Gekaufte Wahrheit.

Resume Im Rahmen des Zukunftskongresses der Grünen in Ingolstadt am kommenden Samstag wird der Film „Gekaufte Wahrheit“ (über genmanipulierte Lebensmittel) gezeigt. Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion statt an der ich teilnehme. Und das sind meine Gedanken:

1. Es gibt Helden

Der Film zeigt einige Helden, die mutig Ergebnisse ihrer Forschung veröffentlichen, die der Agroindustrie nicht gefallen. Genmanipulierter Mais kann Veränderungen im Organismus von Kälbern bewirken.  Der Mensch glaubt, dass er Kalbfleisch isst, aber das Tier, dessen Fleisch er zu sich nimmt, ist kein Kalb mehr, sondern ein krankes Etwas. Mäuse, die genmanipulierte Kartoffeln fressen, werden in signifikanter Anzahl unfruchtbar. Diese Kartoffeln sind auch für Menschen zum Konsum freigegeben. Wer darüber forscht und publiziert, begegnet erheblichen Schwierigkeiten. Er wird nicht nur von den Konzernen verfolgt und diffamiert, sondern auch von seinen Vorgesetzten und Kollegen. Aber es gibt Wissenschaftler, die sich nicht einschüchtern lassen. Woher kommt das?

2. Das Sein bestimmt das Bewusstsein

Wieso richten sich bestimmte Menschen so stark nach ethischen Grundsätzen und die anderen nicht? Es kommt auf die Strukturen an, in denen sie sozialisiert wurden. Wer in den Jahren 1968-1975 studiert hat, wurde kontinuierlich mit der Auffassung konfrontiert, dass Forschen ein gesellschaftlicher Auftrag ist. Man forscht zum Wohle der Menschheit. Viele haben diese Vorstellungen verinnerlicht und tragen sie heute noch in sich.  Natürlich wurden bei den meisten die rigorosen Selbstdisziplinierungen aufgeweicht (Marsch durch die Institutionen), aber beim Anblick von allzu krassen Verstößen gegen die Moral rührt sich noch ein bisschen was in der Tiefe des Gewissens. Einige aber blieben hart. Sie haben das tugendhafte Verhalten durch viel Übung soweit habitualisiert, dass es in ihre Natur übergegangen ist (siehe Tugendethik von Aristoteles). Wer aber in einem ethisch indifferenten Umfeld aufwächst, verhält sich eben ethisch indifferent.

3. Die Hochschule: Training zum Pragmatismus

Bis in die achtziger Jahre hinein wurde zumindest in den Sozial- und Geisteswissenschaften  noch das Ideal der Suche nach der Wahrheit propagiert (Freiheit der Wissenschaft). Wie groß war mein Entsetzen, als Anfang der 90er Jahre der Kollege, der die Einführung für Studienanfänger hielt, folgendes von sich gab: „Der Markt könnte für Sie ein bisschen eng werden. Sie müssen Ihr Studium so gestalten, dass Sie sich später gut verkaufen können!“  Ganze Generationen wurden und werden noch in diesem Sinne sozialisiert. Warum sollten sie ihr Fortkommen gefährden, indem sie Misstände, mit denen sie in ihrem Fach konfrontiert werden, an die Öffentlichkeit bringen? Eine Universitätskarriere gestaltet sich nach quantitativen Kriterien: Anzahl der publizierten Artikel (Qualität zählt kaum), Volumen der eingeworbenen Finanzmittel (egal für welches Projekt, Hauptsache viel Geld), und ein umfangreiches Netz an Beziehungen (Seilschaften). Das verträgt sich schlecht mit Ethik.

4. Noch einmal zu den Helden

Alle Wissenschaftler, die im Film interviewt werden, geben als Grund für ihr Engagement einen bereits sehr früh entwickelten Sinn für die Gesellschaft und für politische Zusammenhänge. Der Anwalt erwähnt seinen Bruder, der stark in der Friedensbewegung und dem Umweltschutz aktiv war und der ihn beeinflusst hat. Der Anwalt ist also in Strukturen aufgewachsen, die ethisch geprägt waren und in „seine Gene“ übergegangen sind. Nun stellt sich natürlich die Frage, in welchen Stukturen wir gerade leben und welche Strukturen wir für unsere Kinder bereithalten. Um auf den Film zu verweisen: wie werden die Studenten sozialisiert, die in einer BP-Universität ausgebildet werden? Woher sollen sie den kritischen Geist erhalten? Und damit wir uns auch mit uns selbst befassen: wie wird jemand sozialisiert, der in Ingolstadt, der Audi-Stadt, groß wird und in der Audi-FH studiert? Sind wir mental noch frei? Sind wir soweit autonom, dass wir kritisch an die uns umgebenden Strukturen herangehen können?

