TdM (Tag der Migranten): Artikel im Donaukurier!

Der Wille wäre da . . .

Diskussion am Tag der Migranten offenbart Hürden für die Integration

Bild: Der Wille wäre da . . .. Ingolstadt Ingolstadt (sic) Bekenntnisse zur besseren Integration ausländischer Mitbürger sind heute zweifellos eine feste Größe, zumindest in der Rhetorik. Das war auch am Tag der Migranten festzustellen, der am Samstag gut 80 Ingolstädter in den Stadtteiltreff Piusviertel führte.

Nach der lebhaften Diskussion gab’s Geschenke: Die verteilte (v. r.) Sepp Mißlbeck an Jean-Pol Martin, Irene Ketterer, Behare Dinaj, Christian Lösel und Berat Yilmaz (Bildungsverein Atlantik). – Foto: Strisch

Ingolstadt (sic) Bekenntnisse zur besseren Integration ausländischer Mitbürger sind heute zweifellos eine feste Größe, zumindest in der Rhetorik. Das war auch am Tag der Migranten festzustellen, der am Samstag gut 80 Ingolstädter in den Stadtteiltreff Piusviertel führte. Eines wurde allerdings ebenso wieder deutlich: Die Integration kommt primär in den Köpfen voran, denn von der Theorie zur Praxis gilt es nach wie vor hohe Barrieren zu überwinden.

„Ich will es noch erleben, hier wählen zu dürfen“, sagt eine türkischstämmige Ingolstädterin in fast perfektem Deutsch. „Ich bin in der zweiten Generation hier. Mein Papa hat es nicht mehr erleben dürfen, in Deutschland zu wählen.“ Deshalb habe auch die dritte Generation inzwischen so ihre Fragen: „Ich muss meinen Kindern immer erklären, wieso ich nicht wählen darf.“ Hier also stößt die Integration schnell an Grenzen und stürzt so manchen Politiker in Ratlosigkeit. „Beim kommunalen Wahlrecht für Ausländer sind alle Initiativen gescheitert“, berichtet FW-Stadtrat Gerd Werding aus dem Publikum. „Wie kann das sein? Was ist an uns EU-Bürgern entscheidend anders als an jenen, die in dritter Generation bei uns leben“ Eine Antwort vermag da niemand zu geben – aber Werding hat auch keine erwartet.

Inzwischen gelten 41 Prozent der Ingolstädter als Migranten, berichtet Christian Lösel, der städtische Integrationsbeauftragte. Doch wie viele dieser Bürger bei Kommunalwahlen ihre Stimmen abgeben dürften, sei schwer zu sagen. „Hier ist die Aufschlüsselung sehr kompliziert“, erzählt Lösel. Im Übrigen sei die Frage des Ausländerwahlrechts natürlich keine kommunale Angelegenheit.

Politische Mitbestimmung der Neubürger tue seit langem Not, betont Prof. Jean-Pol Martin. „Wir müssen alle Bürger unserer Stadt in Entscheidungen mit einbeziehen!“ Hier eröffne sich ein „Riesenpotenzial“, auch für die demokratische Kultur. Mehrmals kam der Hinweis auf die Migrantenquote im Ingolstädter Stadtrat von nur zwei Prozent; die repräsentiert Johannes Hörner – ganz allein.

Ein weiteres praxisnahes Beispiel für mangelnde Integrationschancen nennt Irene Ketterer von der Stelle für interkulturelle Arbeit in München: „Migranten gehören in der Verwaltung auf beide Seiten des Schreibtisches.“ Wichtig sei auch „eine Willkommenskultur mitsamt Einbürgerungsfesten“ und die Würdigung des bürgerschaftlichen Engagements von Migranten. Ketterer: „Es geht vor allem um Anerkennung.“

Immerhin: Ingolstadt brauche sich in Bezug auf Integrationsleistung „nicht zu verstecken“, bestätigt der Soziologe Prof. Rainer Greca von der Universität Eichstätt. „Es gibt auch hervorragende Projekte in den Schulen, etwa an der Herschel- und Lessingstraße, wo Kinder aus 28 Ländern unterrichtet werden.“

Wie könne man der Integration dienen, „ohne dass es teuer wird“, fragt Veronika Peters, die Vorsitzende der Freiwilligenagentur und Moderatorin der Runde am Ende. „Bildungspatenschaften übernehmen!“, rät Werding. „Das ist das Intensivste, was man tun kann.“ Behare Dinaj von der Münchner Freiwilligenagentur Tatendrang hat da einen ganz unkomplizierten Vorschlag: „Gehen Sie auf Migranten zu! Dort, wo sie sind.“

<< | 1 | 2 |

Von Christian Silvester

Bookmark and Share