Ingolstadt: 550 Jahre Innovationen

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Vortrag Neues Georgianum Stand 23_01

Das Neue Georgianum Handout

Das ist mein Beitrag für das Handout zur Veranstaltung am 27.01.2014 im Elisa

Rahmenbedingungen für Innovationen

          Universitäten und andere Forschungseinrichtungen zur Wissensgenerierung

          Bildungssystem (Schulen, Hochschulen)

          Organisationen zur Innovationsförderung (Technologieparks, Inkubatoren, Technologietransferorganisationen etc.)

          Finanzierungssystem (insbes. Risikokapitalgeber, Business Angels)

          Schutz geistigen Eigentums (Patentrecht, Copyrights, Designrechte etc.)

Viele dieser Begriffe kennen wir aus dem modernen Wirtschaftsleben, aber einiges davon

gab es – wenn auch unter anderen Voraussetzungen – zu allen Zeiten.

Beispiel 1 – Der Humanismus

        – Rückgriff auf die Antike

        – Positives Menschenbild

        – Diesseitsorientierung

        – Naturwissenschaften

        – Exploratives Verhalten

Konkrete Inventionen und Innovationen, die im Rahmen des Humanismus in Ingolstadt entstanden:

1473: Ulrich Ellenbog (Medizin): verfasst das erste gewerbehygienische Merkblatt über giftige Dämpfe.

1476: Ulrich Han (Ingolstädter Drucker) in Rom: Für die Herausgabe des ersten Römischen Messbuches erfand er den Notendruck.

1540: Peter Apian: Eine beachtliche druckerische Leistung stellte das Kaiser Karl V. gewidmete „Astronomicum Caesareum“ mit kunstvollen Initialen und astronomischen Drehscheiben und Tafeln dar.

1543: Leonhart Fuchs: Erste deutsche Pflanzenkunde mit Angabe der Standorte, an denen die einzelnen Kräuter vorkommen.

Beispiel 2 – Die Gegenreformation

Johannes Eck

Der Universalgelehrte wandte sich zum Kontroverstheologen. 1525 erschien Ecks Standardwerk, in dem er seine Ablehnung des Protestantismus begründete. Das Buch erreichte 46 Auflagen. Eck mahnte innerkatholisch Reformen an. Diese Forderungen wurden nach seinem Tod auf dem Konzil von Trient aufgegriffen und weitgehend umgesetzt. Eck machte aus Ingolstadt das Zentrum der Gegenreformation im katholischen Süddeutschland. Durch seinen Einfluss scheiterten wiederholt Verhandlungsbemühungen zwischen dem Kaiser Karl V. und den protestantischen Fürsten, was 1546 zum Schmalkaldischen Krieg führte.

Beispiel 3 – Die Jesuiten

Der Orden, der als Kampftruppe im Zusammenbruch der katholischen Fronten gedacht war, passte sich sehr schnell im eigenen Interesse und zur bestmöglichen Ausbildung seines Nachwuchses in psychologischer Menschenführung den Notwendigkeiten der Situationen an. Gerade in der Bildungsarbeit sahen die Jesuiten vielleicht das wirksamste Mittel zu einer grundlegenden Erneuerung des religiösen Lebens und der moralischen Haltung.

1.    Jesuitentheater

Um die Menschen von ihrem geläuterten Glauben zu überzeugen, setzten die Jesuiten die starke Propaganda des Theaters ein. Für das Theater schufen sie eine neue Verbindung von Schulbühne und großem Schulspiel.

2.        Naturwissenschaften: Christoph Scheiner

Scheiner baut um 1613 ein astronomisches Fernrohr. Ferner konnte Scheiner zusammen mit seinem Schüler Johann Baptist Cysat dunkle Flecken auf der Sonne beobachten.

