Piratiger „Irrsinnsantrag“ in Chemnitz.

Aus Telepolis 18.11.2010

Piratenpartei – virtuell zukunftsfähig, real stets auf der Kippe

Hartwig Bögeholz 18.11.2010

(…)Weil der Bundesparteitag vom Mai 2010 in Bingen keinerlei inhaltliche Weiterentwicklung erbrachte, soll es jetzt der Sonderparteitag Ende November 2010 in Chemnitz richten. Die Teilnehmer sind aufgerufen, dessen Motto „Regieren Sie doch einfach mit!“ nun auf Inhalte anzuwenden – Programmanträge (und nicht Formalitäten oder Kleinkram) sollen im Mittelpunkt stehen. Eine Fülle von Anträgen ist eingereicht worden – die zugelassenen Anträge beschäftigen sich nicht allein mit der Kernthematik, sondern auch mit Bereichen wie Energie, Umwelt, Wirtschaft, Außenpolitik oder Gesundheitswesen.

Wenig überraschend, dass das per „LiquidFeedback“ betriebene Verfahren auch bunteste Blüten treibt – bis hin zum Irrsinnsantrag, ein „Piratiges Verständnis des Menschen“, bestehend aus einer Ansammlung von Platitüden, zu beschließen.

Sich nicht im Sektiererischen zu verzetteln, nicht im Beliebigen unterzugehen, sich über das Milieu der IT-Avantgarde hinaus zu öffnen, das sind die unmittelbaren Aufgaben, an denen diese Partei auch scheitern kann – weitere Bingens würden das politische Aus bedeuten. Was die inhaltliche Ausrichtung angeht, stehen die Piraten nicht allein in Chemnitz, sondern zu jedem beliebigen Zeitpunkt vor einer von vielen Weichenstellungen, mit denen werdende Parteien unausweichlich und unaufhörlich konfrontiert sind. Eine jede muss halbwegs erfolgreich gemeistert werden, damit das eigene Profil substanziell gebildet und überzeugend vertreten, von der Öffentlichkeit wahrgenommen und von Wählern anerkannt werden kann. (…)

Hier zur Ansammlung von Platitüden!

9 Antworten

  1. “Wir fühlen uns dem christlichen Menschenbild verbunden, das ist das, was uns ausmacht.”

    angela merkel kürzlich http://dwdonline.de/2010/10/merkels-christliches-menschenbild/

  2. @Michael
    Aufklärung tut Not. Wie ich sehe, ist das Thema Menschenbild heikel. Aber wenn man sich bemüht, die neueren Erkenntnisse der Gehirnforschung, der Psychologie, der Soziologie, der Glückforschung, der Philosophie zu berücksichtigen, steht man vielleicht doch auf der sicheren Seite, wenn es darum geht, Strukturen für das Zusammenleben zu schaffen.

  3. aber was sind das für neuere erkenntnisse? mein eindruck ist, da gibt es in den verschiedenen gewerken keinen allgemeinen konsens.

    schau dir das mal an: „Heiner Geißler und das „C“ in der Politik, mit Peter Sloterdijk“

  4. @Filterraum
    Ich habe mir die drei filme angesehen. Sloterdijk erzählt diverse Anekdoten über die griechische Gesellschaft und Geissler bezieht sich stets auf das christliche Menschenbild, ohne es näher zu definieren. Weder der eine noch der andere stellen nur im Ansatz ein kohärentes Konzept, auf das man sich beziehen könnte, um „glückbringende“ Strukturen aufzubauen. Geissler behauptet zwar, man braucht ein solches Menschenbild, beschreibt es aber nicht, sondern bezieht sich ganz vage auf das „christliche Menschenbild“. Insofern liefert allein Maslow mehr Ansatzpunkte mit seiner Pyramide als die beiden Herren in einer halben Stunde. Daher behaupte ich, dass die aktuellen Erkenntnisse der Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften uns auf diesem Gebiet weiterbringen. Auch wenn noch kein konsensfähiges Menschenkonstrukt aktuell besteht, man könnte allmählich dahin kommen. Und die Menschenrechte fußen aus meiner Sicht zumindest implizit auf ein solches, das wirkt, wie wenn es von Maslow inspiriert worden wäre.

  5. hab das video extra nicht vorher kommentiert, seh ich genau so. ziemlich armseelig. eigentlich schon fahrlässig.

    im grunde genommen müsste dieser ganze quatsch aus der diskussion draussen bleiben!

  6. @Filterraum
    Es freut mich, dass du das auch so siehst!

  7. ich glaub wir kommen da momentan nur weiter, wenn wir diesen ganzen zirkus weiter schonungslos analysieren. das schöne ist ja, dass wir mit deinem vorschlag auch eine praktikable alternative basis haben.

    ich hab mich in letzter zeit mit folgendem etwas näher beschäftigt:

    1. Philosophie Artikel in der Wikipedia

    wieso kommt im hauptartikel ausschliesslich die „abendländische“ perspektive zum tragen?
    http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Philosophie#Quellensammlung_zur_Thematik_eurozentrischer_oder_universalistischer_Darstellung

    Ausgangspunkt war:

    MENSCHENBILDER
    Einführung in die philosophische Anthropologie – Rafael Capurro
    http://www.capurro.de/mensch.htm

    2. Wohin uns die „Aufklärung“ erstmal geführt hat

    Der sowjetische „Neue Mensch“
    Teil 1 der Reihe „Perversion einer Utopie“
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/1302817/

    Der „Neue Mensch“ im Italo-Faschismus
    Teil 2 der Reihe „Perversion einer Utopie“
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/1307670/

    Der „Neue Mensch“ im Nationalsozialismus
    Teil 3 der Reihe „Perversion einer Utopie“
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/essayunddiskurs/1312198/

  8. @Michael
    Da hast du mir wieder viel stoff zum anschauen und nachdenken geliefert. Es könnte länger dauern!:-))

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: