„Tag der Migranten“ und dann? Es geht weiter!

Resume: Nach dem „Tag der Migranten“  blieben die Beteiligten dran! Das Thema ist sehr wichtig und wird mit Verve verfolgt!
29.03.2012 20:27 Uhr
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Integration macht Schule

Bild: Integration macht Schule. Ingolstadt Ingolstadt (DK) Die Vielvölkerstadt Ingolstadt bekommt einen Integrationsbericht. In einer von den starken Frauen dominierten Debatte beschloss der Stadtrat einstimmig, dass die Stadtverwaltung einen Überblick geben soll, wie sich das Leben der Migranten in Ingolstadt bisher entwickelt hat.

Ingolstadt (DK) Die Vielvölkerstadt Ingolstadt bekommt einen Integrationsbericht. In einer von den starken Frauen dominierten Debatte beschloss der Stadtrat einstimmig, dass die Stadtverwaltung einen Überblick geben soll, wie sich das Leben der Migranten in Ingolstadt bisher entwickelt hat.

Man spricht deutsch: Die Kinder von Zuwanderern können nicht früh genug damit beginnen, die Sprache in ihrer künftigen Heimatstadt Ingolstadt zu lernen – so wie hier bei einem Kurs in der Volkshochschule – Foto: Strisch

Warum nach dem Sozial- und dem Bildungsbericht nun auch noch einen Integrationsbericht? Gudrun Rihl (SPD) und Veronika Peters (FW) hatten sich in einer gemeinsamen Initiative für eine Bestandsaufnahme in Sachen Integration stark gemacht. Beide teilten sich in der Vollversammlung die Aufgabe, für ihr Anliegen zu werben. „Wir brauchen einen Überblick über das, was geschehen ist, inwieweit Integration gelungen und wo Handlungsbedarf ist“, meinte Rihl.

„Frau Rihl hat eine wunderbare Gliederung verfasst und ich habe ein Vorwort geschrieben“, fuhr Peters fort, doch ihr Vorwort wuchs sich nach und nach zu einem Vortrag aus. Bald sah sie sich gezwungen, die vorbereitete Rede zwischendurch mit einem „Blablabla“ etwas abzukürzen. „Wir sind eine wachsende Stadt“, sagte sie, und dieses Wachstum komme überwiegend aus der Zuwanderung. „Diese Ressource muss angezapft werden.“ Derzeit liegt der Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund in Ingolstadt bei etwa 40 Prozent, bei Kindern und Jugendlichen sind es sogar über 50 Prozent.

„Man kann natürlich gar nicht dagegen sein“, schien Grünen-Fraktionschefin Petra Kleine zunächst den Vorstoß der beiden Kolleginnen voll zu unterstützen, um danach zu erklären, dass sie doch „ein bisschen Bauchschmerzen“ habe und einen solchen Integrationsbericht nicht so toll finden würde. Die Haltung, die dahinter stehe, sei „überhaupt nicht emanzipatorisch“, lautete Kleines Vorwurf. „Frau Kleine hat das vielleicht nicht so richtig verstanden“, bekam sie daraufhin von Peters zu hören, „wir betrachten Migranten als Potenzial und nicht als Problemfälle.“ Aber die Grüne könne sich ja gern in eine Arbeitsgruppe mit einbringen – was wiederum Kleine ganz und gar nicht passte. „Das kann man nicht ehrenamtlich machen, dazu ist das Thema zu ernst!“ Letzten Endes gab es aber niemand, der sich im Plenum gegen den von Rihl und Peters beantragten Bericht aussprach.

Einer der ganz Stillen im Stadtrat, Johannes Hörner (CSU), konnte bei diesem Thema nicht an sich halten. „Ein paar Sätze von einem mit Migrationshintergrund“, begann der Russlanddeutsche zu erklären, weshalb er die ganzen Statistiken nicht so recht ernst nehmen kann. Er selbst, seine Frau, seine Kinder und Enkelkinder seien „voll integriert“. Und trotzdem würden laut Definition wohl selbst seine Urenkel noch „mit Migrationshintergrund“ geführt.

„Bei vielen ist das gar nicht mehr nachzuvollziehen“, weiß auch der städtische Integrationsbeauftragte Christian Lösel, der zu einem Antrag der Grünen Stellung nahm. Die Stadträtinnen bemängeln, dass Migranten in der Stadtverwaltung zu schwach vertreten sind. „Den Kommunen kommt eine Vorbildfunktion zu“, forderte Barbara Leininger Konsequenzen. Jürgen Siebicke (Linke) sieht hier eine „gewisse Bringschuld gegenüber Zuwanderern“.

Personalreferent Lösel versicherte, dass bei Neueinstellungen eine Diskriminierung absolut auszuschließen sei. „Wir sollten das ganze Thema etwas entspannter angehen“, empfahl er in puncto Migrantenanteil – und schoss mit einem Vergleich den Vogel ab: „Das ist wie bei den Frauen. Das entwickelt sich, man muss nur etwas warten können.“
Von Reimund Herbst

„Kennt Ihr den Weisen von Ingolstadt…?“ fragt Christian Füller!

