www.ldl.de muss weiterleben!

Hier der jüngste LdL-Kontaktbrief von Joachim Grzega!

 

Jg. 25, LdL-Kontaktbrief Nr. 153

Liebe LdL-Freunde,

die Universität Eichstätt stellt ihre Webseiten derzeit komplett auf ein neues System um, und der Transfer der LdL-Seiten gestaltet sich als äußerst komplex. Eine finanzielle Unterstützung, die ich für diese Aktion bräuchte, ist derzeit noch überhaupt nicht gesichert. In welcher Form es mit der traditionsreichen LdL-Plattform weitergeht – sie war seinerzeit eine der ersten der Uni Eichstätt –, ist also bedauerlicherweise noch völlig offen. Ebenso offen ist daher, wie es mit den Kontaktbriefen weitergeht, die nun in ihr 25. Jahr gehen. Es kann sein, dass die mehrere hundert Abonnenten umfassende Adressenliste überhaupt nicht transferierbar ist und sich bei einer Neueinrichtung jeder auch neu anmelden muss. Ich bitte alle Interessenten, in den nächsten Wochen einfach selbstständig immer wieder mal zu prüfen, inwieweit sich eine Neugestaltung der Seiten ergeben hat.
Ich möchte diesen Kontaktbrief jedoch nicht ohne einige aktuelle Hinweise beenden:

  • Mittlerweile ist der von Christian Spannagel, Lutz Berger und mir herausgegebene Band zur Ludwigsburger LdL-Tagung 2009 endlich veröffentlicht. Informationen dazu hier: http://bildungsreporter.wordpress.com/2011/03/25/lernen-durch-lehren-im-fokus/. (darin auch mehrere Basisartikel von Jean-Pol Martin und mir).
  • Auf der Seite http://www.gedankenstuecke.de/categories/12-Aktuell berichtet ein Deutsch-Lehrer von seinen Erfahrungen mit LdL im Leistungskurs.
  • Ich selbst habe in den vergangenen Wochen zwei Workshops zu LdL gehalten: einmal vor Hochschuldozenten, die aktivierende Methoden für internationale Studierendengruppen kennen lernen wollten, das andere Mal vor einem VHS-Publikum, in dem eine Reihe von Lehrkräften saßen: von den LdL-Grundprinzipien waren die Teilnehmer schnell überzeugt und so erzählten einige rasch ein paar echte “Problemfälle”, für die wir Lösungen im Sinne von LdL – nach meinem Eindruck zufriedenstellend – diskutieren konnten. Das waren auch für mich sehr spannende Veranstaltungen.

Beste Grüße

Joachim Grzega

28.03.2011; Apl. Prof. Dr. Joachim Grzega

Plotin: darauf muss man schon mal kommen!:-)

Resume Beim meinem Streifzug durch die Philosophie bin ich stets auf der Suche nach Handlungsempfehlungen. Die Denker bilanzieren die Ist-Situation und versuchen, einen Weg aus der Misere aufzuzeigen. So auch Plotin.

1. Das Malheur!

Aus: Wilhelm Weischedel: Die Philosophische Hintertreppe. dtv. 38.Aufl. 2009, S.75f.

Den Ausgangspunkt bildet die Tatsache des Verfalls der Seele. Sie, die ursprünglich dem ewigen Bereich angehört, hat am Hinabblicken der Weltseele Anteil. Sie kann sich vermöge ihrer Freiheit in diesen Anblick verlieren, kann sich dem Leibe hingeben und dadurch ihren Ursprung vergessen. Das ist sogar das gewöhnliche alltägliche Dasein des Menschen; er treibt sich im weltlichen Tun herum. Aber auch darin bleibt die Seele, wie allem Weltlichen, die Sehnsucht nach dem Einen, die aus der Erinnerung an ihre Herkunft erwächst. ‚Da die Seele aus Gott stammt, verlangt sie mit Notwendigkeit nach diesem.‘ Dadurch wird sie veranlasst, sich aus ihrer weltlichen Verstrickung zu lösen, ‚das Kleid auszuziehen, das sie beim Abstieg angetan hat‘, und die Rückkehr in ihren Ursprung anzutreten. Sie wendet sich zunächst zu sich selber als ewiger und zu Ende zur Gottheit, zum Einen. Das aber ist eben der Weg des Philosophierens.

2. Und jetzt die Handlungsanweisung

Auch die Rückkehr vollzieht sich, wie die Herabkunft, in vier Stufen. Die erste besteht darin, dass sich der Mensch vom individuellen Daseinsgenuss abwendet und sich den Tugenden des Miteinander, der Tapferkeit, der Gerechtigkeit, der Besonnenheit, der Weisheit zukehrt. Auf der zweiten Stufe kommt es zu einer völligen Abwendung vom Sinnlichen, von allen Leidenschaften und Trieben; hier reinigt sich die Seele, zieht sich auf sich selber zurück und gelangt dadurch auf die Ebene des Übersinnlichen, auf der sie ursprünglich beheimatet ist. Die dritte Stufe bringt den Aufstieg vom bloß Seelischen des Ich zu dessen geistigem Wesen; hier entspringt die theoretische, die philosophische Existenz, die ihre Freude an der Schau der Ideen hat. Die vierte Stufe schließlich besteht darin, dass man alles einzelne, selbst die Ideen, fahren lässt, dass man aus der Welt entrückt wird, dass das Wissen von sich selbst erlischt, dass man ‚in das Unbetretbare der Seele‘ gelangt; hier wird es dann möglich, dass der Mensch und die Gottheit wahrhaft eines werden.

Fazit: Hier erkennt man viel Platon, viel Aristoteles, man entdeckt Vorstufen des Christentums und einiges, was zahlreiche Menschen auch heute noch als Modelle mit sich herumtragen…