Weltverbesserung am Beispiel Ingolstadt

Resume 30 Jahre lang habe ich an der Verbesserung der Unterrichtsmethodik an Schule und Hochschule gearbeitet. Nachdem mir dieses Feld durch die Pensionierung entzogen wurde, bemühe ich mich um Optimierungen an meinem Lebensort.

1. Ingolstadt als günstiger Resonanzraum

Systemtheoretisch betrachtet ist Ingolstadt ein guter Resonanzraum. Mit 130.000 Einwohnern ist die Stadt groß genug, um viele Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Bildungsniveaus zu beherbergen. Es gibt diverse Szenen und Subszenen. Andererseits ist die Stadt nicht zu groß, so dass die besonders Interessierten sich immer wieder in unterschiedlichen Kontexten treffen und intensiven Austausch pflegen.  Wenn es einem gelingt, an verschiedenen Punkten des Systems (z.B. Parteien, Bürgerinitiativen, Kunstvereine, Migrantenprojekte, Volkshochschule) bestimmte Themen gezielt und redundant einzuspeisen, so ist die Chance groß, dass die entsprechenden Ideen aufgegriffen, diskutiert und verbreitet werden.

2. Welche Ideen?

Nach mehreren Jahrzehnten Reflexion über menschliche Bedürfnisse und Verhalten zweifele ich nicht daran, dass wenn man Strukturen egal welcher Art anbieten will (Stadtplanung, kulturelles Angebot, Schulsystem, Parteienstruktur) der erste Schritt darin besteht, sich mit dem Menschen und seinen Bedürfnissen intensiv zu befassen. Was braucht der Mensch um glücklich zu sein? Davon abgeleitet lassen sich Überlegungen über das Stadtbild und die städtische Architektur anstellen, Überlegungen über Fragen des Wachstums und des Energiekonsums, über Fragen der Ernährung und der Tierhaltung, usw… Es lassen sich im kleinen die Fragen angehen, die uns weltweit beschäftigen.

3. Die Akteure

Für die Aufnahme, Weiterentwicklung und Verbreitung von Ideen braucht man Akteure. Diese findet man in bestehenden Gruppen, wie beispielsweise Parteien, Vereinen oder sonstigen Assoziationen.  Es wäre naiv zu glauben, dass die Gedanken, die man vermitteln will, sofort verstanden und begeistert aufgegriffen werden. Man braucht ein bisschen Geduld, aber es lohnt sich dann sehr! Einige Gruppen liegen einem per se nahe und die Chancen, dass man auf Gehör trifft, sind dann besonders hoch. In meinem speziellen Fall (Vernetzung, Ökologie, Ressourcenorientierung) sind die Grünen die richtige Gruppe. Auch die Brückenbauer stehen mir naturgemäß sehr nahe. In anderen Bereichen (Volkshochschule, Bürgerhaus) bemühe ich mich ebenfalls, meine Ideen einzubringen.

Fazit: Wir stehen erst am Anfang, aber es ist sehr spannend!

11 Antworten

  1. Ich nehme mit: Geduld haben und dranbleiben, Rückschläge einstecken. Das werde ich am Wochende vermutlich müssen auf dem Programmparteitag der Piratenpartei in Niedersachsen.

  2. @Oliver
    Schön, dass du aus meinem Beitrag eine Lehre ziehen konntest. Projekte lassen sich metaphorisch mit Bergsteigen gut vergleichen. Der Aufstieg ist extrem mühsam und man muss versuchen, sich auch während dieser Zeit kleine Glücksmomente zu verschaffen. Aber wenn man den Gipfel erreicht hat, welche Freude!:-)

  3. By the way: meine Einladung vor fast einem Jahr an die Bildungsreporter. Gibt es die überhaupt noch? :-))

  4. Die Bildungsreporter stehen und fallen mit den Bildungsreportern. Ja, vielleicht könnte ich auch mal wieder was machen…

  5. @Oliver
    Nachhaltigkeit?.-)

