Was Asylbewerber brauchen…

Resume Wer die Bedürfnispyramide von Maslow als Analysebasis heranzieht, sieht sofort, dass Asylbewerber nicht glücklich sein können! Was tun?

1. Die Situation von Asylbewerbern macht sie unglücklich

Ich beschreibe was ich gerade erlebe: ich hatte mich vor einiger Zeit angeboten, um Asylbewerbern Sprachunterricht zu erteilen. Vor zwei Wochen erhielt ich einen Termin mit vier Kongolesen. Ich war auf Anhieb so begeistert von diesen jungen Männern, die wie viele anderen Asylbewerber sehr qualifiziert, ehrgeizig und integrationswillig sind, dass ich beschloss, sie sofort in anspruchsvolle Projekte einzubinden. Warum dies?

Asylbewerber werden in Ingolstadt nicht in Sammelunterkünften untergebracht sondern dezentralisiert in Einzelwohnungen, was schon einmal sehr gut ist. Wenn man allerdings als Ingenieur oder Anwalt in einem völlig fremden Land, mit ein paar unbekannten Landsleuten, mit einer finanziellen Minimalausstattung (schon eine Busfahrt kostet ein Vermögen) und absolut untätig (man darf nicht arbeiten) ein Jahr und länger leben muss bis das Asylverfahren eingeleitet wird, dann verfällt man unweigerlich in Apathie, Resignation, Depression. Ein Blick auf die Bedürfnispyramide von Maslow genügt, um festzustellen dass man als Asylbewerber so gut wie gar kein Grundbedürfnis befriedigen kann. Zwar werden die physiologischen Bedürfnisse und das Bedürfnis nach Sicherheit teilweise befriedigt (nur teilweise), aber die Bedürfnisse nach sozialer Einbettung, sozialer Anerkennung, Selbstverwirklichung und Sinn in keiner Weise.  Man ist also zutiefst unglücklich.

2. Projekte: das ist die Lösung

Als Lehrer und Dozent habe ich Schülern und Studenten stets Projekte angeboten, weil in Projekten alle Grundbedürfnisse auf hohem Niveau befriedigt werden können, sofern diese Projekte auch einen fordern und Flows verschaffen. Der große Vorteil von Projekten ist darüber hinaus, dass sie einen so absorbieren, dass man vorübergehend die sonstigen Schmerzen und Sorgen vergisst. Nun haben Asylbewerber in der Regel Sorgen und  Schmerzen, die wir uns als gutbürgerliche Einheimische nicht vorstellen können! Ein Projekt, von denen sie sich für ihre Zukunft etwas Positives versprechen und das sie vollkommen absorbiert bietet den Asylbewerbern die Möglichkeit, ihre Not weitgehend zu verdrängen. Sie können Glücksmomente in ihrem schweren Leben erfahren, die ihnen Energie geben, um ihre Alltagsschwierigkeiten zu meistern.

Was ist naheliegender, als den Asylbewerbern anzubieten, das Modul Ingolstadt-Expertise zu absolvieren? Im Rahmen dieses Moduls sind sie mit Internetrecherchen, Interviews und Stadtbegehungen voll beschäftigt.  Es hat sich ergeben, dass in der Gruppen von Kongolesen ein junger Mann in seinem Land Automechanik studiert hat. Selbstverständlich wird er Recherchen über sein Spezialgebiet bei AUDI durchführen. Einen Kontakt habe ich ihm schon verschafft.  Ähnliches gilt für einen Mann, der in seinem Land Jura mit Schwerpunkt „Internationale Beziehungen“ studiert hat. Ich habe ihn sofort mit einem Freund und Kollegen in Kontakt gesetzt, der sich als Professor wissenschaftlich mit dieser Thematik befasst. Daraus wird bestimmt ein fachbezogenes Projekt entstehen.

