Lange Inkubation, plötzliche Emergenz. Aus dem Blog von C.Spannagel.

Nachdem Christian Spannagel fast am Verzweifeln war, weil er die Studenten in Mozambik mit seinem an freier Arbeit orientierten Stil nicht erreichte… (Siehe seinen Blogeintrag)

(…) Am Anfang der zweiten Woche dachte ich, dass ich mit jedem weiteren Kurstag die Wahrscheinlichkeit senke, dass die Studenten dieses Tool überhaupt jemals einsetzen und nicht abgrundtief hassen. Dann hab ich gottseidank die Kurve gekriegt, zur Zufriedenheit der Studenten und auch zu meiner eigenen Zufriedenheit. Ich bin dazu übergegangen, alles in der Gesamtgruppe Schritt für Schritt zu machen (was ich normalerweise überhaupt nicht leiden kann), aber für diese Gruppe war es GENAU das richtige. “Okay, jetzt alle mal eine Strecke konstruieren, und zwar so.” … (zwei Minuten rumlaufen, schauen, bis es alle haben). “Jetzt konstruiert einen Kreis so….”…. (zwei Minuten rumlaufen, schauen, bis es alle haben). … usw. usw.

Gestern haben wir uns mit Funktionen befasst. Mittlerweile sind wir so weit, dass die Studenten auch selbst neue Programmfunktionalitäten erforschen oder plötzlich Fragen stellen, die sie interessant finden und beantworten wollen. Dies führte gestern zu einem grandiosen Unterrichtsgespräch, in der wir den Einfluss des Parameters b bei einer quadratischen Funktion der Form f(x)=ax²+bx+c untersucht haben: Gemeinsam Hypothesen finden, dann Geogebra-Sheet erstellen, ausprobieren, sich wundern, mmh, die Parabel scheint sich entlang einer weiteren Parabel zu bewegen (zumindest hat die Spur des Scheitelpunkts den Eindruck erweckt). Dann die grandiose Frage eines Studenten: “Wie hängen denn beide Parabeln zusammen?” Versuch der formalen Lösung gemeinsam an der Tafel, Bestimmung der Funktionsgleichung, dann hinzuzeichnen des Funktionsgraphen in Geogebra und schauen, ob die Spur des Scheitelpunkts darauf verläuft. Volltreffer! Die Studenten happy, ich happy. Die Studenten sind sich einig, dass es sich um ein gutes Tool handelt, und mittlerweile können wir uns auch aus mathematikdidaktischer Sicht damit befassen (Was soll das Ganze?). Natürlich gibt es immer noch große Leistungsunterschiede in der Gruppe, ich habe aber das Gefühl, dass wir gemeinsam einen großen Sprung gemacht haben.

Woran man mal wieder sieht, dass man seine Methodenwahl auch nach der Lerngruppe ausrichten muss.“

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