Weihnachtsfeier im Gehörlosenverein. Hat Freude gemacht!

Ja, es war sehr freundlich und schön bei den Gehörlosen. Ich habe viel mit meinen Nachbarn (die nicht gehörlos waren) gesprochen und mir ist einiges klar geworden:

Die Schwierigkeiten, mit denen Gehörlose zu kämpfen haben, sind größer als wir alle denken!

1. Da wir ihre Hörschädigung nicht sehen, reagieren wir irritiert, wenn wir sie beispielsweise auf der Straße ansprechen und eine Reaktion erhalten, die wir nicht einordnen können. Ihnen schlägt also oft Misstrauen entgegen.

2. Da sie über die Gebärdensprache mit anderen mentalen Konzepten groß werden, fällt ihnen das Schreiben und Lesen sehr schwer! Wer von uns weiß das schon?

3. Obwohl sie kaum verstehen, was wir sagen, trauen sie sich nicht nachzufragen und tun oft so, als wenn sie verstanden hätten. Daraus entstehen viele Missverständnisse. Daher bleiben sie oft unter sich und gehen mit ihren Anliegen selten an die Öffentlichkeit.

Was kann man tun?

1. Aufklärung tut Not! Ich stelle mir vor, dass man in der Schule schon recht früh eine Unterrichtsequenz anbieten sollte, wo man die Probleme von Gehörlosen schildert. So wüden wir sie viel besser verstehen und unsere Kommunikation auf gegenseitiges Vetrauen aufbauen können.

2. Wenn wir für die Probleme sensibilisiert sind, wächst die Bereitschaft, Förderprogramme und den Bau von entsprechenden Räumlichkeiten zu bewilligen. Dies umso mehr als die von der Gesellschaft aufzubringende Anstrengung relativ bescheiden, der positive Effekt aber enorm wäre.

Wozu denn?

Weil gerade Gehörlose wertvolle Beiträge im Rahmen der Gesellschaft liefern und spezifische Kompetenzen und Eigenschaften aufgebaut haben, die uns sehr gut tun, wie großes Geschick und besondere Zuverlässigkeit. Mit einem relativ geringen Aufwand ist es möglich, die volle Integration zu erreichen durch Verbesserung der Kommunikation. Es wäre schade, wenn man diese Chance nicht erkennen würde!

Glück im Alter? Bürgerschaftliches Engagement!

Aus dem Seniorenforum Würzburg: „Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement“.

(…) Ein anderer, mit insgesamt 42% ebenfalls recht hoch bewerteter Glücksfaktor liegt darin, sich an Erfolg und Leistung erfreuen zu können. Anders als man meinen könnte, erscheint dies nur 36 % der Vollzeit-Erwerbstätigen besonders wichtig, aber 51% der Rentner und Pensionäre (Bertelsmann Stiftung, 2008). Häufig heißt es, die Suche nach dem Spaßfaktor sei ein auch bei Älteren immer entscheidenderer Beweggrund, sich zu engagieren. Wir wissen, dass es vor allem auch um das Bedürfnis geht, sich daran zu erfreuen, etwas Sinnvolles zum eigenen Nutzen und zum Nutzen anderer zu tun. Vielleicht wird manchmal die Suche nach Spaß mit der Suche nach jenem Glücksfaktor verwechselt, der in der Freude an Erfolg und Leistung liegt. Erfolg und Leistung brauchen jedoch ein entsprechendes Tätigkeitsfeld. Nach dem Ende des Erwerbslebens und wenn die familialen Pflichten in den Hintergrund treten, ist dies für viele der Bereich des Bürgerschaftlichen Engagements. (…)

Thailänder extrem offen und freundlich. Ob ich idealisiere?

