Kognitive Schemata zur Lebensbewältigung.

Resume Im Gegensatz zu den Naturwissenschaften, in denen Komplexität reduziert wird, um Handlungsfähigkeit zu sichern, wird in den Geisteswissenschaften die Komplexität erhöht. Einfaches wird  solange verkomplexiviert, bis niemand mehr handlungsfähig ist. Anders bei mir! Aber ich bin ja Didaktiker!

1. Alles ist viel einfacher als es dargestellt wird

Platon wollte sich nicht damit abfinden, dass ein Stuhl ein Stuhl ist. Ein Stuhl war nur die imperfekte Entsprechung eines Idealstuhls, der im Reich der Ideen positioniert war. Wir alle als Doofmänner und Dooffrauen hatten keinen Zugang zu dieser Idee, nur die Philosophen konnten in bestimmten Zeitfenstern einen kurzen Blick auf den Stuhl werfen und alle Doofleute waren auf die Berichte der Philosophen angewiesen. Das sicherte den Philosophen ein gutes  Einkommen. Heute bleibt dieses Muster erhalten. Wer in Luhmann’s Abhandlung über die Liebe als Passion einsteigt, wird ganz verwirrt und bestimmt nicht alltagskompetenter und liebesfähiger aussteigen. Dasselbe gilt für Gehlens Anthropologie, für Heidegger’s „Sein und Zeit“, für Sloterdijk und wie sie alle heißen… Die Leute haben einen Riesenspaß daran, uns zu verwirren! Da war Einstein (ein Naturwissenschaftler) ganz anders: man soll alles vereinfachen (allerdings nicht zu einfach machen!:-))

2. Und jetzt komme ich!

Unterricht: Seit der Antike befassen sich ganz kluge Leute mit der Frage, wie man Unterricht am besten organisieren kann. Auch ich habe mich zu Beginn der 80er Jahre damit beschäftigt und eine definitive Lösung gefunden, vor allem für den Fremdsprachenunterricht. Die Schüler sollen sich gegenseitig unterrichten und die Probleme sind gelöst. Das habe ich in Schule, Uni und Volkshochschule 30 Jahre lange praktiziert, das hat immer funktioniert und damit basta!:-)

Mensch: Auch die Funktionsweise des Menschen ist einfacher als man denkt. Viele Leute haben darüber nachgedacht und sehr gute Einzelaspekte herausgearbeitet. Epikur war schon sehr fortgeschritten und er hat das Feld weitgehend geklärt. Klar, dass Freud und Darwin uns super weitergebracht haben, und auch Leute wie Maslow und Dörner, die weniger bekannt sind als die beiden anderen. Und ich habe alle gelesen, auf den Alltag übertragen, 25 Jahre lang getestet. Das funktioniert sehr gut und bisher war ich bis auf einige kleinen Einbrüche, die ich mit Hilfe von Maslow kognitiv begreifen und angehen konnte, recht glücklich.

Liebe:  Gerade in diesem Bereich sind unzählige Vernebler am Werk! Kein Wunder, denn die Liebe ist besonders bedrängend (extrem fordernder Trieb, eminent wichtig für die Arterhaltung) und ruft viele Geisteswissenschaftler auf den Plan, die die Konfusion ins Unermessliche steigern! Schade, denn die Sache ist relativ einfach.

Wenn man also dank der kognitiven Schemata, die ich in den letzten 30 Jahren entwickelt habe, an den Alltag rangeht, kriegt man die Sache gut in den Griff und kann sich wichtigeren Bereichen widmen, ich meine der Optimierung der „Weltumstände“: Hunger, Armut, Pollution usw…

3. Was ich jetzt gerade mache

Seit fast zwei Jahren bin ich dabei, mir einen Überblick über die Geschichte der Philosophie (Denker von der Antike bis zur Gegenwart) zu verschaffen, so dass dieses für mich intransparente Gebiet klar wird und ich daraus ein Lebensbewältigungsinstrument gewinnen kann. Ergänzend befasse ich mich nun mit den einzelnen philosophischen Themen (Glück, Liebe, Freiheit, Gerechtigkeit…) und verfeinere dadurch mein kognitives Instrument. Und wenn alles vorbei ist und ich auch in diesem Bereich über funktionsfähige Schemata verfüge, dann bin ich gut ausgerüstet, um mich produktiv in Ingolstadt zu engagieren!

Fazit: Es ist alles nicht so kompliziert, wie es zunächst den Anschein hat! Und wenn man über gute kognitive Schemata verfügt, macht das Leben ganz besonders Spaß!

