Aristoteles vs. Epikur (Eudaimonia)

Resume Für Aristoteles wie für Epikur stellt sich die Frage, wie man Leiden vermeidet und Glück mehrt.

1. Aristoteles: vollendetste Tüchtigkeit (proaktiv)

In der Regel ist man der Meinung, dass Aristoteles zur Führung eines guten Lebens die „mediocritas“ verstanden als „goldene Mitte“ empfiehlt:  keine Exzesse, Maß halten.  Wenn man aber folgende Passage aus der Nikomachischen Ethik (erstes Kapitel) liest, so entsteht ein anderer Eindruck:

Das oberste dem Menschen erreichbare Gut stellt sich dar als ein Tätigsein der Seele im Sinne der ihr wesenhaften Tüchtigkeit. Gibt es aber mehrere Formen wesenhafter Tüchtigkeit, dann im Sinne der vorzüglichsten und vollendesten“.

Es handelt sich hier – so zumindest interpretiere ich diesen Satz – als eine Leistungsethik, die zum Erreichen des Glücks höchste Anstrengungen und das Streben nach immer weiteren Gipfeln empfiehlt.

2. Epikur: sich bescheiden (defensiv)

Für Epikur ist Glück gleichzusetzen mit Schmerzfreiheit und Seelenruhe. In dem Brief an Menoikeus erläutert er:

Auch die Selbstgenügsamkeit halte ich für ein großes Gut, doch nicht, damit wir uns unter allen Umständen an wenigem genügen lassen, sondern damit wir uns mit wenigem zu begnügen vermögen, wenn wir nicht  viel haben.

Natürlich ist mir klar, dass Epikur sich im Gegensatz zu Aristoteles auf materielle Güter bezieht: man soll nicht nach mehr Genussmitteln streben als unbedingt notwendig, denn wenn sie nicht mehr vorhanden sind, dann vermisst man sie schmerzhafter als wenn man sie nie genossen hätte. Dennoch lässt sich diese Haltung auch auf andere Bereiche übertragen: lieber bescheiden und genügsam leben als „nach den Sternen greifen“ mit den Gefahren eines Absturzes.

Fazit Temperamentssache? Die Frage hat mich schon in der Vergangenheit beschäftigt.