„Weiser Mann“? Etikettierung als Chance!

Immer schon wehren sich Menschen gegen Außenurteile, die sie gerne als „Etikettierung“ zurückweisen. Wird jemand durch die Umwelt als „Charmeur“ bezeichnet, so verbittet er sich sofort solche oberflächliche „Etikettierungen“ und stellt sich als Intellektuellen mit Tiefgang dar. Der Politiker, der als Macher in der Öffentlichkeit auftritt, weist entsprechende Bezeichnungen zurück und erinnert daran, dass er als Student ein Gedichtband veröffentlicht hat. Nun sind solche Urteile Rückmeldungen, die einem ermöglichen, die Wirkung der eigenen Persönlichkeit nach außen wahrzunehmen. Allerdings nicht 1 zu 1. Früher wurde ich als etwas durchgeknallter, überaktiver (und erfolgreicher) Didaktiker beschrieben. Dieses Etikett fand ich in Ordnung und es bot mir eine Blaupause, an der ich für die Kohärenz meines Ichs sorgen konnte. Nach der Pensionierung bemühte ich mich, mein Aktivitätsniveau zu halten und erhielt dafür das gewünschte Etikett: aktiver Senior! In der letzten Zeit werde ich durch andere Forderungen beansprucht und muss meine Rolle neu durchdenken. Und siehe da! Bereits mehrmals tauchte auf mich bezogen der Begriff „weiser Mann“ in meinem Online-Umfeld! Soll ich mich über die Etikettierung beschweren? Mitnichten, die gefällt mir ja sehr gut!

Fazit: Über Etikettierungen sollte man sich nicht beschweren. Erstens soll man froh sein, dass Menschen sich überhaupt mit einem befassen. Zweitens sind Etikettierungen immer Orientierungshilfen, die einem das Feilen an der eigenen Persönlichkeit ermöglichen. Das Rollenangebot „weiser Mann“ gefällt mir gut. Jetzt muss ich in diese Rolle hineinwachsen.