Wozu Philosophiegeschichte?

Aus dem Feuilleton der Süddeutschen Zeitung (Samstag/Sonntag, 7./8. Mai 2011):

Der beste Platoniker – Dem Philosophen Wener Beierwaltes zum 80. Geburtstag. Von Arbogast Schmitt.

(…) Die systematischen Grundprobleme der Philosophie sind keine Neuentdeckungen der Gegenwart; sie werden in ihrer Komplexität überhaupt erst verstehbar, wenn die vielfältigen Aspekte, die zuvor von vielen schon erfasst, bedacht, verworfen oder gebilligt, weiterverfolgt oder aufgegeben worden sind, neu ins Bewusstsein gehoben und bewertet werden.(…)

Wer also die – unbewussten – Grundlagen seines eigenen Denkens aufdecken will, profitiert von einer Durchsicht aller zentralen Themen und Positionen seit dem Beginn philosophischen Reflektierens in hohem Maße. Viele Teilnehmer meiner Kurse wundern sich, wenn sie bei der Lektüre von Platon oder Stuart Mill eigene Gedanken wiederfinden. Die systematische Aufarbeitung der wichtigsten Denkgebilde von der Antike bis zur Gegenwart ist ein Schritt zur Ökonomisierung, denn es erspart dem Einzelnen Irrwege und zeigt ihm, in welcher Denktradition er steht und wo er noch offene Felder selbst weitererforschen kann.