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Philosophischer Workshop: 1. Glück

Ausgangspunkt:

Seit zwei Jahren benutze ich meinen Blog im Sinne einer „Vorlesung„. Konkrete Erfahrungen aus dem realen Leben werden konzeptualisiert und zur Reflexion angeboten.  Es werden bald 300 Beiträge sein. Einen Teil meiner Energie habe ich darauf gerichtet, mir einen Überblick über die Geschichte der Philosophie zu verschaffen. Nun möchte ich auf dem Hintergrund der gewonnenen Erkenntnisse einen Workshop zu den zentralen Themen der Philosophie gestalten. Jede Woche werde ich einen Eintrag verfassen mit der Hoffnung, dass dank Kommentarfunktion eine Diskussion erfolgt. Parallel zu diesem Blog wird an der VHS-Ingolstadt ein realer Face-to-Face-Kurs durchgeführt.

Themen:

1. Glück 2. Erkennen 3. Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit 4. das Gute, das Böse 5. der Tod 6. Individuum, Gesellschaft 7. Liebe, Freundschaft 8. Arbeit 9.Freier Wille und Determinismus 10. Tierethik 11. Sprache 12. Kunst

Thema 1: Glück

I. Philosophen

Wikipedia: Philosophie des Glücks

1 Platon 2. Aristoteles 3. Epikur 4. Stoa 5. Augustinus   6. Buddha  7.  Utilitarismus 8.  Nietzsche 9. Camus 10. Rawls 11. David Precht

II. Meine eigenen Vorschläge

1. Meine Blogeinträge zum Thema Glück

2. Anthropologisches  Modell

3. Zum Verhältnis von Macht und Glück

III. Diskussionsthesen

1. Wie bei allen anderen Vorhaben auch, lässt sich das Projektziel „Glück“ rational angehen.

2. Die Voraussetzung ist, dass man sich genau mit allen Einzelaspekten des „Problems“ befasst: über welche Ressourcen verfügen wir, um das Ziel „Glück“ zu erreichen?

Fazit Auch wenn ein Dauerzustand „Glück“ nicht erreichbar ist, so lassen sich objektiv Bedingungen aufstellen, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, sich an diesen Zustand dicht anzunähern.

Im Rathaus neben Petra Kleine!

Resume Nach zwei Jahren intensiver Anstrengungen, um dem Rentnerdasein zu entfliehen (Panik vor Langeweile) ist es mir gelungen mich in Ingolstadt gut zu verankern. Dabei hat mir Petra Kleine enorm geholfen!

Gestern waren noch Videos vom Donaukurier hier, wo man uns im Ingolstädter Rathaus sehen konnte!

Zur History meiner Zusammenarbeit mit Petra Kleine (ausgewählte Einträge):

31.03.09. Petra Kleine: die neue Emergenz (never ending story)

15.04.09. Tiefe Schichten ansprechen: zwei Beispiele

20.07.09.  Mein Petra-Kleine Projekt: Danke Twitter!

18.12.09.   Für Petra Kleine

Weitere Blogeinträge zum Thema Petra Kleine und die Grünen!

Die Liebe als Fixierung auf eine Quelle der Bedürfnisbefriedigung.

Resume Vor exakt  23 Jahren habe ich für meine Schüler aus der damaligen 12.Klasse ein Papier verfasst mit dem Titel (siehe Habilschrift S.270-271): „Die Liebe: wie ist sie zu erklären, wie ist sie zu meistern?“ Seitdem bin ich vielen Versuchen begegnet, das Phänomen „Liebe“ zu fassen, aber richtig operationalisierbar fand ich keinen.


Dranbleiben: das LdL-Projekt und Joachim Grzega!

Resume 1980 fiel mir die LdL-Idee ein. 1987 wurde die LdL-Kerngruppe gebildet. 2008 gab ich das LdL-Projekt in die Hand von Joachim Grzega! Und die Sache läuft weiter! Herrlich!