  6. Ich habe heute ein wenig nachgedacht. Zum Einen bin ich begeistert von den Punkten 1 und 2 und finde in fantastischer Kürze relevante Fakten vor – denen ich ja letztendlich mein berufliches und privates Leben widme. Entgegen aller Widerstände des täglichen Lebens in unserer Stadt. Einem Punkt habe ich etwas entgegen zu setzen, könnte fast einem Appell gleichgesetzt werden. Ich finde – so sehr ich Euch schätze – das diese Arbeit eben nicht an eine Partei regional gebunden sein dürfte. Ich finde, wie es eben eine Frauenbeauftragte in der Stadt gibt, sollte es eben auch einen Beauftragten für »urbane Entwicklung« geben, der unabhängig von Mehrheiten arbeiten kann und darf und damit auf aktuelle Probleme reagieren kann, Aktionen und Initiativen bündelt, Probleme/Mängel aussprechen darf und damit auch umstrittene Wege beschreiten darf – um mal eben Zeichen setzen zu können, Beweise für Theorien liefern dürfte und damit letztendlich die Stadt und ihre Bewohner nach vorn bringt. Allerdings beschleicht mich in letzter Zeit auch immer mehr der Gedanke, das was Du schaffst und kommunizierst im Zusammenhang mit deiner Arbeit bei den Grünen Respekt verdient und es stellt sich mir die Frage – welch Möglichkeiten haben wir denn, würden wir alle wieder viel mehr in Parteien arbeiten und Einfluss nehmen?! Eingenommen meiner Person…
    Aus aktuellem Anlass (Neubau Museum für Konkrete Kunst) begebe ich mich nun tagtäglich in unterschiedlichste Diskussionen, stelle mich den Fragen und bin auch betroffen, aber vielleicht sollte nach der grossen Agonie die Frage aufkommen, warum ist denn die Entscheidung so und nicht anders gefallen, warum hat das MKK keine Mehrheit – nicht als Museum mit seiner Nische, der Konkreten Kunst, die ja letztendlich doch jeden der das MKK dann mal betritt, überzeugt. ABER – warum erst danach, warum ist in den vielen Jahren vor der grossen Geschichte einfach nicht mehr Leidenschaft, Stolz oder einfach nur Interesse in der Bevölkerung gewachsen. Denn letztendlich geht es nicht um das MKK und seine Sammlung – es geht um die Frage, wie wichtig ist uns Kultur, was bedeutet Kultur für eine Stadt, welche Möglichkeiten bieten kulturelle Räume – kommunikativ und aktiv genutzt, weltoffen und bürgernah? Sehr viel – denn auch das ist ein Begriff von Heimat, gezielt gesteuert, aber umso wichtiger in Zeiten der Heimatlosigkeit, wir leben wo wir Arbeit finden und nicht wo wir Zuhause sind. Wir brauchen Sport, Konsum und Kultur im Einklang, denn das verbindet Menschen – je nach Neigung und Interesse. Und dies ist ein sehr wesentlicher Aspekt für Ingolstadt, eine Stadt deren Bewohner sich in den vergangenen Jahrzehnten verdoppelt hat, deren Identität aber nicht in gleichem Maßen entstehen/wachsen konnte. In Richtung Zukunft geschaut hätte ein Museum eben Zeichen gesetzt, emotional wie architektonisch hätten wir der Stadt ein MEHR an Lebensqualität und Bildung bieten können – denn wir brauchen Fachkräfte!! Und woher bekommen wir die? Ja eine gute Bildung – sprich auch Kultur, sind die Grundfesten einer Gesellschaft. Ich könnte noch viel mehr Argumente aufbringen, vorab reicht es jedoch- die goldene Regel der Radiobeiträge – nicht mehr als 3 Minuten… ADE

  7. @Janice
    „würden wir alle wieder viel mehr in Parteien arbeiten und Einfluss nehmen?!“
    – Man muss natürlich hartnäckig sein und „dranbleiben“. Das dauert ein bisschen.

  8. […] Theoretischer Hintergrund (Vorgeschichte): Weltverbesserung am Beispiel Ingolstadt […]

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