3. Glück?

Natürlich ist „Glück“ ein großes Wort. Dennoch gewinnen unsere Asylbewerber durch Projekte die Möglichkeit, relevante soziale Kontakte aufzubauen, aufgrund ihrer Kompetenzen soziale Anerkennung zu erhalten, sich selbst zu verwirklichen, indem sie sich in ihrem Fachgebiet weiter betätigen und indem sie sich in dem Ort, in dem sie leben, aktiv einbringen. Und das alles gibt ihrem Leben einen Sinn. Nicht nur ihrem Leben, sondern auch meinem!:-))

4. Die Ausstattung

Sie brauchen lediglich:

– Eine Buskarte, damit sie bei ihren Recherchen sich in der Stadt und im Umland überall bewegen und ihre Termine wahrnehmen können.

– Einen freien Eintritt in den Museen, denn sie sind wissbegierig und sie wollen sich genau über Ingolstadt und seine Geschichte informieren.

– Einen (auch gebrauchten) Laptop, damit sie im Netz permanent recherchieren und Inhalte hochladen können.

Fazit: Mit einfachen, fast kostenneutralen Maßnahmen kann man Menschen, die sich in extrem schwierigen Situationen befinden, massiv helfen. Und wir helfen uns damit auch…

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35 Antworten

  1. Lieber Jean-Pol, wenn ich nicht schon so stark engagiert wäre, würde ich so ein Projekt hier in Würzburg auch starten. Ich denke es ist in Deinem Sinne, wenn ich Deinen Artikel, unter Deinem Namen, im Senioren – Forum Würzburg veröffentliche. VG Herbert

    Von meinem iPhone gesendet

  2. @Herbert
    Super, Herbert!!!

  3. Hervorragend! Du gibst dich nicht mit Deutschunterricht zufrieden, sondern peilst gleich ein umfassenderes Projekt an.
    Gerade bei Personen, die schon umfassende Kompetenzen haben, kann das für beide Seiten viel bringen. (Voraussetzung ist dein schon von langer Hand vorbereitetes Expertenprojekt.)

  4. @Walter
    Danke Walter, wie du weißt bist du für mich nach wie vor eine wichtige „bezugsperson“! Bei dem projekt geht es natürlich auch um selbstrettung, denn wenn man chronisch krank ist (sehr schmerzhafte arthrose), braucht man projekte, die besonders gut sind und zum leben motivieren.

  5. Deine Offenheit (Krankheit, Selbstrettung) beeindruckt mich. Ich weiss was das heisst,muss mir niemand erklären was du meinst mit …..“braucht man projekte, die besonders gut sind und zum leben motivieren…..“. Sowas wie dein „Projekt“ , dachte ich mir, könnte ich doch in meiner Stadt auch machen. Ideen hätte ich genügend, aber mir macht meine Autoimunkrankheit einen Strich durch die Rechnung. Wenn man sich auf eine solche Arbeit, wie dein Asylbewerber-Projekt eingeben will, muss man eine hohe Präsenz gewährleisten können.Toll, das du das kannst. Das kann ich aber nicht bieten, weil ich nie weiss wann so ein fieses Ding mir meinen Schalter dreht und mich mal für 1, 2 Stunden, Tage oder Wochen schachmatt setzt. Na ja ich hab wenigstens ein/ zwei Projekte für mich alleine, die mich am Leben und auf Trab halten. Aber vielleicht mit andern Leuten zusammen, könnte man vielleicht einen Konsens finden. Mal sehn,die richtigen Leute suchen und zusammen mal ausloten, was möglich ist.

  6. @Anita
    Was die präsenz angeht: ich bemühe mich, sehr rasch die notwendigen strukturen aufzubauen, damit sie auch ohne mich funktionieren. In diesem fall habe ich sofort ansprechpersonen für meine asylbewerber gefunden, dafür gesorgt, dass sie laptops und buskarten haben, und die größte anstrengung ist erbracht. Wenn es mir dann gesundheitlich schlechter geht, kann ich mich zurückziehen, ohne dass die sache den bach runtergeht.

