Dranbleiben: das LdL-Projekt und Joachim Grzega!

Resume 1980 fiel mir die LdL-Idee ein. 1987 wurde die LdL-Kerngruppe gebildet. 2008 gab ich das LdL-Projekt in die Hand von Joachim Grzega! Und die Sache läuft weiter! Herrlich!

Kontaktbrief vom 15. September 2010

Jg. 24, LdL-Kontaktbrief Nr. 151

Liebe LdL-Freunde,

nach der großen Sommerpause ist es Zeit für einen neuen Kontaktbrief. LdLianer konnten mit einem guten Gefühl den Sommer verbringen, da kurz zuvor eine positive Zwischenbilanz zum Einsatz von LdL im Rahmen eines bayerischen Schulversuches veröffentlicht worden war. Dabei handelt es sich um den Schulversuch KOMPASS, der an der Georg-Hipp-Realschule im bayerischen Pfaffenhofen durchgeführt wird. KOMPASS steht für “KOMpetenz aus Stärke und Selbstbewusstsein”. Der Pfaffenhofener Kurier berichtete darüber (aus Urheberrechtsgründen darf der Artikel hier leider jedoch nicht hochgeladen werden). Die Ruhepause von der alltäglichen LdL-Pflege ermöglichte, dass LdL-Samenkörner auf neuen geographischen, thematischen und institutionellen Feldern gepflanzt werden konnten.

1. Geographisch: Roland Graef, ein LdLianer der ersten Stunde, hat mit großem Erfolg eine Fortbildung an einem Gymnasium in der französischen Schweiz durchgeführt. Das Gymnasium hatte mich kontaktiert, und ich hatte ihm Roland Graef vermittelt. Von dem dortigen Organisator erhielt ich im Nachhinein begeisternde Worte des Lobes für Roland Graefs Veranstaltung. Hier ist Herrn Graefs eigener Erfahrungbericht (auch auf der LdL-Mailingliste bei ZUM veröffentlicht):

LdL-Fortbildung in der Schweiz: Ein Blick in die Zukunft von Schulgebäuden: Anlässlich einer LdL-Fortbildung in einem kleinen Ort in der französischen Schweiz – übrigens war dies in den vielen Jahren LdL-Fortbildung meine erste, die ich in französischer Sprache gehalten habe – fand ich mich in einem neuen „Gymnase“ im Aufbau wieder, von dem ich nur sagen kann: So könnte die Zukunft unserer Schulgebäude aussehen, falls unsere Sachaufwandsträger bereit wären, viel Geld in eine zeitgemäße Ausstattung zu investieren.
Da fällt zuerst das helle, freundliche Lehrerzimmer auf: Es ist riesengroß und in drei Bereiche aufgeteilt: am Eingang (der übrigens immer offen steht!) befindet sich ein großen Kommunikationsbereich mit Kaffeemaschine usw. sowie mit kleinen Tischen mit je 4 Stühlen. Dahinter, durch eine verschließbare Türe abgetrennt, kommt ein erster großen Arbeitsbereich mit super ausgestatteten Computer-Arbeitsplätzen in ausreichender Anzahl und schließlich folgt dahinter ein Silentium-Bereich mit individuellen Arbeitstischen. Da lässt sich wirklich leben und arbeiten! Für größere Veranstaltungen gibt es neben der Aula und einem großen Ausstellungsraum noch zwei top ausgestattete, große Konferenzsäle. Diese und die Klassenzimmer sind vollgepackt mit modernster Technik: White board und Flip-chart statt einer Tafel; mit Codewort gesicherter Lehrer-Computer unter dem Lehrertisch; Beamer an der Decke und statt eines Overhead-Projektors ein neuartiger Projektor auf dem Referenten- bzw. Lehrertisch, der alles, was unter seiner Linse liegt, per Beamer an die Wand projiziert. Zum Glück hatte ich für diese Fortbildung eine französische LdL-Powerpoint-Präsentation erstellt, denn in einer solchen Schule, in der alles nur noch elektronisch gezeigt wird, wäre ich mit meinem Foliensatz zu LdL hoffnungslos gescheitert und hätte mich von Anfang an als altmodischer Dino geoutet…
Sehr positiv für Verlauf und Erfolg der Veranstaltung war übrigens die Anwesenheit von Denise Delay, einer inzwischen pensionierten Schweizer Fachdidaktikerin für DaF, die eine DaF-Didaktik verfasst hat, in der LdL eine ganz wichtige Rolle spielt. Sie bestätigte die von mir vorgebrachten Erfahrungen mit LdL und machte diese somit glaubwürdiger.