Fazit Die ethischen Strukturen, in denen ich groß werde, bestimmen, ob ich von mir erkannte, gesellschaftlich schädliche Entwicklungen in die Öffentlichkeit trage oder nicht.

Twitterfähige, ideologiefreie Definition von Bildung

Bildung ist die individuell-kollaborative Erstellung von Konzepten mit dem Ziel, dass jedermensch die Welt fortlaufend verstehen  und verändern kann.

Die Definition wurde mit kräftiger Formulierungshilfe von Christian Füller (twitter: @ciffi) erstellt. Er hat mich motiviert, dieses Thema wiederaufzugreifen und dafür gesorgt, dass die öffentliche Aufmerksamkeit – soweit möglich – wiederbelebt wurde. Auch dem Drängen von Silva Brit Jürgensen (twitter @Britsyl) fühle ich mich verpflichtet.

Zur Genese: Meine Definition von Bildung

Ideologiefreie Definition von Bildung

Quelle: Spezielle Definitionen

Definition von Bildung:

„Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, die Menschen ermöglichen, mit einströmenden Daten gelassen umzugehen, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig zu halten.”

Kann man diese Definition auf 140 Zeichen verkürzen, so dass sie twitterfähig wird?

Christian Spannagels Fragen

Mir ist nicht ganz klar: Ist Bildung „das Erstellen von Konzepten“? Oder die Bereitschaft dazu? Oder das Ergebnis davon? Oder die Voraussetzung dafür? Oder der Prozess dahin? 🙂 … Vorschlag zur Umformulierung, dann lässt sich leichter drüber diskutieren (zumindest würde ich so die Definition eher verstehen): „Bildung ist Fähigkeit (bzw. deren Erwerb) gepaart mit der entsprechenden Bereitschaft, gemeinsam Konzepte zu erstellen und dabei gelassen mit Daten umgehen zu können, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten.“ —Spannagel 22:49, 24. Apr. 2012 (CEST)

Antwort

@Spannagel: deine Definition ist eine gute Annäherung. Ich versuche es noch einmal:

Bildung als dynamischer Prozess:

1. Die Welt stellt uns permanent vor neue Probleme (einströmende Daten). 2. Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurden ständig Problemlösungen gemeinsam erarbeitet (Bildung als Prozess) die als Vorrat vorliegen (Bildung als Ergebnis). 3. Dieser Vorrat an Lösungen (Konzepten) ermöglicht, die neu einströmenden Daten konzeptgesteuert anzugehen. 4. Allerdings reicht dieser Vorrat nicht aus, um alle neuen Probleme zu lösen. Also muss man gemeinsam neue Lösungen erarbeiten (Bildung als Prozess). 6. Diese Lösungen reichern den Vorrat an Lösungen und Konzepten an. 7. Es stellen sich neue Probleme, usw… Bildung ist sowohl Ergebnis als Prozess. Daher auch die Ambiguität des Begriffs selbst. Wie die Zeit, die man nicht anhalten kann, kann man auch den Bildungsprozess nicht anhalten. Er fließt kontinuierlich… „Gebildete Menschen“ sind also solche, die über einen umfangreichen Satz an aktuell relevanten Problemlösungen (Wissen, Strategien) verfügen, die ihnen ermöglichen, neue auftretenden Probleme zu lösen, und neue Problemlösungen zu erarbeiten, wobei das Ziel all dieser Aktivitäten das Erreichen von individuellem und kollektivem Glück ist. Ein solches Konzept (Bildungsbaustein) ist beispielsweise mein Menschenbild, weil es integriert genug ist, um alle relevanten Aspekte einzuschließen und differenziert genug ist, um operationalisierbar zu bleiben. Das Menschenbild ermöglicht, menschliche Verhaltensweisen einzuordnen und vorauszusehen (konzeptgesteuerte Informationsverarbeitung). —Jeanpol 06:47, 25. Apr. 2012 (CEST)

Projekt als idealer Lernraum

Die Erarbeitung von Problemlösungen ist Wissenskonstruktion. Lernen erfolgt am effektivsten im Rahmen von Wissenskonstruktion, also als Antwort auf ein relevantes Problem der Lebenswelt. Die intensivste Auseinandersetzung mit der realen Lebenswelt erfolgt im Rahmen von Projekten. Daher: Projekt als bevorzugte Struktur für die Induzierung von Lernprozessen. Und da die Produktion von Problemlösungen wiederum zu Glücksgefühlen führt, haben wir die logische Kette: Projektstruktur führt zu permanenten Problemlösungenprozessen und Produktion von Konzepten/Wissen (=Bildung) und die Produktion von Bildung wird auf der neuronalen Ebene mit Adrenalinausschüttung (Glück) belohnt. Wenn das nicht der Fall wäre, würden wir nicht die Energie aufbringen, Problemfelder aktiv anzugehen. Daher auch mein Ansatz: „Projekt als glückbringende Struktur“. Und im ersten Educamp (Lernraum) wollte ich ständig mit dir in Koatakt bleiben, damit wir intensiv in den unterschiedlichen Problemsituationen „konezptualisieren“ konnten, also Wissen/Bildung produzieren!:-) —Jeanpol 09:59, 25. Apr. 2012 (CEST)