  7. OK gut organisiert!

  8. Danke für den Beitrag. Ein Land wie unseres sollte allen Menschen die hier leben – wenn auch nur temporär – Rahmenbedingungen für ein würdiges Dasein bieten. Das ist nicht überall auf der Welt so – aber wir leben im Paradis und sind aufgefordert das notwendige Minimum zu teilen. Toll dass Sie wieder zeigen wie das praktisch geht.

  9. @Thomas Koch
    Da hatte ich das große glück, dass ich auf besonders interessierte und motivierte asylbewerber traf. Das hat mich natürlich sehr motiviert!

  10. Danke für diesen schönen Beitrag! Ich finde es klasse, wie du deine theoretische Basis zum Menschenbild hier konsequent weiter verwendest.

    Eine (kritische?) Frage: Wie findet man denn dabei gute Projekte? Die Idee „Hey, wir machen ein Projekt“ – da fehlt mir irgendwie das „wozu“. Natürlich kann man brainstormen, schauen, wo Schnittstellen sind, um dann festzustellen, dass hier eine lohnenswerte Stelle für Kooperation ist. Ich vermute aber, dass man das so einfach in der Regel nicht findet. Normalerweise steht ja die Projektidee am Anfang, und dann sucht man sich Menschen, mit denen man gemeinsam dieses Projekt machen kann. Wie können also Asylbewerber darin unterstützt werden, wirklich eine Idee zu haben, die aus ihren ureigensten Interessen heraus geboren wird, und nicht ein Projekt, das von anderen angeboten wird oder das sich aus reiner „Kontaktherstellung“ irgendwie entwickeln muss?

  11. @dunkelmunkel
    Die Projekte sind genau definiert. Den rahmen bildet das modul „Ingolstadt-Expertise“ (siehe Link). Der asylbewerber wählt als gegenstand seiner recherchen ein thema aus seinem studiengebiet. Beispielsweise habe ich einen jungen Kongolesen, der sich in seinem land in automechanik spezialisiert hat. Seine aufgabe ist, mit hilfe eines freundes von mir, der ingenieur bei Audi ist und französisch spricht, sich genau über den bereich sachkundig zu machen, in dem er sich selbst weiterentwickeln möchte. In dem fall elektromotoren. Auf mein geheiß wird er youtubes anfertigen, in denen er für seine ehemaligen schulfreunde im Kongo die neuesten zugänglichen erkenntnisse in diesem gebiet als elearning angebot gestaltet. Wie du, im prinzip. Die projekte sind also genau abgestimmt auf studium und interessen der asylbewerber und sollen sie zügig wissensmäßig weiterbringen. (Das habe ich jetzt verkürzt dasgestellt). Und hier das Modul: https://jeanpol.wordpress.com/2011/11/11/zum-aufbau-von-ingolstadt-expertise/

  12. @dunkelmunkel
    Das erinnert mich daran, dass ich in den leistungskursen nie ein projekt-thema oktroyiert habe. Die schüler haben sich stets selbst etwas überlegt und auch selbst durchgeführt. Meist erkundungen in paris, beispielsweise kam einer auf die idee der geschichte des foucaultschen pendels in paris nachzuspüren. Es wurden immer interviews durchgeführt, darauf habe ich bestanden (empirische, qualitative forschung).

  13. Asylbewerber brauchen eine sofortige Arbeitserlaubnis und ein ausreichend hohes Grundeinkommen, das nicht an Bedingungen geknüpft wird.

    Was gar nicht geht, sind Arbeitsverbote und nicht-monetäre Almosen (in diesem Punkt sind wir deutlich konträr, ich halte nichts von nicht-monetären „Gaben“ die wir „gönnerhaft“ an „Bedürftige“ verteilen. Brrrr, mich schüttelt es.) Asylbewerber (so wie jeder Mensch auch) bekommen ein genügend hohes Grundeinkommen und können dann selbst entscheiden, wie und für was Sie das Geld, ihrer aktuellen Situation entsprechend, ausgeben.

