Für Senioren: wie kann ich mein Aktivitätsniveau erhalten?

Für das Seniorenforum Würzburg und Umgebung habe ich folgenden Artikel verfasst:

Wie kann ich mein Aktivitätsniveau erhalten?

Natürlich empfiehlt man älter werdenden Menschen, dass sie sich schon vor der Pensionierung Gedanken für die Zeit danach machen und entsprechende Kontakte herstellen und pflegen. Sonst besteht die Gefahr, dass sie in „ein Loch“ fallen. Selbst wenn man sich darauf einstellt ist für Personen, die Erfüllung in ihrem Beruf fanden und sich intensiv engagierten, der Übergang nicht leicht.

Erlebnisqualität und –intensität

Wenn man sich auf die Bedürfnispyramide von Maslow bezieht und überlegt, welche Veränderungen mit dem Eintritt in den Ruhestand verbunden sind, so stellt man fest, dass (weiter)

(Ingol)stadt als Lernort.

Resume Wer sich in eine Stadt begibt, sich in Gruppen einfügt und dabei die kulturellen Möglichkeiten ausschöpft, lernt eine ganze Menge.

Meine Lernwege:

Als ich zu den Grünen ging, erfuhr ich ganz viel über die Themen, die im Stadtrat besprochen werden, insbesondere über die Verkehrssituation, die einzelnen Stadtviertel, die wirtschaftliche Entwicklung. Als ich in der Fussgängerzone Unterschriften sammelte erzählten mir die Passanten eine ganze Menge über die Busverbindungen, die positiven und negativen Veränderungen in der Stadt und über die einzelnen Politiker. Als ich zu der Glacis-Bürgerinitiative ging hörte ich Hochinteressantes über die Bebauungspläne und den Grüngürtel. Als ich ins Bürgerhaus ging, wurden mir die Wünsche und Bedürfnisse der Ingolstädter-Senioren bewusst. Als ich zu den Brückenbauern stieß, lernte ich viel über die zahlreichen Migrantenvereine in der Stadt, die Kurden, die Thais, die Afrikaner, die Russen… Als ich zum Geburtstag einer mir sehr lieben Stadträtin eingeladen wurde, traf ich unter anderem auf Hauser und auf Janice Gondor. Es wurde viel über Architektur und Kunst gesprochen, insbesondere über das Museum für Konkrete Kunst. Das motivierte mich, noch einmal ins Museum zu gehen und einen neuen Zugang zu finden. Gestern habe ich eine Stadtführung mitgemacht und lernte auch viel über diese Stadt, in der ich schon seit 1980 lebe.

Fazit: Ich weiß immer mehr und will daher immer mehr wissen…

Janice Gondor: zum Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt.

Resume Das Angebot einer Stadt sollte von Überlegungen über menschliche Bedürfnisse ausgehen. Welche Bedürfnisse spielt die Kunst aus der Sicht der Bürger? Janice Gondor geht in ihrem Gastbeitrag auf diese Frage ein…

(…)Aus aktuellem Anlass (Neubau Museum für Konkrete Kunst) begebe ich mich nun tagtäglich in unterschiedlichste Diskussionen, stelle mich den Fragen und bin auch betroffen, aber vielleicht sollte nach der grossen Agonie die Frage aufkommen, warum ist denn die Entscheidung so und nicht anders gefallen, warum hat das MKK keine Mehrheit – nicht als Museum mit seiner Nische, der Konkreten Kunst, die ja letztendlich doch jeden der das MKK dann mal betritt, überzeugt. ABER – warum erst danach, warum ist in den vielen Jahren vor der grossen Geschichte einfach nicht mehr Leidenschaft, Stolz oder einfach nur Interesse in der Bevölkerung gewachsen. Denn letztendlich geht es nicht um das MKK und seine Sammlung – es geht um die Frage, wie wichtig ist uns Kultur, was bedeutet Kultur für eine Stadt, welche Möglichkeiten bieten kulturelle Räume – kommunikativ und aktiv genutzt, weltoffen und bürgernah? Sehr viel – denn auch das ist ein Begriff von Heimat, gezielt gesteuert, aber umso wichtiger in Zeiten der Heimatlosigkeit, wir leben wo wir Arbeit finden und nicht wo wir Zuhause sind. Wir brauchen Sport, Konsum und Kultur im Einklang, denn das verbindet Menschen – je nach Neigung und Interesse. Und dies ist ein sehr wesentlicher Aspekt für Ingolstadt, eine Stadt deren Bewohner sich in den vergangenen Jahrzehnten verdoppelt hat, deren Identität aber nicht in gleichem Maßen entstehen/wachsen konnte. In Richtung Zukunft geschaut hätte ein Museum eben Zeichen gesetzt, emotional wie architektonisch hätten wir der Stadt ein MEHR an Lebensqualität und Bildung bieten können – denn wir brauchen Fachkräfte!! Und woher bekommen wir die? Ja eine gute Bildung – sprich auch Kultur, sind die Grundfesten einer Gesellschaft.(…)       Der ganze Beitrag

