Lernen durch Lehren (Bayerisches Fernsehen, 1992)

Aus der Sendung „Medium Wissenschaft“

(Die Tonqualität ist nicht optimal!)

15 Antworten

  1. Auch interessant, so viele Videos! Nur habe ich das flaue Gefühl in der Magengegend, das wird nun der Abschied von LdL – wie bei einem Baum, der zum Ende hin noch einmal ordentlich Blüten treibt? Du hast ja schon häufiger gesagt, du wärst da eigentlich schon nicht mehr am Ball.

  2. Am letzten Freitag habe ich am Goethe-Institut München meinen letzten (?) LdL-Workshop gehalten und gemerkt, wie neu und spannend alles noch für die Teilnehmer war. Es scheint also, dass das LdL-Konzept bereits 1984 ausgereift war und wir seitdem stets mit großem Erfolg die Methode vorstellen, aber dass unsere Arbeit seit 30 Jahren (insbesondere auch die Arbeiten von Hunderten von LdL-Adepten) begraben bleibt. Es sind tonnenweise Aufsätze verfasst, Videos erstellt, Kongresse und Treffen veranstaltet worden, und dennoch überraschen wir mit unseren Techniken die Zuschauer und Teilnehmer von Veranstaltungen immer noch. Vielleicht wird in einem Jahrhundert ein Bildungsforscher alles wieder ans Licht zerren und uns als Pioniere entdecken. Damit die Arbeit der Archeologen erleichtert wird, habe ich zumindest die wichtigsten Videodokumentationen in Youtube hochgeladen und mit meinem Blog verlinkt.

  3. Ich glaube auch nicht, dass LdL tot ist (auch wenn ich den Transfer der LdL-Plattform auf einen neuen Server aufgrund der Komplexität des Problems noch nicht bewerkstelligen konnte – das muss professionell gemacht werden werden, wird 2-4 Arbeitswochen in Anspruch nehmen und wird Geld kosten). In diesem Monat war ich immerhin zu 2 Fortbildungen in Nordrhein-Westfalen eingeladen; einmal bei einem Gymnasium, einmal bei einer Grundschule. Natürlich gibt es immer weniger den Frontalunterricht und immer mehr den schülerzentrierten Unterricht mit vielen interaktiven Elementen. D.h. aber nicht, dass auch die Moderation, geschweige denn Organisation des Unterrichts immer von den Lernern übernommen wird. Gerade der letzte Punkt ist ja etwas vor dem sich manche fürchten. Sie haben die Gefahr vor Auge, dass die Wissensvermittlung leiden könnte, und sehen das “Organisationskompetenz” (oder didaktische Teilkompetenzen) nicht als notwendig zu trainierende Kompetenz im Unterricht. Aber beide Zuhörerschaften waren sehr offen für Impulse.

    Darüber hinaus wurde bei einer Linguistik-Tagung zum Thema “Vermittlung von Kompetenzen in der Experten-Kommunikation” eine Präsentation von LdL sehr positiv aufgenommen. Ein entsprechender Artikel ist nun sogar in einer Fachzeitschrift erschienen (auf englisch, so dass wir nun auch ein internationales Publikum darauf verweisen können). Hier der Eintrag in meinem Blog:
    http://grzega.wordpress.com/2011/06/10/neuer-ldl-artikel/

    Es gibt auch noch für LdL eine Reihe von spannenden Feldern, z.B. Blended Learning an der FH. Hier meine jüngsten Erfahrungen, über die ich im Blog berichte:
    http://grzega.wordpress.com/2011/07/26/ldl-im-schematisierten-blended-learning-an-einer-fh/

    Joachim Grzega

  4. @Oliver
    Zur (Un)Bekanntheit von LdL noch ein kleiner Beleg:

    Meine Frage an einen Studenten, der eine Arbeit über LdL verfasst:

    „Eine Frage: wie kamen Sie auf „Lernen durch Lehren“? Wird das thema bei Ihnen allgemein behandelt und ist es bekannt, oder sind Sie per Zufall darauf gekommen? Ich möchte erfahren, ob LdL nun auch in Seminaren und Hochschulen behandelt wird, oder ob es nach wie vor – wenn überhaupt – nur als Fussnote erwähnt wird…“

    Seine Antwort:

