Nach Descartes und Kant, den Menschen neubeschreiben…

Resume Zu bestimmten Zeiten (Paradigmenwechseln) entsteht die Notwendigkeit, sich schwerpunktmäßig mit dem  Menschen und sein Denken zu befassen. Das haben beispielsweise Descartes und Kant getan. Heute besteht der Bedarf  erneut.

1. Descartes und Kant

Descartes wollte sich eines vergewissern: nehmen wir mal an, die Realität wie ich sie über die Sinne wahrnehme, sei nur eine durch einen schalkhaften Gott geschaffene Illusion. Worüber kann ich mir sicher sein? Eines weiß ich mit Bestimmtheit: dass ich denke und zweifle. Will ich sicheres Wissen über die Welt aufbauen, so muss ich bei Null beginnen und nur aus meiner Ratio heraus (beispielsweise über mein mathematisches, von Geburt an vorhandenes Wissen) logisch und stringent meine Welt konstruieren. Kant war der Ansicht, die Realität existiere auch außerhalb unseres Denkens, aber sie sei anders als wir sie wahrnehmen. Wir würden die Welt über unsere Sinne erfassen und diese seien wiederum an unser Menschsein gebunden. Anderes als Ameisen würde wir die Realität über die Brille der Kausalität sowie Raum und Zeit  begreifen. Descartes und Kant wollten sich mit dem Menschen als Subjekt der Weltinterpretation und mit den Bedingungen unserer Wahrnehmung befassen.

2. Heute

Angesichts der grundlegenden Transformationen, die unsere Welt erfasst, ist die Zeit gekommen, sich erneut mit dem Menschen zu befassen und ihn so präzise zu definieren, dass die für sein Glück notwendigen Lebensstrukturen aufgebaut werden. Wir wissen über die Funktionsweise des Menschen, seine Erfassung der Welt vielmehr als Descartes und Kant. Die Parteien und die Institutionen, die  mit dem Aufbau von Lebenswelten beauftragt sind, sollten sich intensiv mit dem Menschen und seinen Bedürfnissen befassen. Heut liegt breites Wissen über den Menschen vor und es sollte eine Phase intensiver Rezeption dieses Wissens eingeleitet werden.

Fazit Die Zeit ist gekommen, eine breite Menschenbilddiskussion innerhalb aller Instanzen der Gesellschaft auszulösen!

Für Julia, Aleks und die anderen Piraten…

Resume Die Piraten sind dabei, ihr Programm zu aktualisieren. Sie befassen sich u.a. mit ihrem „Menschenbild“ und es scheint, dass mein Konzept (ich ziehe den Begriff „Menschenkonstrukt“ vor) ihnen zusagt.

1. Ausgangspunkt

Jean-Pol Martin ist ein Interessanter älterer Mann (vermutlich der älteste teilnehmer der #om10), der mit seinen Ansichten, Einsichen und Ideen den Nerv der Internet- und PostPrivacy-Aktivisten getroffen hat. (Tobias Grömcke)

2. Mein Menschenkonstrukt

In den achziger Jahren habe ich mir aus diversen Quellen, insbesondere aus der humanistischen Psychologie und der Kognitionspsychologie ein Konstrukt zusammengestellt, das mir als Didaktiker und Lehrer die Arbeit mit Menschen erleichtert hat. Das Konzept hat sich bis heute bewährt. Zur Absicherung habe ich mich mit Philosophie befasst und festgestellt, dass mein Modell auch alle philosophischen Positionen integriert. Das Konstrukt besteht aus folgenden Bausteinen:

– Das Ziel menschlichen Handelns ist das Glück (breiter Konsens bei den Philosophen seit der Antike)

– Die Grundbedürfnisse nach Maslow

Exkurs zur Veranschaulichung: die Liebe als Fixierung auf eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung (Eigenkreation)

Kontrolle als übergreifendes Bedürfnis (Eigenkreation)

Informationsverarbeitung als Grundbedürfnis (Eigenkreation)

– Im Spannungsfeld antinomischer Tendenzen (systemtheoretische Eigenkreation)

– Präskription: verhalte dich explorativ! (Dietrich Dörner)

3. Das Ich

Auf  dem Hintergrund des unter 1 und 2 Dargestellten definiere ich das ICH als die Instanz, die permanent bemüht ist, die Aktivitäten des Organismus so zu organisieren, dass es die eigenen Grundbedürfnisse befriedigt und so das Glück erreicht.

4. Bildung

Bildung definieren ich als das Erstellen von Konzepten, die erlauben, mit einströmenden Daten gelassen umzugehen, wobei es gilt, diese Konzepte flüssig und beweglich zu halten. Die neuerstellten Schemata ermöglichen die Planung und Durchführung von weiteren Handlungen. Sie schaffen auch die Sicherheit, die notwendig ist, um unbekannte Felder zu betreten, in denen neues Wissen generiert wird.

Fazit: Vielmehr braucht man nicht, um mit Menschen erfolgreiche Aktivitäten zu planen und durchzuführen, mit dem Ziel einer Verbesserung unser aller Lebensqualität, heute und in der Zukunft.