sagt:

Als Stadt muss man sich einfach mal der Frage stellen: Warum haben Menschen das Bedürfnis einen bestimmten Ort aufzusuchen? Vor der Digitalisierung suchte man Orte wie Bibliotheken, Geschäfte, die Post, die Bank, den Anwalt, die Apotheke etc. pp. auf. Weil man es einfach musste.

Heute geht man eher an Orte um etwas bestimmtes zu erleben oder zu erfahren, das es digital eben nicht so einfach gibt. Events sind eine Form von diesen unabbildbaren Erfahrungen. Familien mit Kindern suchen Orte wo Kinder sich frei bewegen können, wo die gesamte Familie angeregt wird (Vergnügungspark, kindgerechte Museen mit Dingen zum Anfassen, Straßenfeste, Spielplätze, Parks). Als nächstes werden die Senioren sehr stark unser Stadtbild prägen, da muss man sich überlegen, was benötigen die denn? Erholungsräume, unhektisches, aber dann auch wieder sehr Anregendes auf dem jeweiligen Niuveau eines gereiften Menschen. Am Ende geht es imm nur um Erlebnis, so wie das Einkaufen in der Stadt ja auch ein Erlebnis war, aber offenbar keines was man gerne gemacht hat, sonst würden viele nicht im Internet einkaufen. Da war der Stadtgang eine Pflicht. Deshalb hat das mit dem Einzelhandel so gut funktioniert.

Und warum funktionieren die Silicon Valleys, die Lutz eher kritisch ansprach? Weil sie perfekte Orte passend zur jeweiligen aktuellen lebenswirklichkeit sind. Menschen, die in ihrer Arbeit aufgehen wollen und möglichst frei sich ihre Lebenszeit einplanen wollen. Das bedingt ein hohes Maß an Erreichbarkeit der Dinge, die zu ihrem Lifestyle passen. Daher kann man diese Communities so oder so bewerten. Weil am Ende profitieren ja die Firmen selbst, aber solange die Arbeitnehmer davon ebenso proftieren, why not?

Kam jetztein wenig klarer rüber, was ich meine?

Wikipediatheorie?

Resume  Gibt man in google „Wikipediatheorie“ ein, so erhält man meinen Artikel als ersten und einzigen Treffer. Erstaunlich angesichts des enormen Erfolges dieses wissenschaftlichen Instruments an dessen Erstellung Tausende von Menschen beteiligt sind.

2005, als ich die Wikipedia entdeckte, verfasste ich einen Artikel „Wikipediatheorie“, der sofort gelöscht wurde, denn Wikipedia duldet keine Theoriefindung! Immerhin durfte ich einen Artikel in eine für solche Zwecke eingerichtete Unterabteilung (Wikipedistik) anlegen.  Zwar bescheinigten mir im Laufe der Zeit hochangesehene Wikipedia-Admins und Insider, dass mein Artikel plausible und substanziell sei, aber in die offiziellen, allen zugänglichen Wikipediaseiten gelang der Artikel nie. Bei Diskussionen wurden meine Zukunftsprognosen gelegentlich als „utopisch“ abgewertet. Dabei schrieb ich (immerhin vor fast neun Jahren) folgendes:

Blick in die Zukunft der Wikipedia

Seitdem ich 2005 die Wikipedia entdeckt habe, dränge ich meine Schüler und Studenten, Artikel über ihr Spezialgebiet in die WP hochzuladen, also das „Feld zu besetzen“. Wenn man sich ein bisschen mit Systemtheorie und Netzeffekten befasst, weiß man, dass die Wikipedia in der nächsten Zeit zur ersten Referenz bei Recherchen werden MUSS. Es gibt keinen Grund, warum mehrere Artikel zum selben Thema in hunderten von Zeitschriften weltweit verfasst werden sollten. Ein Artikel genügt. Natürlich gibt es Ausdifferenzierungen, aber ein Artikel beispielsweise zur „Biene“ weltweit ist ausreichend, dieser Artikel wird in der Wikipedia stehen und das wird auch die weltweite Kommunikation zum Thema „Biene“ erleichtern, denn jeder wird über dieselben Referenzen verfügen (sofern auch derselbe Sprachraum verwendet wird).

