Atlantik-Verein Ingolstadt: Wissen als Schlüssel zur Integration.

Resume Vor kurzem wurde ich zum Projektleiter bei den Brückenbauern gewählt. Mein Ansatz ist, dass wir unser Wissen über die „Migranten“vereine systematisch  vertiefen. Gestern war ich zu Besuch bei Atlantik.

1. Atlantik: Hintergrund und Ziele

Atlantik wurde vor 15 Jahren von Bürgern türkischer Abstammung gegründet, die sich innerhalb der deutschen Gesellschaft beruflich gut positioniert haben. Dies war ihnen vorwiegend über einen erfolgreichen Bildungsparcours gelungen. Aufgrund dieser Erfahrung wollten sie nachkommenden Migranten helfen, ebenfalls über den Bildungsweg zu einer geglücktgen Integration zu gelangen. Da die Fokussierung auf Qualifikation für alle politischen Instanzen sofort einleuchtend ist, erhielten sie auch entsprechende Unterstützung, insbesondere von der Stadt Ingolstadt. Der Schwerpunkt der Aktivitäten des Vereins liegt auf der schulischen Betreuung (Nachilfe und Zusatzangebote im kulturellen und sprachlichen Bereich) und auf dem Angebot von sinnvollen Aktivitäten  außerschulischer Natur (Sport, Wokshops, Theater, usw.). Gegenwärtig nehmen für die schulische Unterstützung 80 Schüler, für die Freizeitaktivitäten 160 Jugendliche teil.

2. Aufgabenschwerpunkt

Die meisten türkischen Eltern sind daran gewöhnt, die Ausbildung und gesellschaftlich bezogene Erziehung ihrer Kinder ganz dem Staat zu überlassen. Sie wissen beispielsweise nicht, wie man zu Hause eine förderliche  Lernumgebung gestaltet. Auch die Erfordernisse des deutschen Schulsystems sind ihnen fremd, so dass sie dem hilflos und passiv gegenüber stehen. Ein Schwerpunkt des Atlantik-Vereins liegt darin, die Eltern über all diese Zusammenhänge aufzuklären. Es geht also darum, das Wissen der Eltern über die deutsche Gesellschaft, ihre Sitten und ihre relevanten Institutionen so aufzubauen, dass sie Partizipationsfähigkeit erwerben. Der Atlantik-Verein konzentriert sich ganz auf diesen Wissens- und Bildungs-Aspekt und vermeidet wohlweislich jede Stellungnahme politischer oder religiöser Natur. Fokus auf Wissen!

3. Meine Position

Ansgesichts der von diesem Verein auf sich genommenen Anstrengungen, wäre es sinnvoll, auch von der deutschen Seite aktiv auf die Migranten zuzugehen, indem

a) unser Wissen über die Migranten, ihre Kultur und ihre Probleme systematisch ausgebaut wird,

b) das Wissen und die Erfahrung der Migranten systematisch eingeholt wird, indem man sie aktiv bittet, kommunale Verantwortungen (z.B. Bezirksausschüsse, Stadtrat) zu übernehmen. Das nenne ich Ressourcenorientierung (wir brauchen doch die Leute!) und Einlösen der so oft beschworenen „Augenhöhe“. Das hätte den Vorteil, dass wir gemeinsam unsere Zukunft planen und zwar an konkreten Projekten auf kommunaler Ebene.

Fazit Wir brauchen die Migranten, ihr Wissen, ihre Erfahrungen und wollen sie bei der Planung unserer gemeinsamen Zukunft als Akteure dabei haben.

8 Antworten

  1. Hallo Jean-Pol Martin, schön, dass in Medien auch positives über Migranten berichtet wird. Positive Meldungen sind zwar wenig populistisch aber sie fördern den Dialog und steigern die gegenseitige Toleranz. Es wir der Aufnahmegesellschaft leider nicht leicht gemacht das positive zu sehen. Die gemeinnützige Arbeit von Migrantenorganisationen einhergehend mit einer neutralen Berichterstattung sind aus Sicht des friedlichen Zusammenlebens selten aber wichtig. Dank dafür.

  2. @Önder
    Ich nehme das anders wahr: über Migranten höre und lese ich (zumindest in meinem Umfeld) nur Positives!

  3. Sehr geehrter Herr Dr. Martin,

    wie bewerten Sie die Verbindung zwischen dem sog. „Integrationsverein Atlantik“ und der nationalistisch-islamischen Gülen-Sekte um Fethullah Gülen?
    In den Medien sowie der islam- und politikwissenschaftlichen Literatur wird vor der sog. „Gülen-Bewegung“ gewarnt, da diese eine politisch-religöse Sekte mit Konzernstruktur nach dem Vorbild von Scientology ist.
    Aufgrund allgemeinem Interesse wäre eine Stellungnahme hier besonders wichtig.

  4. @Marco Mein Artikel ist auf der Grundlage eines Interviews mit Vertretern von Atlantik entstanden. Ich hatte keinen Anlass, deren Beschreibung in Abrede zu stellen oder weitere Recherchen anzustellen, denn ich bin kein Journalist und möchte vor allem Aktivitäten von Migranten publik machen. Das Gespräch fand vor zwei Jahren statt und seitdem habe ich keine Kontakte mehr zu Atlantik. Falls in dem Artikel nachweisliche Fehler enthalten sind, bitte ich um Korrektur. Ansonsten bin ich nicht in der Lage, eine Stellungnahme abzugeben. Es ist auch nicht meine Aufgabe. Ich bedanke mich für Ihren Hinweis, den ich nicht bewerten kann.

  5. Hier ein Aufklärungsvideo über die Gülen-Bewegung. Cem Özdemir soll dieser Bewegung auch nahe stehen und diese untersützen. Das Ganze hat an der Oberfläche gute Absichten, aber insgesamt Sektencharakter. Traurig, dass die CSU/CDU nicht nur auf lokaler Ebene in Ingolstadt so naiv ist, das nicht zu erkennen, dass diese Menschen eine Parallelwelt aufbauen. Das solche Schulen genehmigt werden, wo Kinder mit Migrationshintergrund unter sich bleiben, ebenso die Nachhilfeeinrichtungen. Wie wieviele bayerischen Kinder und andere Kinder ohne Mgh. sind denn im Atlantikverein? Das Ganze ist doch eher desintegrativ. Auch die Zeitung Zaman ist ein Presseorgan dieser Bewegung und eindeutig reaktonär und alles andere als fortschrittlich: http://www.ardmediathek.de/wdr-fernsehen/die-story/der-lange-arm-des-imam-das-netzwerk-des-fethullah-guelen?documentId=14130062

  6. @Johannes Nolte
    Wie ich bereits in meinem obigen Kommentar mitteilte, konnte ich mich nicht näher mit dem Thema befassen. Ich habe Verantwortliche von Atlantik interviewt und die Ergebniss in meinem Blog veröffentlicht. Ich stelle die Plausibilität Ihrer Aussagen nicht in Frage, kann mich aber aufgrund meines Informationsstandes nicht dazu äußern. Am besten belassen wir es so, wie der Stand gerade ist, also Artikel plus den Kommentar von @Marco und von Ihnen. Sollten weitere Kommentare hier eingespeitst werden, so werde ich es vorziehen, den ganzen Artikel zu löschen, damit keine unkontrollierte Diskussion hier entsteht.

  7. Sehr geehrter Herr Dr Martin,

    in den letzten Wochen hat sich in Ingolstadt einiges im Hinblick auf die Gülen-Bewegung und die Verknüpfung mit Atlantik getan. Im Rahmen von zwei öffentlichen Veranstaltungen (Dr. Joachim Thies in der VHS sowie Dr. Freidmann Eißler im Alevitischen Kulturzentrum) traten Vetreter von Atlantik als Fürsprecher der Gülen-Bewegung auf und stellten Atlantik als Teil der Gülen Bewegung dar.

    Da die Diskussion um Gülen großtenteils polarisiert und wenig objektiv stattfindet, interessiert mich insbesondere Ihre Meinung als objektiver Akademier. Wie beurteilen Sie die Verbindung zwischen Atlantik und Gülen-Bewegung

    Vielen Dank für Ihre Mühe!

    Marco Kaufmann

    PS: Mein Ziel ist es nicht, die Diskussion anzuheitzen oder die von Ihnen angekündigte Löschung herbeizuführen. Mich interessiert Ihre fachliche Meinung. Bevor Sie eine allgemeine Löschung in Erwägung ziehen, bitte ich nur um Löschung meines letzten Beitrages oder um eine Antwort per Email.

  8. @Marco Kaufmann
    Vielen Dank für Ihren Beitrag. Wie bereits mehrfach betont, habe ich mich schon sehr lange nicht mehr mit diesem Thema befasst und bin absolut nicht in der Lage, eine vernünftige Einschätzung zu liefern. Es wäre alles nur spontane „Meinung“ und nichts Fundiertes. Ansonsten ist Ihr Beitrag absolut sachlich und ich sehe keinen Anlass, ihn zu löschen. Mit freundlichen Grüßen.

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