    Was macht glücklicher: Arbeitserlaubnis und monatliche 1.000 Euro Grundeinkommen, oder auf Zuteilung von Busfahrkarten und alten Laptops warten (die Krönung sind amtliche Zuweisungen von Essensmarken…, das gibt es bereits bei sanktionierten Harzt IV Empfängern, das sind einfach völlig unwürdige Zustände).

    Lässt sich alles unter der Idee „Bedingungsloses Grundeinkommen“ subsumieren. Falls Sie das interessiert, einfach mal hier schauen:

    https://plus.google.com/u/0/106110585362718948544/posts

  14. Ja, okay. Die Frage ist: Kommt der Kongolese nach Ingolstadt und will unbedingt Youtube-Videos produzieren? Also, ist das sein ureigenes Interesse, oder wird das an ihn aus dem Projekt heraus herangetragen und er macht er (mehr oder weniger) willig, aber es ist nicht sein Projekt?

    Ich will gar nicht den Ansatz kritisieren (das ist toll), sondern eher die Frage stellen, wie man das wirklich so managt, dass die Leute ihre eigenen Projekte verfolgen, die sie selbst erfunden haben…

  15. und ergänzend: Können sie nach so kurzer Zeit in einem neuen Land denn schon eigene Projekte entwickelt haben? Wie viel Unterstützung brauchen sie beim Finden der Projekte? Und wann schlägt die „Unterstützung“ um in „Aufoktroyieren“?

  16. @Stephan
    Ich bin in allen punkten mit ihnen einverstanden. Auch ich bin für alle massnahmen, die sie nennen. Aber ich bin kein politiker und schon gar kein gesetzgeber. Ich helfe wo ich kann, vor ort. Und es war nicht leicht, gebrauchte laptops zu finden. Es war auch nicht leicht, eine buskarte zu beantragen. Ich musste meine kontakte sehr bemühen. Meine kongolesischen partner sagen mir, was sie dringend brauchen und ich kämpfe, um das für sie zu bekommen. Das ist die konkrete situation.

  17. @dunkelmunkel
    Die kongolesen kommen nicht nach ingolstadt und wollen unbedingt youtubes präsentieren, aber sie wollen unbedingt etwas sinnvolles für sich und ihre zukunft tun. Sie selbst haben viele ideen und ich versuche, mit meinen kontakten und eigenen gedanken, ihnen zu helfen, ihre ziele anzupeilen. Ich habe für sie zunächst gar kein projekt (höchstens den rahmen „Ingolstadt-Expertise“, damit sie dann ein offizielles zertifikat in der hand haben). Aber die kongolesen, mit denen ich zu tun habe, sind sehr ehrgeizig und klug. Sie wollen unbedingt in ihrem fachbereich weiterkommen, koste es was es wolle. Sie wollen auch unbedingt deutsch lernen und sich integrieren. Insofern hatten sie projekte schon bevor sie hierher kamen. Das mit youtube war nur ein vorschlag von mir, der ihnen zusagt, weil sie eben kontakt zu vielen leuten in ihrem land haben und einen weg suchten, inhaltlich dorthin etwas zu vermitteln. Die leute wissen genau was sie wollen und würden sich von mir nie was oktroyieren lassen. Sie haben mir auch gesagt, dass sie einfach nicht kommen würden, wenn meine vorschläge und meine hilfe sie nicht weiterbringen würden. Dazu haben sie viel zu viel am hals!

  18. @jeanpol Okay, passt! 🙂

  19. @dunkelmunkel
    Danke für die fragen, die mich zur präzisierung gezwungen haben!:-))

  20. „ich bin kein Politiker“ => Ich auch nicht 🙂

    Politische Aktionen (als sehr weitgefasster Begriff) können durchaus glücklich machen, allerdings bin ich weniger daran interessiert, lokal etwas zu verbessern, sondern möglichst durch eine systemische Veränderung, für alle etwas zu verbessern, z.B. durch das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE).

