Wie ich lehrend lerne. Am Beispiel Wittgenstein.

Auszug aus einem Gespräch im Kommentarteil meines Blogs, in dem ich von drei Denkpartnern gezwungen werde, mein Wissen zu vertiefen:

Dank an Andreas, an Magnus und an Wolfgang Schmidhuber

(…)

  1. „Philosophy is just a byproduct of misunderstanding language.“
    Oder wie Volker Linke es formuliert: „Philosophie ist das Kultivieren von Missverständnissen“.

    Eine schöner Satz … aber zum Glück hat ihn auch Wittgenstein selbst dann später ja korrigiert zum Konzept des Sprachspiels … denn da ist die Welt der Philosophie doch wesentlich besser beschrieben.

  2. @Andreas
    Die welt der philosophie ist ein riesensupermarkt: egal was mich beschäftigt – auch das randständigste -, ich finde immer etwas, auch an den entlegensten orten, das meinem momentanen interesse denknahrung liefert. Und manchmal ist es derselbe autor, der zwei gegenteilige impulse setzt: a) worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen und b) die bedeutung eines wortes variert ad infinitum je nach kontext, was a) ad absurdum führt.

  3. @jean-pol martin
    Ich erkenne nicht warum Aussage b) Aussage a) ad absurdum führt.
    Aussage a) grenzt doch bloß ein, worüber wir reden können und über die Dinge, über die wir nicht reden können, können wir halt nicht reden oder „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“.
    Aussage b) sagt bloß, dass ein Wort keine absolute Bedeutung hat, sondern immer nur eine relative Bedeutung, abhängig vom Kontext. Aber es gibt hier etwas worüber wir reden können!

  4. @Magnus
    Ich müsste noch einmal genau nachschauen, warum ich den eintrag verfasst habe. (Bei the way damit merke ich auch, dass ich meine sätze ohne den Kontext auf Anhieb nicht verstehe!:-) Sobald ich das geklärt habe, melde ich mich hier wieder!

  5. @Magnus
    In seiner ersten Philosophie a) hat Wittgenstein die Theorie entwickelt, dass sinnvolle sprachliche Ausdürcke „Bilder“ der Wirklichkeit sind und dass nur wissenschaftliche Aussagen über die erfahrbare Welt sinnvolle Aussagen sind. In seinen späteren philosophischen Untersuchungen b) wandte er sich von der Bildtheorie ab. Stattdessen fordert er dazu auf, die Alltagssprache in ihrem vielfältigen Gebrauch zu untersuchen und den Gedanken einer eindeutig bestimmten Bedeutung sprachlicher Ausdrücke aufzugeben.
    (nach: Morgenstern/Zimmer, Treffpunkt Philosophie, 5, Wirklichkeit und Weltbilder).
    Ich denke, dass a) durch b) ad absurdum geführt wird. Weniger drastisch ausgedrückt: Wittgenstein hat seine Position geändert.

  6. Ich finde deine These immer noch schwierig zu verstehen .Ich fass das mal mit einem Beispiel zusammen. Es geht um das Wort „hier“. Dieses Wort erhält seine Bedeutung durch einen Kontext. Die möglichen Kontexte sind potentiell unendlich. Für Logiker hat das Wort keine Bedeutung, da ihm keine allgemeingültige   (weiter)…

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4 Antworten

  1. In der Tat ein überzeugendes Beispiel. –
    Freilich setzt es voraus, dass Lehrender wie Lernende sich präzis ausdrücken und somit verständigen können und dass der Lehrend/Lernende die notwendigen Zusatzinformationen herbeischaffen kann.

  2. @apanat
    Wichtig ist, dass ich mich von Magnus bedrängt fühlte und unbedingt antworten wollte. Und der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, ich lese weiter Texte über und von Wittgenstein, und zwar nur wegen Magnus und Wolfgang Schmidhuber!

  3. Hallo Jean-Pol,
    Es freut mich, dass meine Rückfrage und unser Gespräch dich zu diesem Artikel bewegt haben. Doch hatte ich nie die Absicht dich zu bedrängen. 🙂

    Gruß Magnus

  4. @magnus
    Diese Absicht unterstelle ich dir nicht:-)) Es ist nur so, dass ich eine Verpflichtung fühle und damit mich selbst unter Druck setze!:-))

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