Eudämonie: Strategiewechsel!

Seit frühester Kindheit wollte ich viele Freunde haben, weil es für mich Glück bedeutete. Im Laufe der Jahre beobachtete ich, dass Menschen, die sehr aktiv waren, viele Ideen hatten und diese erfolgreich umsetzten, andere besonders anzogen. Das wollte ich auch. In meinem Umfeld war ich jünger als die anderen und daher insgesamt schwächer, sowohl körperlich (Sport) als auch schulisch und überhaupt… Das war nicht schön! Ich nahm mir vor, zumindest in einem Bereich besondere Leistungen zu erbringen, um meine Attraktivität zu steigern. Das gelang mir erst mit 25 (siehe meine Biographie). Seitdem versuchte ich stets „tolle“ Leistungen zu erzielen, um der Vereinsamung zu entgehen. Diese „tollen“ Leistungen brachten mir auch unzählige „Kicks“ in meinem Leben, so dass ich der Überzeugung war, ich habe den Schlüssel zum Glück entdeckt. Daraus entwickelte ich auch (im wissenschaftlichen Bereich) mein anthropologisches Modell. Nach der Pensionierung wurde das Konzept etwas brüchig. Nach wie vor stand bei mir im Fokus die soziale Anziehung und ich hatte die Idee, Philosophiekurse anzubieten. Obwohl absoluter Laie gelang es mir autodidaktisch doch etwas Schönes auf die Beine zu stellen und konnte zwei Jahren lang mehrere Gruppen an die Philosophie binden. Es war sehr beglückend, aber auch sehr, sehr anstrengend. Eine Art burnout zeichnete sich bald ab.  Mein Dilemma war: wenn ich die Kurse aus Erschöpfung nicht mehr halten kann besteht die Gefahr, dass ich in die Isolation gerate und auf meine Kicks verzichten muss. Mache ich weiter, schaffe ich das kräftemäßig nicht mehr. In beiden Fällen war es aus mit dem Glück. Ich war aber so müde, dass ich keine andere Wahl hatte: ich verzichtete auf die Philosophie. Zu meiner großen Überraschung fühlte ich mich durch diesen Schritt sehr erleichtert, meine Kräfte kamen zurück und mir fielen viele Ideen für neue Projekte ein. Die Vorstellung, man könne nur durch Höchstleistungen und Megakicks das Glück erreichen (bei Sloterdijk: Vertikalität) war irrig. Im Augenblick genieße ich die relative Ruhe, die ich 60 Jahre lang nicht wollte und nicht hatte (Panik vor Langeweile).  Und allein bin ich immer noch nicht…

4 Antworten

  1. Sehr schöner Start für eine Sinuslinie ……Kick…kein Kick….Kick….kein Kick….

    oder…..Aufbau……Neuanfang….Aufbau…..Neuanfang….

  2. @Adi Oh nein, bitte nicht! Ich möchte zur ruhe kommen! Wobei die richtige ruhe natürlich erst mit dem tod kommt, aber im augenblick wünsche ich mir den nicht so bald…

  3. Gestern stand ein Artikel von Bruno Frey in der NZZ: Macht Demokratie glücklich?
    »Erhebungen zeigen, dass Menschen in «demokratischeren» Gemeinwesen mit ihrem Leben zufriedener sind als Menschen in weniger demokratischen. Dabei spielen nicht nur die Ergebnisse der politischen Entscheidungen eine Rolle.«

    http://www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/macht-demokratie-gluecklich-1.18042453

  4. @Franz-Xaver vielen dank für den sehr nützlichen artikel. Ich habe ihn sofort an diversen relevanten stellen gepostet!

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