Twitter: „kennt ihr den weisen von Ingolstadt! er kann sehr unduldsam sein. aber: er ist ein guter. #myexcitingfriends“

Christian Füller, journalist (taz et al) und autor. bildung, bildungsarmut und lernen2null

http://pisa-versteher.de
Twitter page

Was ich brauche.

Resume Auf Aristoteles gestützt (Eudämonie) möchte ich in den mir noch zur Verfügung stehenden Jahren das Glück (meines und das meiner Mitmenschen) mehren. Dazu brauche ich folgendes:

1. Senioren als Paten für 7 bis 12 Jährige

Im Augenblick erlebt Ingolstadt einen großen Zustrom von Menschen aus dem ehemaligen Yougoslavien dem Irak, dem Iran, aber auch aus Griechenland, Portugal und Spanien. Dies liegt an der besonders guten Arbeitsmarktsituation in Ingolstadt. Meist können die Eltern nur sehr notdürftig Deutsch, sie sind ohnehin beruflich stark eingespannt. Die Kinder zwischen 2 und 6 sind im Kintergarten gut untergebracht und lernen deutsch. Die älteren, zwischen 7 und 12, sind eingeschult, aber sie haben noch Probleme mit der Sprache und können von den Eltern keine Untersützung bekommen. Wir brauchen Freiwillige, die wöchentlich 2 bis 3 Stunden bei den Hausaufgaben helfen oder mal ein Kind mit in eine Sportveranstaltung, ins Kino oder in ein Museum mitnehmen.  Einbezogen sind folgende Stadtteile: Augustinviertel, Konradviertel und Piusviertel.  Das Treffen der nächsten „Senioren-Kerngruppe“ findet am 31.03. um 12-13Uhr im Bürgerhaus (Alte Post) Raum A8 statt.

2. Junge Menschen mit MH (=Migrationshintergrund!:-)) für das Ingolstädter Theater

Kathrin Lehmann ist Theaterpädagogin am Ingolstädter Stadttheater. Natürlich erfreuen sich ihre Angebote eines großen Zuspruchs, aber die Interessenten stammen fast alle aus demselben Milieu: junge Gymnasiasten aus eingesessenen Deutschfamilien. Sie hat nichts gegen diese Zielgruppe, aber in einer Stadt mit 43% Bürgern mit MH wäre es belebend und aufregender, wenn ein entsprechender Anteil von MH-Jugendlichen mitmachen würden. Ingolstadt ist bunt! Right now braucht sie 6 Jugendliche ab 13 bis 18 für ein spannendes Projekt in Augsburg. Bitte an mich melden, ich leite es weiter, oder direkt an sie! Und für weitere Projekte braucht sie natürlich eine Menge Leute!

3. Junge Menschen mit MH für mein Modul „Ingolstadt-Expertise“

Im Ingolstädter Stadtrat sitzt ein einziger Bürger mit Migrationshintergrund. In einer Stadt mit 43% Zuwanderern wäre es sinnvol und für die Zukunft gesund, wenn ein entsprechender Anteil an MH-Bürgern im Stadtrat aktiv wären. Unsere MH-Freunde müssen unbedingt mitmischen bei der Zukunftsgestaltung unserer Stadt die auch ihre ist! Die Eltern meiner Frisösin Fatma stammen zwar aus Ankara, aber sie ist hier geboren. Ich wurde in Paris geboren, aber ich bin jetzt ein 200 prozentiger Ingolstädter. Wir wollen mitreden bei der Entwicklung unserer Stadt. Mein Modul „Ingolstadt-Expertise“ soll MH-ler zwischen 18 und 30 soweit über die zentralen Aspekts unserer Stadt informieren, dass sie Interesse für die Kommunalpolitik entwickeln und rasch partzipieren, z.B. indem sich sich in den bestehenden Parteien engagieren.

Fazit Unser Glück hängt stark von der Umwelt ab, in der wir uns bewegen. Diese Umwelt können wir aktiv verändern, damit wir uns heute und morgen in ihr wohlfühlen. Und diese Umwelt heißt Ingolstadt.

Das Projekt IN-Fusion: die Genese

Resume Das Projekt IN-Fusion ist so weit gediehen, dass wir an die Öffentlichkeit gehen und es vorstellen können.

1. Vorlauf:

– September 2011:  Auftritt Sarrazin und Aktion der Grünen in Ingolstadt

– Dezember 2011:  Tag der Migranten

Nach dem  Vortrag empfahl uns Frau Ketterer, die Referentin, uns mit Robert Rudi in Verbindung zu setzen und „dranzubleiben“. Karoline Schwärzli-Bühler lud uns ein, sie im Augustin Stadtteiltreff zu besuchen.