Fazit: Wir brauchen die Kunst, gerade wenn sie uns perturbiert und zum Widerspruch herausfordert!

Weltverbesserung am Beispiel Ingolstadt

Resume 30 Jahre lang habe ich an der Verbesserung der Unterrichtsmethodik an Schule und Hochschule gearbeitet. Nachdem mir dieses Feld durch die Pensionierung entzogen wurde, bemühe ich mich um Optimierungen an meinem Lebensort.

1. Ingolstadt als günstiger Resonanzraum

Systemtheoretisch betrachtet ist Ingolstadt ein guter Resonanzraum. Mit 130.000 Einwohnern ist die Stadt groß genug, um viele Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Bildungsniveaus zu beherbergen. Es gibt diverse Szenen und Subszenen. Andererseits ist die Stadt nicht zu groß, so dass die besonders Interessierten sich immer wieder in unterschiedlichen Kontexten treffen und intensiven Austausch pflegen.  Wenn es einem gelingt, an verschiedenen Punkten des Systems (z.B. Parteien, Bürgerinitiativen, Kunstvereine, Migrantenprojekte, Volkshochschule) bestimmte Themen gezielt und redundant einzuspeisen, so ist die Chance groß, dass die entsprechenden Ideen aufgegriffen, diskutiert und verbreitet werden.

2. Welche Ideen?

Nach mehreren Jahrzehnten Reflexion über menschliche Bedürfnisse und Verhalten zweifele ich nicht daran, dass wenn man Strukturen egal welcher Art anbieten will (Stadtplanung, kulturelles Angebot, Schulsystem, Parteienstruktur) der erste Schritt darin besteht, sich mit dem Menschen und seinen Bedürfnissen intensiv zu befassen. Was braucht der Mensch um glücklich zu sein? Davon abgeleitet lassen sich Überlegungen über das Stadtbild und die städtische Architektur anstellen, Überlegungen über Fragen des Wachstums und des Energiekonsums, über Fragen der Ernährung und der Tierhaltung, usw… Es lassen sich im kleinen die Fragen angehen, die uns weltweit beschäftigen.

3. Die Akteure

Für die Aufnahme, Weiterentwicklung und Verbreitung von Ideen braucht man Akteure. Diese findet man in bestehenden Gruppen, wie beispielsweise Parteien, Vereinen oder sonstigen Assoziationen.  Es wäre naiv zu glauben, dass die Gedanken, die man vermitteln will, sofort verstanden und begeistert aufgegriffen werden. Man braucht ein bisschen Geduld, aber es lohnt sich dann sehr! Einige Gruppen liegen einem per se nahe und die Chancen, dass man auf Gehör trifft, sind dann besonders hoch. In meinem speziellen Fall (Vernetzung, Ökologie, Ressourcenorientierung) sind die Grünen die richtige Gruppe. Auch die Brückenbauer stehen mir naturgemäß sehr nahe. In anderen Bereichen (Volkshochschule, Bürgerhaus) bemühe ich mich ebenfalls, meine Ideen einzubringen.

Fazit: Wir stehen erst am Anfang, aber es ist sehr spannend!

Wie ich lehrend lerne. Am Beispiel Wittgenstein.

