Die Neurobiologie des Glücks. Warum ausgerechnet LdL?

Resume Von Anfang an, also ab 1982 habe ich versucht, die Methode LdL kognitionspsychologisch und bedürfnistheoretisch zu begründen. Im Laufe der Jahre bekam ich immer mehr Unterstützung durch die Erkenntnisse der Neurobiologie. Die letzte Zeit ganz besonders!

1. Ausgangssituation

1982, als ich anfing, die Schüler sich den neuen Stoff im Französischunterricht gegenseitig beibringen zu lassen, wollte ich verstehen, warum das so gut funktioniert und die Schüler so zufrieden sind. Ich befasste mich verstärkt mit Motivationspsychologie und traf auf das Buch von Gerhard Portele (1975), der die Informationsverarbeitung auf der neuronalen Ebene analysierte und aufzeigte, dass Informationsverarbeitung unter bestimmten Bedingungen sehr positiv besetzt ist. Er zeigte auch, welche Merkmale die informativen Stimuli aufweisen müssen, um Glücksgefühle hervorzurufen. Diese Erkenntnis stammt aus den Jahren 1970, wurde aber bis dato in ihrer Brisanz für die Didaktik noch nicht voll erkannt. Ferner beschäftigte ich mich mit Bedürfnisforschung und kam sehr schnell auf Maslow. Portele (Kognitionspsychologie, insbesondere Neuropsychologie) und Maslow bildeten die theoretische Basis zu LdL. Kurz danach las ich das Buch von Dietrich Dörner: „Lohhausen: vom Umgang mit Unbestimmheit und Komplexität„, in dem er u.a. die Merkmale erfolgreicher Problemlöser beschreibt. Portele + Maslow + Dörner. Das war der theoretische Sockel für meine Arbeit von 30 Jahren im Rahmen des LdL-Konzeptes. Ergänzend dazu kam 1999 Csikszentmyhalyi mit seinem Flow-Effekt, der für mich erklärte, warum beim Einsatz von LdL sowohl meine Schüler als auch ich immer wieder so euphorische Phasen erlebten.

2. Glück

Seit Kurzem lese ich ein Buch, dass für mich die Bedeutung von Portele, Maslow, Dörner oder Csikszentmyhalyi haben könnte. Es geht sehr ausführlich auf die neurobiologischen Voraussetzungen für Glücksempfinden und Glücksgestaltung ein. Und es liefert mir weitere Argumente dafür, dass LdL eine Methode ist, die dezidiert und nachhaltig für mehr Glück im Unterricht, sei es an der Schule, sei es an der Universität oder im Rahmen anderer Lernumgebungen sorgt. Das Buch heißt „Die Neurobiologie des Glücks – Wie die Positive Psychologie die Medizin verändert“ (Tobias Esch, Thieme Verlag, 2012). Hier (S.59) wird beschrieben, was ich im LdL-Unterricht 30 Jahre lang bei den Schülern und bei mir selbst beobachten konnte:

Glück beginnt mit der Begeisterung, die wir den Dingen und Menschen entgegenbringen. Über emotionale Konditionierungen, Vorerfahrungen sowie (Aussicht auf) endogene Belohnungen senden die dopaminergen Begeisterungsneurone aus dem limbische System ständig ihre Nachrichten wie eine „Gießkanne“ über das ganze Gehirn: Sie beflügeln so Wachstum, Spaß und Entwicklung. Und beeinflussen so auch Form und Struktur des Gehirns. Das ist Selbstorganisation , wir haben es also selbst in der Hand (oder unsere Eltern, Freunde, Partner etc.), in welche Richtung wir uns organisieren wollen. Nicht die eigentliche Aktivität formt, sondern die Begeisterung und Aufmerksamkeit, die wir den Situationen schenken. Begeisterung ist der Dünger. Auch Leidenschaft gehört in diese Kategorie – und eine gewisse „jugendliche Umtriebigkeit“, gar Sprunghaftigkeit.

3. Warum LdL? Warum nicht eine andere Methode?

Bei LdL ist folgender Prozess zu beobachten: nach einer längeren Phase der Vorbereitung, in der alle Teilnehmer intensiv involviert sind, „emergieren“ die einzelnen Präsentationen. Die Präsentationen selbst sind so angelegt, dass alle anderen Teilnehmer von Beginn an einbezogen werden: Ziel der präsentierenden Schüler/Studenten ist, dass sie den neuen Stoff vermitteln. In einem solchen Rahmen kollektiver Wissenskonstruktion mit dem Fokus auf die Präsentierenden, auf ihre Ideen und ihre Leistungen entsteht hohe Aufmerksamkeit und immer wieder Begeisterung für das, was die Akteure an Lernprozessen auslösen. Dieser emotionale Gipfel ist im Konzept LdL eingebaut und wiederholt sich bei jeder neuen Stoffvermittlung. Insbesondere die Identifikation und Empathie, die der Dozent mit den präsentierenden Studenten verbindet, ist bei LdL, mehr als bei anderen Methoden, sehr intensiv. Der Dozent muss ja erkennen, ob der zu vermittelnde Stoff wirklich bei den anderen Teilnehmern ankommt. Er muss mit beiden Seiten Empathie üben! Er erlebt intensiv was alle fühlen und denken, er geht mit, nicht selten verlässt er die Sitzung in einem euphorischen Zustand.

Fazit Nicht nur die zitierte Passage, auch die anderen Teilen des von mir empfohlenen Buches untermauern meine Hypothese, dass LdL als Unterrichtstruktur mehr Glückschancen für alle Teilnehmer bereithält.

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