„Willkommenskultur“: Was kann ich als Freiwillige(r) bieten?

Am 17.12.2011 wird eine Veranstaltung zum Tag der Migranten mit Beteiligung der Freiwilligen Agentur in Ingolstadt organisiert.

Wenn Sie uns bei der Vorbereitung helfen wollen, beantworten Sie bitte unter Nutzung der Kommentarfunktion folgende Fragen:

1. Welchen Problemen begegnen Migranten in Ingolstadt bei ihren Bemühungen, sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, beispielsweise in Vereinen oder politisch?

2. Finden Migranten in ihren Bemühungen um Integration genug Unterstützung durch die Stadt? Wo könnte das Angebot verbessert werden?

3. Was könnten Freiwillige als Zusatzangebot leisten, was weder von der Stadt noch von den Migrantenorganisationen geleistet werden kann?

Am 07.12. findet im Bürgerhaus Ingolstadt, Raum B1 um 20Uhr ein Vorbereitungstreffen statt, wo die oben gestellten Fragen erörtert werden.

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15 Antworten

  1. Ich parke mal meine eigenen Ideen hier ein:
    1. Ich sitze jeden Freitag Vormittag in der Freiwilligen Agentur und empfange Personen, die aus anderen Kulturen stammen und einen Einblick in die „Struktur“ der Stadt gewinnen wollen: a) Geschichte, b) wesentliche Industrien, c) Entwicklung (Gießereigelände), d) Möglichkeiten der Partizipation (auch politische) in Ingolstadt. Ich versuche, andere Ingolstädter (insbesondere Senioren) für diese Aufgabe zu gewinnen.
    2. Ich biete einen Crash-Kurs in Philosophiegeschichte für Migranten.
    3. Ich biete eine Einführung in LdL (Sprachkurse) für Personen, die Sprachkurse durchführen.

  2. Wolfgang Kaiser hat angeboten, eine Übersicht über alle Fördermöglichkeiten für Migranten (z.B. im Studium) zu erstellen und darüber einen Vortrag zu halten.

  3. Doch was ist Integration eigentlich, wäre die allerwichtigste Frage. Aus diesem Grunde würde ich die Frage stellen, wo beginnt Integration und wann ist jemand integriert? Wenn er so bayerisch spricht wie die Ureinwohner und auf der Straße seine Muttersprache nicht mehr spricht? Wenn er Arbeit hat? Dann wäre ein Großteil der meisten Migranten schon ohnehin integriert. Ich denke, dass es wichtig ist eine gemeinsame Definition zu finden. Deshalb würde ich den Begriff Integration nicht favorisieren, denn die meisten verstehen darunter Assimilation. Denn wenn Vielfalt gelebt wird, dann ist Verschiedenheit eine Bereicherung und Menschen werden nicht aufgrund ihrer Verschiedenheit extremen Anpassungszwängen ausgesetzt. Einem Interview mit dem Integrationsbeauftragten im DK (11.11.2011) zufolge sind seine meisten Freunde „Migranten“. Trifft dies auch auf die anderen Ingolstädter Ureinwohner zu? Was müßte verändert werden, damit sich bestimmte Milieus mehr auf Augenhöhe begegnen, Freundschaften schließen und nicht weiter nach sozialen Schieflagen segregiert werden? Wann ensteht eine Willkommenskultur? Ist denn wohlwollendes Vertrauen und Wertschätzung auf beiden Seiten vorhanden? Diese Voraussetzungen zu schaffen ist ein beiderseitiges „Geben“ und „Nehmen“. Einwanderung hat, wie nicht nur Terkessesids betonte, in Deutschland etwas Bedrohliches bei den meisten Menschen. Als eine Bereicherung empfinden das doch die allerwenigsten. Was kann konkret getan werden, um langfrsitig „social cohesion“ (eine soziale Kohäsion) zwischen den bayersichen Ur-ingolstädtern und den Menschen, die in den letzten 50 Jahren hinzugezogen sind, zu erreichen? Gibt eine gleichberechtigte Teilhabe von Migranten am Stadtleben und haben Migranten den gleichberechtigten Zugang zu Kultur-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen wie die Ingolstädter Ureinwohner?

