Verantwortung.

Resume Seit meinen Internetanfängen hat sich die Lage verändert. Es ist nicht mehr ein Tummelplatz für Freaks sondern ein ernsthafter Begegnungsort, an dem man verantwortungsvoll mit Daten, vor allem mit den Daten anderer umgehen muss.

1. Ausgangspunkt

Als Didaktiker und  Aktionsforscher bestand mein Ansatz darin, dass ich in meinem Arbeitsfeld Schule, Universität und Fortbildung Neues erdachte und testete. Diese „Experimente“ konnten optimierende Wirkungen erzielen, sie waren aber immer kleine Grenzüberschreitungen, die Turbulenzen im Feld erzeugten. So beispielsweise, als ich in der Vormittags-Vorstellung vom „Rhinoceros“ (Ionesco)  im Ingolstädter Theater meine Schüler dazu angestiftet hatte, am Ende der Aufführung aufzustehen und sich lautstark mit der Hauptperson auf der Bühne zu solidarisieren. Das war zwar inhaltlich gerechtfertigt (absurdes Theater), aber es war ganz einfach eine Störung und wurde auch als solche aufgenommen. Als das Internet aufkam war es ein ideales Feld für Experimente mit entsprechenden kleinen und größeren Grenzüberschreitungen und Perturbationen. Ich habe sogar dazu eine Handlungsempfehlung verfasst: Neuronenmetapher. Der Grundgedanke war, dass man sehr offen mit seinen Daten umgehen soll, denn je mehr ich gebe, desto mehr bekomme ich auch zurück. Ganz falsch ist das nicht, aber die Situation hat sich im Laufe der Jahre verändert.

2. Die neue Situation

Was mich persönlich angeht, so möchte ich nach wie vor die Potentiale des Netzes ausschöpfen, insbesondere im Sinne einer Vernetzung zwischen diversen Personen und Gruppen. Menschen sollen zusammenkommen und ihr Wissen der Gemeinschaft zur Verfügung stellen, und darüber hinaus auch Wissen gemeinsam konstruieren. Sie sollen in ihren Kommunen aktiv partizipieren, Einfluss nehmen. Ich sehe deutlich die Verpflichtung für mich, verantwortungsvoll mit Informationen und Daten umzugehen in einem Feld, das inzwischen alles andere als harmlos ist. Wenn meine Partner und Partnerinnen nicht sicher sein können, dass ich das tue, dann werden sie sich mit Informationen zurückhalten.

Fazit Man lernt nie aus! Vor allem in einer Zeit völligen Umschwungs (Paradigmenwechsel).

8 Antworten

  1. Lieber Jean-Pol,
    bedeutet das, dass sich Grenzüberschreitungen und verantwortungsvoller Umgang mit Information gegenseitig ausschließen? Oder handelt es sich eher um eine Schwerpunktverlagerung Deines Wirkens?

    Falls ersteres der Fall, würde ich Deine gelegentlichen Grenzüberschreitungen schmerzlich vermissen!

    Und überhaupt einen Guten Morgen wünscht

    die M

  2. @mons7
    Es ist selten, dass Grenzüberschreitungen nicht andere auch in Mitleidenschaft ziehen. Im Uni- oder Educampbereich ist das nicht so schlimm, weil alles ohnehin nur ein Spiel ist, aber in der realen Welt (z.B. Vereinen, Kommunalpolitik) geht es oft um existentielle Fragen. Es ist kein Spiel mehr!

  3. Es ist wirklich eine spannende Zeit… und es wird noch eine ganze Weile dauern, bis es hier (im Internet) allgemeingültige Regeln (ich meine nicht Gesetze sondern ehe Knigge) gibt, die jedem bekannt sind.
    Ich versuche meinerseits Menschen Anregungen zu geben und auf Gefahren hinzuweisen – um die Scheu vor dem Unbekannten, Gefährlichen etwas in realistischere Bahnen zu lenken… hier vielleicht ein kleiner Grund, warum man im Internet ein wenig mehr Achtsamkeit walten lassen sollte: http://www.harald-schirmer.de/hilfreich/internet_gedaechtnis.html

  4. Vielen Dank, Harald für die sehr nützlichen Tipps.
    Im Augenblick muss ich mich vor allem darauf konzentrieren, andere nicht in Mitleidenschaft zu ziehen durch zu sorglosen Umgang mit Daten generell…

  5. Ich habe dir schon oft Mails geschrieben. Du hast das als Signal gedeutet, mit den Inhalten nicht öffentlich umzugehen – ich habe daher keine Sorge, dass du auf diesem Feld nicht in der Lage bist, Grenzen zu erkennen.

    Der Kanal entscheidet also. Es ist etwas anderes zu telefonieren oder Daten Tausenden von Menschen zugänglich zu machen. Was ich im Netz öffentlich abkippe, dazu muss ich stehen können und ich muss mir das vorher überlegen. Das gilt für Blogeinträge, Kommentare, Tweets usw.. Die Produkte Dritter gehören mir dabei nicht.

    Ich darf den Eltern das Facebookprofil der Tochter auf dem Elternsprechtag zeigen – klingt hart. Das ist aber bewusst öffentlich.
    Ich würde ihnen niemals E-Mails oder Produkte aus den Klassenblogs ohne Einwilligung der betroffenen Person zeigen, weil der Kanal ein vertraulicher ist.

    Das Netz hat ein Gedächtnis. Dieses Gedächtnis nicht bewusst mit Informationen über mich zu versorgen, ist fahrlässig. Es tun sonst andere für mich und das meist unreflektiert und technisch-dilletantisch.

    Man stelle sich vor, meine Spickmich-Bewertung und einige Foreneinträge wären das einzige in diesem Gedächtnis gespeicherte Engramm.

    Gruß,

    Maik

  6. @Maik
    In meinem Fall geht es darum, dass ich sehr viel twittere, blogge und sonst produziere und das noch dazu sehr schnell (nach meinem neuronenmotto). Eine private Mail würde ich nie veröffentlichen, weil der vorgang für mich sofort sichtbar nicht in Ordnung ist. Aber beim twittern liefert man informationen nebenbei, die man besser für sich behalten sollte. Insofern muss – zumindest bei mir – die noch nicht ausreichende sensibilität geschärft werden. Ich denke, das ist nicht nur mein problem, sondern ein allgemeines. Leider muss ich immer wieder eine auf die „Rübe“ bekommen, damit ich mein verhalten justiere!

  7. @jeanpol, Harald Schirmer
    „damit ich mein Verhalten justiere“
    keine einfache Sache! Da ich die Zufunft nicht kenne (z.B. werde ich in 10 Jahren ein Jobsuchende?), kann ich heute nicht herausfinden, welche Daten ich lieber nicht öffentlichen sollte (z.B. Sachen, die ein Jobanbietender nicht wissen sollte). Theroretisch sollte ich alle mögliche zukünftige Szenarien ausdenken, und davon ableiten, welche Information ich nicht verbreiten sollte. (z.B. ein Lehrer, der wahrscheinlich nie einen neuen Arbeitsgeber suchen wird, wird sich über Jobanbietende keine Gedanken machen). Alle mögliche zukünftige Szenarien auszudenken, klingt aber nicht sehr realistisch. Es irgendwie intuitiv zu machen, klingt nicht sehr konzequent. Wer hat eine bessere Lösung?

  8. @Lanig
    Daher konzentriere ich mich vorerst darauf, keine sensiblen Infos über Dritte bekanntzugeben. Bezüglich Infos über mich muss ich nicht übervorsichtig sein!

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