Angenehm, auch im Alter?

Resume Seit drei Jahren bin ich im Ruhestand und diese Situation hat mich vor neue Aufgaben gestellt. Ganz im überaktiven Stil, den ich früher praktizierte, geht es nicht mehr…

1. Veränderung des Außenbildes

Gerne wird in den Medien und in den Ratgebern für Senioren das Bild des erfolgreichen alten Menschen verbreitet, der überall mitmischt und sportlich, politisch und intellektuell auch mit 95 seinen Platz behauptet. Man selbst sieht sich als 68 jähriger genauso und präsentiert sich auch entsprechend nach außen. Wer vorher viel über sich und seine Aktivitäten gesprochen hat, spricht auch im Alter ausführlich darüber. Allerdings übersieht er, dass im Alter neue Themen auftauchen, wie Nachlassen der körperlichen und intellektuellen Kraft, kleine und größere Krankheiten, Verlust von lieben Mitmenschen (Freunden und Verwandten).  Plötzlich interessieren einen gesellschaftspolitische Themen wie demographischer Wandel, Sterbenshilfe, Hospizbewegung, Demenz, Altersheime und Pflege ganz besonders. Dies nicht zuletzte auch deshalb, weil man als 70 Jähriger sich permanent um die noch ältere Generation kümmern muss, die ihre eigenen Interessen (beispielsweise Verdauung) umfangreich ins Spiel bringt. Wenn man nicht aufpasst, transportiert man diese Themen dann selbst weiter bei jeder Gelegenheit, und eine Gelegenheit findet sich fast immer. Ein Ort, in dem ich diese Inhalte legitimerweise anspreche, sind die Philosophie-Workshops die Seniorentreffs und die Grünen Sitzungen. Aber: habe ich früher meiner Frau, meinen Kindern und meinen Freunden über Projekte mit Schülern und Studenten ausführlich berichtet, so besteht die Gefahr, dass meine Gespräche sich jetzt um Rollatoren, Barrierefreiheit, Arthrose und grauen Star drehen. All dies natürlich aus theoretischer Sicht!:-) Es ist durchaus möglich, dass ich mich auf diese Weise aus der Depression rette, der Preis dafür könnte sein, dass alle anderen um mich herum in die Depression hineinschlittern!

2. „Depression“ als Modebegriff

Natürlich ist man angesichts der oben geschilderten Situation beim Übergang in den Ruhestand und beim Hineinrutschen ins Alter nicht mehr so gut drauf wie früher. Sehr schnell taucht dann das Gespenst der „Depression“ auf, ausgelöst von einem selbst oder von Menschen, die einen als permanent happy erlebt haben und nun als  weniger lustig empfinden. Ich bin kein Spezialist, aber ich bin der Überzeugung dass man Situationen, die zeitweise problematsich sind, aus eigener Kraft überwinden kann. Über eine Problemlage nachdenken ist nicht gleich grübeln und grübeln ist nicht gleich seelischer Tief. Besonders verhängnisvoll erscheint mir der Griff zu Psychopharmaka, sei es auch nur Johanniskraut! Die Erfolge, die man im Alltag erzielt, sollte man nicht dem Kraut, sondern ausschließlich sich selbst attribuieren können! Warum so schnell „Depression“ diagnostiziert wird, kann ich nur vermuten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die an der Behandlung von seelischen Krankheiten verdienenden Gruppen solche Diagnosen begrüßen.

3. Maßnahmen

Mit dem Alter kommt man nicht umhin, Veränderungen des eigenen Images im sozialen Kontext zu akzeptieren und entsprechende Maßnahmen zu treffen. Insbesondere sollte man mit großer Selbstdisziplin den eigenen verbalen output prüfen und gegebenenfalls eindämmen, was gleichzeitig zu einer qualitativen Optimierung führen kann. Am meisten wird die Anwendung dieser Techniken dem Lebenspartner zugute kommen!

– Vorwürfe, Kritik, negative Beschreibungen, Verklärung der Vergangenheit und Vedammen der Jetztwelt und Zukunftswelt sollte man absolut vermeiden. Das habe ich bereits in früheren Zeiten getan, mit zunehmendem Alter muss an dieser Regel eisern festgehalten werden. Ist das Umfeld noch bereit, pessimistische Äußerungen von jungen Menschen zu akzeptieren, so reagiert es schnell gereizt, wenn Negatives von Seniorenmund stammt.

