LdL: umfangreicher Bericht eines ehemaligen Schülers.

Diesen Kommentar zu einem vorangehenden Blogbeitrag speise ich hier ein, damit ich bei Bedarf  leichter auf ihn zurückgreifen kann.

Andreas Wurtinger, on 6. Dezember 2010 at 18:20 said:

Ich erachte LDL ebenfalls nicht als ein Werkzeug, das nur punktuell eingesetzt werden sollte. Die konsequente LDL-Anwendung im Französischunterricht von Herr Martin während meiner Schulzeit, hat mir persönlich bedeutende Vorteile eingebracht, die alle anderen Fächer mit ihren meistens überwiegend frontalen Unterrichtsformen zusammen nicht bewerkstelligen konnten.
In diesem Zusammenhang befürworte ich sogar den Einsatz von LDL in Fächern wie Mathematik und Physik, die in der Regel von Kritikern aus der Machbarkeitsspanne herausgenommen werden. Meine Meinung dazu, Schüler haben deutlich mehr Gespür für die Verständnisprobleme ihrer Kameraden in naturwissenschaftlichen Fächern als der Lehrer. Ein von Schüler für Schüler gestalter Unterricht, mit dem Lehrer als Moderator, scheint mir erfolgsversprechend. Jedenfalls würde ein Versuch nicht schaden.  Mut zum Risiko.

Die Passivität im Frontalunterricht tötet meiner Erfahrung nach Partizipation, Selbstbildung und Interessensausbildung sowie Persönlichkeitsentwicklung ab. Mein Abitur is noch gar nicht solange her, circa 2-3 Jahre,ich weiß also noch von was ich spreche.

Durch LDL kann Wissen konstruieren Spaß machen, man lernt Themen zu strukturieren, ansprechend zu gestalten und unwichtige Sachen wegzulassen, baut Kompetenzen in den Bereichen Kommunikation und Pädagogik auf und der Geist wird aktiviert, da er kein absorbierender mehr ist, sondern ein absorbierender, verarbeitender, weiterentwickelnder und austeilender. Ich kann bestätigen, dass LDL sich mit all seinen Vorzügen positiv auf das weitere Leben auswirkt. Mich hat dieser Unterricht aktiviert, außerhalb der Schule aktiv zu werden, Projekte umzusetzen und innovative Ziele zu verfolgen, da ich das nötige Selbstvertrauen, die Kompetenzen und Anreize, gerade durch die teilweise selbstgewählten Unterrichtsthemen, erfahren habe. Genauso hab ich gelernt mit Kritik umzugehen und selber das Leben kritisch zu beobachten, Menschen besser einschätzen zu können, z.B. durch das Martinische Menschenbild. Ein Thema aus dem Martinischen Unterricht (Darfurkonflikt) hat letztlich dazu geführt, dass ich mit Mitschülern ein soziales Projekt dafür gestartet habe. Natürlich hab ich hier LDL in Bestform erlebt, aber auch unter anderen Lehrern wird die integrative Unterrichtserfahrung die Schüler weiterentwicklen und ihre Potenziale wecken können. Vielleicht haben andere sogar noch mehr quantitativen Erfolg, da Herr Martin durch seine extrovertierte Persönlichkeit immer stark polarisierte und dadurch einige Schüler sich nicht nur zu ihm, sondern auch zur Methode distanzierten. Für die anderen war es vor allem eine enorme qualitative Ressource und eine Art intellektuelle Auferweckung (Förderung und Forderung) nach Jahren voller Müdigkeit und Langeweile.

6 Antworten

  1. Aus der LdL-Mailingliste ein Posting von Erich Hammer:

    Liebe Teilnehmer der ldl-Liste,
    natürlich geht ldl in Mathematik und anderen naturwissenschaftlichen Fächern. Meine Videos in youtube sind ja der Beweis.

