In Anlehnung an Marcel Proust…

Aus meiner Biographie

„(…) Damals hatte ich bereits einen Sinn für Vernetzungen und wusste, dass, wenn man sich in einem Milieu positionieren will, eine einzige Connection nicht ausreicht. Es genügte also nicht, wenn ich nur über meine damalige Freundin G. als Andockstation für höhere Kreise verfügte. Ich musste in der Lage sein, G. über Menschen zu berichten, die in ihrer Sphäre verkehrten, die ich aber nicht über sie kennengelernt hatte. Da meine Mutter gesellschaftlich sehr ehrgeizig war und eine ganze Reihe hochsituierter Bekannter hatte, mit denen sie seit ihrer Kindheit Kontakt pflegte, konnte ich über sie die Schwestern P. näher kennenlernen. Auch diese Familie war finanziell deutlich abgerutscht, aber sie war aus ihrer Tradition heraus noch fest etabliert in den Rallye-mondains-Kreisen und ich wurde zum Danseur der Schwestern P. Insgesamt waren es fünf, vom Alter her kamen drei in Frage, die mich regelmäßig auf Bälle mitnahmen. Und das alles verdankte ich meinem Aussehen, meiner Kleidung und meiner Tanzkunst. Ergänzend dazu war ich der Tochter des Feinbäckers in der rue d’Auteuil, M.M., nähergekommen, und diese lud mich jeden Sonntag Nachmittag zu einem festen Partytermin bei einer Freundin ein. Insofern war ich Samstag Abend, Sonntag Nachmittag und Donnerstag Nachmittag (bei meinem Nachbarn M.P.) fest gebucht und gesellschaftlich unterwegs. Ich konnte also in jeder Untergruppe davon berichten, was ich alles sonst an Einladungen hatte und was ich dort erlebte. Wenn man in Paris gesellschaftlich ein bisschen herumkommt, lernt man bald auch Leute kennen, die einen bekannten Namen tragen, und man kann davon erzählen. So begegnete ich beispielsweise dem Sohn von Charles Lindbergh oder Just Jaeckin, dem Regisseur von Emmanuelle. Auf das Anschleppen von Prominenten waren besonders die Schwestern P. spezialisiert. (…)“

Wie ich als Schüler dem Mobbing entkam…

Auszug aus meiner Biographie

„(…) Nun verhält es sich so, dass in den unteren Hierarchierängen in einer Gruppe sehr genau differenziert wird. Für denjenigen, der noch jemanden unter sich hat, gibt es Hoffnung. Er beobachtet präzise, wie der noch Niedrigere behandelt wird und wie mit dem umgegangen wird, der direkt über ihm liegt. Das sind die beiden Orientierungsmarken. Das Wohlbefinden hängt davon ab, dass der Untere deutlich mehr leiden muss als man selbst und dass der direkt über einem gar nicht viel besser behandelt wird als man selbst. Und so arbeitet man sich schrittweise hoch. Man nähert sich dem Ranghöheren, indem man sich mit jemandem gutstellt, der über ihm liegt. Das klingt kompliziert, aber diese Strategien bestimmten meinen Alltag. Um den Qualen des Mittags- und Abendessens zu entgehen, bat ich die Aufsicht, mich an einen anderen Tisch zu versetzen. Und ich hatte das Glück, dass ich an den Tisch der Abschlussklasse gesetzt wurde. Dort konnte ich mich mit einigen Rangniedrigen befreunden, die lagen aber gegenüber meinen früheren Tischgenossen hierarchisch viel höher. So kam ich aus der Mobbingphase heraus, die immerhin ein halbes Jahre gedauert hatte. (…)“