Heute war ich – wie angekündigt – auf dem Fest des Ingolstädter Thailändisch-Deutsche Familienverein zum Geburtstag von König Bhumibol. Wieder war ich entzückt von der Offenheit und Freundlichkeit der Vereinsvorsitzenden und der dort anwesenden Personen. Ich traf auch auf einen Deutschen, der begeistert von der in Thailand verbreiteten Freundlichkeit berichtete.  Er versicherte mir, man können sich das nicht vorstellen, wenn dort nicht gewesen sei. Er würde bei jeder Gelegenheit nach Thailand fliegen und eines Tages auch dort bleiben. Ähnliches habe ich auch immer wieder von anderen Personen gehört.

Aufgrund meines universalistischen Menschenbildes stellt sich für mich die Frage, ob Menschen wirklich so unterschiedlich sein können, nur weil sie verschiedenen Kulturen und geographischen Regionen angehören. Dass das Sein das Bewusstsein bestimmt ist mir klar, aber derartig grundlegend, dass – wie es scheint – ein ganzes Land den Besuchern wie das Paradies erscheint? Klar: die Personen mit denen ich heute auf dem Fest sprach, waren engelhaft.

Ich erreichte auch, was ich wollte, nämlich Kontaktpersonen zu finden, die bereit sind, über ihre Kultur in meinen VHS-Philosophie-Kursen oder in anderen von mir mitbetreuten Gruppen  zu sprechen. Ich bin nämlich der Meinung, ob sie Engel sind oder vielleicht doch nicht, von den Thailändern können wir viel lernen!

Und Christos Ioannidis sagt zu LdL:

Christos Ioannidis, on 7. Dezember 2010 at 15:10 said:

Hallo!

Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, und möchte nun als ehemaliger Mitschüler von Andreas W. auch einen Kommentar loswerden.
Letztens in der Uni behandelten wir einen Text, der hier irgendwie ganz gut zu passen scheint. Er ist von Nietzsche und ist ein Kommentar zur Zukunft der Wissenschaft. Er beginnt wie folgt: “ Die Wissenschaft gibt dem, welcher in ihr arbeitet und sucht, viel Vergnügen, Dem welcher ihre Ergebnisse lernt, sehr wenig.“
Meiner Meinung nach trifft das voll auf den Unterricht zu. Sobald man als Schüler (aber auch als Student, oder in jeder Lern-/Lehrsituation) in den Prozess der Wissensvermittlung involviert ist, und die Möglichkeit hat ihn vollkommen zu durchdringen und mitzugestalten, findet schnell eine Identifikation mit der Sache statt. Man bewegt sich scheinbar als Forscher auf dem Stoff des Unterrichts und ist frei, alles dazu beizutragen was man selbst herausgefunden hat. Die Motivation steigt, und somit die Qualität des Unterrichts.

Aber LDL fördert auch die Charakterbildung, und das ist für mich der größte Vorteil dieses Konzept.
Für mich ist es die logische Entwicklung der Schule in diese Richtung, da wir ja in einer Demokratie leben, und in einer „Herrschaft des Volkes“ ist es wichtig dass der Bürger selbst Initiative ergreift!

Das trifft für sehr viele Bereiche des Lebens zu, nicht nur für das der Politik (wikileaks). Sondern es ist auch wichtig was die Verbesserung der Situation der Menschheit (das klingt sehr übertrieben, aber deswegen ist LiveforLife entstanden), des freien Zugangs von Wissen (wikipedia), freies zur Verfügung stellen von Software (Open Source Projekte wie Linux) und vieles mehr angeht.

Junge Menschen wachsen heute mit einer unendlichen Quelle an Informationen und Entscheidungsmöglichkeiten auf, und es stellt sich schnell das Gefühl ein, dass man selbst nichts verändern kann. Das ist jedoch nicht wahr wenn man sich obige Beispiele ansieht.
Außerdem muss man lernen mit diesem (meist) unübersichtlichem Medium umzugehen und die wichtigen Informationen „herauszufiltern“.

Ich hoffe das mein Kommentar hilfreich war und sich viele mit LDL näher beschäftigen möchten ;)

Christos Ioannidis

LdL: umfangreicher Bericht eines ehemaligen Schülers.