2. Thematisch und institutionell: Eine weitere interessante Entwicklung hat sich in den USA aufgetan: Ein in Seattle beheimatetes Energie-Unternehmen möchte LdL in der innerbetrieblichen Fortbildung einsetzen. Der Leiter des Projekts möchte dies sogar zum Thema einer Doktorarbeit machen. Somit könnte sich LdL von den klassischen Bildungsinstitutionen Schulen, Hochschulen und Volkshochschulen nun allmählich auch im betrieblichen Alltag verankern.

Wer am Freitag, den 17. September, zufällig in Leipzig ist, kann mich bei einer Linguistik-Tagung zum Thema “Lernen durch Lehren (LdL) als Konzept zur Vermittlung von Fachkommunikationskompetenzen” hören. Der Vortrag findet von 11.45 bis 12.30 im Hörsaal (HS) 20 in der Universitätsstraße statt. Schwerpunkt des Vortrages wird sein, wie Lernende mit LdL sowohl für die Experten-Experten-Kommunikation als auch auf die Experten-Laien-Kommunikation fit gemacht werden können, mit anderen Worten: wie sie sich mit LdL Wissenstransferkompetenzen aneignen können.

Bis zum nächsten Kontaktbrief,

Joachim Grzega

Link zu den LdL-Briefen

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9 Antworten

  1. …. kann man am 17.09. in Leipzig kurzfristig teilnehmen? Das Thema interessiert mich sehr (habe soeben über @JeanPol davon erfahren).

    Beste Grüße aus Dresden, Ralf

  2. @Ralf
    Frage bitte Joachim Grzega!
    Liebe Grüße. JPOL

  3. Gratuliere. Großartig.
    In Tengen startet in der Hauptschule eine ergänzender Ganztagesunterricht als Talentschmiede. Dieser Unterricht ist
    a. freiwillig
    b. konkrete Projekte/Firmen als Basis ( die erste Firma ist eien Werbeagentur)
    c. es ist lehrerfreie Zone am Nachmittag, Aufsicht durch 2 Erwachsene
    d. Nachhilfeunterricht durch Schüler
    e.kostenlos
    f. Täglich bis 18 Uhr.

    Die Fortbildung erfolgt zu 100% durch LdL.
    Jean-Paul hast Lust es zu begleiten?

    Nach gewisser Zeit (ca. 6 -12 Monate) gehen wir aus der Schule heraus. Andere Räume.

    Das in Kurzform.

  4. @adikreft
    Danke für die Infos! Begleiten kann ich leider gar nichts mehr, denn ich bin hier in Ingolstadt voll eingespannt. Allerdings mit ganz anderen Projekten, was meinen Blick weitet und völlig neue Erfahrungen bringt! #politik #kunst #stadtentwicklung #ökologie

  5. Und demnächst gibt’s auch mehr Infos zu meiner Diss… 🙂

  6. @Oliver
    OK. Wir warten!:-)

  7. Den Blogeintrag von Oliver Tacke parke ich hier:

    Sep 16
    Kann man LdL auch in Unternehmen einsetzen?