Mojgan und Paul mit Stadträtin Angelika Wegener-Hüssen

Im Rahmen des Moduls „Ingolstadt-Expertise“ informieren sich im Büro der Ingolstädter Grünen Mojgan Hajifaraji und Paul Polman bei Stadträtin Angelika Wegener-Hüssen  über die Entwicklung der Erdölindustrie in Ingolstadt, insbesondere über das Bayernoil-Areal

Paul und Ingrid mit Dr.Schönauer (Stadtheimatpfleger)

Inge, Paul und Dr.Schönauer

Paul Polman, Dr.Schönauer (Ingolstädter Stadtheimatpfleger) und Ingrid Neureuther nach dem Interview zur Geschichte des Gießereigeländes in Ingolstadt im Rahmen des Moduls „Ingolstadt-Expertise„.

Arslan Cakli’s Rede zum Türkischen Feiertag des Kindes in Ingolstadt.

Sehr geehrter Attache Hr. Hüseyin Bagceci

Liebe Gäste, liebe Kinder,

wir, der Türkische Kultur- und Bildungsverein Ingolstadt,  freuen uns, dass Sie so zahlreich zu unserer Veranstaltung „Internationales Kinderfest“ erschienen sind.

Begrüßen möchte ich auch den Stadtrat Herrn Jürgen Siebicke, den Schulamtsdirektor Herrn Haas, den Schuldirektor Herrn Bischoff,  von der Freiwilligen Agentur Herrn Prof. Jean Pol Martin.

Wie Sie wissen, feiern wir heute den Ulusal Egemenlik ve Çocuk Bayramı, (auf Deutsch den Feiertag der Nationalen Souveränität und des Kindes).

Dieser Tag soll Brüderlichkeit, Liebe und Freundschaft zwischen den Kindern fördern und hat das Motto Çocuklarımız geleceğimizdir (Unsere Kinder sind unsere Zukunft).

Genau diesen Gedanken wollen wir heute besonders aufgreifen:  „Unsere Kinder sind unsere Zukunft!“

Unsere Stadt , in welcher wir leben, entwickelt sich hochdynamisch, unsere Bevölkerung ist im Vergleich mit den übrigen bayerischen Großstädten die Jüngste. Dabei erreicht der Anteil an Kindern aus Zuwandererfamilien etwa 50% der Gesamtzahl an Kindern unter 12 Jahren.

Wir, der Türkische Kultur- und Bildungsverein Ingolstadt,  möchten weder unsere  Herkunft vergessen noch gar  leugnen.

Wir sind stolz auf das Erbe, das unsere Eltern hinterlassen haben, sowohl kulturell als auch emotional. Dieses Erbe wollen wir auch pflegen, denn es ist ein Schatz, der uns Stärke und Zuversicht gibt.  Wir sind beispielsweise überzeugt, dass unsere Kinder über die deutsche Sprache hinaus, auch ihre Muttersprache perfekt beherrschen müssen.

Unsere Vergangenheit ist ein hohes Gut, ob wir aus der Türkei stammen, wie die meisten von Ihnen, oder auch aus anderen Ländern.

Aber unser Alltag spielt sich in Deutschland ab und die meisten von Ihnen haben sich mit ihren Familien hier eingelebt, sie haben beruflich fussgefasst und sind Ingolstädter Bürger geworden.  Ingolstädter Bürger sein bedeutet auch, dass man sich in der Stadt heimisch fühlt. Deshalb haben wir auch die Exerzierhalle als Ort unserer Feier gewählt, weil der Raum sich im Herzen der Stadt befindet. Wir wollen zeigen, dass wir hier angekommen sind!

Nicht nur wir Erwachsene, sondern vor allem unsere Kinder. Sie werden in Zukunft das Land mit ihren Aktivitäten prägen.  Sie werden Deutschland nach vorne bringen, zumal wenn sie ihre Ursprungskulturen nicht vergessen und aus ihr kreative Elemente einbringen.

Wir wollen uns einbringen und produktiv an der Entwicklung der Stadt mitwirken, aber ohne  Kommunales Wahlrecht ist politische Partizipation sehr schwierig! Entsprechend bedeutet dies, dass die noch bestehenden Hürden, beispielsweise die Tatsache, dass viele von uns nicht wählen dürfen, aufgehoben werden.