Diesen Kommentar zu einem vorangehenden Blogbeitrag speise ich hier ein, damit ich bei Bedarf  leichter auf ihn zurückgreifen kann.

Andreas Wurtinger, on 6. Dezember 2010 at 18:20 said:

Ich erachte LDL ebenfalls nicht als ein Werkzeug, das nur punktuell eingesetzt werden sollte. Die konsequente LDL-Anwendung im Französischunterricht von Herr Martin während meiner Schulzeit, hat mir persönlich bedeutende Vorteile eingebracht, die alle anderen Fächer mit ihren meistens überwiegend frontalen Unterrichtsformen zusammen nicht bewerkstelligen konnten.
In diesem Zusammenhang befürworte ich sogar den Einsatz von LDL in Fächern wie Mathematik und Physik, die in der Regel von Kritikern aus der Machbarkeitsspanne herausgenommen werden. Meine Meinung dazu, Schüler haben deutlich mehr Gespür für die Verständnisprobleme ihrer Kameraden in naturwissenschaftlichen Fächern als der Lehrer. Ein von Schüler für Schüler gestalter Unterricht, mit dem Lehrer als Moderator, scheint mir erfolgsversprechend. Jedenfalls würde ein Versuch nicht schaden.  Mut zum Risiko.

Die Passivität im Frontalunterricht tötet meiner Erfahrung nach Partizipation, Selbstbildung und Interessensausbildung sowie Persönlichkeitsentwicklung ab. Mein Abitur is noch gar nicht solange her, circa 2-3 Jahre,ich weiß also noch von was ich spreche.

Durch LDL kann Wissen konstruieren Spaß machen, man lernt Themen zu strukturieren, ansprechend zu gestalten und unwichtige Sachen wegzulassen, baut Kompetenzen in den Bereichen Kommunikation und Pädagogik auf und der Geist wird aktiviert, da er kein absorbierender mehr ist, sondern ein absorbierender, verarbeitender, weiterentwickelnder und austeilender. Ich kann bestätigen, dass LDL sich mit all seinen Vorzügen positiv auf das weitere Leben auswirkt. Mich hat dieser Unterricht aktiviert, außerhalb der Schule aktiv zu werden, Projekte umzusetzen und innovative Ziele zu verfolgen, da ich das nötige Selbstvertrauen, die Kompetenzen und Anreize, gerade durch die teilweise selbstgewählten Unterrichtsthemen, erfahren habe. Genauso hab ich gelernt mit Kritik umzugehen und selber das Leben kritisch zu beobachten, Menschen besser einschätzen zu können, z.B. durch das Martinische Menschenbild. Ein Thema aus dem Martinischen Unterricht (Darfurkonflikt) hat letztlich dazu geführt, dass ich mit Mitschülern ein soziales Projekt dafür gestartet habe. Natürlich hab ich hier LDL in Bestform erlebt, aber auch unter anderen Lehrern wird die integrative Unterrichtserfahrung die Schüler weiterentwicklen und ihre Potenziale wecken können. Vielleicht haben andere sogar noch mehr quantitativen Erfolg, da Herr Martin durch seine extrovertierte Persönlichkeit immer stark polarisierte und dadurch einige Schüler sich nicht nur zu ihm, sondern auch zur Methode distanzierten. Für die anderen war es vor allem eine enorme qualitative Ressource und eine Art intellektuelle Auferweckung (Förderung und Forderung) nach Jahren voller Müdigkeit und Langeweile.

LdL-Verzückungspitze.

Die Emergenz herausragender Augenblicke nennt Nietzsche „Verzückungsspitzen„.

Ich hatte viele Verzückungsspitzen als Lehrer und Dozent. Das hier war eine:

LdL und die Automatisierung partizipativer Haltungen.

Resume Angeregt durch die Rezension des jüngsten LdL-Buches und als mentale Einstimmung auf eine Podiumsdiskussion des BLLV am 14.12. mache ich mir erneut Gedanken zum Thema LdL und Partizipation.