    Vor etwa 1 Jahr habe ich ca. 500 BGE-Briefe an alle mir bekannten Prominenten im In- und Ausland geschrieben. Das ging von Obama bis zum Papst, von Heidi Klum bis Stefan Raab… Das hat fast zwei Monate gedauert bis ich fertig war. Brief schreiben, Adresse raussuchen, Briefumschlag und Briefmarke besorgen, und das 500x mal 🙂

    Mir ist mal an der Offiziersschule in Dresden der Jahrgangsbestpreis für Politische Bildung verliehen worden, leider kannte ich damals das BGE noch nicht, sonst hätte ich Diskussionen angeregt. Denn, ganz ehrlich, den 1000sten, ewig gleichen, schnarchigen Unterricht zu NATO und Sicherheitspolitik braucht niemand. Wenn ich mir überlege, wie viel Zeit und Recherche ich (im Nachhinein betrachtet) bei thematisch relativ unwichtigen politischen/gesellschaftlichen Diskussionen „verballert“ habe, und wie viel besser es gewesen wäre, mich schon viel früher auf etwas wie das Bedingungslose Grundeinkommen, ein einfaches Steuersystem usw. zu fokussieren.

    Da ich jetzt gerade so in Schwung bin 😀 , vielleicht noch das: Ich denke, dass wir dringend einen neuen „Megatrend“ brauchen, den würde ich Einfachheit oder Entbürokratisierung nennen. Also nicht einer der üblichen Verdächtigen, die unsere Zukunftsforscher so auf dem Radar haben. Sozialsystem, Steuersystem usw. bedürfen dringend einer Vereinfachung. Derzeit sehen „Reformen“ ja so aus, dass irgendwie alles gleich bleibt, nur jetzt noch schlechter und noch komplizierter. Man könnte sich auch (mal rein hypothetisch) auf den Standpunkt stellen, dass unsinnige Bürokratie grundsätzlich ein schwerer Verstoß gegen Menschenrechte ist, denn Sie kostet mich unwiederbringliche Lebenszeit.

  21. @StephGoldammer

    Ich getrau mich hier klar eine andere Meinung zu haben. Könnten Sie mal darlegen bitte, wie denn ein solches BGE aussieht? Kann man davon leben?, wenn auch bescheiden? Wer bezahlt das? Doch wohl derjenige, der morgens früh aufsteht und zur Arbeit geht. Wer denn sonst? Geld wächst nicht zwischen Rosen und Karotten.

    Auch hier in der Schweiz sind schon solche Forderungen schon laut geworden, ohne grossen Beifall. OK hier sind die Sozialleistungen so berechnet, dass niemand auf der Strasse leben muss. Die Verhältnisse in Deutschland kenn ich nicht. Ich hör sie nur manchmal im TV, und sie scheinen mir weit weg von unserem Standard hier in der Schweiz zu sein. Ich meine, dass wenn jemand unverschuldet in Not gerät, soll er anständig, beispielsweise mit Arbeitslosenentschädigung, unterstützt werden. Aber er/sie soll sich bitte ernsthaft um eine Veränderung bemühen. Hier muss man das nachweisen (Bewerbungen schreiben sonst werden Leistungen eingestellt oder gekürzt). Wenn jemand nach einiger Zeit ausgesteuert wird, lebt er nur noch von Sozialhilfe und die wird nach SKOS-Richtlinien (Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe) berechnet. Da können auch Kinder aus solchen Familien noch an Ski- oder Klassenlagern teilnehmen.

    Es sind aber nicht wenige Leute, die es vorziehen, ein selbstgewähltes arbeitsfreies Leben zu geniessen. Die kümmern sich einen Deut um Arbeit. Wozu auch. Zurzeit sieht es so aus, dass tausende Lehrstellen nicht besetzt werden können. Nicht weil Lehrlinge fehlen, sondern weil sie den Anforderungen für eine Berufslehre nicht genügen. Ich meine, man kann halt nicht mit einer Null-Bock-Einstellung durch die Schule gehen und dann den Anspruch haben, die ganze Welt habe gerade auf einen gewartet. Schule ist Scheisse, alle Lehrer Idioten usw., und wenn aus einem kleinen Lümmelchen kein Einstein wird, dann ist klar, wer die Verantwortung dafür trägt: die Lehrer! Lehrer werden zunehmend zum „Schuhabstreifer der Nation“.So sieht es auch aus Herr Goldammer. Und das sag ich aus sehr langer Lehrer- und Beratungserfahrung.