Ich denke nicht, dass ich mich bezüglich der Bedeutung von Wikipedia getäuscht habe.

Und hier führt es zum ganzen Artikel: Wikipedia: Theoriebildung

Anita: die Nervensäge? :-)

Anita, am 14. Februar 2014 um 08:51 sagte:

(…) Nebst all dem lese ich aber auch immer wieder deine Texte/Vorlesungen mit …

(Fertig geschwiegen! Ich mutiere wohl zur Nervensäge)

Offensichtlich gehören Deine Texte/Vorlesungen zu den sog. Nachhaltigen. Nachhaltigkeit, andernorts wurde dafür mal der Begriff Unsterblichkeit gebraucht. Ich übersetze ihn hier einfach mal mit Nachhaltigkeit. Vielleicht erinnerst du dich, im Blog von Christian Spannagel geriet der ungewohnte Begriff „Unsterblichkeit“ bei einigen in den falschen Hals, mich eingeschlossen. Kristina Lucius’s „moooment mal“ (unauslöschlich in meiner Erinnerung) hatte dich zur Auflösung des *Rätsels“ veranlasst, was mich wiederum in der Folge dazu brachte, mich in der Wundertüte deiner Texte mal umzuschauen. 🙂

OK, worum geht es mir hier eigentlich?. Es könnte doch eine interessante Diskussion darüber entstehen, was es denn überhaupt ausmacht, dass Dinge, im vorliegenden Fall deine oder Texte überhaupt, nachhaltig sind und so zur Unsterblichkeit des Verfassers beitragen (ich gebrauch hier diesen Begriff nun doch einfach mal. 🙂

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich beispielsweise an das Buch von Carl R. Rogers „Entwicklung der Persönlichkeit“. Das ist auch so ein Text, der einem nicht mehr los lässt. Wenn ein Text, ein Buch oder gute Gespräche einem nicht mehr los lassen, sie es zu bestimmten Zeiten immer wieder an die Oberfläche des Bewusstseins schaffen, dann sollte man der Frage mal nachgehen, um genau herauszuschälen, warum das so ist. Es hat einen tieferen Grund. Warum finden wir Texte interessant, immer wieder lesenswert, was katapultiert sie über das Heer von Eintagsfliegen hinaus?, was ist es denn, das einem beim Lesen in den Bann zieht, was macht es aus, dass man sich immer wieder daran erinnern „muss“.

Hei das gäbe bestimmt eine seeeehr interessante aber bestimmt keine einfache Diskussion. Die Frage erscheint nur im ersten Moment einfach. Sie ist es bei weitem nicht. Ich bin sicher, einmal gestellt wird sie zu stets neuer Emergenz führen.

Anita zu meiner Online-Vorlesung als Glücksquelle!:-)

Anita, am 13. Februar 2014 um 14:39 sagte: 

(…) Nebst all dem lese ich aber auch immer wieder deine Texte/Vorlesungen mit Hochgenuss. Begriffe wie „Inkubationszeit“ „Emergenz“ „Flow“ „Konzeptualisierung“ drängen sich immer wieder in mein Bewusstsein und werden laufend mit neuen Inhalten gefüllt. Auch das macht glücklich. Fast bin ich geneigt zu sagen, man braucht wenig um glücklich zu sein. Damit würde ich aber deine Arbeiten abwerten. Sie sind nämlich wirklich nicht „wenig“. (Was braucht man um glücklich zu sein war ja unlängst ein Thema in deinem Blog?).

Was Petra Kleine zu meiner Art sagt, Ingolstadt zu lesen.

