Was Asylbewerber brauchen…

Resume Wer die Bedürfnispyramide von Maslow als Analysebasis heranzieht, sieht sofort, dass Asylbewerber nicht glücklich sein können! Was tun?

1. Die Situation von Asylbewerbern macht sie unglücklich

Ich beschreibe was ich gerade erlebe: ich hatte mich vor einiger Zeit angeboten, um Asylbewerbern Sprachunterricht zu erteilen. Vor zwei Wochen erhielt ich einen Termin mit vier Kongolesen. Ich war auf Anhieb so begeistert von diesen jungen Männern, die wie viele anderen Asylbewerber sehr qualifiziert, ehrgeizig und integrationswillig sind, dass ich beschloss, sie sofort in anspruchsvolle Projekte einzubinden. Warum dies?

Asylbewerber werden in Ingolstadt nicht in Sammelunterkünften untergebracht sondern dezentralisiert in Einzelwohnungen, was schon einmal sehr gut ist. Wenn man allerdings als Ingenieur oder Anwalt in einem völlig fremden Land, mit ein paar unbekannten Landsleuten, mit einer finanziellen Minimalausstattung (schon eine Busfahrt kostet ein Vermögen) und absolut untätig (man darf nicht arbeiten) ein Jahr und länger leben muss bis das Asylverfahren eingeleitet wird, dann verfällt man unweigerlich in Apathie, Resignation, Depression. Ein Blick auf die Bedürfnispyramide von Maslow genügt, um festzustellen dass man als Asylbewerber so gut wie gar kein Grundbedürfnis befriedigen kann. Zwar werden die physiologischen Bedürfnisse und das Bedürfnis nach Sicherheit teilweise befriedigt (nur teilweise), aber die Bedürfnisse nach sozialer Einbettung, sozialer Anerkennung, Selbstverwirklichung und Sinn in keiner Weise.  Man ist also zutiefst unglücklich.

2. Projekte: das ist die Lösung

Als Lehrer und Dozent habe ich Schülern und Studenten stets Projekte angeboten, weil in Projekten alle Grundbedürfnisse auf hohem Niveau befriedigt werden können, sofern diese Projekte auch einen fordern und Flows verschaffen. Der große Vorteil von Projekten ist darüber hinaus, dass sie einen so absorbieren, dass man vorübergehend die sonstigen Schmerzen und Sorgen vergisst. Nun haben Asylbewerber in der Regel Sorgen und  Schmerzen, die wir uns als gutbürgerliche Einheimische nicht vorstellen können! Ein Projekt, von denen sie sich für ihre Zukunft etwas Positives versprechen und das sie vollkommen absorbiert bietet den Asylbewerbern die Möglichkeit, ihre Not weitgehend zu verdrängen. Sie können Glücksmomente in ihrem schweren Leben erfahren, die ihnen Energie geben, um ihre Alltagsschwierigkeiten zu meistern.

Was ist naheliegender, als den Asylbewerbern anzubieten, das Modul Ingolstadt-Expertise zu absolvieren? Im Rahmen dieses Moduls sind sie mit Internetrecherchen, Interviews und Stadtbegehungen voll beschäftigt.  Es hat sich ergeben, dass in der Gruppen von Kongolesen ein junger Mann in seinem Land Automechanik studiert hat. Selbstverständlich wird er Recherchen über sein Spezialgebiet bei AUDI durchführen. Einen Kontakt habe ich ihm schon verschafft.  Ähnliches gilt für einen Mann, der in seinem Land Jura mit Schwerpunkt „Internationale Beziehungen“ studiert hat. Ich habe ihn sofort mit einem Freund und Kollegen in Kontakt gesetzt, der sich als Professor wissenschaftlich mit dieser Thematik befasst. Daraus wird bestimmt ein fachbezogenes Projekt entstehen.

3. Glück?

Natürlich ist „Glück“ ein großes Wort. Dennoch gewinnen unsere Asylbewerber durch Projekte die Möglichkeit, relevante soziale Kontakte aufzubauen, aufgrund ihrer Kompetenzen soziale Anerkennung zu erhalten, sich selbst zu verwirklichen, indem sie sich in ihrem Fachgebiet weiter betätigen und indem sie sich in dem Ort, in dem sie leben, aktiv einbringen. Und das alles gibt ihrem Leben einen Sinn. Nicht nur ihrem Leben, sondern auch meinem!:-))

4. Die Ausstattung

Sie brauchen lediglich:

– Eine Buskarte, damit sie bei ihren Recherchen sich in der Stadt und im Umland überall bewegen und ihre Termine wahrnehmen können.

– Einen freien Eintritt in den Museen, denn sie sind wissbegierig und sie wollen sich genau über Ingolstadt und seine Geschichte informieren.

– Einen (auch gebrauchten) Laptop, damit sie im Netz permanent recherchieren und Inhalte hochladen können.

Fazit: Mit einfachen, fast kostenneutralen Maßnahmen kann man Menschen, die sich in extrem schwierigen Situationen befinden, massiv helfen. Und wir helfen uns damit auch…