– Altersspezifische Themen (Elternpflege, Krankheit und Tod), auch wenn sie mit Distanz behandelt werden, schaffen eine trübe Stimmung. Wenn die Notwendigkeit besteht, die im Alltag auftretenden Probleme aufzuarbeiten, so sollte man dies im Selbstdialog gestalten. Die Umwelt, besonders der Partner, soll unbedingt verschont werden.

– Logischerweise werden die Gesprächsthemen aus den Aktivitäten abgeleitet, die man im Alltag durchführt. Will man für seine Umwelt angenehm sein, so ist es günstig, wenn man sich mit Projekten befasst, die kreativ und für die Gesellschaft zukunftsweisend sind. So redet man automatisch über Inhalte, die spannend und positiv besetzt sind. Redundanzen sollte man vermeiden.  Gerade für den Lebenspartner sind Wiederholungen, auch wenn sie positiv gefärbt sind, auf die Dauer lästig.

FazitWenn man das Ziel verfolgt, auch im Alter angenehm für seine Umwelt zu sein, so sollte man prinzipiell negative Urteile und alterspezifische Themen vermeiden. Das reduziert den Sprechoutput gewaltig, erhöht aber dessen lebensförderliche Qualität.

18 Antworten

  1. Gerade weil ich die Zielsetzung deines Beitrages für sehr wichtig halte, würde ich ein klein wenig anders formulieren.
    Weil einem manches schwerer fällt und nicht selten unerwartet neue Aufgaben auf einen zukommen, sollte man freundlich zu sich selbst sein und sich nicht übel nehmen, wenn man mal eigene Ansprüche nicht erfüllt.
    Vor allem aber sollte man für die neuen Schwierigkeiten nicht anderen die Schuld geben.
    Deshalb sollte man Vorwürfe, Kritik, negative Beschreibungen, Verklärung der Vergangenheit und Vedammen der Jetztwelt und Zukunftswelt vermeiden.Gerade mit zunehmendem Alter wird die Regel immer wichtiger.
    Alternde Menschen dürfen nicht von der Welt fordern, dass sie sich ihnen anpasst; sondern müssen akzeptieren, dass sie das Entscheidende dafür selbst tun müssen. Das darf man Weltverbesserung, man kann es auch Selbstsorge nennen.

    Ich danke für die Erinnerung.

  2. @Apanat
    Vielen Dank für die Formulierungsvorschläge, die – wie ich glaube – die Zielrichtung des Artikels für unsere Leser verdeutlichen wird.

  3. Ich kann Apanat nur zustimmen… Wir sind alt genug um für uns selbst verantwortlich zu sein und müssen es auch. Natürlich sollte man auch Vorsorge für Krankheit und Gebrechlichkeit treffen und trotzdem versuchen, jeden Tag bewußt zu leben und mit Dingen auszufüllen, die uns Freude bereiten. Und seien es nur die Fotos, die wir anderen zusenden, damit sie sich mit uns freuen können.
    Und vor allem müssen wir auch unsere Schwächen akzeptieren und zulassen und uns nicht ständig an anderen orientieren.
    Ein Freund hat mir mal gesagt, wir sind nicht auf der Welt, die Erwartungen anderer zu erfüllen…Nun ja, aber auch wir selbst sollten die eigenen Erwartungen in uns nicht zu hoch ansetzen. Das Leben soll ja Freude machen und nicht in Stress ausarten … (was es zwangsläufig trotzdem immer wieder mal tut, wenn man viele Interessen pflegt…)
    Also – seid gut zu Euch selbst und erkennt Eure eigenen Grenzen!

    Anntheres (die sich natürlich auch an die eigene Nase fassen muss!)

