Ingolstadt: Mentoren für Migranten.

Ich kopiere einfach den Artikel aus dem Donaukurier:

Ingolstadt (DK) Ab Oktober sollen die Stadträte erstmals als sogenannte Politik-Mentoren interessierten Ingolstädter Migranten die Grundzüge der Kommunalpolitik nahe bringen.

Das kündigte der Migrationsbeauftragte der Stadt, OB-Referent Christian Lösel, am Dienstag auf der Pressekonferenz der Stadt an. „Wir wollen ihnen zum Beispiel erklären, wie Sitzungen ablaufen, was in den Ausschüssen passiert und wie wir Entscheidungen fällen.“ Momentan suche man nach Stadträten aller Fraktionen, die sich an dem Projekt beteiligen wollen. Zunächst ist eine Testphase von einem Jahr geplant. In den ersten sechs Monaten sollen eher allgemeine Führungen stattfinden, während in der zweiten Hälfte des Jahres gezielt die sich ergebenden Bereiche vorgestellt werden sollen. Die Teilnahme an dem Mentoring ist für die Stadträte freiwillig. Bisher seien fünf Stadträte angesprochen worden, berichtete Lösel. Demnächst will er an alle Fraktionen offizielle Einladungen verschicken und hofft auf eine große Resonanz.

Entstanden ist die Idee beim Tag der Migranten im vergangenen Jahr, als mehrere Besucher sich im Stadtteiltreff des Piusviertels diese Form der Anleitung gewünscht hatten. „Es gibt viele Migranten, die sich interessieren, aber nicht genug Mut haben, selbst in die politische Arbeit einzusteigen.“ Dafür habe man nach einem niederschwelligen Angebot gesucht, um diese Menschen näher an die Politik heranzuführen. In anderen Städten gebe es solche Mentoring-Programme bereits. Es gehe dabei nicht um die Frage, ob jemand die deutsche Staatsbürgerschaft besitze oder anstrebe, betonte Lösel. Es gehe auch nicht darum, den Migranten die deutsche Staatsbürgerschaft nahezulegen. „Wenn natürlich jemand wegen des Mentorings neue Entschlüsse fasst, haben wir nichts dagegen“, erklärte er.

Jeder, der bisher Berührungsängste zur Politik gehabt habe, könne kommen. Am ersten Oktober lädt die Stadt zu einer Eröffnungsveranstaltung mit den Mentoren.
Von Desirée Brenner

Ist das nicht ein großer Erfolg für uns, die Brückenbauer (Projekt der Freiwilligen Agentur)?

5 Antworten

  1. Eine Anregung, es bei uns in kleinerem Maßstab auch zu versuchen!
    Unbedingt vorbildlich.

  2. Danke Walter! Dein Kommentar ist eine große Ermutigung!

  3. wunderbar (aus Wien) zu sehen und zu lesen, wie das Thema konkrete Formen annimmt…

  4. @Peter
    Ja, dranbleiben ist die Devise! Danke für Zuspruch aus Wien!

  5. Ich selbst befasse mich, sowohl schwerpunktmäßig im Studium als auch aus meiner persönlichen Situation heraus, mit einem etwas anderen Aspekt von „Integration“: Mein besonderes Anliegen ist es, dass es möglichst vielen Menschen mit Behinderung oder chronischer Krankheit ermöglicht werden sollte, eine weiterführende Schule zu besuchen und einen Hochschulabschluss zu erreichen. Aus meinem etwas anderen Blickwinkel verfolge ich deshalb mit großem Interesse, wie die Stadt Ingolstadt es anpackt, den Anteil von Menschen aus einer bestimmten Bevölkerungsgruppe, die zahlenmäßig in einem bestimmten Bereich unterrepräsentiert ist, in diesem Gesellschaftsbereich zu erhöhen, in diesem Fall den Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund in der Kommunalpolitik zu steigern. Man kann dazu nur sagen, dass die Stadt Ingolstadt das Ziel mit einem „Mentoren-Projekt“ sehr klug und professionell angeht: Im Bereich der Inklusion, zumindest an Bildungseinrichtungen, die das Ziel ernsthaft verfolgen und sichtbare Erfolge zu verzeichnen haben, macht man das genauso, sei es mittels eines „Helfersystems“ in inklusiven Schulklassen, in dem jeweils ein nicht-behindertes Kind eine Woche lang einem behinderten Kind hilft (die „Mentoren“ wechseln hier in der Regel einmal pro Woche, so dass jedes Kind mal drankommt und in die Verantwortung hineinwächst), sei es mittels „studentischer Begleiter“ („assistants d’études“), wie das etwa an der Universität Straßburg seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert wird (bzw. schon seit Jahrzehnten, ich habe ja selbst 1996/97 in Straßburg studiert, und da gab es solche Studienbegleiter schon). Gerade auch aus meiner (negativ-)Erfahrung an der Bildungseinrichtung, an der ich mich momentan befinde und an der es fast keine behinderten Studierenden gibt, kann ich nur sagen, dass die Integration von Menschen, die „anderswo herkommen“, sei es aus einem anderen Land oder aus einer anderen Lebenssituation, wirklich nur funktionieren kann, wenn beide Seiten ein aktives Interesse haben, dass es funktioniert. Das heißt, man braucht seitens der Einrichtungen oder Organisationen, die Menschen „aus einem anderen Bereich“ verstärkt ansprechen wollen, Menschen, die mit ganz konkreten Angeboten auf Menschen aus dem jeweils „anderen Bereich“ zugehen und die sich aktiv kümmern. Gute Ratschläge allein helfen da oft nicht weiter, denn wo der Mensch alleine, mit seinem persönlich speziellen Hintergrund, seinen Platz in einem System erkämpfen muss, das gemeinhin auf andere Hintergründe ausgerichtet ist, läuft er sehr schnell gegen Wände an und stößt gegen Barrieren (sei es körperlicher oder mentaler Art), die es abzubauen gilt. Dies kann der Mensch, der von außen kommt, nicht tun, weil die Menschen, die sich im System befinden, die Leitlinien bestimmen. Integration kann also nur funktionieren, wenn Menschen aus beiden zu vereinigenden „Welten“ ein Stück des Weges gemeinsam gehen. Das Zauberwort heißt „gemeinsam“, und ein Mentoren-Projekt ist da natürlich die optimale Lösung.
    Nur interessehalber: Hat es den jemals ein ähnliches Projekt zur Inklusion chronisch kranker und behinderter Menschen in den Stadtrat gegeben? Wie ist denn der prozentuale Anteil von behinderten Menschen in der Ingolstädter Kommunalpolitik?

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