1. LdL als Unterrichtstechnik oder Lebenskonzept?

In seiner Rezension des Sammelwerkes LdL – Lernen durch Lehren geht global(Hrsg. Guido Oebel) stellt Ralph Degen fest:

Ich denke, LdL ist zum momentanen Zeitpunkt weniger die leitende, umfassende Methode als ein methodologischer Seitenarm, ein diaktisches Werkzeug, auf das man neben anderen Unterrichtsformen zurückgreifen  kann. Schon die Tatsache, dass die meisten Unterrichtenden keine genaue Vorstellung von LdL haben, wie LdL im Sinne Martins eigentlich aussieht, dürfte belegen, dass man hier nicht von einem Paradigmenwechsel sprechen kann.

Dem Verfasser muss ich zustimmen, was die bescheidene Rezeption von LdL im Chor der allgemeinen didaktisch-methodischen Diskussion angeht. Ich kann auch nachvollziehen, dass LdL als „didaktisches Werkzeug“ aufgefasst wird, möchte aber aufzeigen, warum eine Reihe von Kollegen* und ich selbst LdL als umfassendes Unterrichtskonzept, teilweise als Lebenshaltung betrachten.

2. Partizipation im LdL-Unterricht

Der Einsatz der Methode LdL induziert von der ersten Stunde an kritisch-partizipative Haltung bei Lehrern und Schülern im Unterricht. Die Tatsache, dass nicht der Lehrer sondern Schüler den neuen Stoff präsentieren bewirkt a) dass die verantwortlichen Schüler während der ganzen Darstellung hellwach in Bezug auf die Aufnahme der Inhalte durch ihre Mitschüler achten, b) dass ihre Mitschüler besonders aufmerksam die Präsentationen verfolgen, denn sie müssen Unklarheiten erkennen und durch Nachfragen und Drängen zu einer korrekten Wissensaufnahme gelangen.  Kritisches Hören und Prüfen sowie Klärung von Unbestimmtheiten steht im Zentrum des Unterrichtsgeschehens. Falls Fehler nicht erkannt werden und Unklarheiten bestehen bleiben, ist es die Rolle des Lehrers, darauf hinzuweisen. Insofern wird eine Gesamthaltung eingefordert und – im güstigen Fall – automatisiert.

3. Partizipation im Leben

Es war meine Erfahrung, dass diese partizipative Haltung sich tatsächlich im Laufe der Zeit einstellte. Nicht bei allen Schülern, aber bei vielen. Da ich mich – vor allem in den höheren Klassen – sehr um aktuelle Themen bemühte, wurden die Schüler immer mehr daran gewöhnt sich mit dem Tagesgeschehen in der Presse zu befassen und sich für politische Themen zu interessieren. Partizipationsfähigkeit wurde in meinem Unterricht zu einem zentralen Ziel (siehe: Lernziel Partizipationsfähigkeit und Netzsensibilität„). Nun zeigt sich, dass dieses Ziel generell in der Gesellschaft angesteuert wird, nicht zuletzt begünstigt durch die Verbreitung des Internets. Seitdem ich im Ruhestand bin macht sich auch in meinem eigenen Leben diese Haltung bezahlt. Mein Interesse hat sich von Uni und Schule auf die Stadt verlagert, in der ich leben. Und hier gibt es viele spannende Bereiche, wo Partizipationsfähigkeit gefordert wird und den Partizipanten zur Fortsetzung eines anspruchsvollen, erlebnisreichen Lebens verhelfen.

Fazit Mit LdL wird eine partizipative Haltung automatisiert, die in allen Lebensbereichen von großem Nutzen sein kann!

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*Immerhin hat eine Gruppe von etwa 25 Lehrerinnen und Lehrer zwischen 1987 und 2002 intensiv an der Implementierung und Verbreitung von LdL in allen Fächern von der Grundschule bis zur Staatsexamen gewirkt und viele tun es heute noch. Soviel Engagement wird in der Regel nicht für die Popularisierung eines schlichten Unterrichtswerkzeugs aufgebracht.