    Selbstverständlich polarisiert man mit innovativen Unterrichtsmethoden und es waren bei mir auch nicht alle von ldl so begeistert wie diejenige Schülerin, deren mail vom letzten Jahr ich hier veröffentlichen möchte:

    „Hallo Herr Hammer,
    ich hoffe, es geht Ihnen gut und Sie haben Ihre Krankheit gut überstanden. Wie Sie natürlich wissen, ist für mich die Schulzeit nun leider wirklich endgültig vorbei und bereits seit vergangenem Dienstag hat für mich das Studium an der DH begonnen.
    Da Sie aufgrund der Krankheit leider nicht zur Abschlussfeier kommen konnten, möchte ich mich nun jedoch auf diesem Weg bei Ihnen für den Mathematikunterricht, den ich zwei Jahre lang wirklich genießen durfte, bedanken.
    Ich war während meines früheren Schullebens nie groß für das Fach Mathematik zu begeistern. Jedoch wurde durch ihre Lehrmethoden mein Interesse an Mathe geweckt. Durch die angewandte Unterrichtsform habe ich dann auch endlich Zusammenhänge, die mir früher unklar waren, verstanden und begriffen. LDL ist in meinen Augen jedoch nur wirklich effektiv, wenn auch die Lehrkraft das gewisse Fingerspitzengefühl mitbringt, um diese Art des Lernens den Schülern richtig zu vermitteln. Durch ihre ruhige, verständnisvolle und humorvolle Art war Mathematikunterricht bei ihnen definitive kein „Muss“ mehr gewesen, um einen gewissen Stoffumfang bis zum Abitur erarbeitet zu haben. Vielmehr hat es jedes Mal aufs Neue sehr viel Spaß gemacht, die Aufgaben gemeinsam mit der Klasse zu erarbeiten.
    Ich möchte mich auf jeden Fall ganz, ganz herzlich bei Ihnen für den tollen Unterricht bedanken. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich hätte nicht die Leistungen erzielen können, wenn wir nicht Sie während der BOS Zeit im Fach Mathe gehabt hätten.
    Noch einmal ganz, ganz großes Lob an ihre Lehrmethode und ihre Fähigkeit als Lehrer.
    Viele Grüße

    Es ist nicht mein Besteben mich mit dieser Veröffentlichung in irgendeiner Form zu beweihräuchern (ich bin inzwischen aus gesundheitlichen Gründen im Ruhestand), sondern ich möchte ganz einfach allen, die sich bisher noch nicht trauten ldl KONSEQUENT einzusetzen, Mut machen es zu versuchen. Es lohnt sich für Schüler und Lehrer.

    Eine schöne Zeit wünscht
    Erich Hammer

  2. LdL richtig zu verstehen und konsequent dranzubleiben ist meins Erachtes unabdingbar, anderfalls verkommt das Lernen durch Lehren zu einem „Lernen durch Leiden“, wie mir kürzlich ein Freund aus seinem Alltag in der Berufschule erzählt hat. Gerade die von jpm an anderer Stelle angesprochene Automatisierung einer partizipativen Haltung ist in den Köpfen vieler Lehrender noch nicht präsent. Wie gesagt, es braucht schon ein gewisses Fingerspitzengefühl – Netzsensibilität eben😉

  3. Insofern gehen alle Beteiligten (also Lehrer und Schüler) ein relativ hohes Risiko ein?

  4. […] philosophie, Wissensgesellschaft, Wissenskonstruktion Mit Tag(s) versehen: | LdL « LdL: umfangreicher Bericht eines ehemaligen Schülers. LikeSei der Erste dem dieser Beitrag […]

  5. LdL muss meiner nach konsequent eingesetzt werden, damit es seine volle Wirkung entfalten kann. Was andere Lehrer als LdL bezeichnen und nur punktuell einsetzen, ist höchstwahrscheinlich nicht das LdL, von dem wir hier reden.
    Ich denke aber, dass nicht jeder Lehrer dazu geeignet ist, diese Art von Unterricht erfolgreich abzuhalten. Es bedarf einer besonderen Persönlichkeit, die es neben vielen anderen notwendigen Voraussetzungen schaffen muss, die sogenannte Netzsensiblität aufzubringen.

  6. Bin gerade beim Schreiben einer Seminararbeit auf einen Satz gestoßen, der hier, so finde ich, sehr gut dazu passt:
    „Wer immer noch meint, seine Berufsbezeichnung Lehrer drücke das wesentliche Merkmal seiner Tätigkeit aus, hat sicher Schwierigkeiten, lernen und lehren zu lassen.“ (Rudolf Krüger aus dem Buch Projekt Lernen durch Lehren

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