Kontaktbrief vom 15. September 2010

Jg. 24, LdL-Kontaktbrief Nr. 151

Liebe LdL-Freunde,

nach der großen Sommerpause ist es Zeit für einen neuen Kontaktbrief. LdLianer konnten mit einem guten Gefühl den Sommer verbringen, da kurz zuvor eine positive Zwischenbilanz zum Einsatz von LdL im Rahmen eines bayerischen Schulversuches veröffentlicht worden war. Dabei handelt es sich um den Schulversuch KOMPASS, der an der Georg-Hipp-Realschule im bayerischen Pfaffenhofen durchgeführt wird. KOMPASS steht für “KOMpetenz aus Stärke und Selbstbewusstsein”. Der Pfaffenhofener Kurier berichtete darüber (aus Urheberrechtsgründen darf der Artikel hier leider jedoch nicht hochgeladen werden). Die Ruhepause von der alltäglichen LdL-Pflege ermöglichte, dass LdL-Samenkörner auf neuen geographischen, thematischen und institutionellen Feldern gepflanzt werden konnten.

1. Geographisch: Roland Graef, ein LdLianer der ersten Stunde, hat mit großem Erfolg eine Fortbildung an einem Gymnasium in der französischen Schweiz durchgeführt. Das Gymnasium hatte mich kontaktiert, und ich hatte ihm Roland Graef vermittelt. Von dem dortigen Organisator erhielt ich im Nachhinein begeisternde Worte des Lobes für Roland Graefs Veranstaltung. Hier ist Herrn Graefs eigener Erfahrungbericht (auch auf der LdL-Mailingliste bei ZUM veröffentlicht):

LdL-Fortbildung in der Schweiz: Ein Blick in die Zukunft von Schulgebäuden: Anlässlich einer LdL-Fortbildung in einem kleinen Ort in der französischen Schweiz – übrigens war dies in den vielen Jahren LdL-Fortbildung meine erste, die ich in französischer Sprache gehalten habe – fand ich mich in einem neuen „Gymnase“ im Aufbau wieder, von dem ich nur sagen kann: So könnte die Zukunft unserer Schulgebäude aussehen, falls unsere Sachaufwandsträger bereit wären, viel Geld in eine zeitgemäße Ausstattung zu investieren.
Da fällt zuerst das helle, freundliche Lehrerzimmer auf: Es ist riesengroß und in drei Bereiche aufgeteilt: am Eingang (der übrigens immer offen steht!) befindet sich ein großen Kommunikationsbereich mit Kaffeemaschine usw. sowie mit kleinen Tischen mit je 4 Stühlen. Dahinter, durch eine verschließbare Türe abgetrennt, kommt ein erster großen Arbeitsbereich mit super ausgestatteten Computer-Arbeitsplätzen in ausreichender Anzahl und schließlich folgt dahinter ein Silentium-Bereich mit individuellen Arbeitstischen. Da lässt sich wirklich leben und arbeiten! Für größere Veranstaltungen gibt es neben der Aula und einem großen Ausstellungsraum noch zwei top ausgestattete, große Konferenzsäle. Diese und die Klassenzimmer sind vollgepackt mit modernster Technik: White board und Flip-chart statt einer Tafel; mit Codewort gesicherter Lehrer-Computer unter dem Lehrertisch; Beamer an der Decke und statt eines Overhead-Projektors ein neuartiger Projektor auf dem Referenten- bzw. Lehrertisch, der alles, was unter seiner Linse liegt, per Beamer an die Wand projiziert. Zum Glück hatte ich für diese Fortbildung eine französische LdL-Powerpoint-Präsentation erstellt, denn in einer solchen Schule, in der alles nur noch elektronisch gezeigt wird, wäre ich mit meinem Foliensatz zu LdL hoffnungslos gescheitert und hätte mich von Anfang an als altmodischer Dino geoutet…
Sehr positiv für Verlauf und Erfolg der Veranstaltung war übrigens die Anwesenheit von Denise Delay, einer inzwischen pensionierten Schweizer Fachdidaktikerin für DaF, die eine DaF-Didaktik verfasst hat, in der LdL eine ganz wichtige Rolle spielt. Sie bestätigte die von mir vorgebrachten Erfahrungen mit LdL und machte diese somit glaubwürdiger.

2. Thematisch und institutionell: Eine weitere interessante Entwicklung hat sich in den USA aufgetan: Ein in Seattle beheimatetes Energie-Unternehmen möchte LdL in der innerbetrieblichen Fortbildung einsetzen. Der Leiter des Projekts möchte dies sogar zum Thema einer Doktorarbeit machen. Somit könnte sich LdL von den klassischen Bildungsinstitutionen Schulen, Hochschulen und Volkshochschulen nun allmählich auch im betrieblichen Alltag verankern.