    „Um Sie gleich zu enttäuschen: LdL ist nie erwähnt worden. Aber meine Pädagogik-Dozentin hat mit uns eine Exkursion zur Freien Schule XX gemacht. Dort wird ‚autonomes Lernen‘ praktiziert – einer Lehrmethode, dir der Ihren nicht unähnlich ist. Das hat mich – im Unterschied zu den meisten anderen Mitreferendaren – fasziniert. Auch alle Versuche, meine Eindrücke den Kollegen an der Schule mitzuteilen, scheiterten: Nach einer Minute war jeweils klar, dass sie das nicht interessiert. Ich bin schon entsetzt, wie konservativ insbesondere die jungen Lehrer sind. Zu Ihrer Frage, wie ich auf LdL gekommen bin: Tatsächlich habe ich bei Google einfach ‚lernen durch lehren‘ eingegeben, kann mich aber nicht daran erinnern, jemals irgendwo auf diesen Terminus gestoßen zu sein.
    Herzliche Grüße“

  5. Habe schon von Lehramtsstudierenden gehört, bei denen LdL zumindest erwähnt wurde (Niedersachsen).
    Aus unserer Unibibliothek hatte sich auf jeden Fall schon mal jemand das Weißbuch ausgeliehen – ja, ich gucke da ab und an mal, ob es verfügbar ist🙂
    „Gutta cavat lapidem, non vi, sed saepe cadendo.“ Frei nach dir übersetzt: „Pushen, pushen, pushen!“

  6. :-))) die lateinische version gefällt mir besser als meine!:-))

  7. Damit bin ich mit meinem Latein aber auch schon fast am Ende🙂 Ist hängen geblieben, weil das lautmalerisch sehr schön ausgesprochen werden kann und dann das Tropfen des Steins nachahmt.

  8. danke auch für den poetischen hinweis. Ich muss nachschauen, was „non vi“ bedeutet.

  9. Hier in NRW kommt man an LdL in der Referendarsausbildung nicht vorbei, was mich naturlich unendlich freut und bestätigt. Sowohl im Haupt- vor allem aber in den fremdsprachlichen Fachseminaren ist LdL bei uns fest im Curriculum verankert.

  10. Hey, michael! Herrlich! Also doch so etwas wie ein durchbruch, und Sie waren ein Hauptakteur im ganzen Projekt!

  11. @Grzega
    Vielen Dank für Ihren Eintrag,den ich erst jetzt entdeckt habe. Er hatte sich im Spamfilter verfangen…

  12. @Grzega
    Ziemlich beeindruckend, Ihre Arbeit mit den FH-Studenten und die extrem offene Kommunikation mit ihnen: http://grzega.wordpress.com/2011/07/26/ldl-im-schematisierten-blended-learning-an-einer-fh/

  13. Ich glaube ja, es ist der gefürchtete Macht- bzw. Kontrollverlust von Lehrern der für die Blüte (und Fortpflanzung) von LdL hinderlich ist.

    Aber irgendwie ist es doch auch etwas wie das Bemühen um Gerechtigkeit in der Gesellschaft.
    Wir dürfen nicht aufhören dafür zu kämpfen, oder? In meiner Bachelorarbeit wird es um Medienbildung in der Grundschule gehen – weil es m. E. daran mangelt.
    Es mangelt m. E. daran, weil viele Lehrer sich an das Thema gar nicht heran trauen. Vielleicht kann LdL sogar dabei helfen, denn die Aneignung von Welt geht nur über die Mannigfaltigkeit, die zu einem Ganzen verbunden wird (W.v Humboldt). Die Mannigfaltigkeit im Bereich Medien wird aber von Lehrern eher gefürchtet als genutzt.
    Beim Lernen durch Lehren können doch Lehrer wunderbar lernen!

  14. Ja, ich kann nur zustimmen! Ich jedenfalls, war 30 Jahre lang dank LdL ein sehr glücklicher Lehrer, weil ich die Potenziale der Schüler permanent sehen und mich daran erfreuen konnte!

  15. @Ruth
    Wenn du Herrn von Humboldt heranziehst, solltest du in deiner Arbeit aber vielleicht auch darauf hinweisen, dass er seine Aussagen speziell auf die Universität bzw. die Wissenschaft bezogen hat. Dort sah er eine Lernsituation zum Vorteil für Studenten und auch Professoren – die einen sollten von der Erfahrung profitieren, die anderen vom frischen Geist. Für die Schule hat er das nicht thematisiert und, so meine ich mich zu erinnern, sogar explizit klar zwischen Schule und Uni getrennt.

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