„Vielen Dank an die Grünen…“ (Reaktion auf Menschenbild)

Kommentar Nr.5 (von Michael)

Vielen Dank für die sehr differenzierte und aufschlussreiche Darstellung. Man sieht wie schwer es in der Politik und im Miteinander ist, die unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Wenn man dann noch bedenkt, dass die Nominalisierungen, wie z.B. Freiheit, Chaos, Kontrolle etc. einer persönlichen Interpretation unterliegen – was ich unter Freiheit verstehe, versteht Nicolas Sarkozy noch lange nicht unter Freiheit – dann wird deutlich, dass die Politik und auch jeder einzelne in diesem Spannungsfeld der Interessen, Bedürfnisse und Repräsentationen der Wirklichkeit gepaart mit gruppendynamischen Effekten und soziologischen Befunden den Eindruck gewinnen könnte, dass eine verlässliche Orientierung sehr schwer ist. Hier ein ausdrückliches Lob an die Grünen, die sich dieser Thematik stellen und damit auch ihre Handlungsweisen kritisch reflektieren.

3 Antworten

  1. Ich parke hier mal den Kommentaraustausch mit Michael aus der Grünen-Homepage:

    #6 jean-pol martin 2010-10-26 09:17
    @Michael
    Wow! Tolles Kompliment! Das tut gut! Vor allem: du scheinst kein Grüner zu sein, so dass das Lob ganz besonders freut!:-)

    #7 Michael 2010-10-26 09:49
    Ich bin kein Grüner, das stimmt. Bin Journalist und Politikberater in Strasbourg und auf Europathemen spezialisiert. Deinen Ansatz finde ich sehr spannend und bedenkenswert, gerade in der Politik und den damit zusammenhängend en Fragen der Findung, Umsetzung und der Akzeptanz von politischen Entscheidungen.

  2. Und weiter von Michael:
    „#10 Michael 2010-10-26 10:22
    Ergänzend und vielleicht auch zum Bedenken noch einige Gedanken von mir, warum es so wichtig ist, das Menschenbild in der Politik und Gesellschaft explizit zu diskutieren. Da unser individuelles und kollektives Menschenbild unsere Wahrnehmung und Entscheidungen maßgeblich beeinflusst ist es integraler Bestandteil des politischen Prozesses. Wir sehen die Auswirkungen des Menschenbildes ja gerade in der Integrationsdeb atte. Den Äußerungen der Sarazins, Seehofers und Merkels liegt ein deutlich anderes Menschenbild zu Grunde als den Cohn-Bendits und den Gabriels. In diesem Bereich werden die unterschiedlich en Menschenbilder nicht explizit, sondern implizit verdeutlicht und machen eine sachliche Diskussion schon deswegen so schwer. Der hier vorgestellte bedürfnisorient ierte Ansatz kann ein Instrument sein, um diese Differenzen zu veranschauliche n und die Implikationen für die Politik und Gesellschaft deutlich machen.“

    Meine Antwort:
    @Michael
    „Den Äußerungen der Sarazins, Seehofers und Merkels liegt ein deutlich anderes Menschenbild zu Grunde als den Cohn-Bendits und den Gabriels. In diesem Bereich werden die unterschiedlich en Menschenbilder nicht explizit, sondern implizit verdeutlicht und machen eine sachliche Diskussion schon deswegen so schwer.“
    – Genauso sehe ich das auch. Und ich propagiere diesen Gedanken seit drei Jahrzehnten für die Pädagogik, ohne durchschlagende n Erfolg. Das Problem ist, dass die meisten vielleicht einsehen, dass ein konsensfähiges Menschenbild als Referenz für alle notwendig ist, aber keiner bereit ist, einen besonderen Vorschlag (wie beispielsweise meinen) anzuerkennen. Jeder hat sein eigenes Menschenbild und will es auch behalten!

  3. 0 #12 Michael 2010-10-26 10:33
    @Jean-Pol Ich gebe dir bezüglich des konsensfähigen Menschenbildes absolut recht. Es wäre ja schon viel geholfen wenn wir zur Erkenntnis kämen, dass wir unterschiedlich en Menschenbildern frönen, denn dieser Schritt ist noch nicht einmal passiert und das führt logischerweise auch zu einer Ablehnung eines konsenfähigen Menschenbildes als Bezugsgröße. In der Pädagogik bzw. in unserem Schulwesen, sehe ich hier ohnehin ein Problem, dass wir so tun, als ob alle Schülerinnen und Schüler und alle Lehrkräfte über einen Kamm zu scheren seien und diese nicht auch Überzeugungen, Einstellungen und eben eine „SchülerInnenbil d“ mit sich herumtragen und dies auch deren Unterrichtsstil , die Leistungsbeurte ilung und das Sozialverhalten beeinflusst.

    #13 jean-pol martin 2010-10-26 10:40
    @Michael
    Ja, wir tun prinzipiell so, als hätten wir alle dasselbe Menschenbild, oder Schülerbild…
    Aber als Bezugsgröße haben wir immerhin die Menschenrechte! Und sie wiederum basieren auf einen konsensuellen Menschenbild. Das habe ich hier ausgeführt:
    http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Jeanpol/guido

    #14 Michael 2010-10-26 10:44
    @Jean-Pol Wenn ich mir das Asylrecht, den Umgang mit Roma in Frankreich und die Abschiebung von kosovarischen Roma in Deutschland sehe, bin ich mir nicht mehr ganz sicher, ob wir die Menschenrechte als Bezugsgröße wirklich verinnerlicht und akzeptiert haben. Allerdings sind die Menschenrechte immerhin konsensfähig und schon deshalb als Bezugsgröße in Auseinandersetz ungen und Diskussionen ein verlässlicher Parameter.

    +1 #15 jean-pol martin 2010-10-26 10:47
    @Michael
    Ich sehe das genauso wie du. Wir haben immerhin die Texte, auch wenn sie in der Realität noch nicht umgesetzt sind. Aber man kann sich immer auf sie berufen, und das ist schon viel, weil die Gegenseite sich zumindest formal beugen muss.
    Zitieren

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