Petra Kleine

Lieber Jean-Pol, warum ist deine Idee so interessant mal ganz unabhängig von der konkreten Nutzung des Georgianums), denn Geschichtsforschung gibt es in Ingolstadt ja wirklich gute und viele. ich denke, Du bietest eine Lesart an, ein Bild von Ingolstadt, das uns gefällt. natürlich haben sich auch andere damit befasst, wie Ingolstadt zu lese und zu erklären sein könnte, wie die Mentalität, der Spirit, die Identität der Stadt sein könnte. Es gab vor Jahre beim Kunstverein mal ein Stadtforum, mit tollen Leuten, die viel gedacht, hinterfragt, geforscht haben. Die haben Ingolstadt etwa so „gelesen“. – sehr verkürzt. Ingolstadt hat eine starke militärische Geschichte, es galt immer als besonders standhaft, wehrhaft. Es habe sehr lange Zeit kaum Bürgertum hier gegeben, doch viele hochrangige Militärs, die das kulturelle und gesellschaftliches Leben mit bestimmt hätten. Es gab wenig forsches Unternehmertum, wenig Expansion nach draußen, außerhalb der Stadtmauern – die Schanzer eben. IN war auch kein besonders starkes Handelszentrum. Kurz: viel nach innen entwickelt, Abwehr nach außen, vergleichsweise wenig Austausch an Handelsgütern (und Ideen). Denken der Einwohner entweder Handwerk und Dienstleistung für die Nahversorgung oder vom Militär geprägt. Dies ist eine Lesart, die sehr viel weniger innovativen Geist und Wissensdrang transportiert als DEIN Ingolstadt der Geisteswissenschaften und Forschung.
Beide IN-Bilder gibt es natürlich und sie sind in unserem kollektiven Gedächtnis präsent. Eine Frage ist, ist dieser kulturelle und wissenschaftlich Tatendrang und der Geist der Diskussion und harten Auseinandersetzung (mit Neudenkenden) mit der Landesuniversität verschwunden und wurde von der militärischen Tradition überlagert, oder wirken BEIDE heut in Ingolstadt. Kann es gelingen, durch Interpretation und Förderung (zB durch einen solchen Geschichtsraum im Stadtmuseum/Georgianum) auch diesen Geist der Argumentation und des Disputes, der Innovation mehr ins heutige IN zurückzuholen –
UND: wie gehen wir mit den schwierigen Seiten dieser wissenschaftlichen Hochzeit um? Ich kann mich erinnern, dass es ein IN-Geschichtsbuch-Projekt gab (vor etwa 10 J.): die Geschichte der Frauen. Ein Buch über Ingolstädterinnen, das von Frauen geschrieben wurde und rasend schnell vergriffen war. Darin auch Argula von Grumbach, eine gebildete Frau, die in IN für die Reformation gestritten hat und von den Universitären ignoriert wurde. Sie hat letztlich Beachtung erfahren, aber auch viel Leid ….

Georgianum: warum wir ein Haus der Geistesgeschichte brauchen.

Im Ingolstädter Wahlkampf wird von Veronika Peters, der Kandidatin der SPD und neben dem CSU-Kandidaten aussichtsreichste Bewerberin auf das Oberbürgermeisteramt der Stadtregierung vorgeworfen, sie vernachlässige die Seele der Stadt. Ein Blick ins Netz (Wikipedia) liefert folgendes Definitionselement zum Begriff „Seele“ „(…) Träger des Lebens eines Individuums und seiner durch die Zeit hindurch beständigen Identität“. Und in der Tat: wer Ingolstädter Bürger oder Besucher nach der Identität der Stadt fragt, erhält sofort die Antwort „Audi“! Ist Audi die Seele der Stadt? Wurde Ingolstadt im Dezember 1945 geboren, als das „Zentral Depot für Auto Union Ersatzteile“ gegründet wurde? Sind Ersatzteile der Ursprung unseres Denkens und Fühlens, unseres Sinnes für Kontinuität, Kohärenz und Sinn? Wenn nicht, wo können wir der Seele von Ingolstadt begegnen? Da und dort liest man Namen wie Apian oder Scheiner, Johannes Eck oder Ickstatt… Sind diese Leute, die offensichtlich bekannte Persönlichkeiten und Denker waren, erst nach 1945 hierher gezogen? Wo kann man sie treffen? Sich über sie informieren?  Um glücklich zu sein, brauchen Menschen bekanntlich materielle Güter wie Essen, Wohnung, Kleidung. Darüber hinaus soziale Kontakte. Sie müssen sich selbst verwirklichen können. Was sie aber vor allem brauchen, ist Sinn!  Als Ingolstädter Bürger schaffe ich mir natürlich meinen individuellen Sinn, zusammen mit meiner Familie. Aber ich lebe in einer Stadt. Auch die Stadt schafft, ob sie es weiß oder nicht, ob sie es will oder nicht, Sinn für ihre Bürger. Woher kommt Ingolstadt? Was ist Ingolstadt heute? Und wohin steuert Ingolstadt in der Zukunft?