Wer am Freitag, den 17. September, zufällig in Leipzig ist, kann mich bei einer Linguistik-Tagung zum Thema “Lernen durch Lehren (LdL) als Konzept zur Vermittlung von Fachkommunikationskompetenzen” hören. Der Vortrag findet von 11.45 bis 12.30 im Hörsaal (HS) 20 in der Universitätsstraße statt. Schwerpunkt des Vortrages wird sein, wie Lernende mit LdL sowohl für die Experten-Experten-Kommunikation als auch auf die Experten-Laien-Kommunikation fit gemacht werden können, mit anderen Worten: wie sie sich mit LdL Wissenstransferkompetenzen aneignen können.

Bis zum nächsten Kontaktbrief,

Joachim Grzega

Link zu den LdL-Briefen

Jungdesigner in Ingolstadt. Authentisch!

Am Samstag um 15:00Uhr haben uns die Jungdesigner ihre Produkte vorgestellt. Das Tolle war, dass die meisten das absolut nicht professionell taten. Sie hatten nie einen Präsentations-Moderationskurs vorher gemacht und kamen nicht mit Powerpoint-Präsentationen! Wie wohltuend! Einige standen zu viert vor vier von ihnen designten Stühlen und zwei Klein-Tischen.  Zum Teil drehten sie uns den Rücken zu und es war kaum zu verstehen, was sie sagten. Trotzdem konnte man heraushören, welchen Reichtum an Überlegungen den Produkten vorangegangen waren. Natürlich hatten andere Jungdsesigner mehr Erfahrung im Umgang mit dem Publikum, aber der Besucher musste sich immer ein bisschen anstrengen, um Erklärungen zu erhalten und sie auch zu entschlüsseln. Aber seine Mühe wurde immer belohnt! Er hatte das Privileg zu erfahren, wie der Alltag der jungen Schaffenden gestaltet war und wie die von ihnen kreierten Gegenstände diesem Alltag dienen, ihn erleichtern und gleichzeitig verschönern. Es waren transportable Küchen, aus Sperrmüll geschaffene Betten und Schränke, kleine Objekte aus Plastikflaschen zusammengestellt, Hängelampen die gleichzeitig als Wäschetrockner zu nutzen waren… Civic City, umweltschonend, minimalistisch aber nicht bemüht, sondern natürlich. Sicherlich müssen sie auch leben und werden sich freuen, wenn sie einmal mit ihren Produkten Geld verdienen. Aber  das Thema schien sie nicht zu interessieren… Hoffentlich noch lange!

Das Ich ins Netz exportieren? #om10

Resume Ich wurde eingeladen, am 2.Oktober 2010 einen Vortrag auf dem von der Piratenpartei in Kassel organisierten Openmind-Treffen zu halten. Adressaten sind „Netzpolitiker, -aktivisten und -philosophen“.

1. Anthropologische Basis

Jeder Reflexion über die aktuelle und künftige Organisation der Gesellschaft setzt ein konsensfähiges Menschenbild voraus.  Dies gilt besonders für Parteien, die sich das Ziel setzen, Strukturen zu schaffen, in denen Menschen die größtmöglichen Glückschancen besitzen. Was ist Glück? In welchen Strukturen fühlen sich Menschen wohl? Was verfolgt der Mensch mit seinen Handlungen? Dazu habe ich 1994 ein Konstrukt entwickelt:  Menschenbild

2. Das Internet als Gehirn

Um am Leben zu bleiben ist der Mensch darauf angewiesen, permanent Probleme zu lösen. Die beste Problemlösemaschine ist das Gehirn. Metaphorisch auf die Welt übertragen wäre das Internet ein Gehirn und die einzelnen Menschen wären Neuronen. Durch permanente Interaktion zwischen den Menschen/Neuronen werden Problemlösungen und Wissen generiert. Allerdings verlangt dies von den Menschen/Neuronen spezifische Verhaltensweisen:   Wie verhalten sich Neuronen?

3. Entmaterialisierung und Postprivacy

Im Sinne der Aktionsforschung möchte ich an meinem eigenen Beispiel zeigen, wie es aussieht, wenn man dem Post-Privacy Prinzip in vielen Punkten folgt.

Jean-Pol Martin:  WikipediaJPM-BiographieYoutubesBlog als Vorlesung

Lernen durch Lehren: WikipediaLdL-ForenYoutubes

Aktuelles:  Online-Worskop PhilosophieHomepage der Grünen IngolstadtMigrantenprojekt BrückenbauerSenioren

Fazit: Alle Aktivitäten lassen sich schrittweise ins Netz verlagern. Möglicherweise entsteht dadurch ein virtuelles Ich, das stabiler und zeitüberdauernder ist als das reale.