  4. @Anntheres
    „Und vor allem müssen wir auch unsere Schwächen akzeptieren und zulassen und uns nicht ständig an anderen orientieren.
    Ein Freund hat mir mal gesagt, wir sind nicht auf der Welt, die Erwartungen anderer zu erfüllen…“
    Es gibt Menschen, die man gerne aufsucht, andere, die man vermeidet. Ich möchte unbedingt zur ersten Kategorie gehören, weil ich ganz stark abhängig von menschlichen Zuwendungen bin. Und ich denke, ich bin nicht der einzige, der sich das wünscht, sondern es ist im Bauplan der (menschlichen) Natur!
    Will ich also aufgesucht werden, muss ich a) meine Unarten reduzieren und b) meine positiv, dynamischen, interessanten Seiten stärker ausbauen. Und damit tue ich auch mir selbst Gutes, denn auf diese Weise richtet sich meine Aufmerksamkeit auf produktiv fröhliche Elemente des Lebens und nicht – wie gerade verspürt – auf meine Rückenschmerzen!:-))

  5. Vielen Dank für diesen erhellenden Beitrag mitten aus der Lebenspraxis! Ich habe mir erlaubt, das Thema zu „kidnappen“ und Sie auf meinem Blog „Kunst des Alterns“ zu zitieren.

    * Wie man es vermeidet. im Alter allen auf die Nerven zu gehen
    http://www.kunst-des-alterns.de/2011/08/wie-vermeidet-man-im-alter-allen-auf-die-nerven-zu-gehen/

  6. tja, soooo viel Lebensweisheit, danke
    aus meiner Sicht und meinem Erleben nehme ich hauptsächlich zwei Gruppen von Älteren Menschen war:
    1. diejenigen (mich selbst eingeschlossen), die sich um sich Selbst und Andere kümmern (in dieser Reihenfolge!) und aktiv an lebenslangem Lernen und Projekten teilnehmen – zum Teil an AltJung-Projekten – und die dadurch keine oder wenig Zeit finden ‚Krankheiten zu haben‘ oder dauernd darüber zu reden
    durch den dauernden Umgang mit Gleichgesinnten und den nachwachsenden Generationen wächst das Verständnis füreinander und der gegenseitige Respekt
    2. die andere Gruppe, die sich ’nur‘ mit der Guten Alten Zeit, ihren Wehwehchen und der Schlechten Jugend von Heute beschäftigen und über Die Anderen reden

    zu Depression kann ich nix sagen, da ich ein unverbesserlicher Optimist bin und aus jedem Tag versuche Das Beste zu machen

    Manfred, Ulm

  7. @Claudia
    Das freut mich tierisch und Ihren schönen Blog habe ich gleich in meine Leseliste eingefügt.
    @Manfred (anonymus)
    Ich verstehe durchaus deine Beschreibung, allerdings gibt es Zwangssituationen, bei denen man die genannten Themen nicht vermeiden kann: wer 90 jährige Eltern zu pflegen hat, muss eine gute Strategie entwickeln, um sich thematisch nicht anstecken zu lassen!:-))

  8. Lieber Jean-Pol, wie immer hast du natürlich Recht und deine Aussagen sind sehr bodenständig. Dennoch gibt es ein, zwei Dinge die ich hier gern ins Spiel bringen möchte. Kaum jemand ist heutzutage in der Lage anzuerkennen, dass es schon fantastisch ist, überhaupt so alt und gesund werden zu dürfen!! Und diese vielen unendlichen Erlebnisse, Erfahrungen und das Wissen, welches man weitergeben kann!! Ich kann nur eins sagen: wenn ihr Alten (sorry) jetzt auch noch anfangt euch zu entschuldigen, vielleicht auch noch für den Bauchspeck o.ä. (weil in der Gala keines eurer Idole älter aussieht als 50 und nicht schwerer als 60 kg, danke an die Chirurgen…) – äh wo sollen wir dann enden? Wir sollten mal langsam wieder anfangen über Dinge zu resümieren wie z. B. Würde, wer, wenn nicht ihr, kann uns Werte vermitteln, soziales Wissen und Gewissen weitergeben und mit seiner wohlverdienten Arbeitsfreiheit so richtig für uns da sein ob im familiären Umfeld oder im Freundeskreis? Wir alle brauchen Halt und Vorbilder, also bitte geniess es doch eines zu sein und ich helfe dir gern über die Straße!!!!