Auszug aus einem Gespräch im Kommentarteil meines Blogs, in dem ich von drei Denkpartnern gezwungen werde, mein Wissen zu vertiefen:

Dank an Andreas, an Magnus und an Wolfgang Schmidhuber

(…)

  1. „Philosophy is just a byproduct of misunderstanding language.“
    Oder wie Volker Linke es formuliert: „Philosophie ist das Kultivieren von Missverständnissen“.

    Eine schöner Satz … aber zum Glück hat ihn auch Wittgenstein selbst dann später ja korrigiert zum Konzept des Sprachspiels … denn da ist die Welt der Philosophie doch wesentlich besser beschrieben.

  2. @Andreas
    Die welt der philosophie ist ein riesensupermarkt: egal was mich beschäftigt – auch das randständigste -, ich finde immer etwas, auch an den entlegensten orten, das meinem momentanen interesse denknahrung liefert. Und manchmal ist es derselbe autor, der zwei gegenteilige impulse setzt: a) worüber man nicht sprechen kann, darüber soll man schweigen und b) die bedeutung eines wortes variert ad infinitum je nach kontext, was a) ad absurdum führt.

  3. @jean-pol martin
    Ich erkenne nicht warum Aussage b) Aussage a) ad absurdum führt.
    Aussage a) grenzt doch bloß ein, worüber wir reden können und über die Dinge, über die wir nicht reden können, können wir halt nicht reden oder „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“.
    Aussage b) sagt bloß, dass ein Wort keine absolute Bedeutung hat, sondern immer nur eine relative Bedeutung, abhängig vom Kontext. Aber es gibt hier etwas worüber wir reden können!

  4. @Magnus
    Ich müsste noch einmal genau nachschauen, warum ich den eintrag verfasst habe. (Bei the way damit merke ich auch, dass ich meine sätze ohne den Kontext auf Anhieb nicht verstehe!:-) Sobald ich das geklärt habe, melde ich mich hier wieder!

  5. @Magnus
    In seiner ersten Philosophie a) hat Wittgenstein die Theorie entwickelt, dass sinnvolle sprachliche Ausdürcke „Bilder“ der Wirklichkeit sind und dass nur wissenschaftliche Aussagen über die erfahrbare Welt sinnvolle Aussagen sind. In seinen späteren philosophischen Untersuchungen b) wandte er sich von der Bildtheorie ab. Stattdessen fordert er dazu auf, die Alltagssprache in ihrem vielfältigen Gebrauch zu untersuchen und den Gedanken einer eindeutig bestimmten Bedeutung sprachlicher Ausdrücke aufzugeben.
    (nach: Morgenstern/Zimmer, Treffpunkt Philosophie, 5, Wirklichkeit und Weltbilder).
    Ich denke, dass a) durch b) ad absurdum geführt wird. Weniger drastisch ausgedrückt: Wittgenstein hat seine Position geändert.

  6. Ich finde deine These immer noch schwierig zu verstehen .Ich fass das mal mit einem Beispiel zusammen. Es geht um das Wort „hier“. Dieses Wort erhält seine Bedeutung durch einen Kontext. Die möglichen Kontexte sind potentiell unendlich. Für Logiker hat das Wort keine Bedeutung, da ihm keine allgemeingültige   (weiter)…

67 Jahre Reflexion über glückbringende Strukturen

Auszug aus meiner Biographie:

Fleißig studieren, und dann das! – Daniel Cohn-Bendit

Ab Januar 1968 besuchte ich sehr pflichtbewusst die vorgeschriebenen Kurse. Es war meine letzte Chance und ich wollte mir nichts zuschulden kommen lassen. Auf dem Programm standen u.a. Fichtes Reden an die Deutsche Nation, Faust, Nietzsche. Nation und Elite, das passte ganz gut in meine Gedankenwelt. Wir behandelten auch Brecht und die Expressionistischen Dichter, auch das war in Ordnung. Ich wollte gute Noten bekommen und meine Prüfungen bestehen. Und gute Noten bekam ich auch. Schrittweise baute ich mein Selbstbewusstsein wieder auf, das in den vorangehenden Jahren so sehr gelitten hatte. Eines Tages, es war Mitte März, stieg ich in der Früh aus dem Bus, der uns von Paris nach Nanterre brachte, als ich zu meinem Entsetzen festellte, dass die schön weiß gestrichenen Wände der Eingangshalle mit schwarzen Grafitis versprüht waren. Es waren teilweise anarchistische Sprüche, (weiter)

