Für die Freitagsphilosophen.

Resume Hegel ist keine leichte Kost. Ich versuche mal, einige zentrale Punkte herauszuarbeiten.

Quellen: Störig: „Kleine Weltgeschichte der Philosophie“ und Jacoby: „50 Philosophen

1. Dialektik

Fichte

Er versucht den ganzen Weltinhalt (gleichbedeutend mit Bewusstseinsinhalt) aus einem obersten Prinzip abzuleiten. – Erster Schritt: das Ich setzt sich selbst (These). Es fehlt aber ein bewegendes Element so dass – zweiter Schritt: das Ich setzt sich ein Nicht-Ich (Antithese) entgegen. – Ich und Nicht-Ich können aber nicht als sich ausschließende Gegensätze stehen bleiben. Es bedarf einer dritten These, in der die Geltung beider so weit eingeschränkt wird, dass sie einander nicht mehr ausschließen (Synthese).

Schelling

In seiner Naturphilosophie wird der Polarität eine wichtige Stelle zugewiesen. Nicht nur im menschlichen Bewusstsein sondern auch in der Natur wird der dynamische Prozess durch das Sich-Abstoßen der gleichnamigen und Sich-Anziehen der ungleichnamigen Pole in Gang gesetzt.

Hegel

Sein Begriff der Synthese ist tiefer als bei Fichte: bei ihm werden These und Antithese nicht „eingeschränkt“, sondern „aufgehoben“ (=beseitigt, bewahrt und hinaufgehoben). Die Eigentümlichkeit der Hegelschen Philosophie ist, dass sie die Dialektik nicht nur logisch, als eine Form unseres Denkens, sondern ontologisch oder metaphysich als die eigentümliche Form der Selbstbewegung der Wirklichkeit nimmt und dass sie darüber hinaus zu zeigen unternimmt, dass beides, die Selbstbewegung unseres Denkens und die Selbstbewegung der Wirklichkeit der gleiche Prozess ist.

Hegel bezeichnet Fichtes vom Subjekt ausgehende Philosophie als subjektiven Idealismus, Schellings Identitätsphilosophie, die im Ich die Natur und in der Natur den umbewussten schaffenden Geist erkennt, als objektiven Idealismus. Auf den subjektiven und objektiven Idealismus folgt Hegels absoluter Idealismus. Darüber hinaus legt Hegel im Gegensatz zu Schelling den Akzent auf die Seite des Geistes. Der gesamte Weltprozess ist für Hegel Selbstentfaltung des Geistes. Diese erfolgt nach dialektischem Gesetz.

  • Erstes Stadium: Weltgeist im Zustand des An-sich-Seins. Philosophische Disziplin: Logik
  • Zweites Stadium: Zustand der Entäußerung, des Andersseins. (Raum und Zeit). Philosophie der Natur.
  • Drittes Stadium: Der Geist kehrt zu sich selbst zurück: Zustand des An-und-für-sich-Seins. Philosophie des Geistes.

Die Geschichte

Wir wissen, dass für Hegel die Sphäre der Sittlichkeit erst beim objektiven Geist beginnt. Sinn und Wert hat das Dasein des Einzelnen nicht an sich selbst, sondern erst in seiner Ein- und Unterordnung unter die überpersönlichen geschichtlichen Mächte, vor allem den Staat. Nicht der Einzelne handelt, sondern der Weltgeist handelt durch den Einzelnen als sein Werkzeug. Für Hegel sind Individuen, Völker, Epochen nur notwendige Durchgangsstadien im großen weltgeschichtlichen Prozess.

2. Der Geist kommt zu sich selbst

Herder

In der Geschichte wird die Natur sich ihrer selbst immer wieder bewusst, und das geschichtliche Zu-sich-selbst-Kommen der Natur wiederholt sich in der Lebensgeschichte, in der Erziehung eines jeden Menschen. Für den Theologen Herder war die Idee, dass die gesamte Natur die gewaltige Schöpfung, in jedem einzelnen Menschen zum Bewusstsein ihrer selbst gelangt, mit dem Erlösungsgedanken des Christentums verknüpft: Wir alle sind dem „Menschensohn“ Christus vergleichbar, wenn wir uns verdeutlichen, dass der in der Schöpfung waltende Geist Gottes sich in uns, in unserer fleischlichen Natur, bewusst wird. Es war F.H.Jacobi, der Herder darauf hinwies, dass seine Idee der Identität von Natur und Geist, der Gedanke, dass der Schöpfer sich erst in seiner Schöpfung seiner selbst bewusst wird, in Spinozas Pantheismus schon vorgedacht war.

Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit

Der „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ ist für Hegel keine Frage revolutionärer Praxis, sondern die der Aneignung von Wissen. Unmündigkeit ist für ihn Nicht-Wissen. Nicht nur die Unwissenheit eines einzelnen Menschen, sondern das mangelnde Bewusstsein ganzer welthistorischer Epochen von sich selbst. Es gibt nur einen „Ausgang“ aus der Unwissenheit: Bildung. Der Einzelne bildet sich, und zwar auch, indem er praktisch bildet: durch Arbeit etwas schafft und sein Wissen in den Produkten und Werkzeugen der Arbeit, zuletzt in die „Machinerie“ vergegenständlicht. Er kann sich aber immer nur so weit bilden, dass er auf der Höhe der Bildung seiner Zeit ist. Zu dieser kann er beitragen, aber der objektiv-geschichtliche Bildungsprozess, das Sich-Herausbilden neuer geschichtlicher Möglichkeiten, vollzieht sich unabhängig von ihm „hinter seinem Rücken“. Umgekehrt kann eine geschichtliche Epoche aber nur im Bewusstsein des Einzelnen „zu sich kommen“, das heißt das Bewusstsein ihrer selbst erlangen. Erst wenn die geschichtliche Entwicklung so weit vorangekommen ist, dass die Bildung der Individuen und die Wirklichkeit ein einziges zusammenhängendes Ganzes ergeben, ist sie auch vollendet. Das Individuum ist frei, weil es sieht, dass alles, was ist, seinem Bewusstsein entspricht, sein geistiges Eigentum ist. Es ist sogar „absolut“ frei, denn es durchschaut den Sinn der ganzen Weltgeschichte und stellt sich damit auf den Standpunkt Gottes selbst, des Herrn der Geschichte. Von diesem Standpunkt aus ist die Weltgeschichte ein auf die Gegenwart zielgerichteter „Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“. Freiheit ergibt sich aus Bildung, Bildung ist absoluter Selbstzweck in dem Sinne, dass sie sich als Zweck zunehmend selbst begründet. Im Begriff der Bildung ist der der Aufklärung, um es in der Hegelschen Weise auszudrücken, „aufgehoben“, im Sinne sowohl von „aufbewahrt“ als auch von „überwunden“.

Fazit Können wir aus diesen Gedanken Orientierungen für die Bewältigung unserer Realität ableiten?

2 Antworten

  1. Diesen Tweet von Jutta Dieberg parke ich mal hier:

    @jeanpol bonjour monsieur, gestern haben wir aber viel reingepackt in die #Webphilosophen, war super

  2. […] In meinem konkreten Fall Philosophie-Workshops. […]

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