    Wenn es ein BGE geben würde, dann würden es etliche mehr Leute vorziehen, sich einzuschränken und überhaupt nicht zu arbeiten. Nochmal: wer soll das langfristig bezahlen?

  22. @Anita und Glodhammer
    Liebe diskutanten, das von euch diskutierte thema BGE ist natürlich sehr interessant und relevant. Aber es gehört vllt doch in einen anderen blogeintrag. Vllt kann jemand von euch beiden in seinem blog das thema anbieten.

  23. Gute Idee!

  24. Diesen interessanten einwand von randolph preissinger-kleine kopiere ich hier rein, damit ich ihn nicht vergesse:

    „Am konzeptionellen Denken erkennt man gleich den Hochschullehrer. Es leuchtet intuitiv ein, die Maslowsche Bedürfnishierachie als analytischen Bezugsrahmen für solche Zwecke zu nutzen. Andererseits ist das halt ein sehr statisches Modell. Und komplexe Konstrukte wie Glück lassen sich damit schon gar nicht erfassen. Lässt man mal die grundlegenden physischen Bedürfnisse beiseite , so sind ja alle anderen Stufen kulturell vermittelt. Dann müsste man sich unweigerlich auch mit den (kollektiven) „Tretmühlen des Glücks“ beschäftigen, wie sie etwa in der Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des Deutschen Bundestags diskutiert werden.“

  25. Als ich diesen Spiegel-Online Artikel las, musste ich an ihre Beschreibung der Situation von Asylbewerbern denken. Die Busfahrkarte kommt auch darin vor 😉

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/in-schwaebisch-gmuend-helfen-asylbewerber-reisenden-beim-koffertragen-a-912708.html

    Projektarbeit wie Ihre, finde ich wirklich sehr gut, aber um fundamental etwas zu ändern müssen wir Gesetze ändern, sonst sind wir mit einem Teil der lokalen Unterstützung und Hilfe immer nur dabei, mies-gestaltete Gesetze nachzusteuern und auszugleichen.

  26. Eigentlich könnte man durch Befragungen doch sehr wohl herausfinden, was Asylbewerber wirklich „brauchen“. Was Sie denken, dass Asylbewerber brauchen, schrieben Sie in dem Blogbeitrag. Auf die, welche sie betreuen mag das zutreffen, aber gilt das wirklich für alle? Manche brauchen auch Familienzusammenführungen, wenn die Familie quer in Europa verstreut lebt, hat das für manche eine höhere Priorität. Was insbesondere Ingolstädtern, Deutschen und vielen Europäern fehlt ist die „Hospitalität“, die Offenheit und andere Gesetze. Denn sonst wären viele auch in der Villa Kunterbunt untergebracht worden und die Lokalbevölkerung wurde nicht von Anfang an mitgenommen bzw. die Angst genommen, da viele ja große Vorurteile gegenüber („neuen“) Fremden haben. Kosmetische Eingriffe, wie nur in Ingolstadt eine dezentrale Unterbringung zu geben und Geld statt Gutscheine, ist jedenfalls keine fundamentale Erneuerung der Asylpolitik. Da gebe ich Herrn Goldammer Recht. Ehrenamt/bürgerschaftliches Engagement wird nie das leisten können, was Asylbewerber alles brauchen, eben nur „kosmetische“ Eingriffe wie Empathie und Menschlichkeit leisten. Speziell ausgebildete Kräfte kosten eben, deshalb ist die Betreuung quer über die Stadt mangelhaft. Es gibt keine echten Konzepte, die nachhaltig und für alle ein besseres Leben in Ingolstadt versprechen, so etwas wie ein Nachbarschaftsnetzwerk wäre die Lösung. Doch viele der Hausnachbarn sind sicherlich nicht offen und gastfreundlich gegenüber ihren Nachbarn, die Aslybewerber sind. Einigen wird früher oder später leider der „Prozess“ gemacht und sie werden unter Umständen in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt. Die Ungewissheit und das Warten wird durch Ihre Arbeit ein wenig bei den Kongolesen in den Hintergrund rücken und sie für kurze Zeit vergessen lassen. Zudem gibt es immer noch keine psychosoziale und psychologische Beratungsstellen für traumatisierte Flüchtlinge in der Regin 10. Und wie das Beispiel aus Schwäbisch Gmünd zeigt, wollen sie von der lokalen Bevölkerung als Menschen wie du und ich wahrgenommen werden und Respekt erhalten. Warum hat man die Asylbewerber nicht alle aufs Bügerfest eingeladen und ihnen durch Vertreter der Stadt die Hand gereicht und sie in einem Programmpunkt über sich und ihr Leben bzw. ihre biografische Hintergrundsgeschichte erzählen lassen? Weil Sie keine Bürger sind? Seyla Benhabib forderte Menschenrechte für alle und benannte unter anderem folgende Defizite bei dieser Gruppe: keine Zugehörigkeit zu einem politischen Gemeinwesen und dass Menschenrechte nicht für sogenannte non-citizens gelten.

  27. @hannes nolte
    Was alle asylbewerber brauchen, weiß ich nicht. Ich beziehe mich auf die gruppe von 5 leuten, mit denen ich mich gerade beschäftige. Und demnächst werden es mehr. Wenn es mir gelingt, ein bisschen mehr freude ins leben dieser menschen zu bringen, bin ich sehr glücklich. Ich konzentriere mich also auf das, was ich machen kann und nicht auf das, was man alles noch machen könnte, wenn…

  28. @stephan goldammer
    Ich bin 70 jahre alt. Was ich heute machen kann, mache ich. Wer weiß, ob ich morgen noch die kraft dazu habe. Zum spekulieren und abwarten bis die verhältnisse anders sind habe ich jedenfalls keine zeit mehr

  29. Ich habe eine Freundin. Sie ist Kurdin und ihre Familie kam vor Jahren als Asylbewerber in die Schweiz. Ihr Mann wurde in der Türkei gefoltert. Also echte Flüchtlinge, heute bestens integriert. Ich hab ihr von Jean-pol erzählt, von seiner Arbeit mit den Kongolesen. Ich meinte, sowas könnten wir hier doch auch machen. Sie hat sofort abgelehnt und meinte: vergiss es, wer sich integrieren will schafft das auch alleine. Sie meinte auch, dass die °Leute sehr wohl nach drei Monaten arbeiten dürten. Das muss ich an der richtigen Stelle noch auf die Richtigkeit überprüfen.

    Meine Freundin hat Recht, es gibt viele Angebote, die nicht genutzt werden. Ein Problem ist, dass zu viele bildungsferne Leute hier sind. Die wollen sich nicht integrieren, sie wollen keine Sprache lernen, sie suchen Arbeit und die gibt es nicht, weil man die für sie in Frage kommende längst in Billiglohnländer ausgelagert hat. Ich kenn die Zustände in Deutschland nicht, aber hier haben wir ein Riesenproblem mit den Asylbewerbern aus Afrika. Mit dem sog. arabischen Frühling hat es Dimensionen erreicht, die ungtragbar geworden sind. Zuviele dieser Leute sind kriminell. Sie sagen einem ins Gesicht, dass sie in die Schweiz gekommen sind, um zu klauen und nicht zu arbeiten. Wenn man diese Leute in eine normale Wohnung einquartiert, müssen sie nach drei Monaten wieder raus, weil ein Zusammenleben mit ihnen nicht möglich ist. Das sind übrigens die Sorgen der Sozialarbeiter, die mit diesen Leuten tagtäglich zu tun haben. Asylbewerber bekommen nebst Kost und Unterkunft etwa 8 Franken/Tag. Viele alten Leute hier müssen mit weniger auskommen. Davon müssen sie auch noch das Busbillet lösen. Es sind übrigens Leute, die ihr ganzes Leben hier verbracht, gearbeitet und Steuern bezahlt haben.

