Sloterdijks Krüppeltheorie? Vielleicht doch nicht das Richtige für mich…

Vor Kurzem sah ich in Sloterdijs Krüppeltheorie einen Ausweg aus meiner Arthrosemisere. Ich, der ich immer schon nach Gipfeln gestrebt habe mit Riesenkicks (siehe „Abschiedsfest in Eichstätt„) sah mich körperlich sehr beeinträchtigt durch die Arthrose und dachte, dass gerade dieser Schmerz einen Ansporn liefern würde, durch Selbstüberwindung und Askese noch höhere Gipfel zu erklimmen, als in der Vergangenheit. Auch Sloderdijks Vertikalität fand ich sehr überzeugend! Und Nietzsche konnte ebenfalls mit seinem Übermenschen die theoretische Untermauerung meines Konzeptes verstärken. Nun hat sich gezeigt, dass die vermehrten Anstrengungen mitnichten zu höheren Gipfeln geführt haben, sondern ganz im  Gegenteil zur Erschöpfung. Darüber hinaus hat mir meine Therapeutin empfohlen, mich nun systematisch der Verlangsamung meines körperlichen Verfalls zu widmen. Ich habe also alle Philosophiekurse, die mir sehr viel Freude/Kicks verschafft aber mich extrem viel Energie gekostet haben, gecancelt. Dafür werde ich viermal in der Woche in das Fitnessstudio gehen, um meine Gelenke in Bewegung zu halten. Nicht die Vertikalität greift hier, lieber Peter Sloterdijk, sondern ganz unabwendbar die Horizontalität. Mein Blick wird sich nicht nach oben richten, sondern auf die Griffe des Crosstrainers. Und hier hilft nicht mehr Sloterdijk, sondern Epikur und die Stoiker. Mein Leben wird reorganisiert und in Klein- und Kleinstprojekte eingeteilt: Stärkung des dritten Halswirbels, Wiederaufbau des linken Triceps… Kleinere Aufgaben, kleinere Kicks, alles bleibt schön…