    und ganz nebenbei: ich fürchte bis wir ca. 40 Jahre alt werden, denken wir über den Tod nicht nach, wir lassen ihn nicht an uns heran, dann plötzlich, wenn wir die ersten Menschen verlieren (meist die Eltern), dann spüren wir das Alter, es kommt die Furcht, die gesunde Ernährung und das Fitnessstuio folgen – aber was bitte bleibt uns wirklich? Nur eines, ein wenig stoisch gegen die Angst vor dem Tod anzugehen und in der Tat jeden Tag so zu leben, das man morgen in Ruhe abtreten könnte, jeden Abend ins Bett zu gehen und zu wissen, man hat gelebt, geliebt, erlebt und dann wäre halt einfach Feierabend.
    Denn ohne Zweifel kann nur der in Frieden gehen, der diesen in seinem Inneren gefunden hat. Liebe das Leben und du kannst den Tod mit weniger Angst erwarten. Wer sich soviel wie du mit Philosophie beschäftigt sollte doch längst an diesem Punkt angekommen sein ?

  9. @Lagondora
    Ich kenne zwar keine Lagondora, aber der Stil lässt mich auf jemanden tippen, mit dem ich relativ viel zu tun hatte, in den beiden letzten Jahren!:-) Bei neuem Duchlesen bin ich mir wieder doch gar nicht so sicher… Wie dem auch sei…
    Und jetzt zu deinem Beitrag:
    „wer, wenn nicht ihr, kann uns Werte vermitteln, soziales Wissen und Gewissen weitergeben und mit seiner wohlverdienten Arbeitsfreiheit so richtig für uns da sein ob im familiären Umfeld oder im Freundeskreis? Wir alle brauchen Halt und Vorbilder, also bitte geniess es doch eines zu sein und ich helfe dir gern über die Straße!!!! “
    – Ich bin genau dabei, in diese Rolle schrittweise hineinzuwachsen (siehe den nachfolgenden Blogeintrag). Und der Schwerpunkt meiner Anstrengungen richtet sich darauf, zu lernen, wie man gelassen Situationen annehmen muss, die nicht zu verändern sind (z.B. Krankheit und/oder Elternpflege und alle damit verbundenen Aktivitäten). Und ein wichtiges Strategieelement besteht darin, die (belastenden) Themen eines Bereiches nicht in andere Bereiche mitzuschleppen. Das ist auch, was du stoisch nennst, oder? Was den Tod angeht, der ist mir absolut Wurscht.

  10. […] Woche hat Jean-Pol Martin, Lernen-durch-Lehrer-”Erfinder” und brillianter Netzwerkler, seine Gedanken zu seinem aktuellen privaten Thema – das Altern – veröffentlicht. Seine Thesen sind nicht nur lesens-, sondern vor allem diskussionswürdig, […]

  11. Mit Dir zu sprechen, zu diskutieren ist einfach angenehm… :-))

  12. @Christian
    Danke Christian, für diese – sehr wichtige – Rückmeldung! Wir sind ja relativ oft zusammen und du gehörst zu den „relevanten anderen“ in meinem Leben!:-))