Beispiel 4 – Die Aufklärung

        – Vernunft

        – Optimismus

        – Naturwissenschaft

        – Weltverbesserung

Ickstatt

Nach einer überaus erfolgreichen wissenschaftlichen Karriere wurde Ickstatt mit 44 von Kurfürst Max III Josef nach Ingolstadt versandt, um die Universität zu modernisieren. Mit ihm rückte die Kameralwissenschaft (Wirtschaft) erstmals offiziell in den Lehrplan. Im Jahre 1770 entwickelte Ickstatt seine Gedanken über ein neues geschlossenes Erziehungssystem von der Volksschule über Realschule und Gymnasium bis zum zweijährigen Lyzeum. Für die Handwerker und nicht zuletzt für die Landjugend formulierte Ickstatt ein detailliertes und anspruchsvolles Bildungsprogramm im Sinne des Realismus und des Utilitarismus.

Weishaupt und die Illuminaten

Eine besondere Ausprägung aufklärerischer Aktivitäten entwickelte sich ab 1776 in Ingolstadt auf Initiative von Adam Weishaupt, Professor für Kirchenrecht. Die Anhänger nannten sich Illuminaten (die Erleuchteten), waren streng hierarchisch organisiert und wollten ein Weltreich der Vernunft, der Tugend und der Moral einrichten. In kurzer Zeit verbreitete sich der Geheimbund in ganz Europa und gewann Mitglieder in verantwortungsvollen Positionen in Universitäten und Staat, darunter Goethe, Herder, Klopstock aber auch  Herzog Ernst II von Gotha. Kurfürst Karl-Theodor sah die Gefahr von politischen Umstürzen und verbot die Organisation 1785.

Beispiel 5 – Die Anatomie

Bedeutsam ist, dass der Bau bei dessen Anfertigung 1723 einzigartig in Deutschland war. Nicht der Staat hatte die Maßnahmen finanziert sondern die Initiative ging von den Professoren aus, die zahlreiche Bittbriefe verschickten, Geldsammlungen durchführten und zum Teil auch eigene finanzielle Opfer brachten.

Innovationen nach 1800

Nach 1800 steckte Ingolstadt in einer schwierigen Situation, die zu Innovationen zwang. Im rationalistischen Geist der Aufklärung wurde in einer umfangreichen Aktion das Gebiet südlich der Donau für die landwirtschaftliche Nutzung erschlossen. Ferner wurde Ingolstadt als Landesfestung reaktiviert, was militärische Innovationen und wirtschaftlichen Aufschwung brachte.

Heute und morgen:

        Audi

        CARISSMA

11 Antworten

  1. Das Georgianum als (traditionell) innovative Einrichtung ist gut.
    Inklusiv wäre ein Mythos.

  2. @Birgit Kraus Inklusiv kommt noch!

  3. Als „Fan“ von Jean-Pol oder heutiger gesprochen als Follower, ist es wichtig ab und an nicht nur gefällt mir zu clicken, sondern auch zu begründen, warum.

    Was also finde ich an diesem Beitrag „550 Jahre Innovation“ gut und wichtig?

    Jean-Pol bietet uns eine Lesart für Ingolstadt an. Er sieht in die Historie und Gegenwart unserer und erzählt eine Geschichte, die einen ganz bestimmten Aspekt betont: Wissen und Innovation. Man könnte auch eine Geschichte der Eroberung der Auenlandschaften erzählen oder das militärische betonen. Nein, er wählt Innovation und Wissen: das sind Themen, die für unserer Stadt auch in der Zukunft wichtig sein können. Und um hierfür Argumente zu geben und den entsprechenden Spirit zu erzeugen, beschreibt es, welche Ideen und Techniken bisher gewirkt haben und was weiterwirken könnte, um Ingolstadt zukunftsfähig zu entwickeln. Dadurch wird die Vergangenheit wichtig für unserer Zukunft und es wird wichtig für uns, sie zu kennen und lesen zu können.

    Dasselbe denken, die gleiche Herangehensweise würde ich mir auch für die Baukultur wünschen. Der Architekt des Stadttheaters, H.W. Hämer hat das mit diesem modernen Bau der 60er Jahre gemacht: er hat die Alte Stadt gelesen: polygon gewachsen, es gibt ein Innen und Außen u.v.a. – Das hat er mit dem Geist der 60er Jahre verbunden: Offenheit, Klarheit, (demokratische) Transparenz – und so eines der jüngsten bayerischen Baudenkmäler geschaffen.