    Jean-pol, das sind Tatsachen. Das sind Zustände, die wir unseren Politikern in ihren geschützten Villenvierteln zu verdanken haben. Leute, bei denen man zum vornherein weiss, das sie nie Asyl bekommen werden, bleiben mehrere Jahre bis zu einem definitiven Entscheid hier. In der Zwischenzeit leben sie nicht schlecht von Sozialhilfe. Arzt, Zahnarzt ist für sie kostenlos. Die Verfahren müssten beschleunigt werden, aber dafür fehlt einerseits das Geld und das Personal und andererseits verdienen an der Zementierung dieses Zustandes zu viele Leute eine goldene Nase.

    Wie findet man heraus, zu welcher Gruppe von Asylbewerber diese Leute gehören? Es mag welche geben, mit denen man konstruktiv arbeiten könnte, aber wo sind sie? Fallen sie nicht mehr auf, weil sie es aufgrund ihrer guten Ausbildung längst geschafft haben?

  30. @Anita
    Die von dir beschriebene realität leugne ich keineswegs. Genausowenig wie ich früher bei den schilderungen meines unterrichts mit LdL geleugnet habe, dass meine kollegen schwierige schülergruppen und unterrichtsbedingungen vorfinden. Als aktionsforscher greife ich die situation auf, mit der ich selbst vor ort konfrontiert bin. Nach Ingolstadt kommen kongolesen. Ich wurde gebeten, deutschunterricht zu erteilen und lernte kongolesen kennen, die rasch aktiv werden wollten, auch wenn sie frühestens in einem jahr eine bezahlte arbeit aufnehmen dürfen, nachdem ihr asylverfahren positiv verlaufen ist. Das ist meine realität. Ich beziehe mich auf sie. Alles andere wäre spekulation. Und ich stehe erst am anfang, vielleicht funktioniert im laufe der zeit das, was ich mir vorgenommen habe, gar nicht.

  31. @jean-Pol Ich freue mich natürlich für Dich, wenn dein Projekt erfolgreich verläuft. Ich denk, du hast besonders Glück oder besser gesagt wohl besonderes Geschick im Umgang mit dieser dir selbst gesetzten Aufgabe. Auf jeden Fall interessiert es mich sehr, wie sich die Sache längerfristig entwickelt.
    Für mich müsste es eine besondere Fügung sein, an solch solche Leute ranzukommen, die von sich aus aktiv werden wollen. Denn das bedingt sich gegnseitig.

  32. @Anita
    Ich bemühe mich, allen menschen, die ich erreichen will, mit attraktiven angeboten zu begegnen. Dabei gehe ich stets von Maslow aus. Ich biete in der regel projekte an. Daher melden sich im prinzip nur leute, die aktiv werden wollen.

  33. http://www.lap-kreis-rz.de/Projekte2012/raeume_oeffnen.html auch in meiner Heimat SH läuft ein Projekt für Asylbewerber, vielleicht kann man sich austauschen und voneinander Lernen. Solche Projekte sind wichtig um den Menschen die Freude am Leben zu erhalten.

  34. @Mschaki Auf jeden fall sollen wir unsere erfahrungen austauschen. Im augenblick versuche ich 5 kongolesen zu unterstützen. Es ist schwer, von der stadtverwaltung beispielsweises verbilligte buskarten zu erhalten. Bisher ist es mir jedenfalls (noch) nicht gelungen. Also das sind die kleinen hürden, die ich im alltag üverwinden muss.

  35. @Jean-Pol Martin Ja dann ist die Überschrift wohl so gewählt, dass der Eindruck entsteht Sie wissen, was Asylbewerber in Ingolstadt pauschal brauchen. Sie haben es nun berichtigt, dass es besonders bei den 5 wissen. Letztlich klingt es sehr paternalisierend.

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