2. Angebot und Nachfrage

Der Weg, den wir eingeschlagen haben, ist a) den Bedarf zu ermitteln, b) ein Angebot zu unterbreiten, das die Bedürfnisse der Adressaten treffen könnte. Dazu gehören auch ungewöhnliche Vorschläge wie z.B. ein Philosophie-Kurs für ältere, an Bildung interessierte Zuwanderer.

3. Hartnäckigkeit ist angesagt

Auch wenn alle Beteiligten prinzipiell wohlwollend und hilfsbereit sind, so verlangt die Erfassung eines Bedarfes einerseits und die Suche nach einem entsprechenden Angebot andererseits eine starke „Dranbleiben-Kultur“. So wissen wir nach entsprechenden Recherchen, dass ein Bedarf an Paten für die schulische Unterstützung von Kindern zwischen 7 und 12 besteht. Man muss also Paten finden (durch entsprechende Werbung) und dann müssen Paten und Kinder zusammengeführt werden. Gefragt sind Ausdauer und Fingerspitzengefühl bei dem Anpassungsprozess von Angebot und Nachfrage.

4. Überblick über die aktuellen Aktivitäten: IN-Fusion

Fazit: Ein erfreulicher Start, aber das Projekt wird sich an den konkreten Ergebnissen (z.B. Zahlen) messen lassen müssen.

Für die Mittwochsphilosophen.

Resume Die Mittwochsphilosophen haben mich mehr als anderthalb Jahre lang begleitet und mir mit ihrer hohen Kompetenz den Einstieg in die Philosophie ermöglicht. Vor einem Jahr musste ich aussteigen aber ich treffe sie heute abend wieder.

1. Angewandte Philosophie

Während unserer Gespräche habt Ihr mein Denken und Handeln in die Kategorie „Angewandte Philosophie“ eingeordnet. Das war richtig, denn mit meinem Zugriff wollte ich a) prüfen, ob die Philosophen bereits im Vorfeld die Elemente geliefert hatten, die ich in meinem anthropologischen Modell zu einem kohärenten Instrument zur Alltagsbewältigung füge und b) ob die Philosophen mir helfen könnten, den schmerzhaften Übergang vom intensiven Berufsleben zum Ruhestand zu bewältigen. Das Ziel war also, die Philosophie zu rezipieren, um mein Leben zu meistern.

2. Philosophie für „Senioren“

Über den persönlichen Gebrauch hinaus war eine naheliegende Anwendung, dass ich eine Gruppe bildete, mit der ich die philosophischen Inhalte besprach. Im Ingolstädter Bürgerhaus treffe ich mich alle zwei Wochen mit einer Gruppen von etwa 20 „Senioren“. Wir haben den Überblick über die Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart hinter uns und befasse uns jetzt mit  Themen wie „Ist Moral relativ?“, „Utilitarismus, Deontologie und Tugendethik“ und „Altruismus, Egoismus“. Was ist naheliegender als die in diesem Zusammenhang entwickelten Gedanken in Taten umzusetzen. Wir versuchen also, „Gutes“ in Ingolstadt zu tun. Wir erkunden und erforschen unsere Stadt immer intensiver, gehen gemeinsam zu Stadtratsitzungen und haben u.a. festgestellt, dass es einen Bedarf an Lesepaten für zugereisten Kinder zwischen 7 und 12 besteht. Je mehr wir über unsere Stadt erfahren, desto mehr entdecken wir Aufgaben. Hier hätte bestimmt Aristoteles seine Freude!

Fazit Es kann eine Dynamik eingeleitet werden, die von der Philosophie über die politische Partizipation zum bürgerlichen Engagement führt. Angewandte Philosophie, eben…

Niklas Luhmanns Rat.

Als ich 1989 die Befürchtung und Hoffnung hatte, mein LdL-Projekt würde explodieren, ich würde den Überblick verlieren und das Ganze mir entgleiten, bat ich Niklas Luhmann, den großen Systemtheoretiker – nicht ganz bescheiden und nicht ganz ehrlich – um Rat. Was sollte ich tun, wenn die Kettenreaktion eintreten würde?

Er antwortete wie folgt:

Universität Bielefeld  Fakultät für Soziologie

Niklas Luhmann                                                    Bielefeld, den 30.10.1989

Sehr geehrter Herr Martin,

für Ihr Problem weiß ich keinen Rat. Am besten warten Sie vielleicht einfach ab, um wenigstens erleben zu können, wenn es explodiert. Oder anders gesagt: bei hoher Komplexität stellen sich ja im allgemeinen wie von selbst Selektionsmuster ein.

Mit besten Grüßen

Ihr Niklas Luhmann

Da ich im Augenblick der Versuchung erliegen können, mein neues Projekt IN-Fusion als kurz vor einer Explosion befindlich zu glauben, greife ich gerne auf Luhmanns Rat zurück. Ich warte einfach ab, um wenigstens erleben zu können, wenn es explodiert. Und ich bin immerhin 23 Jahre älter als damals!