Dennoch: lassen wir uns von solchen Hürden nicht entmutigen!

Ich wende mich an die Erwachsenen, aber vor allem an die Kinder: bringt euch in dem Ort wo ihr lebt ein.

Und am besten fangt gleich an!

Ich wünsche an alle einen wunderschönen Kindertag!

Das Ingolstädter Schloss muss dominant bleiben!

Bekanntlich hängt die Identifikation der Bürger mit einer Stadt von ihrem Wissen über deren Geschichte ab. Wir Ingolstädter haben das Glück, dass die Geschichte unserer Stadt eine Motivation für die Gestaltung der Zukunft liefert. Ingolstadt war einmal Hauptstadt eines autonomen Territoriums (Bauten: Neues Schloss, Münster), gleich danach wurde hier die einzige Universität in Bayern eingerichtet (Hohe Schule) und sie blieb die einzige bis 1800. Ingolstadt war also 328 Jahre lang geistiges Zentrum in Bayern. Diese Geschichte ist Anhaltspunkt genug, dass auch Zuwanderer sich mit der Ingolstädter Vergangenheit und dadurch deren Zukunft identifizieren. Allerdings muss die Historie auch im Erscheinungsbild der Stadt lesbar bleiben. Das Schloss darf nicht optisch durch größere Baumassen verdrängt werden!

Wie Meme sich verbreiten! (oder auch nicht…:-))

Wird meine Definition von Bildung zum Mem?

Jens Großpietsch 21:02 am 19. April 2012  Permalink | Kommentar

Auch wenn ich nicht in allen Punkten der Kritik von Füller an “der” Reformpädagogik folge, so hat er am Schluss doch eine richtungsweisende Formulierung gefunden, was ein Konzept von Pädagogik heute sein könnte: „Bildung ist das gemeinsame Erstellen von Konzepten, um mit einströmenden Daten gelassen umgehen zu können, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten.”

Quelle: Füllers Kritik am Interview mit Otto Herz

Eduard und Senem beim Ingolstädter OB!

Im Rahmen des Moduls „Ingolstadt-Expertise“ wurden Eduard Klötzl und Senem Doganoglu von Dr. Lehmann, Ingolstadts Oberbürgermeister zu einem Interview empfangen. Thema des Gesprächs waren u.a. die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat und die Zukunftsperspektiven, die sich für junge Ingolstädter in unserer Stadt eröffnen.

Hier das Wiki mit den Fragen und Antworten!

Emergenz: Eduard und Senem morgen beim Ingolstädter OB!

Resume Es ist günstig, wenn man als Projektleiter verschiedene Aktionen parallel laufen lässt. Wenn man Glück hat,  emergiert aus den verschiedenen Gruppen immer wieder etwas Tolles!

1. Beispiel einer LdL-Emergenz

In der Vergangenheit habe ich solche Emergenzen immer wieder erlebt. Besonders beglückend war der Auftritt einer 12. Klasse im Rahmen einer Französischlehrertagung in Erlangen. Die Schüler waren daran gewöhnt, mich auf Fortbildungen zu begleiten und Workshops für die Lehrer anzubieten. So beispielsweise über die Geschichte der französichen Literatur. Hier wird ein selbsterfundenes Interview mit Molière durch Christoph und Silvia dargestellt und die Lehrer müssen im Anschluss unter der Leitung der beiden Schüler auf Fragen antworten und die Inhalte diskutieren.

(Quelle: LdL-Verzückungsspitze)

2.  Interview beim Ingolstädter OB

Im Rahmen des Moduls „Ingolstadt-Expertise“ hat sich eine sehr aktive Gruppe gebildet, die sich über zentrale Ingolstädter Themen informieren will, wie „Audi“, „Erdölraffinerien“, „Gießereigelände“ und auch über die Arbeit des Stadtrates. Nun hat Eduard, der sich letzteres Themas angenommen hat, sehr couragiert Herrn Dr. Lehmann, den Ingolstädter Oberbürgermeister um einen Termin gebeten und siehe da: er hat einen gleich für morgen Dienstag bekommen! Da unsere Arbeit in Teams erfolgt, hat er Senem um Beihilfe gebeten und sie hat sofort zu gesagt! Beide sitzen also, wenn nichts dazwischenkommt, morgen im Büro des OBs. Zur Vorbereitung wurde ein Wiki eingerichtet und die Fragen gesammelt, die für das Vorhaben relevant sind.

Vielleicht fällt einem Leser eine Frage ein, die unbedingt gestellt werden sollte!

Fazit: Geschwindigkeit und Vernetzung + Exploratives Verhalten!