Zur ersten Frage: woher kommt Ingolstadt? Wir brauchen einen Ort, der uns rasch, übersichtlich und dynamisierend eine Antwort liefert. Die Denker, die hier gelebt haben, waren Optimisten, Abenteurer des Geistes, Abenteurer überhaupt (unsere Jesuiten waren hochgeachtete Berater am Hof des Kaisers in Peking). Wo kann ich diese Denker treffen? Wo kann ich mich von ihnen inspirieren, anregen, motivieren lassen?

Wir brauchen einen Ort, und dieser Ort muss das Georgianum sein!

Anita: „Geistiges Minenfeld“

Anita, am 12. Februar 2014 um 08:57 sagte:

Alle Vorlesungen, die du zwar auch thematisch zusammengefasst hast bilden trotz dieser thematischen Gliederung ein einheitliches Ganzes und das ist weit mehr als die Summe der einzelnen Beiträge. Ich hab das in ähnlicher Weise schon mal erwähnt. Es handelt sich also nicht um eine eine einzelne Vorlesung, (siehe deine Ueberschrift) auf die sich mein Wusch einer Rezeption bezieht.

Man kann das eine nicht vom andern trennen und isoliert betrachten, es will einfach nicht so recht gelingen. Kristina Luzius hat es einmal als “geistigen Sprengstoff” bezeichnet. Ich würde es sogar als geistiges Minenfeld bezeichnen. Tritts tu auf eine Mine, katapultiert es dich unweigerlich auf die nächste. :)

Jean-Pol es trifft halt auch diesbezüglich zu: “die Geister, die ich rief…..”

Es freut mich auf jedenfalls, dass ich mit meinen diesbezüglichen Gedanken nicht alleine bin.

Schade, dass Deine Online-Vorlesung nicht rezipiert wird!

Anita, am 10. Februar 2014 um 20:45 sagte:

Hallo Jean-Pol! Ja, ich bin immer noch dran. As a matter of fact ich war nie weg. Hab zurzeit wenig Zeit bin an ziemlich anspruchsvollem Zeug dran. Es vergeht wohl kein Tag, an dem ich nicht an das eine oder andere von deinen hier so toll chronologisch aufgelisteten Vorlesungen nachdenke. Ich hatte mich nun mal auf sie eingelassen und nun kommt ich nicht mehr los.

Ich bin gerade daran, die Liste durchzugehen und hier und dort wieder nachzulesen und denke, obwohl die Publikationen mit den zugehörigen Diskussionen teilweise schon einige Jahre zurückliegen, hätten sie es verdient, rezipiert zu werden. Sie haben an Aktualität überhaupt nichts eingebüsst, im Gegenteil sie sind aktueller denn je. Es gibt bestimmt welche Interessierte, die den “Anschluss” verpasst haben oder für die das Befassen mit diesen Themen noch nicht relevant war und die gar nicht wissen, dass es diese Vorlesungen überhaupt gibt. Und das ist schade.

Neuronen aller Länder, vereinigt Euch!

Der Artikel von Michael Schmatloch in

„Ingolstädter Allgemeine“