Sloterdijks Krüppeltheorie? Vielleicht doch nicht das Richtige für mich…

Vor Kurzem sah ich in Sloterdijs Krüppeltheorie einen Ausweg aus meiner Arthrosemisere. Ich, der ich immer schon nach Gipfeln gestrebt habe mit Riesenkicks (siehe „Abschiedsfest in Eichstätt„) sah mich körperlich sehr beeinträchtigt durch die Arthrose und dachte, dass gerade dieser Schmerz einen Ansporn liefern würde, durch Selbstüberwindung und Askese noch höhere Gipfel zu erklimmen, als in der Vergangenheit. Auch Sloderdijks Vertikalität fand ich sehr überzeugend! Und Nietzsche konnte ebenfalls mit seinem Übermenschen die theoretische Untermauerung meines Konzeptes verstärken. Nun hat sich gezeigt, dass die vermehrten Anstrengungen mitnichten zu höheren Gipfeln geführt haben, sondern ganz im  Gegenteil zur Erschöpfung. Darüber hinaus hat mir meine Therapeutin empfohlen, mich nun systematisch der Verlangsamung meines körperlichen Verfalls zu widmen. Ich habe also alle Philosophiekurse, die mir sehr viel Freude/Kicks verschafft aber mich extrem viel Energie gekostet haben, gecancelt. Dafür werde ich viermal in der Woche in das Fitnessstudio gehen, um meine Gelenke in Bewegung zu halten. Nicht die Vertikalität greift hier, lieber Peter Sloterdijk, sondern ganz unabwendbar die Horizontalität. Mein Blick wird sich nicht nach oben richten, sondern auf die Griffe des Crosstrainers. Und hier hilft nicht mehr Sloterdijk, sondern Epikur und die Stoiker. Mein Leben wird reorganisiert und in Klein- und Kleinstprojekte eingeteilt: Stärkung des dritten Halswirbels, Wiederaufbau des linken Triceps… Kleinere Aufgaben, kleinere Kicks, alles bleibt schön…

7 Antworten

  1. Lieber Jean-Pol,
    ich habe es (noch) nicht so mit den großen Denkern – die sind mir oft so fern.
    Aber du bist hier sehr nah – und mit diesem Eintrag rückst du noch mal näher. Ich danke dir für deine Offenheit.
    Wir wissen alle, dass wir alt werden, aber wie und mit welchen Begleiterscheinungen, handelt meistens jeder für sich aus.
    Dabei kann ich doch von dir, von jedem lernen, der sich mir mitteilt!
    Dank!

  2. @ruth vielen Dank für dein feedback! Solange es mir gelingt, mit meinen Techniken nach jedem Verlust das Gleichgewicht wieder herzustellen, kann ich das ja in meinem Blog publizieren. Vielleicht hilft es anderen. Ich bemühe mich, das ironisch, auf keinen Fall pathetisch darzustellen!

  3. Schon dass du berichtest, zeigt, dass du deine Ziele weiter deutlich höher steckst als auf den dritten Halswirbel.
    Dank für die Ermutigung!
    Für die Ermutigung deiner Ingolstädter gleich welchen Alters und welcher Herkunft und deiner Blogleser gleich welchen Alters und welcher Defizite. Wer hätte die nicht?

  4. @apanat danke wieder mal, lieber Walter! Dich als regelmäßiger Leser zu wissen ist ein großer Ansporn!

  5. Sehr geehrter Herr Martin, Hab mir gerade Ihren Vortrag auf youtube vom LdL-Tag an der PH Ludwigsburg, 9. Mai 2009, u.a. angehört, und bin angesteckt worden von Ihrem Lern-Modell. Bin schon gespannt darauf mehr von ihnen zu erfahren im nachlesen auf Ihrem Blog.

    Ich wünsche Ihnen im anspruchsvollen „Lernfeld Arthrose“, dass Sie ein Maß an Kontrolle erfahren, welches auch anderen ermutigt, wenn sie darüber vielleicht weiter bloggen werden…

    Meine Mutter hat seit 30 Jahren schwerste Arthrose mit Deformationen an Händen, Wirbelsäule und anderen Gelenken.

    So schwer es ist als Aussenstehender mit chronische Schmerzpatienten mitzufühlen, so habe ich um so größeren Respekt vor jedem, der einen Weg findet, damit so umzugehen, dass er seine Lust am Leben und Lernen beibehält!

  6. @Ingod ganz herzlichen Dank für die sehr schönen Zeilen. Es hat sich gerade erwiesen, dass ich nicht nur unter der arthrose litt, sondern dass mein selbstgewähltes ziel, weitere gipfel über das halten von philosophiekursen zu erreichen, mich sehr unter druck setzte. Das merke ich aber erst jetzt. Im augenblick fühle ich mich also sehr erleichtert und wohl. Ich muss nicht mehe permanent meine kurse vorbereiten. Ich fühle mich frei zum ersten mal in meinem leben… Aber das enthebt nich nicht der pflicht und mühe, meine gesundheit zu pflegen. Und wichtig auch: ich habe noch ein paar sehr spannende projekte und aktivitäten. Sonst wäre es wirklich schlimm!

  7. […] beiden Fällen war es aus mit dem Glück. Ich war aber so müde, dass ich keine andere Wahl hatte: ich verzichtete auf die Philosophie. Zu meiner großen Überraschung fühlte ich mich durch diesen Schritt sehr erleichtert, meine […]

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