  13. Hallo und Bonjour Jean-Pol,

    über den Blog ‚Kunst-des-alterns‘ stolperte ich über ihren Artikel. Mit 56 fühle ich mich auch schon älter und befasse mich zunehmend mit meinem Außenbild auf die Mitmenschen, also ob es wohl angenehm mit mir sein kann.
    In jeder Lebensphase sollte man seinen verbalen Output vor dem verlassen der Mundhöhle durchdenken und beschränken. Das trifft nicht nur im Alter zu. Gesprochenes kann kaum zurückgenommen werden und muss daher gut überlegt werden. Allerdings sollte der Intuition und Spontanität auch Raum gegeben werden.
    Ja, die Verklärung der Vergangenheit bemerke ich oft hier auf dem Lande. Früher war angeblich alles besser und ein paar Schläge hätten auch nicht geschadet. Dummes Zeug aus meiner Sicht. Erstens war früher vieles beschwerlicher und zweitens frage ich mich, wie das Leben der geschlagenen Kinder denn ohne Schläge verlaufen wäre.
    Mir fällt auf, dass ich als älterer oft eine negative Sicht der Zukunft denke, die Jugend aber erstaunlich zuversichtlich mit den geänderten Bedingungen umgeht und auf die Zukunft baut. Wahrscheinlich ist eine Ursache, dass meine Vergangenheit mindestens 2/3 des Lebens ausmacht und die Zukunft nur noch den unbekannten Rest. Auch ist es für uns Ältere eher schwierig, sich mit zukunftsweisenden Dingen zu befassen weil wir wissen, dass wir die kommende Zeit und deren Veränderungen wohl gar nicht mehr erleben.
    Ich stimme vollkommen zu, dass man ein Lächeln nur durch eigenes Lächeln bekommt, Aggression allerdings auch durch entsprechendes eigenes Verhalten. Getreu nach dem Motto: Es gibt nichts Gutes außer man tut es.
    Zum Thema Depression: ja, ich denke auch, dass Interessengruppen kräftig an den Modekrankheiten Depression oder Burnout verdienen. Es ist wie mit dem Tinitus: Stille um einen herum lassen den Tinitus erst richtig zur Geltung kommen, fehlende Beschäftigung mit positiven Dingen und übermäßiges Grübeln führen zur Untätigkeit und immer weiter in die Abwärtspirale des negativen Denkens.
    Viele Menschen scheitern aber auch an den Messlatten unserer Wachstumsgesellschaft und haben keine eigenen Ziele. Viele identifizieren sich mit Geld, Macht und Ruhm und dem Streben danach. Meist ein vergebliches Streben und hat man ‚etwas’ erreicht, kommt schon die Angst, es wieder zu verlieren. Bei uns, mich eingeschlossen, fehlt oft Zufriedenheit, die vielfach durch Neid und Gier ersetzt wird.
    Manchmal glaube ich, viele Menschen haben zu viel Zeit, um sich mit ihren Zipperlein ausgiebig zu beschäftigen. Wenn dann noch Gleichgesinnte zusammen kommen, wird bald nur gegenseitiges Bejammern betrieben. Aus diesem Grunde meide ich gerne Wartezinmmer der Ärzte und bin dankbar für Gesundheit, deren Erhalt ich durch Fitness begünstige.
    Ich war und bin noch ein wenig Nörgler und lerne langsam, für andere angenehm zu sein. Das gibt auch mir sehr viel.
    Ich nehme ihren Blog in meine Empfehlungen auf, wenn es recht ist.
    Angenehmst, derkasper.

  14. sehr schöne beiträge, danke !

    nur zwei kleine anmerkungen:

    – auch sich schwach fühlen und das mitteilen (wenn das gegenüber willens und fähig ist sich dem zu widmen) gehört meiner meinung nach ins kompetenzenarsenal. auch das beugt chronifizierter graufärberei vor.

    – die abgrenzung gebenüber der älteren generation zieht sich doch irgendwie durchs ganze leben, nur die inhalte ändern sich, net ?

  15. @derkasper
    „Mit 56 fühle ich mich auch schon älter und befasse mich zunehmend mit meinem Außenbild auf die Mitmenschen, also ob es wohl angenehm mit mir sein kann.“
    – Es nützt wohl wenig, wenn ich Ihnen mitteile, dass Sie mit 56 sehr, sehr jung sind!:-) „Jung“ ist subjektiv. Solange ich als Lehrer permanent mit Jugendlichen zu tun hatte, fühlte ich mich wie ein Gymnasiast. Der Übergang vollzog sich umso rascher, als ich die junge Umgebung verlies.

    „In jeder Lebensphase sollte man seinen verbalen Output vor dem verlassen der Mundhöhle durchdenken und beschränken. Das trifft nicht nur im Alter zu. Gesprochenes kann kaum zurückgenommen werden und muss daher gut überlegt werden. Allerdings sollte der Intuition und Spontanität auch Raum gegeben werden.“
    – Dazu hatte ich eine Extremposition entwickelt: Neuron: http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Jeanpol/Neuron

    „Mir fällt auf, dass ich als älterer oft eine negative Sicht der Zukunft denke, die Jugend aber erstaunlich zuversichtlich mit den geänderten Bedingungen umgeht und auf die Zukunft baut.“
    – Als Lehrer sah ich die Zukunft aus den Augen der Schüler, also zuversichtlich!