20 Jahre später: der Gedanke der Freiheit

Zwei ehemalige, für mich sehr wichtige Schüler (Abitur 1991, wir haben drei Jahre intensiv zusammengearbeitet) haben gestern einen Kommentar in meinem Blog eingetragen, der mich sehr beschäftigt und in meiner Suche nach Perspektiven für die Zukunft bestärkt:

Es ist schon merkwürdig – unsere gemeinsame Zeit ist schon so lange her, aber bei der Lektüre Ihrer Biographie kam es uns so vor, als ob es ganz neu und frisch gewesen ist.

Ich lese mir die Artikel auf Ihrer Website immer wieder gerne durch – es kommt mir so vor, als ob sie etwas Befreiendes haben. Ich lebe in einer Umwelt aus wirtschaftlichen und machttaktischen Zwängen und vielleicht deshalb ist für mich das Anziehendste an Ihren Ideen der Gedanke der Freiheit.

Diese Einträge dienen nicht der Selbstbeweihraüchung sondern der Suche nach den Kriterien, die meine Arbeit für andere Menschen interessant macht. Dass sie von Lesern als befreiend empfunden werden kann, war mir nicht bewusst.

Maik Riecken zum Thema Alter, Tugend, Präsenz im Netz

Maik Riecken

Nehmen wir zwei Menschen: Beide haben den gleichen Grad an Tugendhaftigkeit erreicht. Einer ist jung, der andere alt. Wer wird mehr Menschen (jung und alt) über Tugend reflektieren lassen können?

Ich glaube, dass der Kampf darin besteht, sich im Alter seine öffentliche Präsenz zu erhalten, gerade weil die Physis vielleicht nicht immer so will.

Quelle

Aristoteles vs. Epikur (Eudaimonia)

Resume Für Aristoteles wie für Epikur stellt sich die Frage, wie man Leiden vermeidet und Glück mehrt.

1. Aristoteles: vollendetste Tüchtigkeit (proaktiv)

In der Regel ist man der Meinung, dass Aristoteles zur Führung eines guten Lebens die „mediocritas“ verstanden als „goldene Mitte“ empfiehlt:  keine Exzesse, Maß halten.  Wenn man aber folgende Passage aus der Nikomachischen Ethik (erstes Kapitel) liest, so entsteht ein anderer Eindruck:

Das oberste dem Menschen erreichbare Gut stellt sich dar als ein Tätigsein der Seele im Sinne der ihr wesenhaften Tüchtigkeit. Gibt es aber mehrere Formen wesenhafter Tüchtigkeit, dann im Sinne der vorzüglichsten und vollendesten“.

Es handelt sich hier – so zumindest interpretiere ich diesen Satz – als eine Leistungsethik, die zum Erreichen des Glücks höchste Anstrengungen und das Streben nach immer weiteren Gipfeln empfiehlt.

2. Epikur: sich bescheiden (defensiv)

Für Epikur ist Glück gleichzusetzen mit Schmerzfreiheit und Seelenruhe. In dem Brief an Menoikeus erläutert er:

Auch die Selbstgenügsamkeit halte ich für ein großes Gut, doch nicht, damit wir uns unter allen Umständen an wenigem genügen lassen, sondern damit wir uns mit wenigem zu begnügen vermögen, wenn wir nicht  viel haben.

Natürlich ist mir klar, dass Epikur sich im Gegensatz zu Aristoteles auf materielle Güter bezieht: man soll nicht nach mehr Genussmitteln streben als unbedingt notwendig, denn wenn sie nicht mehr vorhanden sind, dann vermisst man sie schmerzhafter als wenn man sie nie genossen hätte. Dennoch lässt sich diese Haltung auch auf andere Bereiche übertragen: lieber bescheiden und genügsam leben als „nach den Sternen greifen“ mit den Gefahren eines Absturzes.

Fazit Temperamentssache? Die Frage hat mich schon in der Vergangenheit beschäftigt.