„Nicht nur himmelhohes Jauchzen über LdL“

Aus dem Blog von Henric Wietheger

(…) Es brauchte nur einen kleinen Versuch, ein kleines Projekt, um mir dessen klar zu werden. Mein Professor Heinz Wittenrbink hat damals vorgeschlagen, dass wir uns in kleinen Gruppe ausgesuchte Lehrinhalte gegenseitig beibringen und die wichtigsten Ergebnisse in einem Wiki sammeln, um sie jedem zugänglich zu machen. Die Idee in Kurzform: Sammeln, Diskutieren, Entscheiden, Erarbeiten, Präsentieren, Hinterfragen, Ergänzen, Konservieren, Lernen Sammeln, Diskutieren, Entscheiden…
Das Lehrmodell hinter dieser Idee nennt sich “Lernen durch Lehren“. All denjenigen, die sich für die Besonderheiten dieses Lehrmodells interessiert, sei an dieser Stelle der Weblog des “LdL”-Gründervaters Jean-Pol Martin empfohlen. Ich bin jedenfalls von der Idee begeistert, weil eingerostete und standardisierte Lehrprozesse auf den Kopf gestellt werden: Zweiwegkommunikation statt Einwegkommunikation, aktive Lernende statt aktive Lehrende, Nachhaltiges Lernen statt prüfungsorientiertes Pauken.
Versteh mich nicht falsch, ich will hier niemandem das Ammenmärchen von der einen Lehrmethode erzählen, die das Lernen in Zukunft revolutionieren wird. So gab es in der Lehrveranstaltung, wo ich mit meinen Studienkollegen “LdL” ausprobiert habe, sicher nicht nur himmelhohes Jauchzen über die Vorteile dieser Form von Lernen und Lehren. Die einen haben sich beschwert, dass der Professor keinen Bock mehr auf das Unterrichten habe, die anderen haben halbherzig Wikipedia nach den wichtigsten Eckdaten ihrer Themen durchsucht. Es kann aber auch gar nicht darum gehen, dass immer alle alles annehmen und akzeptieren, was ihnen in Schule, Uni oder im Unternehmen als effektive Lernmethode vorgesetzt wird.
Aus “Lernen durch Lehren” habe ich für mich wichtige Grundgedanken des Social Learnings filtern können: Man muss Mut haben, um Lehrinhalte in einer Gruppe zur Diskussion zu stellen und den Lernenden über den Lehrenden zu stellen. Man muss Vertrauen haben, nicht nur in jeden Lernenden der Gruppe, in der man lernt, sondern vor allem auch in sich selbst. Man muss differenziertes Denken und Kritik zulassen, um wirklich kreativ sein zu können und in der Gruppe nachhaltig wissenswertes zu schaffen. Kurz: Man muss den Paradigmenwechsel des Lernens offen gegenüber stehen. (…)