    Wo in Ingolstadt können Migranten Diskriminierung und Rassismus einklagen und ihr Recht auf Gleichbehandlung einfordern?

    Oftmals kommen viele Migranten hier aus Arbeitermilieus und aus denselben Schichten wie andere Ingolstdäter, die dann mit ähnlichen Barrieren konfrontiert sind. Ich plädiere daher bestimmte Angebote wie Fördermöglichkeiten (z.B. Hans Böckler -Stiftung) zu bewerben auch für andere Ur-Ingolstädter anzubieten.

    Terkessidis sprach in seinem 2010 erschienen Buch „Interkultur” von Barrierefreiheit. Er fasste diesen Begriff weiter und meinte dabei auch Einrichtungen der öffentlichen Daseinsfürsorge, die ihren Auftrag ernster nehmen sollten. Im Hinblick auf die Erhöhung der Teilhabe- und Partizipationschancen unterschiedlicher Menschen, soll an dieser Stelle seine Definition unbedingt Erwähnung finden:

    „Um Barrierefreiheit zu erreichen, muss bereits bei der Planung berücksichtigt werden, dass es den »Normbenutzer« nicht gibt, sondern dass Personen sich in allen möglichen Beziehungen unterscheiden. Es gilt, Umgebungen so zu gestalten, dass alle Menschen sie trotz ihrer Unterschiede gleichermaßen nutzen können.” (Terkessidis 2010, S. 113)

  4. Börse

    Zur Vorbereitung auf die Veranstaltung sollten wir bereits jetzt „niederschwellige“ Angebote von Freiwilligen (sowohl Migranten als auch Alteingesessenen) auf der einen Seite und niederschwellige Nachfragen auf der anderen Seiten sammeln.

    Also:
    A. Angebot
    – Ich kann Unterricht in Türkisch erteilen
    – Ich kann russische Gerichte kochen und zeigen, wie das geht
    – Ich kann tailändisches Kunstgewerbe beibringen
    – ich kann serbische Tänze einüben
    – Ich kann eine Crashkurs in Philosophie anbieten
    – Ich kann ……….

    B. Nachfrage
    – Ich brauche Deutschkurse
    – ich möchte verstehen, wie der Stadtrat funktioniert
    – ich möchte erfahren, was aus dem Gießereigelände wird
    – ich möchte dass man mir die Geschichte von Ingolstadt erklärt
    – Ich brauche….

  5. A:Ich möchte – bei Bedarf – Migranten helfen und zeigen wie man einen eigenen e.V. in Ingolstadt gründen kann.

    B: Ich möchte mehr über die Kultur und Geschichte Tibets erfahren. (Geographie, Historie, Religion etc.)

  6. A: Ich würde ein Sprachcafé initiieren, falls es Bedarf und Interessenten gibt. Anregungen hierzu erhielt ich letztes Jahr in Nottingham, wobei esx auch darum geht Ingolstädter zu finden, die gerne türkisch, persisch, portugiesisch, tibetisch oder andere Sprachen lernen wollen. Es geht also nicht nur darum Deutsch zu lernen, sondern Einheimisch Ureinwohner, andere Migranten und Neue Ingolstädter zusammenzubringen und gemeinsam miteinander zu sprechen

    B: Denkbar wäre ein Mentoringprogramm für Studenten aus bildungsfernen Elternhäusern, das nicht nur Migranten einschließt. Brücken bauen heißt zwischen denen aus einer anderen Gesellschaftsschicht kommen bzw. auf dem Weg dahin sind zwischen den Milieus vermitteln und zu helfen.

    Weitere Ideen sind vorhanden, aber die bisher genannten verlangen Mistreiter und eine längerfristige Planung zur Umsetzung.

  7. Brief von Katharina Reiter:

    Lieber Herr Martin,
    natürlich fällt mir zu diesem Thema eine Menge ein, leider habe ich
    keine Patentlösungen zu bieten. Je länger ich in dieser Szene tätig bin, desto mehr Strukturen erkenne ich für die ich keine schnellen
    Fortschritte sehe (was natürlich nicht bedeutet, dass man nicht intensiv weiter machen muss). Meine große Hoffnung ist die Jugend, die gemeinsam und viel freier heranwächst!

    Ich werde mal einige Gedanken darlegen: Auch ich tu mich mit der
    Definition „Integration“ (wie /Anonymus/ in seinem Beitrag schreibt)
    immer schwerer. Es kann nicht das Ziel sein, dass Menschen aus anderen Kulturen sich nahtlos assimilieren sondern dass Menschen verschiedener Mentalitäten und Nationalitäten lernen sich gegenseitig – und die „andere Kultur“ – zu schätzen und zu respektieren. Ein großes Ziel!!!

    Die Frage ist, wie kann man dahin kommen. Manchmal denke ich, nach all den Jahren seit ich in dem Bereich „Migration“ (auch so ein Begriff, den ich fast nicht mehr mag, er kommt mir manchmal wie ein lebenslanges Stigma vor) engagiert bin, dass der Aufbau letztendlich nur von „unten“ wirklich effektiv erfolgen kann, d. h. von Mensch zu Mensch. Also müssten all die Angebote verstärkt werden, wo solche Begegnungen möglich sind. Das kann natürlich nicht bedeuten, dass Eingliederungsmaßnahmen und Beratung nicht ebenfalls sehr wichtig sind und auch weiterhin erfolgen müssen. Aber ich habe schon lange den Gedanken dass es unmöglich ist, Bürgern eines Staates (oder einer Stadt) Verständnis für „Nicht-Einheimische“ von „oben“ zu verordnet – sie müssen es erleben!
    Und genau da sehe ich die größten Schwierigkeiten. Wie können solche Beziehungen und Freundschaften entstehen? Wie kann einem Durchschnittsbürger klar gemacht werden dass Akzeptanz von Migranten (auch das sehe ich ähnlich wie */Anonymus/*) nicht nur Bedrohung bedeutet sondern eine Bereicherung sein kann.

    Und wie können „Migranten“ dazu motiviert werden sich auch selbst mehr einzubringen und nicht nur in ihrem eigenen Kosmos zu verharren? Ich bin zwar ziemlich sicher, dass es auf beiden Seiten schon viele Menschen gibt, die nicht bei ihrer Ausgangsposition stehen bleiben und dass auf beiden Seiten ständig Lernprozesse gemacht werden – aber es reicht nicht.
    Es gibt einen weiteren Aspekt den ich seit Jahren beobachte und den Anonymus ebenfalls anspricht: Sehr viele Migranten kommen aus dem Arbeitermilieu oder niedrigem sozialem Bereich und stehen damit ähnlichen Problemen gegenüber wie Einheimische aus dem gleichen Milieu, also könnten gleiche Förderungen für „Einheimische“ und Nicht-Einheimische angeboten werden. Wieder ein Stück Gemeinsamkeit!

    Noch eine Anmerkung zu diesem Kontext: Wir hatten vor einigen Wochen die Einweihung neuer Büroräume und Christine Harderthauer kam als Schirmherrin und äußerte sich zum Migrantenproblem u. a. in ähnlicher Form: Sie würde sich wünschen dass in Zukunft mehr Veranstaltungen/Maßnahmen stattfinden die sich nicht ausschließlich an Migranten wenden sondern an gemischte Zielgruppen aus Migranten und Nicht-Migranten, um aus der Isolation herauszukommen.

    Ich glaube, noch eine Beobachtung gemacht zu haben: Sozial arrivierte Migranten (die gibt es natürlich auch!) haben so gut wie keinen persönlichen Kontakt zu Migranten aus den sozial schwachen und benachteiligten Kreisen aber durchaus gute Kontakte zu ebenfalls „arrivierten Einheimischen“. Womit wir wieder bei der Klassengesellschaft wären!

    Oh je, nun habe ich schon so viel gelabert. Mir geht noch so einiges durch den Kopf, aber ich werde sicher zur „Veranstaltung am Tag der Migranten“ und auch am 7.12. zum Vorbereitungstreffen kommen.

    Herzliche Grüße und ein schönes Wochende wünscht Ihnen
    Katharina Reiter

  8. Aus meiner Sicht gibt es erst einmal praktische Aspekte, die wir abfedern könnten, wenn jede Person mit Migrationshintergrund bei Fragen genau wüßte, an wen sie sich wenden kann. Das ist die Plicht, sprich Einschulung, Einkäufe, Bankkonto einrichten, Nachhilfe, Tipps u Tricks…

    Die Kür ist diese Personen auch aktiv mitgestalten zu lassen, ihre Interessen und Talente einbringen zu lassen. Dies entsteht in erster Linie durch einen guten Kontakt und eine gute Vernetzung.
    ich mag JP idee eier anlaufstelle, die regelmaessig in einem cafe am Freitag Vormittag stattfindet, denke aber auch, dass mail, telefon und eine homepage mot kontaktformular das spektrum erhoehen…
    Letztendlich stelle ich mir die Frage, wo diese Personen heute sich hinwenden und wie sie ihre alltaeglichen erausforderungen meistern. Genau da sollten wir anpacken…

  9. Das café war Wolfgangs Idee. Finde ich nicht schlecht. Mein Vorschlag ist ein Sprechstunden-Vormittag am Freitag in den Räumen der Freiwilligen Agentur.

  10. Gerade habe ich ein Gespräch mit Herrn Ferstl, dem Leiter des Bürgerhauses geführt. Er kennt sich wirklich sehr gut aus. Er meinte, dass es tatsächlich auch langfristig sehr viele Aufgaben gibt, so dass man sich nicht gegenseitig „Konkurrenz“ machen muss. Das bestätigt mich also in der Absicht, anlässlich des Tages der Migranten eine Identifikation der noch brach liegenden Felder vorzunehmen. Auf diese Weise kann man sich auch absprechen und Parallelangebote vermeiden.

  11. ich habe auch ein Anliegen, und zwar sind es die Zeitungen, die ich hier anprangern möchte. Unsere Zeitungen tragen manchmal dazu bei, das „Schubladendenken“, also Abstempeln der Migranten unterstützt. Zum Beispiel hat mich eine liebe Bekannte darauf aufmerksam gemacht, dass zur Wahl in Ägypten eine vermummte, vermutlich, Muslimin abgebildet wurde. Woran denkt man wenn man solch Foto sieht? Dass alle Ägypter und Muslime vermummt auf die Straßen gehen. Oder mit der Frage einer bekannten Reporterin – ob man sich abfinden muss, dass z.B. Türken in türkischen Geschäften gehen, oder einen türkischen Rechtsanwalt oder Arzt aufsuchen. Für mich ein klares Signal, dass die Zeitung nicht tolerant ist, weil der Satz „sich damit abfinden muss“ bedeutet, es wird einem etwas oder eine Situation aufgezwungen. Medien müssen sich auch stärker einsetzen für eine Akzeptanz der Vielfalt und Verschiedenheit und letztendlich Integration – keine Assimilation wohlbemerkt. Einfach alle so anerkennen und annehmen wie sie sind. Mein Motto seit ewigen Zeiten… wer mich kennt, weis das. Und verzeiht mein schlechtes Deutsch, da auch ich ja „Migrantin“ bin.

  12. Danke, Sabine, das werden wir im Auge behalten!

  13. Ach ja, da gäbe noch etwas. Ich kenne einige „Migranten“ (auch ich bin es langsam leid diese Bezeichnung zu hören) die wollen keine Hilfe von uns Einheimischen, Freiwilligen oder Beamten. Sie holen sich die nötige Hilfe in den Geschäften, bei Nachbarn und bei ihnen vertrauten Bezugsstellen. Wir könnten ja versuchen diese Stellen – eben Geschäfte, Ärzte, Friseure etc aufsuchen und mit denen erstmal uns ein Bild von der Situation vor Ort machen. Konzept muss ich mir noch ausdenken. Aber die richtigen Kontakte haben wir ja eigentlich, oder?

  14. […] 2. Willkommenskultur: Vorbereitung auf den “Tag der Migranten” […]

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