    „Ich war und bin noch ein wenig Nörgler und lerne langsam, für andere angenehm zu sein. Das gibt auch mir sehr viel.“
    – ich denke, das ist eine Frage der Selbstdiziplin. Die letzte Zeit unterdrücke ich einfach jede negative Äußerung und Beschreibung, auch über meinen eigenen Zustand. Das habe ich auch früher getan, aber nicht so radikal wie jetzt!:-))

    „Ich nehme ihren Blog in meine Empfehlungen auf, wenn es recht ist.“
    – Das freut mich natürlich, vielen Dank!

    @Jutta Dierberg
    „auch sich schwach fühlen und das mitteilen (wenn das gegenüber willens und fähig ist sich dem zu widmen) gehört meiner meinung nach ins kompetenzenarsenal. auch das beugt chronifizierter graufärberei vor.“
    – Stimmt. Aber wer weiß, wieviel das gegenüber in der lage ist, zu verkraften? Wenn man für sich selbst „null-negativ-output“ als ziel nimmt, wird man trotzdem immer noch ab und zu kleine negative sätze von sich geben!:-))

    „die abgrenzung gebenüber der älteren generation zieht sich doch irgendwie durchs ganze leben, nur die inhalte ändern sich, net ?“
    – Die abgrenzung schon, aber nicht der überdruss. Der kommt erst, wenn die jüngere generation sich durch die last überfordert fühlt.

  16. @Jean-Pol
    #wie viel das gegenüber in der lage ist zu verkraften…
    das kann man leicht erfragen🙂
    kannst du ? willst du ? jetzt ? lang ? kurz ?
    auch die dringlichkeitstufe: nicht so wichtig, kann warten, muss nicht jetzt sein aber im laufe des tages unbedingt !
    und die auftragslage😉 von mir häufig verwendet: ich brauche KEINE ratschläge oder rationalen kommentare, sondern „nur“ ZUHÖREN😉 –
    all dies erweist sich als enorm hilfreich. –

    #abgrenzung gegenüber der älteren generation
    das ist natürlich ein kapitel für sich. eine starke rolle spielt die beziehung, nämlich ob die „kinder“ seit jeher als abladeplatz für unfinished business benutzt oder ihre lage mit berücksichtigt wurden.
    klar, die themen verlagern sich hin zu fragen des körperlichen wohlbefindens, den medizinischen befunden, der verdauung. je älter die jungen werden, um so mehr sind sie selbst davon betroffen und das kann leicht zu überforderung führen. aber der ton des umgangs miteinander ist der springende punkt. ein stopp muss einfach akzeptiert werden, auf beiden seiten. ich glaube es ist auch ein fehler, die (ganz) alten ausnahmslos zu schonen. wahrscheinlich ist es sogar grausam.

  17. @Jutta
    „all dies erweist sich als enorm hilfreich.“
    – Ich denke auch! Trozdem glaube ich, dass die grenzen des partners schnell erreicht sind, und man sich selbst einer recht strengen disziplin unterziehen sollte.
    „ein fehler, die (ganz) alten ausnahmslos zu schonen.“
    – Absolut richtig! Man soll ihnen auch einiges zumuten! Nur so bleiben sie erwachsen!

  18. Das parke ich schon mal hierher:

    New post on Altersfrei

    Nachtcafe: Alt sein – die neue Freiheit
    by Beate Strauss

    Nachtcafe ist schon seit 20 Jahren eine meiner Lieblingstalks im Fernsehen. Nicht die Themen sind außergewöhnlich interessant und unterhaltsam, sondern der Moderations- und Fragestil von Wieland Backes. Gesendet wird jeden Freitag um 22 Uhr im SWR. Sie können sich die Sendung auch in der Mediathek des SWR anschauen.

    Thema letzten Freitag war „Alt sein – die neue Freiheit“: müssen wir Angst vorm Alter haben? Aus dem Berufsleben ausscheiden oder sogar vorzeitig ausgeschieden werden, körperlich verfallen, hilflos sein, von kümmerlicher Rente leben. Gerade jüngere Leute stellen sich das Altsein als freudlos und ohne Perspektive vor.