    Das Kongress-Hotel ist im Gegensatz dazu ganz anders gedacht und geplant: wieviel Zimmer brauchen wir? Wieviel qm haben wir dafür? Welche Höhe ist wohl maximal vermittelbar? Über die Fassade (Putz, Glas, Ziegel …) hat man dann gesprochen und versucht sie der Alten Stadt anzunähern. Das war’s dann aber auch.

    Daher ist es ganz wichtig für neue Idee das Bestehende zu interpretieren und zu erzählen… und daraus weiter zu denken und es mit den zeitgenössischen Ideen und Anforderungen zu verbinden.
    Das ist es, warum ich Jean-Pols Beitrag so schätze, weil es mehr ist, als Historie zu erzählen, er interpretiert und liest die Stadt und findet wichtige Gedanken, die darin stecken und uns heute für morgen inspirieren können.

    Gefällt mir🙂

  4. @Petra Ich fühle mich verstanden und weitergedacht!

  5. […] Kommentar von Petra Kleine trifft exakt meine Intention und führt sie weiter. Daher hebe ich ihn hier als Blogeintrag […]

  6. Petra Kleine spricht mir aus der Seele. Es gibt doch noch Menschen, die eine Vision haben von einer anderen, besseren Welt – und Jean-Pol Martin war, solange ich ihn kenne, und ist bis heute einer von ihnen. Natürlich lasse auch ich mir meine Träume nicht nehmen, aber meine gegenwärtige Erfahrung lehrt mich, dass trotz der geltenden Gesetzeslage die Inklusion ein solcher ist. Irgendwann wird er wahr werden, das sehe ich auch so. Aber für alle Betroffenen, die in der gegenwärtigen Situation um ihren Bildungsabschluss kämpfen, ist das noch eine recht traurige Angelegenheit.
    Es gilt, für die Zukunft einen Mythos zum Leben zu erwecken.

  7. @Birgit Danke, sehr erfreulich, einen solchen Text zu lesen! Was die Inklusion angeht: das Thema ist noch sehr jung in der Diskussion, aber es ist da und wird nie mehr verschwinden! Hoffentlich erleben Sie noch die konkreten Auswirkungen!

  8. […] Ingolstadt kennt wie die meisten anderen Städte auch eine Verödung der Innenstadt mit hohen Leeständen und der Verlagung attraktiver Geschäfte an die Peripherie. Im Gegensatz aber zu anderen Städten, weist Ingolstadt eine Altstadt auf, die aufgrund ihrer historischen Bezüge eine starke Anziehungskraft entfalten könnte, wenn diese sichtbar und den Bürgern bewusst gemacht würden. Ingolstadt war seit dem Mittelalter ein zentraler Standort für die Machtsicherung der Herrscher in Bayern. Die Stadt war sogar Hauptstadt eines eigenständigen Staates zwischen 1392 und 1447, als das Neue Schloss, das Münster und die künftige Universität (Hohe Schule) gebaut wurden. Diese drei Gebäude bilden heute noch die sichtbaren Ankerpunkte der Stadtgeschichte. Es ist kein Zufall, wenn die von Sandtner erstellten Modelle der fünf wichtigsten Städte in Bayern neben München, Straubing, Burghausen und Landshut auch Ingolstadt einschließen.  Ingolstadt blieb für Bayern bis 1800 eine eminent wichtige Stadt, nicht nur aus militärischer, sondern auch als kultureller Sicht: sie beherbergte die einzige Universität des Landes und war ein Zentrum der Geistesgeschichte, insbesondere in der Zeit des Humanismus, der Gegenreformation und später der Aufklärung. Wer sich für die Bayerischen Herrscher und ihre Machtenfaltung und -sicherung interessiert, wird immer wieder auf Ingolstadt verwiesen, sei es weil sie hier ausgebildet wurden, sei es weil sie die Stadt als zentrale militärische Bastion betrachteten und ausbauten. Wer die Altstadt aufwertet und deren historischen Gebäude sichtbar macht, fördert die Identifikation der Bürger mit der Stadt und ihrer spannenden Geschichte. […]

  9. […] – Ereignisgeschichte zwischen 806 und 2014. […]

  10. […] c) Ingolstadt: 550 Jahre Innovationen […]

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