    Nachdem ich mich nun einige Zeit in die Thematik Lernen durch Lehren (LdL) und Personalentwicklung eingearbeitet habe und in einer Vorlesung auch bereits erste praktische Erfahrung sammeln durfte (Teil 1, Teil 2 und Teil 3), habe ich meinem Chef am Montag mein Dissertationsvorhaben vorgestellt – und er hat sich dazu bereit erklärt, es zu betreuen. Der vorläufige Arbeitstitel lautet: “Lernen durch Lehren in der beruflichen Weiterbildung”.

    Mein Ausgangspunkt ist der sogenannte “War for Talent”, der sich speziell im Bereich der Wissensarbeit verschärft. Vereinfacht gesagt, fehlt es an Fachkräften und schon heute können recht viele Unternehmen in Deutschland freie Stellen nicht mit geeigneten Mitarbeitern besetzen. Einige müssen daher gar Aufträge ablehnen. Die demographische Entwicklung legt nahe, dass sich dieser Zustand zukünftig noch verstärken wird und man sich dagegen wappnen muss. Unternehmen stehen hier vor einer “Make or Buy”-Entscheidung. Sie könnten einerseits verstärkt neue “Talente” anwerben, aber da der Personalmarkt offenbar hart umkämpft ist und selbst sinnvolle staatliche Eingriffe nicht unmittelbar wirksam würden, wäre das kein einfaches Unterfangen (“War, huh, yeah, what is it good for?”). Sie könnten sich aber auch dazu entschließen, auf dem Papier geringer Qualifizierte oder ältere Arbeitnehmer einzustellen und sie gemeinsam mit den bereits vorhandenen Mitarbeitern weiterzubilden, so dass alle ihr fachliches Wissen aktuell halten, ihre persönlichen, sozialen und methodischen Kompetenzen ausweiten und die offenen Aufgaben übernehmen können. In diesem Zusammenhang wird von Berufspädagogen eine Abkehr von traditionellen Lehrkonzepten hin zu handlungsorientierten Herangehensweisen gefordert, um Passivität beim Lernen zu vermeiden und eine selbständige Informationserarbeitung zu fördern. Und genau hier stellt sich mir die Frage, ob LdL über die Schule und Hochschule hinaus auch in der beruflichen Weiterbildung sinnvoll eingesetzt werden kann.

    Das könnte man vorschnell mit “natürlich” beantworten, wenn man selbst erlebt hat, wie LdL funktioniert – aber ganz so eindeutig ist es vermutlich nicht. Die individuellen Voraussetzungen und Bedürfnisse der Teilnehmer beruflicher Weiterbildungsangebote sind andere als bei Schülerinnen, Schülern oder Studierenden, die Gruppenstrukturen und -prozesse können unterschiedlich sein, es gibt vielfältige Themenfelder und vor allem sind die Rahmenbedingungen in Unternehmen nicht vergleichbar, so dass es für die Einsatzmöglichkeit von LdL sicher Grenzen gibt. Und genau diese möchte ich ausloten und am Ende einen theoretisch-konzeptionellen Rahmen entwickelt haben, wie Lernen durch Lehren in der beruflichen Weiterbildung genutzt werden kann. Um möglichst realitätsnah zu sein, wir er jedoch durch eine gegenstandsbezogene Theoriebildung gestützt werden.

    Ich halte euch auf dem Laufenden…

    Der Link zu diesem Blogeintrag von Oliver Tacke:
    http://www.olivertacke.de/2010/09/16/kann-man-ldl-auch-in-unternehmen-einsetzen/

  8. Nun hat es am 17.09. mit Besuch in Leipzig nicht geklappt. Schade, jedoch nicht aus der Welt.

    Das Thema verfolgt mich auch seit Jahren, auch wenn es bei mir nicht LdL hieß bisher. Sobald ich Kurse, Workshops in interaktiver Form anbiete sind wir schon beim Thema.

    Beste Grüße aus Dresden, Ralf

  9. Schade! Warum hat es nicht geklappt?:-((

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