    Es ist wichtig, im Alter nicht nur Träume zu haben, sondern sich zu entscheiden, sie zu leben, sagte Ursel Bucher (73). Sie lebt ihren Traum „große Reisen mit dem Wohnmobil“ und ist oft Monate überall auf der Welt mit ihrem Mann unterwegs. Sie genießen jeden schönen Tag, denn sie müssen die Reisetermine mit den Therapieterminen von ihm abstimmen – Herr Bucher ist krebskrank.

    Ganz anders Elke Gründler, 63: sie trennte sich von ihrem Mann gerade deshalb, weil er reisen wollte. Sie beendete ihr Berufsleben, löste ihre Ersparnisse auf und verwirklichte einen ganz anderen Traum: sie eröffnete einen exquisiten Schokoladenladen – mit großen Erfolg.

    Gerald Rollet (86) fand den Sinn seines Lebens im gesellschaftlichen und politischem Engagement. Er war nie ein Freizeitmensch (findet Reisen langweilig), sondern will aktiv sein, Ziele erreichen, etwas bewirken wie zum Beispiel jetzt gegen Stuttgart 21. Seine Aktivitäten lenkt er über seinen PC, den Umgang damit hat er erst in den letzten Jahren gelernt, jetzt ist er fit und hat sich selbst neu entdeckt.

    Ein Phänomen ist Charles Eugster (91) aus der Schweiz: er „hat wieder einen Job“ und ist „Fitness-Botschafter“. Im hohen Alter hat er sich neu entdeckt und fing mit 87 Bodybuilding an. Er wollte einen „Waschbrettbauch“, ein Jahr später hatte er seinen „Durchbruch“. Das Potenzial im Alter ist unglaublich, meinte er. Vor der Bodybuilding-Phase hat er auch immer wieder etwas gearbeitet und gewirkt, Pensionierung hat er immer als Arbeitslosigkeit betrachtet. Arbeit ist für ihn ein wichtiger Faktor zur Erhaltung der geistigen und körperlichen Gesundheit.

    Maximilian Schell, 80, Oscar-Preisträger und noch aktiver Schauspieler, hat die Natur entdeckt und lebt viel im vom Großvater geerbten Jagdhaus. Seine Passion ist das Rezitieren klassischer Literatur, Favorit ist Heinrich Heine. Eine ganz junge Frau (32) teilt sein Leben (nicht bekannt, wie sehr). Altersunterschied? „Na und“, sagt er, „man muss immer staunen können, dann ist Alter nicht alles“.

    Hans-Joachim und Gudrun Schütz, beide 72, waren schon mal in ganz jungen Jahren für kurze Zeit ein Paar und haben sich erst vor ein paar Jahen wieder gefunden. Sie genießen ihre „alte“ Liebe, eine starke innere Zuneigung, sie würden innere Werte viel mehr schätzen als in jungen Jahren. Erst im Alter hat man die Freiheit zu Veränderungen.

    „Ein glückliches Alter hängt nicht vom Wohlstand und auch nicht davon ab, wie erfüllt das Leben war, sondern nur von der inneren Einstellung“, darüber waren sich alle einig. Der Bedeutungsverlust in der Öffentlichkeit, dass man nicht mehr so gefragt ist, belastet nicht oder nur kurzfristig, als viel positiver wird die „Leichtigkeit des Seins“ empfunden, der Ballast ist weg, man muss nicht mehr wichtig sein.

    Doch der Mangel an jeglichem Wohlstand lässt sich nur schwer ausgleichen. Hannelore Nehls aus Berlin (Ost) hat 43 Jahre gearbeitet, drei Kinder groß gezogen, und nur 650 Euro Rente, ein bisschen Taschengeld verdient sie sich mit dem Sammeln von Pfandflaschen dazu. Im Großen und Ganzen ist sie schon zufrieden, geht gerne in die Natur, aber ohne Geld macht das Leben einfach nicht so viel Spaß, sagt sie, oft hat sie Geldsorgen oder leidet zum Beispiel darunter, dass sie ihren Enkeln nichts geben kann.

    Schlusswort von Wieland Backes

    Leute, die nicht verstehen alt zu sein, haben nie verstanden, was es heißt, jung zu sein

    Sie können sich die Sendung in der Mediathek des SWR anschauen

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: